HEILE DICH SELBST

… dieser Satz ist mir vor ein paar Tagen begegnet. Ein nicht ganz neues Thema, zu dem so einiges Material gibt. Ein Thema, dem ich zustimme. Nach meiner Erfahrung und Überzeugung besitzt der Mensch ein enormes Selbstheilungspotenzial.

Heile dich selbst

… ist also grundsätzlich möglich. ABER wie es nun mal ist im Leben, diese Medaille hat eine zweite Seite, die ebenfalls ein zutiefst menschliches Potenzial darstellt, und sie lautet:

Zerstöre dich selbst

Ob nun wortwörtlich genommen, oder als Headline über jeder Art von ruinösen Verhalten und Denken – im Alltag begegnet mir diese Kehrseite der Medaille deutlich häufiger als ihre Vorderseite.

Was Menschen nicht alles tun, um sich in einem Zustand des Leids zu halten. Die Vielfalt scheint schier unerschöpflich. Sich selbst im Weg stehen ist da noch eines der kleineren Dramen. Andere instrumentalisieren damit sie ihre Rolle in einem toxischen Beziehungsspiel erfüllen, verdreht vordergründig die Täter-Opfer-Dynamik. Manchmal frage ich mich, ob manche Menschen zum Reden aufhören würden, wenn sie wüssten, welche Auswirkungen die Negativität ihrer Worte hat auf sie selbst hat. Ich fürchte, die Antwort lautet Nein.

All das müsste nicht sein, denn wie gesagt, ich bin davon überzeugt und habe es selbst erlebt: heile dich selbst funktioniert. Es gibt nur ein paar klitzekleine Stolpersteine, derer man sich bewusst sein sollte. Einen davon nenne ich „Hybris des Egos“. Wer glaubt, es allein hinzubekommen, vielleicht noch mit ein paar Büchern, lässt außer Acht, dass alle Menschen über einen blinden Fleck verfügen -und genau dahinter verstecken sich oft die spannendsten Lernaufgaben. Mitunter schiebt das Ego den blinden Fleck absichtlich vor eine unangenehme Lernaufgabe.

Wie man es auch dreht und wendet, niemand von uns kann sehen, was sich hinter uns befindet – egal wie gut das periphere Sehen ausgeprägt ist, einen 360 Grad Rundumblick schafft kein Mensch. Auch nicht beim Blick nach innen. Indem man sich auf etwas fokussiert, rückt anderes an den Rand der Wahrnehmung oder ins Off. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Fokus auf positives oder negatives ausgerichtet ist, wir nehmen stets nur einen Teil wahr. Deshalb ist es sinnvoll, auch beim „heile dich selbst“-Ansatz andere Blickwinkel einzubeziehen: Therapie, Coaching, Gespräche mit Freunden …

In jedem von uns finden sich die Lösungen für unsere persönlichen Probleme – davon bin ich absolut überzeugt.

Niemand kann einem anderen die Reise zu sich selbst, die Arbeit der Auflösung der eigenen Probleme abnehmen – auch davon bin ich überzeugt.

Aber der Austausch mit anderen Reisenden kann enorm bereichernd, erhellend und heilungsfördernd sein. Ebenso wie die unzähligen Spiegel, die das Leben uns ständig vor die Nase hält. Was rundum geschieht, lässt erkenntnisreiche Rückschlüsse auf das zu, was in uns los ist. Aber auch hier mogelt sich der blinde Fleck gerne dazwischen. Wir sehen nur, was wir sehen wollen – das ist wissenschaftlich erwiesen. Ausblenden funktioniert hervorragend, sabotiert jedoch den Ansatz von „heile dich selbst“.

Mein persönlicher Ansatz für „heile dich selbst“ führt mich häufig in die Natur. Je weiter ich mich vom Lärm der Menschen entferne, desto klarer kann ich meine innere Stimme hören, desto differenzierter wird mein Fühlen, desto mehr fühle ich mich wie ich selbst. Es ist also kein Zufall, dass über diesem Beitrag jenes Bild thront, dass ich während eines sonnigen Waldspaziergangs aufgenommen habe, während ich in Gedanken diese Zeilen durchging, die ich tippe. Dieser kleinen Biene auf dem Löwenzahn zuzusehen, hat mich mit umfassenden inneren Frieden erfüllt, mich die Umarmung des Lebens fühlen lassen, und das hat mit Sicherheit zu meiner Heilung beigetragen, physisch, psychisch und seelisch. Wenige Minuten nur, doch eine große Dosis „heile dich selbst“-Vibes.

WIEDERGEBOREN

Heute ist Ostersonntag, Tag der Auferstehung, der Wiedergeburt. Ich habe mich zwar vor längerem der „antwortgebenden Religion“ ab- und der „fragenstellenden Philosophie“ zugewandt, doch diesmal will es der „Zufall“, dass Ereignisse meines Lebens mit einem religiösen Fest zusammen und sich darin eine frappierend ähnliche Symbolik findet. Welch wunderbare Gelegenheit für ein paar Gedanken dazu.

Vor einigen Tagen crashte meine PC-Festplatte, völlig unerwartet und absolut ungünstig, denn die letzte Datensicherung liegt leider etwas länger zurück. Mea culpa. Ich hätte es besser wissen sollen. Dass noch dazu die externe Festplatte mit der – etwas älteren – Datensicherung auch noch w.o. gab, löste einiges an Stress aus. Immerhin sind auf der Festplatte zwei noch unveröffentlichte Buchprojekte von mir gespeichert, meine Buchhaltung, … kurz gesagt: eine Menge für mich wichtiger Daten, auf die ich nun keinen Zugriff mehr hatte.

Lösungsorientiert wie ich nun einmal bin, begann ich zu recherchieren und landete nach kurzer Zeit bei diversen Datenrettungsanbietern. Mein Problem kommunizierend, wurden mir aus dem Umfeld auch einige IT-Profis empfohlen – damit begann mein Dilemma: Wofür sollte ich mich entscheiden?

Triggerwarnung für Borderliner! Im Folgenden schildere ich eine Episode und wie sie aufgelöst wurde. Weiterlesen auf eigene Gefahr.

Der voranstehende Absatz sagt wohl schon einiges. Vor eine wichtige Entscheidung gestellt zu sein und nicht abschätzen zu können, welche die richtige ist, riss mich emotional um. Auch wenn es „nur“ um Daten ging, ein Fehler wäre fatal. Ein Fehler war nicht erlaubt. Ich durfte keinen Fehler machen. Die nahezu panische Angst vor einer Fehlentscheidung hatte enorme physische Auswirkungen auf meinen ganzen Körper. Am liebsten hätte ich mir die Haut vom Körper gerissen. Was ich fühlte, lässt sich nicht in Worte fassen, aber es war überwältigend und unerträglich… und nicht neu. Diese Art von „Absturz“ habe ich früher häufig erlebt, heute nur noch sehr selten – und mein Sicherungsnetz funktionierte zum Glück.

Mir war innerhalb von Minuten bewusst, dass ich dabei war den Halt zu verlieren. Ich schickte eine kurze Nachricht an eine Person meines Vertrauens, das „mir mein Drache dazwischenfunkt“. Dabei ging’s vor allem darum, dass ich meine eigenen Worte vor mir am Bildschirm sah und leichter eine Meta-Position einnehmen konnte. Aus dieser heraus verordnete ich mir selbst, die Entscheidung auf den nächsten Tag zu schieben und mich einem meiner entspannenden Hobbys zu widmen. Ein zählintensives Strickmuster kann eine sehr effektive Ablenkung sein. Jedenfalls löste sich die Anspannung im Körper rasch auf. Auch meine Emotionen kamen zur Ruhe.

Am nächsten Morgen packte ich die Festplatte ein und nahm sie mit in den Job mit der Absicht, den „einfacheren“ Weg einzuschlagen und sie nach der Arbeit persönlich bei einem IT-Profi vorbeizubringen – so die im Kopf getroffene Entscheidung. Im Laufe des Tages jedoch meldete sich mein Bauchgefühl, und so verwarf ich den IT-Profi und wandte mich den Datenrettungsspezialisten zu. Vielleicht würden sie etwas mehr kosten, aber mir sind diesen Daten wirklich wichtig.  Mein Gefühl traf eine Entscheidung. Seither bin ich echt gechillt und positiv zuversichtlich.

So weit die Schilderung meiner Episode.

Was das Ganze mit „wiedergeboren“ zu tun hat? Sehr viel – für mich. Früher dauerte so eine Episode Tage, manchmal Wochen, war voller Schmerz und Selbstverletzung. Vor allem sah ich keinen Ausweg, fühlte mich ausgeliefert, fremdbestimmt, verloren, unverstanden, versunken im Chaos, neben der Spur, nicht ich selbst …

Heute bin ich bei mir angekommen, in meiner Kraft. In meinen Worten ausgedrückt: Wiedergeboren als die, die ich bin, immer war und immer sein werde: ich selbst. Das mich hin und wieder etwas triggert, lässt sich wohl nicht verhindern. Wichtiger für mich ist, dass es mich nicht endlos nach unten zieht.

Ich bringe das mal in die Sprachbilder von JAN/A:

„Die Dunkelheit umfing mich, der Schmerz bohrte sich durch meinen Körper und ich schien zu fallen, endlos, immer tiefer, bis mich etwas auffing, ich mich in den Armen meines Phönix wiederfand, ihre feurigen Schwingen uns emporhoben, dem Licht entgegen, und der Schmerz einfach so von mir abfiel, als hätte er keine Substanz, kein Gewicht, bis da nur noch Leichtigkeit war und Liebe …“

Der Phönix begleitet mich seit vielen Jahren als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt, Auferstehung (aus dem Zusammenbruch), Wandel und Veränderung. Manchmal auch als Erinnerung, manches den Flammen der Reinigung zu überlassen.

Wenn ich mich heute einfach so aus einer Episode herausholen kann, dann liegt das vor allem daran, dass ich das aufgelöst habe, was nach unten ziehen würde. All die „Steine“, die wir Menschen mit uns rumschleppen. Sie belasten permanent im Alltag, aber wenn sie getriggert werden, dann können sie zu einer zerstörerischen Lawine werden, die alles mit sich in den Abgrund reißt.

Es mag viele Wege geben, um glücklich und zufrieden im Leben zu werden, doch meines Erachtens gehört eines stets dazu: die Steine aus dem Rucksack zu holen und sie aufzulösen, um „wiedergeboren“ zu werden, wie der Phönix aus der Asche aufzuerstehen.

Diese Kurz-Episode zeigt mir auch, dass eine andere Entscheidung genau die richtige für mich war: mich neben dem Schreiben auch der praktischen Umsetzung zu widmen. All mein Knowhow und meine Erfahrung weiterzugeben an andere, damit die ihre Steine auflösen können. Back to the roots als Coach und Trainerin. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich in Kürze hier erzählen werde.

Für heute gilt: habt ein wunderschönes Fest der Auferstehung und lasst euch vom Leben umarmen.

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MENSCHLICHKEIT

Hinter mir liegt eine Woche, die sich wie zwei anfühlt aufgrund der Anzahl an Ereignissen. Eines begleitete mich gedanklich heute auf meiner Waldrunde. Vor wenigen Tagen erhielt ich von einer Mitarbeiterin das Feedback, das sie besonders meine Menschlichkeit zu schätzen weiß. Das war an jenem Tag, an dem ich morgens in der Bahn dieses Gedicht schrieb (unterhalb übersetze ich in Hochdeutsch 😉)

Maunchmoi kunnst glaum,
nix is so schwaar,
wia oafoch Mensch z’sei,
zu zoagn,
wos di berührt,
wos di gfreit,
wos weh tuat,
und das do wer is
den’s intressiert.

Bist umzüngelt vo Leit,
de olle mehr sei woin ois san.
Koana mehr echt,
gem s’Oanzigortige auf
um Oziachbüdeln z’wern,
Kopien von Kopien,
austauschboar,
und koan interessiert.
wia’s innen drin ausschaut

Oafoch Mensch sei,
se zoagn kenna wia ma is,
genauso ognumma z’wern,
koane Maskn,
koana Mauern,
koa Vasteckspüln.
Oafoch Mensch sei
mit Herz und Söh
wia ma hoit is.

Und jetzt für die Nicht-Alpenländler:

Manchmal könnte man glauben,
nichts ist so schwer,
wie einfach Mensch zu sein,
zu zeigen,
was dich berührt,
was dich freut,
was dir weh tut,
und das da wer ist,
den es interessiert.

Du bist umzingelt von Leuten,
die alle mehr sein wollen als sie sind,
keiner ist mehr echt,
geben sie das Einzigartige auf
um Abziehbilder zu werden,
Kopien von Kopien,
austauschbar,
und keinen interessiert,
wie es innen drin ausschaut.

Einfach Mensch sein,
sich zeigen können wie man ist,
genauso angenommen zu werden,
keine Masken,
keine Mauern,
kein Versteckspielen.
Einfach Mensch sein
mit Herz und Seele
wie man halt ist.

Unschwer das Thema zu erkennen, das mich seit Wochen beschäftigt: Menschsein. Menschlich bleiben in einer Zeit, in der es immer unklarer wird, was das eigentlich bedeutet – zumindest nehme ich das so wahr.

Es wäre verlockend, an dieser Stelle lange und breit über all jenes zu schreiben, was in dieser Welt schiefläuft, und davon zu träumen, wie es anders sein könnte … doch heute gehen meine Gedanken in eine andere Richtung, kreisen um den Kern dessen, was wir alle leben – oder leben sollten:

Menschlichkeit

… was sie bedeutet

… wie sie sich zeigt im Alltag

… wie andere sie an uns erleben

… und was man tun kann, um sie zu behalten.

Hast du schon mal darüber nachgedacht?

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NACHSCHLAG ZUM WELTFRAUENTAG

Am 8. März saß ich bei meiner Friseurin. Sie ist alleinerziehende Mutter und Unternehmerin. Eine moderne, unabhängige Frau. Während ich bei ihr war, zeigte sie mir etliche Nachrichten, die sie über whatsapp erhielt. Glückwünsche zum Weltfrauentag, jede Menge Blümchen und Herzchen in der Art von Valentinstag oder Muttertag, süßlich naiv, die von meiner Friseurin allesamt in der Art von „Haben die denn keine Ahnung, worum es beim Weltfrauentag geht?“ kommentiert wurden.

Zum Drüberstreuen erzählte sie mir noch die Geschichte einer Frau, die sich gefragt hat, warum Männer in den sozialen Medien positive Rückmeldungen bekommen ohne geschminkt zu sein und ob das auch bei Frauen möglich wäre. Also machte sie von sich und ihrem Freund ein ungeschminktes Foto und stellte es online. Was kam, war teilweise erschreckend, um nicht zu sagen: unverschämt. Sie wäre unterdurchschnittlich hübsch. Wie könne sie es wagen, sich ungeschminkt zu zeigen. Das Ergebnis dieses Experiments: Sie tritt nur noch geschminkt vor die Kamera.

An diesem Punkt der Erzählung legte sich in mir ein Schalter um und ich begann meinerseits, mir Fragen zu stellen.

Drehen sich unsere Vorfahrinnen im Grab um, wenn sie das mitbekommen? Sie kämpften für das Recht auf Selbstbestimmung, Bildung, das Wahlrecht, Arbeiten gehen zu DÜRFEN, um aus der Abhängigkeit der Männer zu entkommen … Was würden sie darüber denken, müssten sie miterleben, wie moderne Frauen sich vorrangig über ihr Aussehen definieren?

Auf der einen Seite gibt es nach wie vor den Gender Pay Gap, verdienen Frauen bei gleicher Arbeit weniger als Männer. Auf der anderen Seite wird eine ungeschminkte Frau als unattraktiv wahrgenommen. Für mich geht das nicht zusammen. Das Aussehen sagt absolut nichts über Charakter oder Können einer Person aus. Aber wenn Frauen nicht mal mehr ungeschminkt den Müll rausbringen, damit niemand sieht, wie sie wirklich aussehen, dann sagt mir das einiges über das Selbstbewusstsein (oder das Fehlen desselben) jener Frauen.

An diesem 8. März wurde mir so richtig bewusst, dass es ein Diktat des Aussehens gibt und zu viele Frauen sich diesem unterwerfen. Sie öffnen bereitwillig Tür und Tor für Manipulation und Fremdbestimmung, lassen ihren Wert von anderen bestimmen. Das hat nichts mit Selbstbewusstsein oder Charakterstärke zu tun, doch genau das bräuchte es, damit Frauen respektiert werden und Gleichstellung eine gelebte Realität wird… auch ohne Binnen-I. Das Bewusstsein einer Gesellschaft zu verändern braucht mehr, als den perfekten Lidstrich. Es braucht Menschen, die Werte leben, auch bei unfreundlichem Gegenwind.

Wieder einmal bin ich unendlich dankbar dafür, dass es Menschen (Frauen und Männer) in meinem Leben gibt, denen es völlig gleichgültig ist, ob ich geschminkt bin oder nicht. Sie schätzen mich für meinen Charakter, meinen Humor und weil ich die bin, die ich bin … ungeschminkt und selbstbestimmt.   

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DAS EWIGE MANN-FRAU-THEMA EINMAL ANDERS

Der Kampf der Geschlechter, vorprogrammierte Missverständnisse, all das existiert seit ewigen Zeiten in dieser Welt (zumindest hat es den Anschein), doch es existiert auch noch woanders und hat in meinem Leben so einiges verursacht.

Es heißt umgangssprachlich: in jedem Mann steckt eine Frau und umgekehrt in jeder Frau ein Mann. Animus und Anima (wer nachlesen möchte https://de.wikipedia.org/wiki/Animus_und_Anima)

Mein Animus oder die „Personifikation der männlichen Natur in meinem Unbewusstsein“ ist mir ziemlich bewusst. Seit meiner Kindheit kommunizierte ich mit meinen inneren Anteilen. Darunter waren auch männliche. Als ich 2017 am Abgrund meines 3. Burnouts die Kehrtwende einlegte und meinen Fokus nach innen, in mich hinein richtete, offenbarte sich mein inneres Universum aus weiblichen und männlichen Anteilen, allesamt mit vielfältigen Eigenschaften, günstig ebenso wie ungünstig, helle und dunkle … und sie haben ihre eigene Stimme, die ich in mir höre. Eine weibliche ebenso wie eine männliche. Sogar eigene Sprachmuster. Im Schreibprozess befeuern beide meine Kreativität. Doch dabei bleibt es nicht.

Auch im Alltag spüre ich deutlich, wann ich welchen meiner Anteile auslebe. Meine Sprechstimme verändert sich hörbar. Ebenso Körperhaltung und Mimik. Im Spiegel erkenne ich genau, wann ich Jana bin und wann Jan.

Nur um eines klarzustellen: Nein, ich bin weder Transgender, noch bisexuell oder etwas dergleichen.

Hierbei geht es nicht um Gender oder Sexualität, sondern um die Integration von Gegensätzen. Yin und Yang. Das Symbol kennen viele. Für mich bringt es zum Ausdruck, was ich in mir fühle. Eine helle Seite mit einem dunklen Aspekt und eine dunkle Seite mit einem hellen Aspekt. Betrachte ich meine Romanfiguren Jana und Jan, sind beide genau das: je eine Seite mit einem gegenpoligen Aspekt, die gemeinsam ein Ganzes ergeben. In meinem Fall: Mich, eine Frau durch und durch. Aber eben auch eine, die ihren Gegenpol in sich gefunden und integriert hat … und die aufgehört hat, zu suchen. Wozu auch weitersuchen? Ich habe gefunden, was es zu finden galt: mich selbst.

Wir alle tragen in uns eine Menge Gegensätze, Widersprüche, viele von uns stehen mit sich selbst im Konflikt. Genauso wie sie in der Außenwelt mit anderen im Konflikt stehen. Ich frage mich, was geschehen würde, wenn die Menschen beginnen würden, den Gegenpol in sich selbst zu integrieren. Gäbe es weniger Konflikte? Weniger Egos, die das eine oder das andere überzeichnen, nur um nicht die gegenpolige Stimme zu hören? Darf ein Mann eine weibliche Stimme in sich hören, ohne seine Männlichkeit zu verlieren? Darf eine Frau eine männliche Stimme in sich hören, ohne ihre Weiblichkeit einzubüßen? Vielleicht ist es die natürlichste Sache der Welt, seinen Gegenpol zu umarmen und „ganz“ im Sinne von „heil“ zu werden.

Meine innere Zerrissenheit endete in dem Augenblick, in dem ich meinen Gegenpol integrierte.

Eins zu sein … früher verband ich mit diesem Begriff die Vorstellung, eins mit allem um mich zu werden. Doch um eins mit dem Universum zu werden, ist es vorteilhaft, zuerst eins mit sich selbst zu werden.

Oder anders gesagt: das ewige Frau-Mann-Gegenpol-Thema in sich selbst zu lösen und den Gegenpol anzunehmen.

Wie das machbar ist, darf wohl jeder für sich selbst herausfinden. In meinem Fall war und ist es eine [nicht] ganz alltägliche Liebesgeschichte, die ich übrigens am 10. März (teilweise) live vorlesen werden. Wer also Interesse hat, die feinen Unterschiede in meiner Stimme selbst zu erleben, wenn  ich selbige Jana und Jan leihe, ist herzlich dazu eingeladen. Infos dazu demnächst auf meiner Facebook-Seite.

Gibt es ein spannenderes Abenteuer als die Reise zu sich selbst? Für mich verbirgt sich in jedem Menschen ein Universum, das es zu entdecken gilt. Was kann da mithalten?

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FRAGEN ÜBER FRAGEN

Zu Beginn dieser Woche folgte eine unerfreuliche Nachricht der anderen. Ohne ins Detail gehen zu wollen, es kam von allen Seiten: Familie, Job, Behörden … irgendwie schienen sich alle hinter meinem Rücken verschworen zu haben, mir den Nerv zu ziehen.

Dreimal tief durchatmen und weitermachen.

Mittlerweile hat sich das Bild gewandelt. Lösungen entstehen und ich atme – diesmal gelassener – durch. Nebenbei frage ich mich:

Fügt sich alles zum Guten, weil ich tief in meinem Innersten davon überzeugt bin, dass das Leben stets einen guten Weg findet?

Oder habe ich diese Überzeugung aus Erfahrung gewonnen, weil sich bislang stets eine gute Lösung fand?

Oder sind gute Lösungen (ebenso wie ihr Gegenteil) stets Teil der Realität und es liegt an mir, sie zu wählen?

Oder ist vielleicht alles ganz anders?

Welch wunderbare Gelegenheit, um Fragen zu stellen, auf die es keine Antworten gibt… zum Glück keine Antworten gibt. Ich will es auch gar nicht wissen. Ich MUSS es NICHT wissen. Es ist unglaublich befreiend, nicht wissen zu müssen, warum sich alles so gefügt hat, wie es das tut.

Henne oder Ei?

Erschaffe ich die Realität oder bin ich Produkt?

Für beide Standpunkte gibt es Theorien, doch wie es tatsächlich ist, werden wir nie wissen. Diese Unwissenheit lässt Raum für die Suche, für Gedankenspiele, für Entwicklung. Raum für etwas, das sich dem menschlichen Verstand entzieht und das man nur fühlend erfassen kann. Raum für die nicht zu erklärende Überzeugung, dass es gut ausgehen wird.

Optimismus?

Ist es nicht die Natur jedes lebenden Wesens, optimistisch zu sein? Die kleinste Chance zu nutzen, um zu wachsen und aufzublühen? Sich über alle Schwierigkeiten, Zweifel und Ängste hinwegzusetzen und dem Licht entgegenzustreben?

Sind wir nicht alle geborene Optimisten? Was lässt uns von diesem Weg abkommen? Und wie finden wir wieder zurück?

Fragen, auf die es keine Antworten gibt, doch darüber nachzudenken, öffnet mitunter neue Horizonte. Ich wünsche eine spannende Gedankenreise 😉

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WAS BIN ICH WERT?

… oder anders formuliert: Was ist mein Selbstwert?

In den vergangenen Tagen begegnete mir in unterschiedlichsten Situationen ein Thema: Selbstwert. Bei näherer Betrachtung ein omnipräsentes Thema und ein guter Anlass, ein paar Gedanken darauf zu verwenden.

Selbstwert bezeichnet man die grundlegende Einstellung, die wir uns selbst gegenüber haben (wie wir uns selbst bewerten) – und (nach meiner bescheidenen Ansicht nach) eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Mangelnder Selbstwert bzw. mangelndes Selbstwertgefühl sind Auslöser für eine Menge Leid auf diesem Planeten.

Betrachten wir es mal nüchtern:

Menschen mit einem gesund ausgeprägtem Selbstwert(gefühl) sind mit sich selbst im Reinen. Sie haben es nicht nötig, anderen bei jeder Gelegenheit unter die Nase zu reiben, wer sie nicht sind und was sie nicht alles haben. Sie entwerfen keine optimierte Form von sich selbst, um das Ergebnis x-fach zu teilen und Anerkennung einzuholen. Sie müssen weder prahlen noch protzen, brauchen kein Selbstdarstellertum, um jemand zu sein. Ebenso wenig müssen sie andere runterdrücken (oder mobben), um sich selbst als besser oder überlegen wahrzunehmen.

Ein gesundes Selbstwertgefühl sollte nicht mit überzeichnetem Selbstwert verwechselt werden. Viele Menschen, die ihr ausgeprägtes Selbstbewusstsein zur Schau stellen, haben in Wahrheit keine so gute Beziehung zu sich selbst wie sie gerne hätten und lenken davon ab.

Mangelndes Selbstwertgefühl öffnet Tür und Tor um von anderen ausgenutzt oder gar ausgebeutet zu werden, sich von Energievampiren und Karmastaubsaugern runterziehen zu lassen. Oder in die Selbstausbeutung zu gehen. Mehr und immer mehr zu leisten, nur um den mangelnden Selbstwert mit Anerkennung aus dem Außen vorübergehend aufzubessern.

Bevor die Liste dessen, was mangelndes Selbstwertgefühl auslöst, zu lang wird (und sie könnte noch sehr viel länger werden), ein kleiner Richtungswechsel.

Was braucht es, damit ein Mensch zu sich selbst eine gute Einstellung entwickelt? Sich selbst mit allen Stärken und Schwächen, Licht- und Schattenseiten, bedingungslos annimmt? Bedingungslos bedeutet in diesem Fall nicht „so bin ich und so bleibe ich für immer und ewig“, sondern nur, ich nehme mich so an, wie ich jetzt bin. Wenn ich mich weiterentwickeln möchte, ist das ebenso in Ordnung wie es nicht zu tun. Der Auslöser für die Weiterentwicklung ist nicht das Gefühl, unzureichend, schlecht oder dergleichen zu sein, sondern der Wunsch, Neues zu integrieren.

In meiner Wahrnehmung ist ein gesunder Selbstwert ein geerdetes Gefühl mit einer großen Portion Pragmatismus, intrinsischer Lebensfreude und verspielter Leichtigkeit. Ein absolut „natürliches“ Gefühl. Ungefähr so, als wäre es das selbstverständlichste auf diesem Planeten, ein gesundes Selbstwertgefühl zu besitzen, und alles andere irgendwie „unnatürlich“ oder künstlich.

Täglich begegnen mir Menschen, die offensichtlich ein Thema mit ihrem Selbstwertgefühl haben. Die es über Status, Besitz, Aussehen etc. aufzupeppen versuchen, doch wenn ich in ihre Augen blicke, sehe ich nur Leere, keine Lebensfreude, keine Selbstliebe. Manchmal entdecke ich Leid, Schmerz, oder auch Wut, Frust, Verzweiflung, Resignation. Niemals Gelassenheit oder Leichtigkeit. Mitunter frage ich mich, warum Menschen mehr daran interessiert sind, (vergängliche) Werte im Außen zu vermehren als jenen Wert im Inneren, der in herausfordernden Zeiten ein Fels in der Brandung bildet, einen Rückzugsort, eine Energiequelle, etwas, das nicht ansatzweise in Geld zu bemessen ist.

Wie ich mich selbst bewerte?

Ich bin so, wie ich bin, genau richtig. Neugierig darauf, noch mehr Facetten von mir selbst zu entdecken.

Liebe deinen Nächsten WIE DICH SELBST.

LIEBE DICH SELBST wie du bist – perfekt darin, unvollkommen zu sein.

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LEIDER NICHT IMMUN …

… dagegen, getriggert zu werden – auch wenn ich es mir hin und wieder sehnlichst wünsche. Vor allem, wenn es mich – wie zuletzt – zwei Tage emotional völlig durch den Wind schießt.

Meine Mutter ist, wie sie ist. Und so war sie, seit ich sie kenne. Eigentlich sollte es mich längst nicht mehr so berühren, wie es das immer noch tut. Ich fühlte mich von ihr nie angenommen oder gar wertgeschätzt. Meine Bedürfnisse zählten nicht für sie. Stattdessen gab und gibt es Erwartungen an mich.

Es macht einen Teil von mir ungeheuer wütend.

Hinter dieser Wut steckt eine Menge Frustration, Resignation und Hilflosigkeit. Am liebsten würde ich mich umdrehen und auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Das kann ich aber nicht.

Angesichts ihrer derzeitigen geistigen Verfassung ist es eine durchaus realistische Option, dass meine Mutter in absehbarer Zeit ihr Leben nicht mehr im Griff haben wird. Jemand wird sich um ihre Angelegenheiten kümmern müssen.

Ein Dilemma tut sich auf.

Das kleine Kind in mir, dass sich seit mehr als einem halben Jahrhundert nach einem Hauch von Anerkennung oder gar Liebe sehnt, schüttelt wütend den Kopf.

Die Erwachsene, die all das längst in ungezählten Therapiestunden analysiert und integriert hat, rational verstehend, versucht zu beruhigen.

Wie einfach wäre es, dass kleine Kind zur Seite zu schieben, das Gefühl zu unterdrücken und den Verstand dominieren zu lassen. So einfach mache ich es mir nicht. Jedes Gefühl hat seine Berechtigung. Mein inneres Kind ist nicht grundlos wütend. Diese Wut verschwindet nicht durch rhetorische Kunstgriffe der Rechtfertigung oder des Schönredens. Auch nicht nur den (aus meiner systemischen Sicht bedenklichen) Akt des Vergebens. Diese Wut darf sein – und ich will sie meinem inneren Kind keinesfalls nehmen.

Ganz im Gegenteil. Ich will ihm etwas geben. Dass, was in der Vergangenheit gefehlt hat: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Anerkennung, Liebe. Vielleicht wird es einige Zeit dauern, doch ich bin überzeugt, mein inneres Kind wird seine Wut selbst auflösen. Ich kenne mein inneres Kind und mich selbst. Wut ist bei uns nur situationsbezogen, wie aktuell durch den Trigger. Daher wird diese Wut auch wieder verschwinden. Sie zu unterdrücken, um das schneller hinzubekommen, wäre kontraproduktiv.

Druck erzeugt Gegendruck.

Das Unterdrücken von unerwünschten Gefühlen hat in meiner Vergangenheit zu emotionalen (Vulkan) Ausbrüchen geführt.

Mein Wunsch nach Anerkennung im Außen (durch meine Mutter) wird vielleicht niemals erfüllt, doch ich kann mir (meinem inneren Kind) selbst Anerkennung geben und bei ihm bleiben, wenn es wütend alle von sich stößt und davonlaufen will, weil es einfach nur weh tut…

… so wie vor wenigen Tagen, als meine Mutter wieder einmal das getan hat, was sie schon so oft getan hat. Vermutlich war es nicht das letzte Mal, von ihr getriggert worden zu sein. Wird es irgendwann nicht mehr weh tun? Es wäre schön, aber ich zweifle dran. Vielleicht werde ich irgendwann immun, oder gelassen genug 😉 hoffentlich niemals abgestumpft. Bis es soweit ist, hilft eine Tasse Tee mit viel Liebe um die flatternden Emotionen wieder zu beruhigen.

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UNERWÜNSCHTE NEBENWIRKUNGEN

Die vergangene Woche reihe ich für mich in die Rubrik „offene Aufgaben“, denn diese unerwünschten Nebenwirkungen würde ich mir künftig gerne ersparen. Worum es geht?

4 Wochen lang durchgängig Kopfschmerzen zu ignorieren, weil gerade zu viel zu tun ist, weil gerade etwas anderes wichtiger ist, weil … ist nicht gerade ein Beweis für lebensnahe Umsetzung erworbener Weisheit. Eher dafür, dass ich ganz schön stur sein kann – und konsequent im Ausblenden von Schmerzen. Jahrzehntelanges Training macht es möglich. Schmerz? Ausblenden und weitermachen. Von Jugend an tradiertes Verhalten verändern? Im Kopf schnell entschieden, in der Umsetzung … naja.

Bei mir hat sich das konsequente Ausblenden einer kleineren Ursache wie Verspannungen im Nackenbereich zu einem größeren „Problem“ ausgeweitet. Die Migräne konnte ich noch gut wegstecken. Als ich anfing, den drängenden Wunsch zu verspüren, irgendjemand den Kopf abzureißen und zunehmend gereizt wurde, zog ich die Notbremse. Mittlerweile waren die Verspannungen über den gesamten Rücken extrem schmerzhaft. Also … raus aus den Belastungen, Entspannungsprogramme wie heißes Bad, diverse Wärmesalben, Wärmepflaster, Shakti-Matte, Shiatsu-Massage. Hat allesamt wenig genutzt. Ab zum Arzt und – nein, keine Spritze, ich hasse Nadeln, die in mich hineinpieksen – ein Muskelrelaxans geholt. Da ich so gut wie nie Medikamente nehme, war die Wirkung der ersten Tablette bereits „umwerfend“.

Immerhin wurde mein Kopf frei, um darüber nachzudenken, warum ich neuerlich die „Steig mal auf die Bremse“-Signale meines Körpers so lange ignoriert habe. Ein schlüssiger Grund für mich liegt in besagter Fähigkeit, Gefühle wie z.B. Schmerz auszublenden, um leistungsfähig zu bleiben. Es gab Zeiten in meinem Leben, da war diese Fähigkeit hilfreich, um z.B. im Sport trotz kleinerer Blessuren weiterzumachen. Ich war keine, die auf „Schwalbe“ gemacht hat, und beim Basketball bekommt man schon den einen oder anderen Ellbogen ab. Von wegen „kontaktloser Sport“. Unmöglich nachzuzählen, wie oft ich im Krankenhaus gelandet bin mit Bänderverletzungen, Prellungen … Richtig auskuriert habe ich davon so gut wie keine, was ich heute noch spüre. Aber damals verdrängte ich den Schmerz, trainierte weiter, wollte unbedingt dabei sein, Anerkennung bekommen, ganz gleich, um welchen Preis.

Schmerz auszublenden, wurde zu einer unerwünschten Nebenwirkung meiner Suche (oder Sucht) nach Anerkennung aufgrund mangelndem Selbstwertes und fehlenden Selbstvertrauens.

Heute mangelt es mir weder an Selbstwert, Selbstvertrauen noch Selbstliebe, doch die unerwünschte Nebenwirkungen ist noch immer da, wenn ich – so wie zuletzt – zu wenig Achtsamkeit auf mich selbst verwende. Ich vermute auch, dass meine Körperchemie ihren Teil dazu beiträgt, dieses alte Muster aufrecht zu erhalten. Was ich über die Ausschüttung von körpereigenen Schmerzmitteln, Glückshormonen & Co weiß, lässt mich schlussfolgern, dass hier einiges zwar hocheffizient, aber letztendlich kontraproduktiv für mich abläuft. Vereinfacht gesagt: biochemische Belohnung fürs Durchhalten verhindert (zeitgerecht) eine vernunftgesteuerte Entscheidung. Tricky – aber veränderbar.

Routine nimmt uns viele kleine Entscheidungen im Alltag ab, was enorm entlastet. Routine führt aber auch dazu, unerwünschte Nebenwirkungen am Laufen zu halten. Routine zu verändern, erfordert Energie, Zeit und (damit nicht neuerlich Unerwünschtes sich einnistet) Aufmerksamkeit.

In diesem Sinne … auf eine neue, achtsame Woche … mit einem Kunstwerk meiner Ergotherapeutin aus 1 m pinkfarbenem Kinesio-Tape auf meinem Rücken. Die Verspannungsroutine meiner Muskulatur mittels 24-Stunden-Impuls wieder zu lockern, überlasse ich gerne dem Tape, damit meine Achtsamkeit sich dem zuwenden kann, was in meinem Kopf so alles „routinemäßig verspannt“.

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IN BESTER GESELLSCHAFT

Vor wenigen Jahren verstarb John Nash leider viel zu früh bei einem Autounfall. Er bekam den Mathematiknobelpreis verliehen – und litt beinahe sein ganzes Leben an paranoider Schizophrenie, was ihn nicht davon abhielt, herausragende Leistungen zu erbringen. Elon Musk hat eine Form des Asperger Autismus, was ihn nicht davon abhielt, reichster Mensch der Welt zu werden. Lesley B. Strong, in die Umarmung des Lebens zurückgekehrte Borderlinerin, befindet sich also in bester Gesellschaft.

Also, nicht das ich vorhabe, demnächst die reichste Frau der Welt zu werden. Auch die Verleihung des Literaturnobelpreises sehe ich punkto Wahrscheinlichkeit knapp hinter „von einer Kokosnuss erschlagen während man von einem Hai gefressen wird“ rangieren. Aber ich bin eine von denen, die offen und ohne Scham über ihr „Thema“ sprechen. Insofern in bester Gesellschaft.

In diesem Blog heute möchte ich aber nicht präsentieren, was ich für mich so alles erreicht habe, sondern daran erinnern, was am Anfang dieses Weges stand – und bei vielen anderen noch steht.

Als Kind hatte ich kaum Freunde, weil ich anders war. In der Schule wurde ich gemieden. Oft konnte ich nicht so agieren und reagieren wie die anderen. Ich war anders – und ich war viel allein. Eines Tages sagte ich zu meiner Tante, ich wäre eine Einzelgängerin. Sie gab mir zu verstehen, dass ich keine Ahnung hätte, was das überhaupt ist. In gewisser Weise hatte sie Recht: ich hatte keine Ahnung – wie ich anderen nachvollziehbar begreiflich machen konnte, was in mir drin vorging.

Ich fühlte mich allein – beinahe mein ganzes Leben lang

Heute, nachdem ich die Lebensmitte überschritten habe, baue ich mir jenes soziale Umfeld auf, das eigentlich von Beginn an hätte selbstverständlich sein sollen: ein Umfeld, in dem ich mich angenommen und erwünscht fühle. Anders als jenes Umfeld, das ich erlebt hatte, und in dem ich akzeptiert und geduldet fühlte.

Dieser Beitrag am 4. Adventsonntag will daran erinnern, dass es da draußen Kinder gibt, die sich „anders“ fühlen, aber an der Kommunikation scheitern. Wie sollte es auch anders sein? Es sind Kinder, die fühlen, aber diese Gefühle nicht zuordnen können, nicht die passenden Worte finden, nicht die Denkmuster der Erwachsenen kennen und daher auch nicht wissen, was sie sagen müssen, um verstanden zu werden.

Ob nun eine Krankheit, eine Störung oder die Folgen frühkindlicher Traumatisierungen dazu führen, dass diese Kinder „anders“ sind, sie alle brauchen ein Umfeld, in dem sie sich geborgen fühlen, angenommen als die, die sie sind; geliebt um ihrer Selbstwillen.

„Anders“ zu sein, bedeutet nicht automatisch, im Leben zu versagen, eine dauerhafte Last zu sein, ein Problem, Fehler oder welche krummen Gedanken sonst noch in den Köpfen von Menschen entstehen können.

„Anders“ zu sein bedeutet, ein Individuum zu sein, einzigartig, auf seiner eigenen Reise durchs Leben unterwegs zu sein. Kein Klon, keine Kopie, sondern ein Original, in bester Gesellschaft unter Menschen, die sich ihrer Individualität bewusst sind und authentisch auf ihren Pfaden durch die Welt wandern.

„Echt“ sein heißt das Ziel.

Unter „echten“ Menschen fühle ich mich in bester Gesellschaft.

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