Über Glücksformeln und Erfolgsgeheimnisse

Im Bücherregal neben mir reiht sich auf einer Länge von insgesamt gut 5Metern ein Buch ans andere, die allesamt – natürlich mit unterschiedlichen Methoden – eines versprechen: Den Heiligen Kral. Immerwährendes Glück und grenzenlosen Erfolg. Ich habe diese Bücher alle gelesen. Und nicht nur das, ich habe auch die Botschaften assimiliert, die Übungen durchexerziert … in rund 3 Jahrzehnten hatte ich dafür ausreichend Zeit. Nur brachte kein einziges davon ein nachhaltiges Ergebnis. Kurzzeitig – also in der Anfangseuphorie – tat sich enorm viel, das jedoch bei näherer Betrachtung und über einen längeren Zeitraum gesehen, keine echte Veränderung war. Das mag zum einen daran gelegen haben, dass manche dieser Bücher sich widersprechen, zum anderen daran, dass die meisten davon für sich beanspruchen, DEN richtigen Weg zu kennen.

Auch wenn es so klingen mag, ich will diese Bücher nicht schlecht machen. Sie lehrten mich sehr viel. Nur – dass allein genügte nicht, um mich an mein Ziel zu bringen.

Mein Ziel? Mit mir selbst und der Welt rund um mich gut zurechtkommen.

Per se scheint das nicht sehr hochgesteckt. Immerhin wollte ich weder Weltmeisterin noch Millionärin, weder Supermodel noch Chart Queen werden. Ich wollte einfach nur gut leben. Aber genau das schien lange Zeit ein unmögliches Unterfangen zu bleiben.

Irgendwann begann ich an mir selbst und meinem Verständnis der Materie zu zweifeln. Dies führte mich in das Umfeld diverser „Gurus“. Von ihnen erhoffte ich mir Unterweisungen, die mich ans Ziel führen sollten. Wie sich dem verwendeten Konjunktiv entnehmen lässt, blieb es bei Erwartungen. Die gewünschte Erleichterung blieb – außer auf meinem Bankkonto – aus.

Und dann geschah das, was ich über so viele Jahre fast schon krampfhaft zu erreichen versucht hatte, irgendwie nebenbei. Völlig unspektakulär. Einfach so …

Vielleicht stand es in den Büchern, vielleicht sprach ein „Guru“ darüber, vielleicht habe ich es übersehen oder nicht gehört. Mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit habe ich es nicht verstanden. Bis ich es tat. Nebenbei, als ich an Band 1 von JAN/A schrieb und den wichtigsten Schritt meines Lebens setzte:

Ich nahm mich selbst, so wie ich bin, vorbehaltlos und bedingungslos an.

Schluss mit Selbstablehnung, Selbstkritik und den unzähligen Versuchen, jemand anders zu sein als ich bin. Ich kam bei mir selbst an und bin bis heute geblieben. Dieser Schritt veränderte alles. Danach konnte ich all das Wissen, das ich mir aus Büchern und von „Gurus“ angeeignet hatte, erst richtig für mich selbst umsetzen.

Für mich gewann ich daraus die Erkenntnis, dass es DEN richtigen Weg für alle schlichtweg nicht gibt. Wir sind als Individuen viel zu unterschiedlich, um mit einer Methodik alle Varianten abdecken zu können. ABER – und da nehme ich mich selbst an der Nase – der Gedanke an diese Wunderformel ist einfach zu verlockend. Sowohl von Seiten der Suchenden als auch der Wissenden. Ab und an verspüre ich in mir den Drang, andere davon zu überzeugen, dass ich weiß, welche Schritte sie zu ihrem Ziel bringen – ausgehend von meinen eigenen Erfahrungen. Meine Erfahrungen als Blaupause für andere? Zumeist gelingt es mir mich rechtzeitig wieder selbst einzubremsen, bevor ich so agiere wie jene, die ich vor wenigen Zeilen noch als nicht zielführend beschrieben habe. Aber manchmal bin ich einfach nur „menschlich fehlbar“. Mea culpa.

Auch wenn ich weder eine allgemein gültige Formel noch eine alleinige Autorität als Schlüsselfaktor für Glück oder Erfolg akzeptiere, so gibt es doch vier Anregungen für Suchende, die ich hier weitergeben möchte:

  1. Du musst deinen Weg allein gehen und niemand anders kann dir einen einzigen Schritt davon abnehmen, dennoch können Begleiter eine wertvolle Unterstützung sein. Keine „Gurus“, die dir erklären, dass ihre jeweilige Methode die einzig richtige ist, um dich zum Ziel zu führen, sondern Menschen, die neutral in ihrer Haltung und ihren Worten bleiben und dir dabei helfen, deinen eigenen Weg zu finden. Menschen, die nicht für dich denken und entscheiden, sondern für dich da sind.
  2. Verabschiede dich von deiner Bequemlichkeit. Du bist ein Individuum. Vorgefertigte Lösungen passen stets nur bedingt und bruchstückhaft. Die Sätze anderer zu rezitieren oder gar darauf zu hoffen, dass jemand anders für dich dein Ziel erreichen kann, sind pure Selbsttäuschung. Auch ein Verharren in der Opferrolle mit unzähligen Ausreden, warum etwas nicht anders oder besser werden kann, sind reine Bequemlichkeit. Vielleicht lassen sich nicht Gegebenheit im Außen verändern, aber mit Sicherheit lässt sich verändern, wie du sie wahrnimmst. Deine Einstellungen, innere Haltungen, Glaubenssätze, Werte … all das ist veränderbar und nur du kannst es tun. Es ist anstrengend und langwierig, doch deine Lebensqualität hängt davon ab. Diese Sätze sind unbequem und sie sollen es sein. „Erst wenn der Leidensdruck groß genug ist, verändert sich der Mensch“ … auch das durfte ich am eigenen Leib erleben.
  3. Lerne dein Ego zu zähmen. Kaum etwas stand mir in meinem Leben so hartnäckig im Weg wie mein eigenes Ego. Was möglich ist und was nicht. Was richtig und was falsch. Beurteilungen und Bewertungen. Eine wichtige Funktion des menschlichen Egos und in vielen Bereichen durchaus angebracht, doch in manchen absolut hinderlich. Beim Blick nach innen, auf sich selbst, sollte es nicht um Bewertung und Beurteilung gehen, sondern um annehmen und umarmen dessen, was da ist. Lange Jahre sah ich entweder das eine oder das andere in mir, taumelte zwischen düsteren Emotionen und überdrehter Euphorie, kam nie in die Balance, weil mein Ego jeweils nur einen Aspekt sehen konnte. Als ich gelernt hatte, mein Ego zu zähmen, begann ich die Vielfalt dessen wahrzunehmen, was in mir ist, gleichzeitig, parallel. Kein Widerspruch, sondern Diversität. Das brachte Ruhe, Vertrauen und ließ mich wertungsfrei umarmen, was ich bin.
  4. Liebe dich so, wie du bist. Ohne Wenn und Aber. Hier und jetzt. Fang sofort damit an, und nicht erst, wenn dies oder das erfüllt ist. Kaum eine Herausforderung in meinem Leben war so schwer wie der Blick in den Spiegel und zu lieben, was ich erblickte. Kaum etwas hatte so weitreichende positive Auswirkungen.

Für die Umsetzung dieser vier Anregungen gibt es viele unterschiedliche Methoden. Das Leben ähnelt ein wenig einem Baukastensystem. Ganz viele Teile, die irgendwie alle zusammenpassen und mit denen völlig verschiedene Dinge gebaut werden können. Kreativität pur. Typisch Leben. 4 Bausteine reichen (in der DNS), um (fast) jeden Menschen anders aussehen zu lassen. Möglicherweise reichen 4 Anregungen, um in der Vielzahl an Formeln und Methoden für dich die passenden Bausteine zu finden.

Egal, welche Glücksformel es ist. Egal, wie das Erfolgsgeheimnis auch lautet. Wenn du nicht bei dir selbst abgekommen bist, fehlt etwas Wesentliches, etwas Unersetzliches. Andere können dir Tipps geben oder erzählen, wie sie es für sich selbst geschafft haben, aber nichts und niemand kann dir ersparen, deine eigenen Erfahrungen zu machen auf deinem Weg zu dir selbst. Und das ist gut so. Schließlich bist du keine Kopie, sondern ein Original!

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