2020 – ein neues Abenteuer

Back again. Feiertage und Jahreswechsel überstanden. In der Vergangenheit nicht immer die einfachste Zeit des Jahres, aber diesmal war ich mit dem Vorsatz angetreten, dieser speziellen Zeit die Chance zu geben, mich zu überraschen. Das tat sie dann auch. Keine ausufernden Familiendramen. Es blieb erstaunlich ruhig und gelassen. Insofern war es angenehme Zeit. Okay, wenn man über eine Woche von einem Grippevirus außer Gefecht gesetzt wird, ist das nicht angenehm, aber auch eine Lappalie im Vergleich zu einem Familiendrama.

Es hätte mir also zwei Wochen lang gut gehen können, tat es aber nicht. Ohne wirklichen Anlass im Außen, kurvte ich (auch jetzt noch) auf meiner emotionalen Achterbahn – im vollen Bewusstsein, dass es keinen Grund dafür gibt. Wie ferngesteuert, allerdings haben diese Emotionen heute nur noch selten die Kontrolle über meine Handlungen. In gewisser Weise stehe ich einen Schritt neben mir und beobachte mein Gefühlsleben, dass wieder einmal seinen eigenen Kurs abfährt, als wäre es in eine Phase meines Lebens vor vielen Jahren zurückgekehrt. Zeitreise rückwärts im Fühlen.

Da hilft nur eines: die Gegenwart vor Augen führen.

2020 hat gerade erst gestartet.

Meine theoretischen Neujahrsvorsätze:

  1. Was auch immer kommt, nimm’s mit einer großen Portion Humor
  2. In Bewegung bleiben … körperlich und auch geistig bzw. emotional, wenn’s mal wieder irgendwo blockiert (im negativen Bereich)
  3. Mir selbst treu bleiben … ich bin, wer ich bin
  4. Mindestens 2 Bücher rausbringen … eh klar, langweilig darf mir nicht werden

Meine praktische Umsetzung:

Naja, ich habe heute eine Kurzgeschichte „Rezept zum Lächeln“ geschrieben. Eine Anleitung für meine Anti-Depressions-Suppe. Zumindest für mich hat sie gewirkt 😊

In diesem Sinne: 2020 ich komme 😊 Ein neues Abenteuer beginnt …

… und wer mein Rezept nachkochen möchte: Guten Gelingen

Rezept zum Lächeln

Grundlos unglücklich.

Für jemand, der noch nie Depressionen hatte, vermutlich kaum nachvollziehbar, aber so real. Und – verdammt nochmal – mir ist selbst bewusst, dass es keinen Grund dafür gibt, dennoch … OK, ich muss irgendetwas tun.

Runter vom Sofa und rein in die Küche. Ich will etwas kochen, mich auf andere Gedanken bringen, ablenken. Was findet sich noch im Kühlschrank? Ein paar alte Kartoffeln aus dem letzten Jahr – am 05.01.2020 sind das zwar Relikte aus einem anderen Jahrzehnt, aber immer noch genießbar. Mein erster Gedanke abseits der „Geisterbahn“.

Mein Mann lässt sich zum Zwiebelschneiden überreden. Wunderbar. Heulgefahr ausgelagert. Zu den Kartoffeln gesellen sich noch ein paar gleichaltrige Pastinaken. Gemeinsam wird geschnipselt. Sein technisches Unverständnis, warum man die aus stangenförmigen geschnittenen Teile im Küchenjargon „Würfel“ nennen kann, lässt mich einige Minuten nach einer vernünftigen Antwort suchen, doch es bleibt bei: das sind nun mal Würfel … die im Butterschmalz mit den Zwiebel gemeinsam langsam glasig rösten. Ein wenig Gemüsebrühe und das Kartoffelgewürz dazu. Und natürlich die Kartoffelwürfel.

Während nun alles vor sich hin köchelt, bleibt reichlich Zeit für eine innige Umarmung und meine erste bewusste Feststellung, dass ich mich besser fühle. Also Mann aus der Küche verscheuchen, denn jetzt ist das Finale angesagt: Abschmecken und Dekorieren. Nicht gerade seine Domäne.

Der letzte Rest Schwarzbrot wird von mir gewürfelt (wieder Würfel) und darf in einer Pfanne vor sich hin rösten. Derweilen verwandelt ein Pürierstab die anderen Würfel in eine wohlschmeckende Kombination aus Stückchen in cremiger Suppe, die ich lächelnd in zwei große Schalen verteile. Kartoffel bilden die sämige Basis, unterstrichen von der frischen Note der Pastinaken. Darüber die krossen braunen Brotwürfel und zum Drüberstreuen würzig-scharfe Kresse. Ein Hauch grün. Farbenspiel in Suppenschalen. Genuss pur. Wohlgefühl zum Löffeln. Untermalt vom wunderbaren Sound meiner Lieblings-Playlist.

War da nicht noch etwas? Richtig. Grundlos unglücklich. Nun, wenn es keinen Grund gibt, warum dann an dem Gefühl festhalten? Warum es nicht einfach ziehen lassen? Oder mit einer Schale duftender Suppe vertreiben? Ich könnte ja einfach eine Geschichte darüber schreiben …

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