Vorsicht, Falle!

Was hat mich die vergangene Woche gelehrt? Neuerlich eine Lektion darüber, wie tricky zwischenmenschliche Kommunikation sein kann. Wie leicht tappt man in die Kommunikationsfalle Missverständnis.

Beispiel: ein Chat über einen Messenger.

Ich schrieb einige Gedanken meinerseits, die ich mir über mich selbst und mein Verhalten machte, welche Schlüsse ich daraus zog etc. Als Antwort (symbolischer Käse) kam „ist ja gut“. Mein erstes Gefühl daraufhin war Unwohlsein, mein erster Gedanke: ich gehe da jemand auf den Nerv und bekomme einen Hinweis darauf, zum Ende zu kommen, also eine Interpretation im Sinne von „Ist ja gut, hab’s kapiert, lass es gut sein“.

Aber war es wirklich so gemeint?

Die Falle wartete darauf, zuzuschnappen.

Im Chatverlauf, ohne Stimmlage, Mimik und Gestik des anderen wahrnehmen zu können, kann eine Aussage unterschiedlich und vielfältig interpretiert werden. Ähnlich dem universalen Wort aus dem Wienerischen: Oida … so ziemlich für JEDE Lebenslage passend. Die tatsächliche Bedeutung offenbart sich durch die Tonlage, Mimik und Gestik.

Für alle, die nicht Wienerisch sprechen, hier ein informativer Einblick in die Verwendung des Wortes „Oida“ https://www.youtube.com/watch?v=iuXR53ex4iI

Zurück zu meiner Lektion.

Nachdem ersten unangenehmen Gefühl schaltete ich mein bewusstes Denken ein, schob die negative Erwartungshaltung beiseite und hinterfragte aktiv, wie die Aussage „ist ja gut“ gemeint war. Wie sich zeigte, lag ich mit meiner ersten Interpretation völlig daneben. Aber in dieser Fehlinterpretation spiegeln sich alte Erfahrungswerte von mir wider. Insbesondere die Annahme, ohnehin nur auf Ablehnung zu treffen. Lange Jahre bestimmte mich diese innere Haltung, doch zwischenzeitlich habe ich die Programme umgeschrieben. Dennoch – manchmal, wenn ich müde und unachtsam bin, poppt so ein „alter Schrott“ (wie ich es gerne nenne) auf und versucht, mir in die Suppe zu spucken. Es wäre ein Leichtes, nun in die Spirale aus Selbstvorwürfen zu fallen, es nicht längst besser zu machen, aber auch das ist „alter Schrott“, weshalb ich mich selbst mit einer großen Portion Humor auf die Schaufel nehme. Oida.

Gewiss, in dieser scheinbar harmlosen Situation versteckte sich explosives Potenzial. Ein kleines Missverständnis, geschuldet dem Mangel an nonverbaler Kommunikation in einem so eindimensionalen Medium wie einem Chat. Ein fatales Missverständnis, das schnell eine Kettenreaktion aus Vorwürfen, Rechtfertigungen, Angepisst-sein etc. nach sich hätte ziehen können.

Achtsamkeit hat mich davor bewahrt und mir neuerlich vor Augen geführt, wie wichtig es ist, achtsam durchs Leben zu gehen. Wie rasch man über ein Wort oder ein Satzzeichen stolpern kann. Hier ein einprägsames Beispiel:

Er will, sie nicht.

Er will sie nicht.

Ein winziges Komma (oder Beistrich) verändert die Bedeutung des Satzes erheblich. Angesichts der grassierenden, befremdlichen Simplifizierung der Orthografie in Chatverläufen sträuben sich mir die Nackenhaare, was dabei alles missverstanden werden kann – und auch wird.

Unklare Aussagen führen beinahe zwangsläufig zu Interpretationen. Diese wiederum sind in erster Linie nur ein Spiegel dessen, was die interpretierende Person in sich trägt, und haben häufig wenig mit der anderen Person zu tun, der jedoch die Interpretation quasi in den Mund gelegt wird.

Kompliziert? Kommunikation ist kompliziert – und besser gesagt: wir machen sie kompliziert. Doch irreführenden Gebrauch von Wörtern, schlampige Satzstellungen und fehlende Satzzeichen, durch Nicht-Aussagen … Achtlosigkeit in vielfältiger Form.

Dagegen hilft Achtsamkeit – und hinterfragen. Wertschätzendes Hinterfragen, wohlgemerkt. Frei von Vorwürfen mit dem aufrichtigen Wunsch, zu verstehen.

Auch jemand wie ich, die gerne mit Worten spielt, ist nicht davor gefeit, etwas misszuverstehen. Mein wiedergefundener Seelenfrieden und meine innere Balance sind zwar stark, doch an manchen Tagen überwiegt die Müdigkeit, führt zu Unachtsamkeit … und schon ist es passiert. Dann verschränkte ich meine Finger (damit ich nicht eine voreilige Antwort tippen kann), atme einmal tief durch, spüre in mir nach, woher das Gefühl kommt (aus der Gegenwart oder meiner Vergangenheit), und stelle dann eine Frage, die mir hilft, die Aussage korrekt einzuordnen.

Meine weise Lehrmeisterin Lucy pflegte zu sagen: „Die Menschheit hat genau drei Probleme. 1. Mangelnde Kommunikation. 2. Mangelnde Kommunikation und 3. (welche Überraschung) mangelnde Kommunikation.“

Kommunikation besteht aus Sender und Empfänger. Der Sender ist verantwortlich für das, was ausgesandt wird. Der Empfänger für das, wie es empfangen wird. Keiner von beiden kann sich völlig aus der Verantwortung nehmen und sagen, der andere hat etwas falsch gemacht. Beide haben die Möglichkeit, einzugreifen und Missverständnisse zu vermeiden. Ganz gleich, ob live, im Chat oder wo auch immer.

Diese Lektion hat mir das Leben bereits öfters erteilt. Auch dieses Mal bin ich dankbar dafür, daran erinnert worden zu sein, achtsam zu bleiben. Und so schließe ich meinen heutigen Blog mit einem erleichterten „Oida“ und lasse den Käse in der Falle.

Bild: Pixabay.com

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