Nur ein paar Gedanken …

Was wäre,
wenn all die Zeit und Energie,
die täglich für optimierte Selfies verwendet wird,
stattdessen eingesetzt wird
um unsere Welt so zu zeigen,
wie sie ist,
mit all ihren Schönheiten,
und auch all dem,
was Menschen daraus gemacht haben.

Würden die Menschen hinsehen?

Würden sie Scham darüber empfinden,
dass die Krone der Schöpfung
sich in Kriegen, Konflikten, Umweltzerstörung, Gier, Neid, Missgunst, Vorurteilen, Ausbeutung und Unterdrückung jeglicher Art verstrickt?

Daran ist nichts edel oder besonnen,
nichts so, wie es einer Krone der Schöpfung gerecht werden würde.
Eher noch einer Dornenkrone,
die schmerzt.

Vielleicht braucht es Schmerz,
damit es anders werden kann.

Vielleicht braucht es den Schmerz einer Geburt,
damit etwas Neues entstehen kann,
damit die Menschen lernen,
sich nicht von Oberflächlichkeiten verführen zu lassen,
sondern tiefer zu blicken,
und ihre Rolle in dieser Welt neu zu definieren
als Hüter:in der Schöpfung.

Aus großer Macht erwächst große Verantwortung.

Sind wir bereit,
diese Verantwortung zu tragen?
Über den eigenen Tellerrand hinauszublicken?
Über die eigene Lebensspanne?
Über Bequemlichkeiten?
Über Unterschiede?

Es ist längst an der Zeit
hinzusehen,
zu erkennen,
dass uns mehr verbindet
als uns trennt.

Es ist an der Zeit,
dass die Flucht vor der Realität endet,
das wir hinsehen,
hinhören,
uns einfühlen,
erwachsen werden
und Verantwortung übernehmen.

Uns wurde ein Paradies gegeben.
Es liegt an uns,
dieses zu bewahren.

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NACHSCHLAG ZUM WELTFRAUENTAG

Am 8. März saß ich bei meiner Friseurin. Sie ist alleinerziehende Mutter und Unternehmerin. Eine moderne, unabhängige Frau. Während ich bei ihr war, zeigte sie mir etliche Nachrichten, die sie über whatsapp erhielt. Glückwünsche zum Weltfrauentag, jede Menge Blümchen und Herzchen in der Art von Valentinstag oder Muttertag, süßlich naiv, die von meiner Friseurin allesamt in der Art von „Haben die denn keine Ahnung, worum es beim Weltfrauentag geht?“ kommentiert wurden.

Zum Drüberstreuen erzählte sie mir noch die Geschichte einer Frau, die sich gefragt hat, warum Männer in den sozialen Medien positive Rückmeldungen bekommen ohne geschminkt zu sein und ob das auch bei Frauen möglich wäre. Also machte sie von sich und ihrem Freund ein ungeschminktes Foto und stellte es online. Was kam, war teilweise erschreckend, um nicht zu sagen: unverschämt. Sie wäre unterdurchschnittlich hübsch. Wie könne sie es wagen, sich ungeschminkt zu zeigen. Das Ergebnis dieses Experiments: Sie tritt nur noch geschminkt vor die Kamera.

An diesem Punkt der Erzählung legte sich in mir ein Schalter um und ich begann meinerseits, mir Fragen zu stellen.

Drehen sich unsere Vorfahrinnen im Grab um, wenn sie das mitbekommen? Sie kämpften für das Recht auf Selbstbestimmung, Bildung, das Wahlrecht, Arbeiten gehen zu DÜRFEN, um aus der Abhängigkeit der Männer zu entkommen … Was würden sie darüber denken, müssten sie miterleben, wie moderne Frauen sich vorrangig über ihr Aussehen definieren?

Auf der einen Seite gibt es nach wie vor den Gender Pay Gap, verdienen Frauen bei gleicher Arbeit weniger als Männer. Auf der anderen Seite wird eine ungeschminkte Frau als unattraktiv wahrgenommen. Für mich geht das nicht zusammen. Das Aussehen sagt absolut nichts über Charakter oder Können einer Person aus. Aber wenn Frauen nicht mal mehr ungeschminkt den Müll rausbringen, damit niemand sieht, wie sie wirklich aussehen, dann sagt mir das einiges über das Selbstbewusstsein (oder das Fehlen desselben) jener Frauen.

An diesem 8. März wurde mir so richtig bewusst, dass es ein Diktat des Aussehens gibt und zu viele Frauen sich diesem unterwerfen. Sie öffnen bereitwillig Tür und Tor für Manipulation und Fremdbestimmung, lassen ihren Wert von anderen bestimmen. Das hat nichts mit Selbstbewusstsein oder Charakterstärke zu tun, doch genau das bräuchte es, damit Frauen respektiert werden und Gleichstellung eine gelebte Realität wird… auch ohne Binnen-I. Das Bewusstsein einer Gesellschaft zu verändern braucht mehr, als den perfekten Lidstrich. Es braucht Menschen, die Werte leben, auch bei unfreundlichem Gegenwind.

Wieder einmal bin ich unendlich dankbar dafür, dass es Menschen (Frauen und Männer) in meinem Leben gibt, denen es völlig gleichgültig ist, ob ich geschminkt bin oder nicht. Sie schätzen mich für meinen Charakter, meinen Humor und weil ich die bin, die ich bin … ungeschminkt und selbstbestimmt.   

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FRAGEN ÜBER FRAGEN

Zu Beginn dieser Woche folgte eine unerfreuliche Nachricht der anderen. Ohne ins Detail gehen zu wollen, es kam von allen Seiten: Familie, Job, Behörden … irgendwie schienen sich alle hinter meinem Rücken verschworen zu haben, mir den Nerv zu ziehen.

Dreimal tief durchatmen und weitermachen.

Mittlerweile hat sich das Bild gewandelt. Lösungen entstehen und ich atme – diesmal gelassener – durch. Nebenbei frage ich mich:

Fügt sich alles zum Guten, weil ich tief in meinem Innersten davon überzeugt bin, dass das Leben stets einen guten Weg findet?

Oder habe ich diese Überzeugung aus Erfahrung gewonnen, weil sich bislang stets eine gute Lösung fand?

Oder sind gute Lösungen (ebenso wie ihr Gegenteil) stets Teil der Realität und es liegt an mir, sie zu wählen?

Oder ist vielleicht alles ganz anders?

Welch wunderbare Gelegenheit, um Fragen zu stellen, auf die es keine Antworten gibt… zum Glück keine Antworten gibt. Ich will es auch gar nicht wissen. Ich MUSS es NICHT wissen. Es ist unglaublich befreiend, nicht wissen zu müssen, warum sich alles so gefügt hat, wie es das tut.

Henne oder Ei?

Erschaffe ich die Realität oder bin ich Produkt?

Für beide Standpunkte gibt es Theorien, doch wie es tatsächlich ist, werden wir nie wissen. Diese Unwissenheit lässt Raum für die Suche, für Gedankenspiele, für Entwicklung. Raum für etwas, das sich dem menschlichen Verstand entzieht und das man nur fühlend erfassen kann. Raum für die nicht zu erklärende Überzeugung, dass es gut ausgehen wird.

Optimismus?

Ist es nicht die Natur jedes lebenden Wesens, optimistisch zu sein? Die kleinste Chance zu nutzen, um zu wachsen und aufzublühen? Sich über alle Schwierigkeiten, Zweifel und Ängste hinwegzusetzen und dem Licht entgegenzustreben?

Sind wir nicht alle geborene Optimisten? Was lässt uns von diesem Weg abkommen? Und wie finden wir wieder zurück?

Fragen, auf die es keine Antworten gibt, doch darüber nachzudenken, öffnet mitunter neue Horizonte. Ich wünsche eine spannende Gedankenreise 😉

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WAS BIN ICH WERT?

… oder anders formuliert: Was ist mein Selbstwert?

In den vergangenen Tagen begegnete mir in unterschiedlichsten Situationen ein Thema: Selbstwert. Bei näherer Betrachtung ein omnipräsentes Thema und ein guter Anlass, ein paar Gedanken darauf zu verwenden.

Selbstwert bezeichnet man die grundlegende Einstellung, die wir uns selbst gegenüber haben (wie wir uns selbst bewerten) – und (nach meiner bescheidenen Ansicht nach) eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Mangelnder Selbstwert bzw. mangelndes Selbstwertgefühl sind Auslöser für eine Menge Leid auf diesem Planeten.

Betrachten wir es mal nüchtern:

Menschen mit einem gesund ausgeprägtem Selbstwert(gefühl) sind mit sich selbst im Reinen. Sie haben es nicht nötig, anderen bei jeder Gelegenheit unter die Nase zu reiben, wer sie nicht sind und was sie nicht alles haben. Sie entwerfen keine optimierte Form von sich selbst, um das Ergebnis x-fach zu teilen und Anerkennung einzuholen. Sie müssen weder prahlen noch protzen, brauchen kein Selbstdarstellertum, um jemand zu sein. Ebenso wenig müssen sie andere runterdrücken (oder mobben), um sich selbst als besser oder überlegen wahrzunehmen.

Ein gesundes Selbstwertgefühl sollte nicht mit überzeichnetem Selbstwert verwechselt werden. Viele Menschen, die ihr ausgeprägtes Selbstbewusstsein zur Schau stellen, haben in Wahrheit keine so gute Beziehung zu sich selbst wie sie gerne hätten und lenken davon ab.

Mangelndes Selbstwertgefühl öffnet Tür und Tor um von anderen ausgenutzt oder gar ausgebeutet zu werden, sich von Energievampiren und Karmastaubsaugern runterziehen zu lassen. Oder in die Selbstausbeutung zu gehen. Mehr und immer mehr zu leisten, nur um den mangelnden Selbstwert mit Anerkennung aus dem Außen vorübergehend aufzubessern.

Bevor die Liste dessen, was mangelndes Selbstwertgefühl auslöst, zu lang wird (und sie könnte noch sehr viel länger werden), ein kleiner Richtungswechsel.

Was braucht es, damit ein Mensch zu sich selbst eine gute Einstellung entwickelt? Sich selbst mit allen Stärken und Schwächen, Licht- und Schattenseiten, bedingungslos annimmt? Bedingungslos bedeutet in diesem Fall nicht „so bin ich und so bleibe ich für immer und ewig“, sondern nur, ich nehme mich so an, wie ich jetzt bin. Wenn ich mich weiterentwickeln möchte, ist das ebenso in Ordnung wie es nicht zu tun. Der Auslöser für die Weiterentwicklung ist nicht das Gefühl, unzureichend, schlecht oder dergleichen zu sein, sondern der Wunsch, Neues zu integrieren.

In meiner Wahrnehmung ist ein gesunder Selbstwert ein geerdetes Gefühl mit einer großen Portion Pragmatismus, intrinsischer Lebensfreude und verspielter Leichtigkeit. Ein absolut „natürliches“ Gefühl. Ungefähr so, als wäre es das selbstverständlichste auf diesem Planeten, ein gesundes Selbstwertgefühl zu besitzen, und alles andere irgendwie „unnatürlich“ oder künstlich.

Täglich begegnen mir Menschen, die offensichtlich ein Thema mit ihrem Selbstwertgefühl haben. Die es über Status, Besitz, Aussehen etc. aufzupeppen versuchen, doch wenn ich in ihre Augen blicke, sehe ich nur Leere, keine Lebensfreude, keine Selbstliebe. Manchmal entdecke ich Leid, Schmerz, oder auch Wut, Frust, Verzweiflung, Resignation. Niemals Gelassenheit oder Leichtigkeit. Mitunter frage ich mich, warum Menschen mehr daran interessiert sind, (vergängliche) Werte im Außen zu vermehren als jenen Wert im Inneren, der in herausfordernden Zeiten ein Fels in der Brandung bildet, einen Rückzugsort, eine Energiequelle, etwas, das nicht ansatzweise in Geld zu bemessen ist.

Wie ich mich selbst bewerte?

Ich bin so, wie ich bin, genau richtig. Neugierig darauf, noch mehr Facetten von mir selbst zu entdecken.

Liebe deinen Nächsten WIE DICH SELBST.

LIEBE DICH SELBST wie du bist – perfekt darin, unvollkommen zu sein.

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1 zu 10

In der vergangenen Woche ist ein Thema mehrfach in meinem Leben aufgetaucht. Unterschiedliche Situationen, aber ein gemeinsamer Kern, den ich als „Erfahrungskonto“ bezeichne. Vereinfacht gesagt, sammeln sich auf diesem Erfahrungskonto Erlebnisse der Kategorien „schmerzvoll“ ebenso wie „liebevoll“ an. Diese Erfahrungen prägen das innere Bild eines Menschen, seine Haltung, Einstellungen, Glaubenssätze, … einfach alles, bis hin zur Gesundheit.

Meine weise Nachbarin Lucy sagte einst zu mir:

„Um den Impact einer negativen Erfahrung in dir auszugleichen, brauchst du 10 positive Erfahrungen.“

Daraus habe ich für mich abgeleitet:

Für jeden schmerzvollen Moment in meinem Leben braucht es 10 liebevolle, um die Wunden zu heilen, zu lernen, zu wachsen, neu Vertrauen zu fassen und zurück in eine positive Grundhaltung zu finden … zurück in die Umarmung des Lebens.

Eigentlich eine ziemlich einfache Sache: steigere die Anzahl der liebevollen Momente in deinem Leben und mit der Zeit wird das Schmerzvolle quantitativ abnehmen, irgendwann nur noch eine Randerscheinung sein.

Eigentlich aber auch eine ziemlich herausfordernde Angelegenheit: zu erkennen und zu akzeptieren, dass liebevolle Momente (und Gedanken) zur Selbstheilung (von Körper, Geist und Seele) beitragen können, ist nur der erste Schritt. An der Umsetzung – vor allem der emotionalen – hängt der Erfolg. Liebevolles Denken und Fühlen zur alltäglichen Routine werden zu lassen, um gelebte Momente auf seinem Erfahrungskonto zu verbuchen.

Viele Jahre steckte ich in der Verstandesschiene fest. Positive Gedanken zu formulieren war einfach, doch die Gefühle dahinter waren häufig Unsicherheit, Furcht, Zweifel. Irgendwann lernte ich, positive Gedanken so intensiv zu rezitieren, dass sie in die emotionale Ebene hinein zu wirken begannen, aber es war immer noch kopfgesteuert. Erst vor einigen Jahren begann ich, zuerst das Gefühl zuzulassen, aus dem sich danach Gedanken formten. Alle meine Geschichten und Gedichte entstehen auf diese Weise.

Es beginnt stets im Gefühl.

Negativen Ereignissen oder Worten auszuweichen ist im Alltag nahezu unmöglich. Doch ich kann die Wirkung, die sie auf mich haben, minimieren, indem ich sie einerseits relativiere, und andererseits für reichlich Gegengewicht in Form liebevoller Gedanken und Gefühle sorge.

Liebevolle Gefühle und Gedanken wirken auf mich und über mich hinaus auf andere Menschen, mein Umfeld.

Selbstheilung ist für mich ein aktiver, lebenslanger Prozess nach der Formel „1 zu 10“. Um den Zustand des Seelenfriedens inmitten einer Welt voller Konflikte und Disharmonien zu erhalten, braucht es mein Zutun. Lasse ich mich treiben, wird mich der Strudel des Mainstreams verschlingen und in seinen emotionalen Untiefen aus Zweifel, Mangeldenken, Ausgeliefertsein den Umständen … ziehen. Will ich mir meine Insel der Lebensfreude, Zuversicht und Gelassenheit bewahren, so schwimmt diese auf liebevollen Gedanken und Gefühlen.

Die Realität rundum ist, wie sie ist. Selten durch mich zu verändern. Doch es gibt in meinem Leben Menschen, an die ich jederzeit einen aus einem liebevollen Gefühl geborenen Gedanken richten kann. Je öfter ich dies tue, desto mehr heile ich mich selbst.

Wer selbstlos gibt, lässt los – ersetzt das Schmerzvolle durch das Liebevolle.

Ein aus einem liebevollen Gefühl geborener Gedanke ist wie ein Sonnenstrahl, der nach einer dunklen Nacht die Nebel der Ungewissheit vertriebt und dem Leben neue Farben und Zuversicht schenkt.

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FREI

Tagebucheintrag 28.01.2023

Weckruf 03:30 Uhr. Im Schneefall zum Bahnhof gefahren. Um 04:46 Uhr in die Straßenbahn nach Wien eingestiegen, danach in den Zug nach Salzburg und weiter ins Gasteinertal zum Skifahren. Irgendwo zwischen Linz und Salzburg, dösend in der Quiet Zone, war da plötzlich ein unglaublich intensives Gefühl in mir, das sich in vier Buchstaben fassen lässt: FREI.

Ich fühlte mich frei.

Frei mein eigenes Leben zu leben, so wie ich mir das vorstelle. Früher dachte ich immer, um sich frei zu fühlen, muss man so viel Geld haben, das man keinen Job mehr braucht und tun und lassen kann, was man will. Geld mag diese Art von Freiheit unterstützen, aber würde ich mich dann auch frei fühlen?

Meine Form der Freiheit ist eine gefühlte, die auf folgenden Erfahrungen und Überzeugungen beruht:

  • Ich weiß, wer ich bin, was ich kann und will – und das in mir noch so einiges steckt, das entdeckt werden will.
  • Mein Job sorgt für ausreichend Einkommen um mir zu erlauben mein Leben so zu gestalten, wie ich es möchte. Niemand zwingt mich, diesen Job zu machen. Ich könnte was anderes tun oder gar nicht mehr arbeiten und von Sozialhilfe leben … alles MEINE Entscheidungen.
  • Zusätzlich bietet mir mein Job auch die Möglichkeit, meine Fähigkeiten auszuleben, mich weiterzuentwickeln und das Ganze auch noch mit einem tollen Team.
  • In meiner Freizeit mache ich, was mit gefällt und mir gut tut … kreatives, sportliches, lebendiges, viel in der Natur draußen.
  • Mein materieller Besitz hat sich in den vergangenen Jahren reduziert. Alles, was nicht mehr zu mir passt, wird verschenkt oder über Second-Hand-Plattformen verkauft. Obwohl ich weniger besitze als früher, fühle ich mich zufriedener denn je zuvor. Ich habe mehr, als ich brauche, verzichte nur auf Unnötiges und Überflüssiges.
  • NIEMAND setzt mich in irgendeiner Form unter Druck – nicht mal mehr ich selbst. Mir ist heute bewusst, dass Druck und die damit verbundene Überlastung der Auslöser für die meisten meiner Borderline-Dramen war.
  • Ich muss niemandem (auch nicht mir selbst) irgendetwas beweisen oder jemand überzeugen.
  • Heute lebe ich ALLE Aspekte (oder Anteile) meiner Persönlichkeit und siehe da, es gibt sogar Menschen, die mich genau deshalb schätzen.

Über „Freiheit“ wurde und wird seit Jahrtausenden diskutiert und philosophiert. Es gibt unterschiedliche Definition. Ob es tatsächliche „Freiheit“ in unserer heutigen regulierten, limitierten, kontrollierten, normierten Welt noch gibt, mag ich nicht beurteilen. Aber ich bin überzeugt, dass es möglich ist, sich FREI zu fühlen, und dass diese nicht zwangsläufig von den äußeren Umständen abhängt.

Freiheit ist für mich eine innere Haltung, eine bewusste Entscheidung, eine gefühlte Gewissheit.

„Niemand kann dich befreien, wenn du die Freiheit nicht in deinem Herzen fühlst.“

Mein Baum der Freiheit hat kräftige Wurzeln, die tief in Dankbarkeit und Zufriedenheit verankert sind; einen stabilen Stamm, der die Realität durchdringt und eine mächtige Krone mit unzähligen Ästen voller Blätter, bunter Blüten und tanzender Schmetterlinge.

Mein Leben lang habe ich mich nach danach gesehnt, mich frei zu fühlen. Heute Morgen war das Gefühl plötzlich da, einfach so.

Kurz nach 20 Uhr tippe ich die letzten Zeilen dieses Beitrags, müde von einem langen, anstrengenden und zugleich wunderbaren Tag … frei im Geist, frei im Herzen.

Bild: https://pixabay.com/de/photos/baum-natur-landschaft-3124103/

UNERWÜNSCHTE NEBENWIRKUNGEN

Die vergangene Woche reihe ich für mich in die Rubrik „offene Aufgaben“, denn diese unerwünschten Nebenwirkungen würde ich mir künftig gerne ersparen. Worum es geht?

4 Wochen lang durchgängig Kopfschmerzen zu ignorieren, weil gerade zu viel zu tun ist, weil gerade etwas anderes wichtiger ist, weil … ist nicht gerade ein Beweis für lebensnahe Umsetzung erworbener Weisheit. Eher dafür, dass ich ganz schön stur sein kann – und konsequent im Ausblenden von Schmerzen. Jahrzehntelanges Training macht es möglich. Schmerz? Ausblenden und weitermachen. Von Jugend an tradiertes Verhalten verändern? Im Kopf schnell entschieden, in der Umsetzung … naja.

Bei mir hat sich das konsequente Ausblenden einer kleineren Ursache wie Verspannungen im Nackenbereich zu einem größeren „Problem“ ausgeweitet. Die Migräne konnte ich noch gut wegstecken. Als ich anfing, den drängenden Wunsch zu verspüren, irgendjemand den Kopf abzureißen und zunehmend gereizt wurde, zog ich die Notbremse. Mittlerweile waren die Verspannungen über den gesamten Rücken extrem schmerzhaft. Also … raus aus den Belastungen, Entspannungsprogramme wie heißes Bad, diverse Wärmesalben, Wärmepflaster, Shakti-Matte, Shiatsu-Massage. Hat allesamt wenig genutzt. Ab zum Arzt und – nein, keine Spritze, ich hasse Nadeln, die in mich hineinpieksen – ein Muskelrelaxans geholt. Da ich so gut wie nie Medikamente nehme, war die Wirkung der ersten Tablette bereits „umwerfend“.

Immerhin wurde mein Kopf frei, um darüber nachzudenken, warum ich neuerlich die „Steig mal auf die Bremse“-Signale meines Körpers so lange ignoriert habe. Ein schlüssiger Grund für mich liegt in besagter Fähigkeit, Gefühle wie z.B. Schmerz auszublenden, um leistungsfähig zu bleiben. Es gab Zeiten in meinem Leben, da war diese Fähigkeit hilfreich, um z.B. im Sport trotz kleinerer Blessuren weiterzumachen. Ich war keine, die auf „Schwalbe“ gemacht hat, und beim Basketball bekommt man schon den einen oder anderen Ellbogen ab. Von wegen „kontaktloser Sport“. Unmöglich nachzuzählen, wie oft ich im Krankenhaus gelandet bin mit Bänderverletzungen, Prellungen … Richtig auskuriert habe ich davon so gut wie keine, was ich heute noch spüre. Aber damals verdrängte ich den Schmerz, trainierte weiter, wollte unbedingt dabei sein, Anerkennung bekommen, ganz gleich, um welchen Preis.

Schmerz auszublenden, wurde zu einer unerwünschten Nebenwirkung meiner Suche (oder Sucht) nach Anerkennung aufgrund mangelndem Selbstwertes und fehlenden Selbstvertrauens.

Heute mangelt es mir weder an Selbstwert, Selbstvertrauen noch Selbstliebe, doch die unerwünschte Nebenwirkungen ist noch immer da, wenn ich – so wie zuletzt – zu wenig Achtsamkeit auf mich selbst verwende. Ich vermute auch, dass meine Körperchemie ihren Teil dazu beiträgt, dieses alte Muster aufrecht zu erhalten. Was ich über die Ausschüttung von körpereigenen Schmerzmitteln, Glückshormonen & Co weiß, lässt mich schlussfolgern, dass hier einiges zwar hocheffizient, aber letztendlich kontraproduktiv für mich abläuft. Vereinfacht gesagt: biochemische Belohnung fürs Durchhalten verhindert (zeitgerecht) eine vernunftgesteuerte Entscheidung. Tricky – aber veränderbar.

Routine nimmt uns viele kleine Entscheidungen im Alltag ab, was enorm entlastet. Routine führt aber auch dazu, unerwünschte Nebenwirkungen am Laufen zu halten. Routine zu verändern, erfordert Energie, Zeit und (damit nicht neuerlich Unerwünschtes sich einnistet) Aufmerksamkeit.

In diesem Sinne … auf eine neue, achtsame Woche … mit einem Kunstwerk meiner Ergotherapeutin aus 1 m pinkfarbenem Kinesio-Tape auf meinem Rücken. Die Verspannungsroutine meiner Muskulatur mittels 24-Stunden-Impuls wieder zu lockern, überlasse ich gerne dem Tape, damit meine Achtsamkeit sich dem zuwenden kann, was in meinem Kopf so alles „routinemäßig verspannt“.

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APROPOS VERÄNDERUNG

Veränderung ist die einzige Konstante im Universum. Alles verändert sich ständig. Nichts bleibt, wie es in diesem Augenblick ist.

Stillstand oder Stagnation sind demnach nur eine Illusion, die künstlich erzeugt und aufrecht erhalten wird. Menschen können wahre Meister darin sind, in dieser Illusion zu verharren.

Aber um welchen Preis?

Wer in der Vergangenheit lebt (quasi im fiktiven Stillstand) verzichtet auf das, was Leben ausmacht: Lebendigkeit, die nur in der Gegenwart existieren kann. Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft noch ungeboren. Leben(digkeit) findet im Hier und Jetzt statt.

Warum fürchten wir Veränderungen so sehr? Weil sie das Unbekannte bringt, das unkontrollierbar sein könnte, dass uns Schaden zufügen könnte …

Warum wollen wir das Leben unter Kontrolle halten? Weil es an Vertrauen mangelt, das wir mit dem, was kommt, auch klarkommen. Weil die Vergangenheit uns allzu oft anderes gelehrt hat …

Warum etwas fürchten, ohne das wir gar nicht an dem Punkt angekommen wären, darüber nachzudenken? Niemand von uns kam als erwachsener Mensch in dieses Leben.

Veränderung ist, was uns bestimmt. Nicht mehr und nicht weniger. Es liegt an uns, was wir aus dem machen, das Veränderung mit sich bringt.

Wir werden Veränderungen nicht aufhalten, aber wir können mit ihnen wachsen.  

Stillstand ist nur eine Illusion. Leben bedeutet Veränderung. Umso wichtiger ist es, jeden Augenblick zu (er)leben, denn kein einziger wird in dieser Form wiederkehren – ob wir uns nun davor fürchten oder diese Tatsachen als gegeben nehmen und umarmen, was kommt.

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GANZ NORMAL

Über den Begriff „normal“ philosophiere ich nahezu täglich. Vor allem, wenn Tage wie dieser meinen Weg säumen: Morgens in der Bahn konstruiere ich vor meinem geistigen Auge ein Konzept, komplexe Prozessabläufe inkludiert und Parameter für die Qualitätssicherung, ohne auch nur einen Strich auf Papier zu machen oder etwas in eine Datei zu tippen, während ich zeitgleich meditativer Klaviermusik lausche. Nebenbei beobachte ich die Menschen rundum, nehme immer noch zu viel von ihren zumeist völlig unangebrachten Telefonaten im öffentlichen Raum wahr, staune (nette Formulierung 😉) über das, wofür sie ihre Zeit und Worte verschwenden. Eine Phrase triggert meine Kreativität und ich schreibe (nebenbei) in eine Notiz folgendes Gedicht:

Aum Limit renna is oafoch.
Imma mehr, imma schnölla.
Losst di s’Lebn intensiv gspiarn,
füht se kroftvoih aun,
is oba nua de oane Seitn von da Medäun.
In da Ruhe liegt de Kroft,
host a scho moi ghert .
Gaunz vüh Kroft liegt a in da Stüh
de zwo teun,
net wei sa se nix mehr zum sogn haum,
sundarn weus koane Wuart mehr brauchen
und den aundarn oafoch gspiarn
im Herzen drin.

Hier die Übersetzung für jene, die mit zentralösterreichischer Mundart (eine meiner Herzsprachen) eine Herausforderung erleben:

Am Limit rennen ist einfach,
immer mehr, immer schneller,
lässt dich das Leben intensiv spüren,
fühlt sich kraftvoll an,
ist aber nur die eine Seite der Medaille.
In der Ruhe liegt die Kraft,
das hast du schon mal gehört.
Ganz viel Kraft liegt in der Stille,
die zwei teilen,
nicht, weil sie sich nichts mehr zu sagen haben,
sondern weil sie keine Worte mehr brauchen,
und den anderen einfach spüren
in ihrem Herzen drin.

… und schon geht’s weiter mit der Feinarbeit am Konzept, betrachte ich die vorbeiziehende Landschaft, übe mich im Ignorieren des Unwesentlichen. Inmitten all dessen verharre ich in meiner Bubble um die (emotionale) Energie von jenen Menschen auszusperren, deren Sätze das Gegenteil von gewaltfreier Kommunikation (nach Marshall Rosenberg) darstellen – und denen dieser Umstand vermutlich nicht einmal bewusst ist.

Ich betrachte mich selbst als „normal abseits der Norm“ oder [nicht] ganz alltäglich. Gemessen am Verhalten der normgebenden Masse bin ich alles andere als „normal“.

Wenn ich mit Angehörigen von Borderlinern spreche, höre ich häufig den Wunsch heraus, die Betroffenen mögen „normal“ werden.

Normal?

In welchem Sinne normal? Der normgebenden Masse entsprechend? Das halte ich für schwierig, ohne sich selbst aufzugeben. Für mich ist es normal, zwischen Gedanken extrem schnell hin und her zu springen, mich von Eindrücken inspirieren zu lassen, über Analogien neue Ideen zu entwickeln, aber ich kann mir gut vorstellen bzw. erlebe das im Alltag, das viele davon schlichtweg überfordert sind, wenn ich das, was ich im Kopf habe, eins zu eins mit anderen zu teilen versuche. Auf der anderen Seite kann ich derart fokussiert in einer einzigen Aufgabe versinken, dass ich nichts mehr um mich wahrnehme. Die normgebende Masse empfinde ich häufig als mühsam, langweilig, träge, unflexibel, problemorientiert … das bedeutet nicht, dass ich diese Menschen abwerte, aber ich bin einfach anders. Anpassung an die „Normalität“ ist möglich, aber anstrengend.

Die meisten Borderline, die ich bis dato kennengelernt habe, tragen in sich ein ähnlich komplexes Potenzial an Kreativität, Emotionalität, … auch sie sind „anders normal“. Sie in eine „normale Normalität“ zu zwingen, kann und darf niemals das Ziel einer Therapie sein, denn es wäre – meiner Ansicht nach – ein ultimativer Akt der Selbstverletzung.

Mir geht es gut, ich fühle mich ausgeglichen (manchmal etwas überarbeitet, weil zu lange am Limit, aber irgendwie ist das auch reizvoll, auf jeden Fall bewusst 😉) und mein Leben funktioniert, WEIL ich „normal abseits der Norm“ lebe. Mein Heilwerdung begann in dem Augenblick, in dem ich entschied, nicht mehr sein zu wollen wie die anderen, sondern einfach ICH selbst. In der für mich  grauen Welt öffnete sich eine Tür und ich holte jenes farbenprächtige Erleben in die Realität, das ich bislang in mir verborgen hatte.

Deshalb heute mein Appell an alle Borderline, Angehörige und jeden Menschen, der dies liest:

Sei, wer du bist! … wer du immer warst und immer sein wirst, ganz tief in dir drin, BEVOR all das in deinem Leben geschah, das dich den Glauben an dich selbst und das Vertrauen ins Leben und die Menschen verlieren ließ. Kehre zurück zum Ursprung, zur immerwährenden Quelle deiner Kraft, an den Punkt, der dich mit dem Leben verbindet, und du wirst alles finden, was du für deinen Weg brauchst: Liebe, Lebendigkeit, Lebensfreude, Leichtigkeit … all das ist in dir und wird es immer sein. Du musst es nur (wieder)finden.

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IN BESTER GESELLSCHAFT

Vor wenigen Jahren verstarb John Nash leider viel zu früh bei einem Autounfall. Er bekam den Mathematiknobelpreis verliehen – und litt beinahe sein ganzes Leben an paranoider Schizophrenie, was ihn nicht davon abhielt, herausragende Leistungen zu erbringen. Elon Musk hat eine Form des Asperger Autismus, was ihn nicht davon abhielt, reichster Mensch der Welt zu werden. Lesley B. Strong, in die Umarmung des Lebens zurückgekehrte Borderlinerin, befindet sich also in bester Gesellschaft.

Also, nicht das ich vorhabe, demnächst die reichste Frau der Welt zu werden. Auch die Verleihung des Literaturnobelpreises sehe ich punkto Wahrscheinlichkeit knapp hinter „von einer Kokosnuss erschlagen während man von einem Hai gefressen wird“ rangieren. Aber ich bin eine von denen, die offen und ohne Scham über ihr „Thema“ sprechen. Insofern in bester Gesellschaft.

In diesem Blog heute möchte ich aber nicht präsentieren, was ich für mich so alles erreicht habe, sondern daran erinnern, was am Anfang dieses Weges stand – und bei vielen anderen noch steht.

Als Kind hatte ich kaum Freunde, weil ich anders war. In der Schule wurde ich gemieden. Oft konnte ich nicht so agieren und reagieren wie die anderen. Ich war anders – und ich war viel allein. Eines Tages sagte ich zu meiner Tante, ich wäre eine Einzelgängerin. Sie gab mir zu verstehen, dass ich keine Ahnung hätte, was das überhaupt ist. In gewisser Weise hatte sie Recht: ich hatte keine Ahnung – wie ich anderen nachvollziehbar begreiflich machen konnte, was in mir drin vorging.

Ich fühlte mich allein – beinahe mein ganzes Leben lang

Heute, nachdem ich die Lebensmitte überschritten habe, baue ich mir jenes soziale Umfeld auf, das eigentlich von Beginn an hätte selbstverständlich sein sollen: ein Umfeld, in dem ich mich angenommen und erwünscht fühle. Anders als jenes Umfeld, das ich erlebt hatte, und in dem ich akzeptiert und geduldet fühlte.

Dieser Beitrag am 4. Adventsonntag will daran erinnern, dass es da draußen Kinder gibt, die sich „anders“ fühlen, aber an der Kommunikation scheitern. Wie sollte es auch anders sein? Es sind Kinder, die fühlen, aber diese Gefühle nicht zuordnen können, nicht die passenden Worte finden, nicht die Denkmuster der Erwachsenen kennen und daher auch nicht wissen, was sie sagen müssen, um verstanden zu werden.

Ob nun eine Krankheit, eine Störung oder die Folgen frühkindlicher Traumatisierungen dazu führen, dass diese Kinder „anders“ sind, sie alle brauchen ein Umfeld, in dem sie sich geborgen fühlen, angenommen als die, die sie sind; geliebt um ihrer Selbstwillen.

„Anders“ zu sein, bedeutet nicht automatisch, im Leben zu versagen, eine dauerhafte Last zu sein, ein Problem, Fehler oder welche krummen Gedanken sonst noch in den Köpfen von Menschen entstehen können.

„Anders“ zu sein bedeutet, ein Individuum zu sein, einzigartig, auf seiner eigenen Reise durchs Leben unterwegs zu sein. Kein Klon, keine Kopie, sondern ein Original, in bester Gesellschaft unter Menschen, die sich ihrer Individualität bewusst sind und authentisch auf ihren Pfaden durch die Welt wandern.

„Echt“ sein heißt das Ziel.

Unter „echten“ Menschen fühle ich mich in bester Gesellschaft.

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