Vertrauen

Was ist das eigentlich – Vertrauen? Im Moment würde ich es als ein Gefühl beschreiben, das ein wenig den Hals zuschnürt, das Atmen erschwert und mich meinen Herzschlag im ganzen Körper spüren lässt. Genau genommen ist das noch die Vorstufe zum eigentlichen Vertrauen, nämlich die nach innen gerichtete Frage: Darf ich vertrauen? Kann ich vertrauen? Will ich vertrauen?

Mein Vertrauen wurde im Laufe meines Lebens auf vielfältige Weise missbraucht und ausgenutzt, weshalb ich eigentlich sehr sorgsam damit umgehen sollte, aber andererseits möchte ich anderen Menschen vertrauen. Misstrauen fühlt sich für mich nämlich schrecklich an. Bedrückend, beklemmend, einengend … Angst bis hin zur Panik. Ständig diese Fragen, die durch den Kopf kreisen: Kann ich sicher sein? Beweise? Was kann im schlimmsten Fall passieren? Werde ich wieder verletzt und ausgenutzt werden?

Zwei mächtige Gladiatoren treten zu einem Kampf in mir an: auf der einen Seite die Lebenserfahrung – oh yeah, da gibt es etliche Beispiele dafür, nichts und niemandem mehr zu vertrauen, reichen sich Zynismus und Sarkasmus die Hand um vereint die Saat des Zweifels auszusäen. Auf der anderen Seite der unerschütterliche Glaube an das Gute in den Menschen und ein nicht zu erklärendes Hoffen auf ein transzendentes Wirken hinter allem, was geschieht. Als Richtrichter fungieren die mir wohlbekannten Modelle vom „Gesetz der Anziehung“ bis zur „Sich selbsterfüllenden Prophezeiung“, vom „Schöpfer der eigenen Wirklichkeit“ bis zur „Führung durch eine höhere Ordnung“. Verstand vs. Bauchgefühl. Wer wird mich schützen? Oder beschränken? Ausgrenzen?

Vor langer Zeit besaß ich ein Deck Tarot-Karten. Es ging verloren, aber der Spruch auf einer Karte blieb mir im Gedächtnis: „Zweifel sind fruchtbar, ewige Zweifel zerstörerisch.“

Ich will nicht mehr zweifeln. Ich will vertrauen. Mich wieder leicht und ins Leben eingebunden fühlen.

Ganz werde ich meinen kritischen Verstand wohl nie ausblenden. Immerhin bewahrt er mich vor zu großem Leichtsinn, aber ein wenig werde ich seine Herrschaft über mich schwächen. Und wer weiß, vielleicht wird mich das Leben positiv überraschen? Oder die Menschen? Ich freue mich darauf.

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