TOXIC PEOPLE

In den letzten Wochen und Tagen hatte ich viel Zeit zum Nachdenken und Nachspüren. Letzteres kam in meinem Leben immer wieder zu kurz bzw. blockierte ich mich selbst, überließ es meiner Beobachtungsgabe und meinem Verstand, die Geschehnisse zu analysieren, zu bewerten und Entscheidungen zu treffen. Vielleicht auch deshalb, weil ich als „Hochsensible“ es schlichtweg nicht aushielt, was ich auf Gefühlsebene wahrnehmen konnte. Als Kind davon überfordert, behielt ich meine „kopflastige“ Lebensweise lange bei. Heute bin ich stark und reflektiert genug, auch meine Wahrnehmung auf Gefühlsebene wieder zuzulassen. Was ich dabei beobachte, werde ich in diesem und den folgenden Beiträgen schildern.

Beginnen möchte ich mit einem Begriff, der immer wieder mal fällt: Toxic People. Googelt man den Begriff, findet man abweichende Definitionen (wie bei vielen anderen Begriffen auch, denen wir im Alltag begegnen). Daher starte ich gleich mal mit einer Begriffsklärung, was „Toxic People“ für mich bedeutet.

Für mich sind Toxic People Menschen, die durch ihre Art und Weise, wie sie handeln, welche Worte sie verwenden und welche Emotionen sie dabei ausstrahlen, wie Gift auf meine physische, psychische und emotionale Balance und damit meine Gesundheit per se wirken. Ich sage nicht, dass diese Personen an sich „giftig“ sind. Das wäre eine Zuschreibung, die mir nicht zusteht. Für mich zählt, welche Auswirkungen ihre Handlungen auf mich haben und hierbei geht es nochmal darum zu erkennen, dass ich diese Auswirkungen zulasse – ich könnte mich ja auch abgrenzen und entfernen, was mittlerweile meine Vorgehensweise ist. Zu behaupten, ich wäre der Wirkung ausgeliefert, käme einer Flucht in die Opferrolle und der Aufgabe der Eigenverantwortung gleich. Ich würde diesen Menschen gestatten, über mein Empfinden zu bestimmen, mich ihnen ausliefern – ihnen de facto Macht über mich geben.

Viel abstrakte Theorie. Zeit, für alltagstaugliche Praxis.

In meinem Freundeskreis gibt es Person X, oder es gab Person X, denn seit einigen Monaten vermeide ich jeglichen Kontakt. Ich wähle hier bewusst die Bezeichnung „Person X“, um jegliche Ableitung in Mann oder Frau zu unterbinden. Einerseits könnte das tief verwurzelte stereotype Rollenbilder wachrufen, andererseits gab es tatsächliche mehrere Personen X in meinem Leben und es fällt mir schwer, mich bei meinen Schilderungen auf eine davon zu beschränken, denn im Verhalten waren alle X austauschbar.

Die Kommunikation mit Person X verlief stets in ähnlichen Schemata: auf anfängliche Trivialitäten und Höflichkeitsfloskeln folgte rasch ein kaum zu bremsender Wortschwall an Negativitäten. Jammern und Klagen über Freunde, Familie, Job, die Welt, das Leben, alles und jeden. Zu diesem „Müll“ gesellte sich stets die Aufforderung und Rückversicherung, ob ich das alles genauso sähe und verstehen könne. Unzählige Male wurde ich um Rat und Hilfe gefragt, doch meine Vorschläge wurden entweder sofort oder einige Zeit später als „nicht umsetzbar“ zurückgewiesen. Irgendwann erkannte ich, dass es nicht darum ging, tatsächlich ein Problem zu lösen, sondern nur Frust und andere negativen Emotionen abzuladen. Manchmal sogar um regelrechte Intrigen gegen Dritte. Manipulation pur. Destruktiv und anmaßend. Regelmäßig nach solchen Kommunikationen stürzte ich selbst aus meinem zuvor guten Zustand in ein bodenloses Loch. Es mangelte mir eindeutig an der Fähigkeit, mich gegen diesen „Müll“ abzugrenzen.

Meine schlaue Lucy gab mir dazu vor vielen Jahren ein leicht nachvollziehbares Bild. Sie sagte: „Stell dir ein Glas mit kristallklarem Wasser darin vor. Das bist Du, wenn es dir gut geht. Dann kommt jemand und lässt einen Tropfen schwarze Tinte in das Wasser fallen und es beginnt sofort sich einzutrüben. Jedes Wort von uns ist ein Tropfen. Positive Worte sind klar, negative schwarz wie Tinte. Es braucht nicht viele Worte, um ein Glas kristallklares Wasser in eine trübe Brühe zu verwandeln.“

Auch wenn ich ihr Gleichnis verstand, ich fand lange Zeit nicht die Kraft und den Mut, mich abzugrenzen. Bildlich gesprochen: Meine schützende Hand über das Glas mit kristallklarem Wasser zu halten und die schwarze Tinte abzublocken. Wovor ich Angst hatte? Vor Zurückweisung, Ablehnung, Ausgrenzung … ich nahm all das „Gift“ bereitwillig an, weil ich mich nach Zugehörigkeit, Anerkennung, Geborgenheit und Liebe sehnte. Ich gab jenen Toxic People die Macht über mich, akzeptiere die Giftigkeit ihres Verhaltens, zahlte den aus meiner Sicht notwendigen Preis, verharrte in der Opferrolle.

Heute ist damit Schluss.

Menschen können tun und lassen was sie wollen. Ich verurteile niemanden, aber ich entscheide, wen ich in mein Umfeld lasse. Empfinde ich ein Verhalten als belastend, grenze ich mich ab, halte meine schützende Hand über mich selbst.

Jeder Mensch hat das Recht auf seine eigene Meinung und seine persönliche Wahrnehmung dieser Welt. Ich muss keine einzige davon teilen oder gar übernehmen, denn auch ich habe meine eigene. Ich entscheide selbst, ob und wie lange ich eine Kommunikation aufrechterhalten, und ob ich als Mülleimer für die Psychohygiene anderer fungieren will. Ob ich in diesem Augenblick die Kraft und notwendige Distanz habe, um für jemand, der wirklich Hilfe braucht, da zu sein. Oder ob Person X einfach nur die Welt vergiften will, um die eigene Erwartungshaltung zu verwirklichen.

Toxic People können toxisch sein so viel sie wollen. Ich spiele bei ihrem Spiel nicht mehr mit. Das ist meine persönliche Entscheidung, getroffen aus der Eigenverantwortung und Selbstsorge mir gegenüber.

Toxic People per se zu verurteilen und zu verdammen würde bedeuten, sich auf deren Niveau zu begeben. Genau genommen geschieht das bereits durch die Verwendung des Begriffes.

Deshalb lautet meine Entscheidung, mich mit Menschen zu umgeben, die meine Werte teilen und mein Leben bereichern, mit denen ein wertschätzender Austausch möglich ist und die ihre eigenen sowie meine Grenzen respektieren.

Vor einigen Tagen meinte jemand, ich „säße auf einem hohen Ross und solle mal runterkommen“. Diese Person (X) darf gerne diese Meinung über mich haben – ebenso wie ich meine eigene: Ich habe die Verantwortung für mich selbst, mein Leben und meinen eigenen Zustand übernommen. Wer damit ein Problem hat, darf dies gerne behalten. Ich habe keines. Oder anders (positiv) formuliert: Für mich ist es genauso in bester Ordnung 😉

#FeelTheEmbraceOfLife

Apropos Wasser: Schon vor vielen Jahren begegnete mir die Theorie des „Besprechens von Wasser“. Meine eigenen Erfahrungen dazu sind positiv. Für mich hat es funktioniert – unabhängig davon, ob wissenschaftlich nachgewiesen oder nicht. Vielleicht war das der berühmte Placebo-Effekt? Wie auch immer, wenn ich bedenke, dass unsere Körper zu einem sehr hohen Anteil aus Wasser bestehen und dieses Wasser die Information (oder Energie) unserer Worte speichern kann … gewinnt der Satz „Achte auf deine Worte …“ noch mehr an Bedeutung 😉

Bild: pixabay.com

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