VON MENSCHEN UND ALIENS

Vergangene Woche habe ich fünf Tage ich als Ausstellerin auf der Buchmesse Wien verbracht. Nach beinahe 2 Jahren Corona mit mehreren Lockdown-Phasen plötzlich wieder mit hunderten, tausenden Menschen innerhalb kürzester Zeit konfrontiert. Eine spannende Erfahrung.

Nach wie ist da diese Ambivalenz in mir.

Einerseits das wunderbare Gefühl, inmitten vieler (mit ähnlichen Interessen, weil Buchliebhaberinnen) zu sein, sich in der Menge wie in einer Welle treiben zu lassen, zuhören und zu erzählen, hin und wieder auch ein wenig im (kleinen Rahmen) im Mittelpunkt zu stehen. Ein buntes Treiben, vielfältig, menschlich.

Anderseits die erdrückende Flut negativer Emotionen, unterdrückte Ängste, ungelöste Konflikte. Flüchtige Blicke, die taxieren und ablehnen. Menschen mit all ihren Problemen auf der Flucht vor sich selbst – bewusst oder unbewusst. Unsichtbar zu sein für jene, deren Wahrnehmung geblendet ist von dem, was sie nicht sehen wollen. Ein starres Verharren, komplex, menschlich.

Dazwischen fühle ich mich wie ein Alien. Vielleicht werde ich auch von einigen so gesehen. Wer tanzt schon in der U-Bahn von Wien zur Musik von ABBA? Mir ist noch niemand begegnet. Ich bin … anders.

Wie anders, das haben mir etliche Gespräche auf der Messe bestätigt. Meine Bücher gehören nicht zum Mainstream, daher erzähle ich gerne etwas über die Hintergründe. Kaum fällt das Wort Borderline, geht’s auch schon los mit den Geständnissen. 4 von 5 berichten, dass sie mindestens einen Borderliner in ihrem Umfeld kennen. Schneller als mir lieb ist, höre ich Lebensgeschichten bzw. agiere stabilisierend im Sinne von Coaching, weil etwas in den Menschen aufbricht. Da sind Schuldgefühle ebenso dabei wie Hilflosigkeit. Oder Verzweiflung, wenn die Story ein trauriges Ende nimmt. Unverständnis in vielen Fällen. Bewunderung, dass ich es „geschafft“ habe und es mir so gut geht. Wie ich das denn hinbekommen habe?

Die Antwort, die auf diese Frage folgt, hören die Menschen zwar, aber ob die Botschaft immer gehört wird, daran zweifle ich.

Die eigenen, inneren Konflikte auflösen, ohne Wenn und Aber auf sich selbst zugehen und annehmen, was man findet … Zustimmung ja, aber Umsetzung???

Menschen sind Menschen. Sie lernen erst, wenn der Leidensdruck groß genug ist, das hat meine weise Lucy gerne gesagt. Und sie behält bis heute recht. Leiden statt lösen. Ich kann nur hoffen, dass viele – so wie ich – eines Tages aufwachen und das Leid beende. Liebe macht das Leben unendlich lebenswerter, lebendiger, lustvoller, …

Wer weiß, vielleicht bin ich eines Tages ein in der U-Bahn tanzendes Alien inmitten ganz vieler anderer in der U-Bahn tanzenden Aliens … und die „Normalen“ sind die Ausnahme. Was für eine Vorstellung!

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WENN DIR DAS LEBEN DEN STINKEFINGER ZEIGT …

… sind Gelassenheit, Pragmatismus und eine riesengroße Portion Humor gefragt.

Mein aktueller Status: Der linke Knöchel schmerzt nach dem Bänderriss vom letzten Jahr immer noch. Im rechten Knie eine Baker-Zyste, die linke Hand im Gips und rechts ein Tennis- bzw. Strickarm. Und damit das Ganze nicht nur körperlich zwickt, rumpeln meine Emotionen über eine Achterbahn, von himmelhochjauchzend bis zu düsterem Weltschmerz … und ich habe keine Ahnung, was diesen Stimmungshöllenritt ausgelöst hat. Es gibt keinen Grund für trübe Gedanken. Vielleicht hat mich was getriggert? Vielleicht sind es die Hormone? Das Wetter? Der Mondstand?

Ich weiß nur eines: es ist zaaaach.

Normalerweise tippe ich fast so schnell wie ich denke. Und jetzt? Meine Gedanken überholen die Buchstaben mehrfach, die ich mit 5+3 Finger ungelenkig in die Tasten klopfe.

Das Leben hat mich ausgebremst.

Eine Lektion in Geduld – und Dankbarkeit.

Dankbar zu sein dafür, mir meiner selbst, meiner Kraft und meines Lebenswillens derart bewusst zu sein, dass ich den düsteren Impulsen – woher auch immer sie kommen – nicht folge. Diese Phase wird vorüber gehen, wie alles im Leben.

Wenn ich heute darüber berichte, dann nicht um Mitleid zu ernten. Vielleicht können meine offenen Worte anderen helfen, die sich in ähnlich (ver)irren(den) Situationen wiederfinden und Gefahr laufen, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Das Leben zeigt uns nämlich nicht den Stinkefinger. Was danach aussieht, ist nichts anderes als ein Wellental nach einem Wellenberg.

Die Wellen des Lebens. Mal geht’s rauf, dann wieder runter. Absolut nichts Neues. Dennoch blenden wir es gerne aus. Wie verführerisch sind die Versprechen von immerwährender Glückseligkeit – und wie illusorisch. Wer auf einen Gipfel will, beginnt seine Reise im Tal. Doch niemand bleibt ewig auf dem Gipfel. Es geht auch wieder runter. Und wieder rauf … Wellenreiten ist auch ein wunderbarer Vergleich. Runterfallen gehört dazu.

Rettungsring Pragmatismus. Mit dem Schicksal zu hadern, ändert nichts. Mich über meine ungeschickte Aktion beim Basketball oder meine exzessiven Strickallüren zu ärgern, lässt den Gips nicht verschwinden. Es ist, was es ist.

Ich nutze meine aktuelle Situation auch für humorvolle Spekulationen: Nachdem zwei Finger meiner linken Hand im Gips stecken, fällt sie zum Eincremen des rechten Tennisarms aus. Meine linke Fußsohle bietet sich ersatzweise dafür an. Allerdings könnte ich mir bei dieser Aktion den Rücken verrenken, was wiederum die Sanitäter erheitern würde, die mich entknoten müssten.

Über mich selbst schmunzelnd erinnere ich mich an eine Geschichte in einem Buch von Osho. Darin ging es um einen weisen Zen-Meister, der – so sehr es ihn auch in seinem Herzen schmerzte – seinen Schüler aus dem Fenster schubste, wenn dies für dessen Weg zur Erleuchtung hilfreich war. Das Leben ist für mich eine weise, mitunter linkische Zen-Meister*in. Nicht jede Lektion ist leicht oder gar angenehm. Doch wie heißt es so schön: Fernab der Welt in der Einsamkeit einer Höhle im Einklang mit sich selbst zu leben ist eines, inmitten des hektischen Alltags etwas gänzlich anderes.

In diesem Sinne zeigt mir das Leben nicht den Stinkefinger, sondern lädt mich ein die Brandung zu fühlen…

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BIST DU NICHT WILLIG …

… steig ich für dich auf die Bremse. So ungefähr lassen sich die Ereignisse der vergangenen Woche in einem Satz darstellen.

Ein durchgetakteter Kalender, Pflicht ebenso wie Kür (sprich: Spaß). Dennoch kaum Zeit zum Nichtstun. Also warf das Leben meine Agenda kurzerhand um und verpasste mir eine Gipshand, die aktuell einiges verhindert. Spazierengehen statt Fitnessstudio. Nachdenken. Was will mir das Leben (oder mein Unterbewusstsein) sagen? Einige Warnzeichen hatte ich bereits ignoriert und meinen Kurs durchgezogen. Aber nun ging es nicht mehr. Zeit für einen neuerlichen Blick hinter den Spiegel.

Es gibt da etwas in meinem Leben, das nicht so läuft, wie ich es gerne hätte. Das frustriert mich und führt gleichzeitig zu außerordentlichem Engagement. Zu viel des Guten? Loslassen? Das Thema zeigte sich zu schnell, zu klar, zu simpel. Für mich ein klassisches Ablenkungsmanöver. So „einfach“ konnte es nicht sein. Dafür waren die Auswirkungen zu komplex. Da half nur eines: raus in die Natur.

Wenn der (von Menschen gemachte) Lärm um uns verstummt, hören wir wieder die Stimme des Lebens in uns.

Dieser weise Satz stimmt tatsächlich aus meiner Tastatur. Was wäre naheliegender, als danach zu handeln.

Unweit von mir liegt ein 52 Hektar großes hügeliges Waldgebiet mit unzähligen Wegen, auf denen man stundenlang wandern kann, ohne Menschen zu treffen. Optimal – abgesehen davon, dass ich meistens woanders lande als geplant. Aber nachhause fand ich bisher noch immer.

In der Stille des Waldes blickte ich in meinen Spiegel. Da gab es etwas, dass ich nicht sehen, mir nicht eingestehen wollte. Das, was nicht so lief, wie ich wollte, ist eine zwischenmenschliche Beziehung, die kraftvoll gestartet hatte und nun irgendwie stagnierte. Dieser Stillstand ist frustrierend – und gleichzeitig beruhigend, denn ein Teil von mir fürchtet sich davor, verletzt zu werden. Nach dem Crash von 2020 nicht verwunderlich. Dennoch etwas, das ich mir eingestehen muss. Nicht mein Denken fürchtet sich, das kommt auch damit klar. Ein anderer Teil von mir tut das nicht. Dieser Teil wurde so tief verletzt, dass selbst Zuneigung und Vertrauen innerhalb jener Beziehung nicht reichen, um die Furcht in mir zum Schweigen zu bringen.

Wie stark diese Furcht war, zeigte sich bei jeder Treppe, die ich hinab schritt. Der Crash 2020, also das dramatische Ende meiner 24-jährigen Beziehung, ist untrennbar mit dem Sturz auf der Treppe, dem Bänderriss und seinen Folgen verbunden. Bis heute erfasst mich Unsicherheit, wenn ich eine Treppe hinabgehe, starre ich auf jede einzelne Stufe, fühle ich mich unwohl. Früher lief ich Treppen „blind“ hinab. Heute undenkbar. Der Schock der Trennung, die extremen Emotionen, haben sich tief in das Körpergedächtnis eingeprägt und beeinflussen immer noch meine Bewegungen. Warum sollte meine emotionale Innenwelt davor verschont bleiben?

Es geht mir nicht darum, diesen Umstand in irgendeiner Form zu bewerten. Oder gar darunter zu leiden, mich als Opfer zu sehen. Das bin ich nicht. Aber ich halte es für wichtig, mir bewusst zu machen, was – noch immer – in mir wirkt, um damit gut umgehen zu können.

Möglicherweise war meine straff getaktete Agenda ein Versuch, diesem Blick in den Spiegel auszuweichen, die Frustration zu übertönen, mir anderweitig Befriedigung zu holen … zutiefst menschliche Strategien.

Ich bin nur ein Mensch. Lebenskrisen können mich wie jeden anderen auch aus der Bahn werfen. Zäsuren gehen nicht spurlos an mir vorüber. Ambivalente Gefühle gehören manchmal dazu. Das darf so sein. Deshalb bin ich weder schwach noch lebensunfähig, sondern einfach nur menschlich.

Gut möglich, dass ich deshalb vom Leben eingebremst wurde, um mir all dies bewusst zu machen, den verletzten Teil in mir zu umarmen, mir Zeit für mich selbst zu nehmen. Immerhin hat das Leben mir nicht ein Gipsbein verpasst, sondern nur eine Gipshand. Gedankenreiche Spaziergänge durch die Natur, um meine innere Stimme deutlicher zu hören, darf und kann ich führen.

Auf meinem heutigen Spaziergang entstand auch das Bild zu diesem Beitrag. Aufgenommen an jener Stelle, an der sich mir die Zusammenhänge offenbarten.

EIN GOLDENER KÄFIG

… so nenne ich manchmal die menschliche Komfortzone. Dieser Begriff beinhaltet als das, was ein Individuum kennt und kann … andere Menschen, Orte, Tätigkeiten … alles, was vertraut ist, wenngleich es nicht immer angenehm sein muss. Aber zumindest weiß man, was es ist, kann das Risiko einschätzen und sich einigermaßen „sicher“ fühlen. Deshalb golden.

Außerhalb dieser Komfortzone lauert das Unbekannte auf jeden von uns. Orte, die wir nicht kennen. Menschen, denen wir noch nie begegnet sind. Tätigkeiten und Handlungen, die wir noch nicht getan haben und daher nicht wissen, ob wir das können. Was wiederum impliziert, dass wir damit gewaltig auf die Nase oder anderes fallen können. Und dies zum Amüsement anderer. Oder zu unserem eigenen (finanziellen oder anderen) Ruin. Weshalb nahezu jeder Mensch über einen gewissen „inneren Wächter“ verfügt, der uns davon abhält, allzu voreilig und unbedacht aus unserer Komfortzone zu stürmen. In gewisser Weise wird sie durch diesen inneren Wächter zu einem Käfig, der uns schützen soll, aber eben auch einsperrt.

Unser goldener Käfig aka Komfortzone ist schon etwas Geniales, ebenso wie etwas Problematisches.

Letzteres speziell dann, wenn wir etwas in unserem Leben verändern wollen in Sinne von etwas Neuem, dem wir uns erstmals widmen. Dann nämlich mahnt unser innerer Wächter zu (häufig übertriebener) Vorsicht, erinnert an vergangene Episoden des Scheiterns und prophezeit eine Wiederholung, dämpft jene Energie, die uns voran treiben würde … Ich denke, auch ohne dies weiter auszuführen kann sich jeder vorstellen, was ich meine oder auf eigene Erinnerungen zurückgreifen.

Heute finde ich es amüsant und erschreckend zugleich, wie lange ich mich von meinem inneren Wächter kontrollieren ließ, ohne die von ihm prognostizierten Schreckensbilder auf ihre Relevanz hin zu hinterfragen. Ich könnte mir selbst also eine gewisse „konsequente Lernresistenz“ attestieren (die glücklicherweise zwischenzeitlich ausgestanden ist) oder es nobler formulieren: Ich nahm mir reichlich Zeit zur empirischen Überprüfung gewisser Theorien im Selbststudium. Wie auch immer …

Die Kernaussage bleibt dieselbe: ich stand mir selbst im Weg bzw. hockte in meinem goldenen Käfig und starrte hinaus in die weite Welt mit Wunschträumen im Kopf, die ich nicht umzusetzen wagte.

Bei diesen Wunschträumen handelte es sich nicht um Weltbewegendes. Ganz im Gegenteil. Im Grunde waren es „banale“ Dinge, wie einfach meine Gefühle und Bedürfnisse anderen Menschen gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Oder einfach mal zu tanzen, wenn mir danach war und die Musik meine Beine lockte. Ein Selfie zu machen und dies zu teilen.

Wenn ich so darüber nachdenke, waren und sind genau jene „Banalitäten“ mitunter „weltbewegend“ – sie bewegten nämlich meine eigene „Welt“, denn sie waren kein Teil meiner Komfortzone. Aus der musste ich raus, um eben jenes tun zu können. Raus aus dem goldenen Käfig hinein in eine unbekannte Dimension des Lebens.

Was würde mich dort erwarten? Heute kenne ich die Antwort, aber bevor ich sie verrate, noch ein paar weitere Gedanken.

Ohne Übertreibung treffe ich gefühlt täglich Menschen, die aus ihrem goldenen Käfig in die Welt hinausstarren. Längst habe ich aufgehört, aktiv nach den Gründen für ihr Verharren in ihrer Komfortzone zu fragen. Auch wenn diese Gründe auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinen mögen, im Kern geht es stets um dasselbe: sie stehen sich selbst im Weg bzw. überlassen ihrem inneren Wächter die Kontrolle über ihr Leben. Dieser Wächter sollte jedoch nur als Berater fungieren, nicht als Steuermann oder gar Kapitän. Für diese Funktion fehlt dem Wächter nämlich der komplexe Weitblick und die Vision der Veränderung.

Stichwort Veränderung. Einer der beliebtesten Gründe, in der Komfortzone zu verharren, und sich selbst den Schritt hinaus zu verwehren, ist diese.

„Veränderung ist schwer.“

Schade, dass du gerade nicht das leicht süffisante Lächeln in meinem Gesicht sehen kannst, wenn ich in meinem Kopf jenes formuliere:

„Veränderung ist stets so schwer oder leicht, wie du dir selbst erlaubst, dass sie sein darf!“

Mit dieser Aussage habe ich schon so einiges ausgelöst. Von Verärgerung und wortlosen Abgang, bis zu beschämtem Erröten oder verständnislosem Kopfschütteln. Dabei ist sie absolut logisch und nachvollziehbar. Das gesamte „Problem“ inklusive goldenem Käfig, innerem Wächter und Erinnerungen an Scheitern existiert ausschließlich in unserem Denken. Wer sonst als wir selbst kann uns in unserem Denken im Weg stehen? Natürlich wird manchmal versucht, die „Schuld“ für das eigenen Denken auf jene zu schieben, die verursacht haben, dass man so denkt wie man denkt …

Naja, Ausreden gibt’s viele auf dieser Welt. Mindestens so viele wie es Menschen gibt. D.h. die Ausreden werden täglich mehr. Aber im Fall eines erwachsenen, mündigen und sich selbst als handlungsfähig einstufenden Menschen sind dies Ausflüchte, denn sich aus der Fremdsteuerung durch Konditionierung zu befreien, ist Teil des Entwicklungsprozesses eines jeden Menschen. Somit auch Teil unserer individuellen Verantwortung der Menschheit gegenüber.

Wenn ich dich an dieser Stelle aus deiner eigenen gedanklichen Komfortzone schubse, kann ich nur sagen: „Willkommen im Club“. Mir erging es vor vielen Jahren genauso. Ich war einst eine Weltmeisterin der Ausreden, der Schuldzuweisungen an andere und des Verharrens in der Opferrolle. Dies war mein goldener Käfig, der mich davon abhielt, meine Zeit hier auf Erden nach meinen Bedürfnissen, Wünschen und Vorstellungen zu gestalten. Der mich davon abhielt, voller Lebensfreude das Wunderbare im Alltäglichen zu entdecken und dankbar für jede – wirklich jede – Erfahrung meines Lebens zu sein.

Meine persönliche Komfortzone ist längst kein goldener Käfig mehr, sondern ein dynamisches, vielfältiges, sich ständig erweiterndes Haus. Meine persönliche Villa Kunterbunt. Jedes Mal, wenn ich einen Fuß aus dem Haus hinaus in die Welt setze, weiß ich – fühle ich – dass mich eine Umarmung des Lebens erwartet. DAS ist einer jener Wunschträume, die für mich real wurden, als ich wagte, meinen goldenen Käfig namens Komfortzone zu verlassen.

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SCHULD UND SÜHNE

Wieder einmal konnte ich in der vergangenen Woche meinen Mund nicht halten. Oder besser: Meine Finger nicht von den Tasten fernhalten.

Was war geschehen?

„Zufällig“ geriet ich in eine Facebook-Diskussion zu einem heiklen Thema. Die ursprüngliche Fragestellung im Beitrag lautete in etwa so: „Sind Stalker einfach nur kranke Menschen? Oder steckt mehr dahinter? Wie denkt ihr darüber?“

Nun, wer die Facebook-Community kennt, kann sich nun lebhaft vorstellen, welche Art von Kommentaren folgten. Überwiegend war die Reaktion heftig, voller (Vor)Urteile und ebenso voller Überzeugung, damit richtig zu liegen. Schuld wurde zugewiesen und Sühne gefordert. Dazwischen fanden sich ein paar wenige, die vorsichtig darüber sinnierten, ob da nicht noch mehr sein könnte.

Ich konnte nicht anders. Es drängte mich, zu all diesen Stimmen und Meinungen meine eigene hinzuzufügen. Hier der Originaltext meines Kommentars:

„Wo verläuft die Grenze zwischen krank und normal? Das Verhalten eines Stalkers ist keineswegs in Ordnung.  Dennoch stellt sich die Frage: Warum wird jemand zum Stalker? Was ist im Vorfeld geschehen? Was braucht es, damit jemand sein eigenes Verhalten als übergriffig wahrnimmt und sich aktiv um eine Veränderung bemüht? Urteile sind schnell gefällt, aber was wird dadurch besser? Für mich ist das Thema vielschichtig. Krankheit? Persönlichkeitsstörung? Traumatisierter Mensch? Opfer? Niemand wird als Stalker geboren. Es gibt immer eine Geschichte unter der sichtbaren Oberfläche. Und es gibt immer Lösungen und Auswege, die damit beginnen, nicht zu urteilen, sondern zu verstehen.  Aber ich bin auch nicht „normal“. Ich bin Borderlinerin, also „krank“. Deshalb steht für mich die Frage im Vordergrund, was dieser Mensch braucht, um mit sich selbst und anderen respektvoll umgehen zu können. Wie gesagt, ich bin „krank“…“

Zugegeben, die Sätze gegen Ende sind provokativ ausgefallen – bewusst provokativ. Gerichtet an all jene „Gesunde“, die nur allzu rasch (ver)urteilen, ohne die ganze Geschichte zu kennen. Davon gibt es für meinen Geschmack immer noch zu viele. Anders formuliert: Die Anzahl der bewusst reflektierenden und nach Lösungen suchenden Menschen in unserer Gesellschaft bewegt sich nach wie vor in der Größenordnung von Minderheiten. Wieder so eine kleine Provokation. Mea culpa 😉

Dies hier soll kein Plädoyer „pro Stalking“ werden. Ganz und gar nicht.

Dies hier ist ein Plädoyer „zuerst verstehen, dann verändern“. Urteile bringen keine Lösungen. Urteile bringen Bestrafung, Ausgrenzung, Verstärkung des Problems etc. etc. etc. Wäre es anders, hätten Bestrafung schon längst zum Erfolg geführt. Immer wieder interessant, wie wenig lernbereit die Menschheit diesbezüglich ist (sowohl als Gesellschaft als auch als Individuen).

Dies ist ein Plädoyer, zusätzlich zu kurzfristigen Aktionen (im Sinne der Rechtslage) stets auch die langfristige, nachhaltige Perspektive einzubeziehen.

Dies ist ein Plädoyer dafür, Verantwortung für das eigene Handel zu übernehmen (auch wenn diese Handlungen nicht immer in Ordnung sind oder mitunter mit den Gesetzen in Konflikt stehen), die daraus entstehenden Konsequenzen zu akzeptieren, sich selbst die Frage zu stellen, ob man sich künftig an die geltenden Regeln der Gesellschaft, in der man lebt, halten möchte, und anschließend aktiv zu werden um das zu tun, was notwendig ist, um innerhalb der gesellschaftlich anerkannten Spielregeln gemäß den eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen zufrieden, respektvoll und achtsam leben zu können.

Ich empfehle, den obigen Satz mehrfach zu lesen. Was sich da lockig flockig in ein paar Zeilen unterbringen lässt, könnte ebenso gut einen ganzen Seminartag füllen, wenn es bis ins Detail durchdacht wird.

Ein Plädoyer, dessen Umsetzung eine Herausforderung ist. Auch an mich selbst. Ich nehme mich da keineswegs aus. In mir sind nach wie „Bewertungs- und Verurteilungsprogramme“ aus meiner Erziehung innerhalb einer Gesellschaft, die es nicht besser wusste – und offenbar bis heute nicht besser weiß.

Deshalb bin ich dankbar für Gelegenheiten wie die erwähnte Facebook-Diskussion, da sie mir die Möglichkeiten bieten, meine eigenen Denkprozesse zu reflektieren und neu zu kalibrieren. Kommentare wie den oberhalb stehenden schreibe ich als Denkanstoß für andere – und als Erinnerung an mich selbst. In alte Denkmuster zu verfallen, geschieht unglaublich schnell und vor allem lautlos. Da hilft nur Achtsamkeit.

Wie meine weise Lucy gerne zu sagen pflegte: „Stell dir einen dicken Baumstamm vor, der vor dir liegt und den du zersägen sollst. Einen tiefen Einschnitt gibt es bereits. Doch nun sollst du nur wenige Millimeter daneben das Sägeblatt neu ansetzen, weil der alte Schnitt nicht zum Ziel führt. Was wird geschehen? Zu Beginn wird das Sägeblatt immer wieder in die bereits vorhandene, tiefe Spur abrutschen. Es braucht Zeit, Geduld und Konzentration, um in der neuen Spur zu bleiben.“

(M)eine alte Spur heißt „Schuld und Sühne“.

(M)eine neue Spur trägt den Titel „Verständnis und Veränderung“.

Bin ich „krank“?

Nun, ich bin in meinem Denken und Fühlen [nicht] ganz alltäglich, folge meinem eigenen Weg und gehöre damit einer Minderheit in der Gesellschaft an. Es steht jedem frei, dies (oder mich) anders zu beurteilen.

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AUFBRUCH IN EINE NEUE WELT

Nach meiner dreiwöchigen Auszeit vom Alltag in Form eines Kuraufenthaltes und einer weiteren Woche des „wieder Ankommens“ in meinem alten (oder neuen) Leben, stelle ich fest, dass einiges dabei ist, sich zu verändern – oder dies bereits getan hat. Interessanterweise trifft dies ziemlich genau vier Jahre nach meinem Aufbruch der Reise zu mir selbst ein.

Am 13.10.2017 initiierte ich einen Richtungswechsel: Schluss mit dem Blick nach außen, dem Vergleich mit anderen und der Suche nach externen Lösungen. Das „Problem“ existierte in mir – also musste auch die „Lösung“ dort zu finden sein. Lerne zu lieben, was niemand sonst zu lieben vermag – außer der Einen (also mich), die dafür geboren wurde (sich selbst zu lieben). Nun, was daraus entstand, ist mittlerweile Geschichte … im wahrsten Sinne des Wortes, nämlich „eine [nicht] ganz alltägliche Liebesgeschichte“.

Wie ich in den vergangenen Tagen realisiert habe, endet es allerdings (noch) nicht. Neue Wege zeichnen sich ab. Oder besser gesagt: mein Lebensstil passt sich stärker meinem wahren Wesenskern an. Sport und Bewegung rücken wieder mehr in den Fokus. Dominieren beruflich Strukturen und „Unverrückbares“, zieht es mich in der Freizeit Richtung Freiheit. Spontaneität nimmt deutlich mehr Raum ein. Tradierte Überzeugungen (zu täglichen Aufgaben im Haushalt wie Kochen) verblassen (oder doch nur 2x pro Woche auf Vorrat?). Gebügelt habe ich zuletzt … ich weiß es nicht mehr. In Kürze steige ich für viele Fahrten wieder auf Öffis um. Ich hab ganz einfach keinen Bock mehr, meine Lebenszeit 2x täglich im Stau zu verschwenden. In der Bahn kann ich wenigstens dösen, oder lesen, stricken … alles, nur nicht konzentriert und angespannt darauf achten, welche schwachsinnigen Aktionen andere rund um mich setzen und damit sich selbst und MICH gefährden. Außerdem bietet es sich an, über das Klimaticket meine Heimat Österreich übers Wochenende stressfrei zu erkunden – was allein im Auto sitzend eine anstrengende Aktion wäre. Die Bahn rollt und ich entspannt mit ihr.

Die Qualität dessen, was ich in meiner Lebenszeit unternehmen, hat einen neuen Stellenwert bekommen. Ich wurde nämlich – wie mir mittlerweile klar ist – während meiner Kur „infiziert“. Mit einem Gedanken. Oder besser gesagt: mit einer Frage, die sich unterschiedlich betonen lässt:

WILL ich das?

Will ICH das?

Will ich DAS?

Über diese drei Worte in unterschiedlicher Betonung lohnt es nachzudenken.

WILL ich das? à Was auch immer es ist, WILL ich es wirklich? Oder habe ich das Gefühl, es zu müssen, keine Alternative zu haben (was meiner Erfahrung nach so gut wie nie zutrifft). Ist es mein eigener Wille? WILL ich täglich im Stau stehen? Definitiv NEIN!

Will ICH das? à Ist es mein Interesse bzw. meine Entscheidung? Oder will ICH etwas anderes? Mache ich es trotzdem (aus eigener Entscheidung), weil ich jemand damit helfen/unterstützen/eine Freude machen … will? Ist es also meine eigene Entscheidung? Ja, es ist meine eigene Entscheidung. Ich könnte mit dem Auto fahren, aber ICH will nicht, sondern ICH entscheide mich für etwas anderes.

Will ich DAS? à Auch hier die Frage, ob DAS jenes ist, das ich will. Der Fokus liegt auf dem DAS? Im Stau stehen, DAS will ich definitiv, daher wähle ich eine andere Option für mich.

Eine Frage bestehend aus 3 Worten, betrachtet aus 3 unterschiedlichen Blickwinkeln.

Eine Frage, die enormes Potenzial in sich trägt.

Eine Frage, die mir in den vergangenen Tagen und Wochen bewusst machte, dass ich mich in mehr Bereichen von alten Gewohnheiten bzw. übernommenen Einstellungen (z.B. aus meinem Elternhaus) leiten ließ, obwohl sie nicht zu mir passten, als mir bis dato klar war. Ängste, die meine Eltern aufgrund der Zeit, in der sie heranwuchsen, durchaus berechtigt hatten, sind heute häufig obsolet geworden. Ängste sind grundsätzlich ein spannendes Thema, wenngleich ambivalent. Manche Ängste habe ihre Berechtigung und schützen uns, doch hinter vielen Ängsten verbirgt sich keine reale Bedrohung, sondern etwas, das sich in unser Unterbewusstsein eingebrannt hat. Zumeist intensive negative Erfahrungen bis hin zu Traumatisierungen, aber auch Konditionierungen durch ständiges Vorbeten von „was nicht alles schiefgehen könnte und was nicht alles schlecht/bedrohlich ist“. Ängste zu hinterfragen ist wichtig, um eigene (und nicht vorprogrammierte) Entscheidungen für das eigene Leben treffen zu können.

„WILL ICH DAS?“ hilft zu hinterfragen.

Hinterfragen ist eine wichtige Basis für bewusstes Leben.

Bewusstes Leben schützt dafür, eines Tages wie eine Art „Zombie“ durchs Leben zu laufen, ferngesteuert von Konditionierungen, die uns irgendwann irgendwer in den Kopf gepflanzt hat und die seitdem wie ein veraltetes Betriebssystem das Vehikel Mensch durch den Alltag manövrieren.

Ein „Zombie“ lebt, aber ist nicht lebendig.

Lebendigkeit beginnt damit, bewusst zu leben.

Um bewusst zu leben, sollte man anfangen … richtig, zu hinterfragen 😉

„WILL ICH DAS?“

Diese kleine Frage bestehend aus 3 Worten traf zur richtigen Zeit auf meinen offenen Geist, um ihre wunderbare Wirkung entfalten zu können. So breche ich mit ihr auf zu neuen Horizonten, in (m)eine neue Welt, das Jahr 5 meiner Reise zu mir selbst.

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GESPRENGTE KETTEN

Zugegeben, ein etwas theatralischer Titel. Aber als ich heute mit meinem Fahrrad aus der Tiefgarage hinausstrampeln wollte, gab es einen lauten Knall und im nächsten Moment drehten sich die Pedale durch. Kette gerissen. Oder eben gesprengt durch meinen kraftvollen Tritt die Steigung hinauf. Ärgerlich.

Eigentlich wollte ich an diesem vielleicht letzten sonnigen Wochenende mit lauen Temperaturen ins Stadtzentrum radeln und dort in einem der Gastgärten etwas essen. Daraus wurde nun ein halbstündiger Fußmarsch. Auch in Ordnung. Mit etwas Verspätung erreichte ich also mein Ziel.

Nach dem Essen schlug ich einen anderen Weg ein als zuvor. Ohne Fahrrad bot sich die Gelegenheit, den Hügel im Kurpark hochzusteigen und am Hang entlang nachhause zu spazieren. Zwar bin ich diesen Weg seit einigen Jahren nicht mehr gegangen, aber immerhin lebe ich seit mehr als 20 Jahren in dieser Stadt, bin hier zur Schule gegangen … ich dachte tatsächlich, ich kenne mich aus. Welch ein Irrtum! Den Weg, den ich eigentlich gehen wollte, verpasste ich offensichtlich. Stattdessen landete ich auf einem mir völlig unbekannten Weg. Beim Schild „4,8 km bis zur Ruine Rauhenstein“ dachte ich mir noch: „So ein Blödsinn. Das sind doch nie 4,8 km.“ Noch so ein Irrtum. Die Streckenangabe war schon korrekt. Nur war ich auf einem mir fremden Pfad gelandet. Einem sehr schönen Pfad, der alles bot, was meine inneren Batterien aufzuladen vermag.

Ursprünglich wollte ich mit dem Fahrrad über den Radweg und später ein Stück Straße nach Hause fahren. Nun wanderte ich über einen sonnendurchfluteten Waldweg, hoch über den Dächern der Stadt und entdeckte dabei eine äußerst anregende Alternative, um von A nach B zu gelangen und dabei in meinen eigenen Rhythmus zurückzufinden. Überaus erfreulich.

Die gesprengte Fahrradkette sprengte auch meine „Kette an tradierten Abläufen“. Meine Alltagsroutine. Ohne diesen „Unfall“ wäre ich mit ziemlicher Sicherheit am heutigen Tag nicht von meinem gewohnten Weg abgewichen und mir wäre etwas verborgen geblieben, das mich zum Lächeln gebracht, mein Herz erfreut und meine Seele mit Licht geflutet hat … oder anders gesagt: mir wäre möglicherweise ein langer Spaziergang in der Umarmung des Lebens entgangen. Damit ich diese Gelegenheit nicht versäume, hat das Schicksal mir wohl einen kleinen Schubs – oder eine gesprengte Kette – verpasst. Und das gleich in mehreren Bereichen, denn einmal mehr wurde mir bewusst, wie viel sich noch im scheinbar Bekannten versteckt. Wie viel entgeht uns tagtäglich, wenn wir uns nur innerhalb der Routine und auf gewohnten Pfaden bewegen? Wie gut kennen wir den Platz, an dem wir leben? Wie gut die Menschen, die um uns sind? Wie gut uns selbst? Wie viel könnten wir noch entdecken, wenn wir ab und zu unsere Ketten der Gewohnheit sprengen und in Neuland aufbrechen?

Viele Fragen, einladende Gedanken, wertvolle Momente im Einklang mit mir selbst … und all das Dank einer gesprengten Kette. Ich verneige mich vor der Weisheit des Lebens, die mich neuerlich daran erinnert: „Bewerte Ereignisse nicht, bevor sie nicht ihr verborgenes Potenzial offenbart haben.“

Lesley B. Strong © 2021

IN DEN SCHUHEN DES ANDEREN

Die vergangenen zweieinhalb Wochen verbrachte ich auf Kur in den Bergen und somit auf einer Art Retreat. Meine Ziele waren gezielte körperliche Gesundheitsförderung – nach dem anstrengenden Jahr gab es einiges zu reparieren, regenerieren und reorganisieren. Ebenso wichtig war für mich, einiges in mir anzuschauen, neue Blickwinkel, Einstellungen und Ideen zu entwickeln – was abseits der täglichen Routine und vertrauten Umgebung wesentlich leichter fällt.

Die körperliche Seite verlief wie geplant. Die geistig-emotionale alles andere programmgemäß. Dachte ich zu Beginn noch, zu wissen, welche Themen es anzuschauen gilt, stellten sich die meisten davon als Nebenschauplätze raus. Der Blick aus der Distanz offenbarte, dass es um ganz etwas anderes ging. Nun, genau darum ging es im Grunde. Herauszufinden, was mich wirklich beschäftigt. Dafür mussten die Alltagsgeräusche verstummen. Dankenswerterweise gesellte sich unerwartete Impulse von außen hinzu. Auch etwas, das fern der Komfortzone häufiger auftritt als im allbekannten Bereich.

Ich fand für mich ein zentrales Thema, das ich hier sehr allgemein als „zwischenmenschliche Beziehung“ bezeichnen werde. Dies kann von Familie über Freunde und Partnerschaft bis hin zu Kolleg*innen am Arbeitsplatz oder in einem Verein alles betreffen. Beziehungen zwischen Menschen ohne nähere Klassifizierung. Die ist auch gar nicht nötig, denn die Herausforderungen und Problemstellungen ähneln sich. Ebenso wie der Ansatz, den ich für mein Beziehungsthema wählte, um Klarheit in den diffusen Status Quo zu bringen: In den Schuhen des oder der anderen zu laufen.

Damit sind nicht die echten Schuhe gemeint. Das könnte bei nicht gleicher Schuhgröße eine schmerzhafte Angelegenheit werden. Bei dieser Übung geht es darum, sich geistig und emotional in die Rolle des anderen zu versetzen, diverse Situation Revue passieren zu lassen, sich in die mögliche Motivation einzufühlen, um Handlungen besser nachvollziehen zu können. Vereinfacht gesagt: eine Zeitlang so zu tun, als wäre man der oder die andere.

Speziell in Konflikten kann dies erhellende Erkenntnisse bringen und so einiges an Dampf rausnehmen. Aber auch in allen anderen Lebenslagen bewährt sich dieser temporäre Rollentausch.

Im Beipacktext von Medikamenten findet sich meistens eine lange Liste von Nebenwirkungen. Die gibt es gewissermaßen auch bei dieser Übung. Man sollte darauf vorbereitet sein, sein eigenes, höchst subjektiv gefärbtes Bild über Bord zu werfen, wenn man etwas aus der Position und Rolle des oder der anderen betrachtet. Auch könnte vorkommen, dass es danach nicht mehr so leichtfällt, die alleinige Verantwortung auszulagern und sich selbst als das Opfer zu betrachten. Es könnten auch tiefe Emotionen an die Oberfläche kommen, weil man z.B. sich selbst wiedererkennt. In den Schuhen des oder der anderen zu gehen, kann an die eigenen Grenzen führen. Deshalb mache ich diese Übung auch nur, wenn ich mich selbst stabil und kraftvoll fühle. Also eine unerwartete Erschütterung jeglicher Art ausgleichen kann. Kurz vor Ende meines Retreat treibe ich auf meinem inneren Ozean der Gelassenheit mit ausreichend Balance für kleinere oder auch größere Wellen. Der ideale Zeitpunkt für einen zeitweiligen Spaziergang in fremden Schuhen.

Ich fang für mich einige Antworten dabei, die zu persönlich sind, um hier geteilt zu werden. Doch sie rückten einiges in ein anderes Licht und vertieften sogar die Gelassenheit, die ich bereits zu Beginn der Übung in mir fühlte. Manchmal führt das Gehen in den Schuhen des oder der anderen zu einer Art von Bestätigung, das alles in Ordnung ist, und die Schreckgespenster nur im eigenen Denken existieren, weil es … zu schön ist, um wahr zu sein?

Die Steine, die wir uns in den Weg legen, um unser Leben kompliziert und „unperfekt“ zu machen, sind unendlich an der Zahl und ein jeder für sich ist genau genommen überflüssig – es sei denn, man betrachtet ihn als Lernaufgabe, die losgelassen wird, sobald sie gemeistert wurde. Auch so eine Erinnerung an längst Erkanntes, die quasi nebenbei aus dem Nebel des Unbewussten auftauchte.

Es hat schon sein Gutes, ab und zu aus den eigenen Schuhen zu schlüpfen und einige Schritte in denen anderen zu gehen. Das Bild der Welt verändert sich, wird vielfältiger, vielschichtiger. So einiges, das Unruhe oder gar Angst auszulösen vermag, weicht Klarheit und Zuversicht, mitunter stellt sich neues Vertrauen ein – in sich selbst oder den/die andere.

Mitnehmen, was guttut. Zurücklassen, was nicht zu mir gehört. Diese Leitsätze gelten auch beim Spaziergang in den Schuhen des oder der anderen.

Lust bekommen auf einen kleinen Spaziergang?

Bild: pixabay.com

IN DEN SCHUHEN DES ANDEREN

Die vergangenen zweieinhalb Wochen verbrachte ich auf Kur in den Bergen und somit auf einer Art Retreat. Meine Ziele waren gezielte körperliche Gesundheitsförderung – nach dem anstrengenden Jahr gab es einiges zu reparieren, regenerieren und reorganisieren. Ebenso wichtig war für mich, einiges in mir anzuschauen, neue Blickwinkel, Einstellungen und Ideen zu entwickeln – was abseits der täglichen Routine und vertrauten Umgebung wesentlich leichter fällt.

Die körperliche Seite verlief wie geplant. Die geistig-emotionale alles andere programmgemäß. Dachte ich zu Beginn noch, zu wissen, welche Themen es anzuschauen gilt, stellten sich die meisten davon als Nebenschauplätze raus. Der Blick aus der Distanz offenbarte, dass es um ganz etwas anderes ging. Nun, genau darum ging es im Grunde. Herauszufinden, was mich wirklich beschäftigt. Dafür mussten die Alltagsgeräusche verstummen. Dankenswerterweise gesellte sich unerwartete Impulse von außen hinzu. Auch etwas, das fern der Komfortzone häufiger auftritt als im allbekannten Bereich.

Ich fand für mich ein zentrales Thema, das ich hier sehr allgemein als „zwischenmenschliche Beziehung“ bezeichnen werde. Dies kann von Familie über Freunde und Partnerschaft bis hin zu Kolleg*innen am Arbeitsplatz oder in einem Verein alles betreffen. Beziehungen zwischen Menschen ohne nähere Klassifizierung. Die ist auch gar nicht nötig, denn die Herausforderungen und Problemstellungen ähneln sich. Ebenso wie der Ansatz, den ich für mein Beziehungsthema wählte, um Klarheit in den diffusen Status Quo zu bringen: In den Schuhen des oder der anderen zu laufen.

Damit sind nicht die echten Schuhe gemeint. Das könnte bei nicht gleicher Schuhgröße eine schmerzhafte Angelegenheit werden. Bei dieser Übung geht es darum, sich geistig und emotional in die Rolle des anderen zu versetzen, diverse Situation Revue passieren zu lassen, sich in die mögliche Motivation einzufühlen, um Handlungen besser nachvollziehen zu können. Vereinfacht gesagt: eine Zeitlang so zu tun, als wäre man der oder die andere.

Speziell in Konflikten kann dies erhellende Erkenntnisse bringen und so einiges an Dampf rausnehmen. Aber auch in allen anderen Lebenslagen bewährt sich dieser temporäre Rollentausch.

Im Beipacktext von Medikamenten findet sich meistens eine lange Liste von Nebenwirkungen. Die gibt es gewissermaßen auch bei dieser Übung. Man sollte darauf vorbereitet sein, sein eigenes, höchst subjektiv gefärbtes Bild über Bord zu werfen, wenn man etwas aus der Position und Rolle des oder der anderen betrachtet. Auch könnte vorkommen, dass es danach nicht mehr so leichtfällt, die alleinige Verantwortung auszulagern und sich selbst als das Opfer zu betrachten. Es könnten auch tiefe Emotionen an die Oberfläche kommen, weil man z.B. sich selbst wiedererkennt. In den Schuhen des oder der anderen zu gehen, kann an die eigenen Grenzen führen. Deshalb mache ich diese Übung auch nur, wenn ich mich selbst stabil und kraftvoll fühle. Also eine unerwartete Erschütterung jeglicher Art ausgleichen kann. Kurz vor Ende meines Retreat treibe ich auf meinem inneren Ozean der Gelassenheit mit ausreichend Balance für kleinere oder auch größere Wellen. Der ideale Zeitpunkt für einen zeitweiligen Spaziergang in fremden Schuhen.

Ich fang für mich einige Antworten dabei, die zu persönlich sind, um hier geteilt zu werden. Doch sie rückten einiges in ein anderes Licht und vertieften sogar die Gelassenheit, die ich bereits zu Beginn der Übung in mir fühlte. Manchmal führt das Gehen in den Schuhen des oder der anderen zu einer Art von Bestätigung, das alles in Ordnung ist, und die Schreckgespenster nur im eigenen Denken existieren, weil es … zu schön ist, um wahr zu sein?

Die Steine, die wir uns in den Weg legen, um unser Leben kompliziert und „unperfekt“ zu machen, sind unendlich an der Zahl und ein jeder für sich ist genau genommen überflüssig – es sei denn, man betrachtet ihn als Lernaufgabe, die losgelassen wird, sobald sie gemeistert wurde. Auch so eine Erinnerung an längst Erkanntes, die quasi nebenbei aus dem Nebel des Unbewussten auftauchte.

Es hat schon sein Gutes, ab und zu aus den eigenen Schuhen zu schlüpfen und einige Schritte in denen anderen zu gehen. Das Bild der Welt verändert sich, wird vielfältiger, vielschichtiger. So einiges, das Unruhe oder gar Angst auszulösen vermag, weicht Klarheit und Zuversicht, mitunter stellt sich neues Vertrauen ein – in sich selbst oder den/die andere.

Mitnehmen, was guttut. Zurücklassen, was nicht zu mir gehört. Diese Leitsätze gelten auch beim Spaziergang in den Schuhen des oder der anderen.

Lust bekommen auf einen kleinen Spaziergang?

Bild: pixabay.com

DIE ULTIMATIVE THERAPIE …

… ist das Leben selbst – aus meiner Sicht. Wer sich mit offenen Sinnen achtsam durch die Welt bewegt, dabei die Begebenheiten möglichst wertfrei reflektiert, wird sich selbst auf eine Weise kennenlernen, die Einblicke in die verborgensten Winkel der Seele ermöglicht und für sich selbst Wege finden, die kein anderer erdenken könnte.

Das sah ich nicht immer so.

Zu Beginn meiner Reise zu mir selbst – vor rund 3 Jahrzehnten – dachte ich ganz anders. Ganz am Anfang erwartete ich des Rätsels Lösung von jemand anderem, oder zumindest die Anleitung dafür. Später ging ich davon aus, ich müsste alles aus meiner Vergangenheit zuerst bearbeiten und auflösen, bevor ich in der Gegenwart glücklich werden könnte. Also begann ich, mich in meine Vergangenheit vorzuarbeiten. Das ähnelte dem Spiel mit Matrioschka-Puppen. Sobald eine geöffnet war, tauchte unterhalb die nächste auf, dann die übernächste und so weiter. Nur – im Gegensatz zu den Matrioschka-Puppen – endete es nicht. Vielmehr dämmerte mir, es mit einer Art Endlosschleife zu tun zu haben.

Vor einigen Wochen stolperte ich über ein an dieser Stelle passendes Zitat:

„Die großen Lebensprobleme sind nie auf immer gelöst. Sind sie es einmal anscheinend, so ist es immer ein Verlust. Der Sinn und Zweck scheint nicht in ihrer Lösung zu liegen, sondern darin, dass wir unablässig an ihnen arbeiten. Das allein bewahrt vor Verdummung und Versteinerung.“ C.G. Jung

Sinngemäß sehe ich nun in Lebensproblemen Endlos-Matrioschka-Puppen. Was wiederum nicht weiter problematisch ist, denn seit 2017 pflege ich einen gänzlich anderen Therapieansatz: „Arbeite daran, im Hier und Jetzt gut zurecht zu kommen, ohne für alles die infinite Erklärung in der Vergangenheit gefunden zu haben.“ Aus heutiger Sicht hat mich das wesentlich weitergebracht als die Jahrzehnte davor. Wobei es sich ein wenig wie die Sache mit der Henne und dem Ei verhält. Schlüssig lässt sich nicht beantworten, ob ohne dem ersten Therapieansatz, der zweite auf selbige Weise funktioniert hätte.

Wie auch immer.

Auch beim gegenwartsorientierten Therapieansatz blieb und bleibe ich nicht davon verschont, dass hin und wieder etwas aus der Vergangenheit aufpoppt. Auch Themen, die ich längst abgehakt glaubte (siehe C.G. Jung). Ich jongliere also immer noch mit Endlos-Matrioschka-Puppen. Dennoch ist es anders.

Inwiefern?

Nun, ich hole etwas aus, um dies nachvollziehbarer zu machen.

Wenn ich mich in der Gegenwart voll und ganz als die annehme, die ich bin, mit allen wunderbaren Aspekten meiner komplexen Persönlichkeiten ebenso wie mit jenen, die auf den ersten Blick schwieriger, bisweilen sogar als düster eingestuft werden könnten, dann stimme ich meiner Gesamtheit zu. Ohne Wenn und Aber. 100% ich bin OK. Das gibt enorm viel Kraft, (Selbst)Liebe und (Selbst)Vertrauen. Auch für jene Momente, in denen „Altes“ aufpoppt und die Aufmerksamkeit auf etwas lenkt, was ich schon erledigt glaubte, nicht erneut ansehen möchte …

Aus dem Gefühl heraus, im Hier und Jetzt in Ordnung zu sein. Das, was auch immer es einst war, gut überstanden und in meine Kraft gefunden zu haben. Aus diesem Gefühl heraus fällt es mir (und ich denke, das kann man durchaus verallgemeinern) wesentlich leichter, mich mit einer Endlos-Matrioschka zu befassen, vielleicht bislang unbekannte Aspekte daran zu erkennen, sie zu integrieren und auf diese Weise weiter zu wachsen.

Womit ich bei meiner persönlichen ultimativen Therapie angekommen wäre.

Fokus auf die Gegenwart. Achtsamkeit anstatt von Bewertung. Dankbarkeit für all das, was mir das Leben schenkt auf meiner Reise zu und mit mir selbst. Die Vergangenheit ist vorbei, auch wenn ein Teil von mir (mein inneres Kind) noch manchmal in den Erinnerungen und Gefühlen von damals verharrt. Dieses Kind in den Arm zu nehmen und zu mir in die Gegenwart zu holen, das kann ich deshalb tun, weil ich diese Gegenwart als die für mich existente anerkenne. Wie absolut alles in diesem Universum hat auch diese Gegenwart viele Gesichter (oder Seiten). Ebenso wie ich die Freiheit habe, einen der unendlich vielen Standpunkte einzunehmen, um auf diese Gegenwart zu blicken.

In dieser Gegenwart sitze ich auf einem Bett, lausche den Klängen der Piano-Version von „Always on my mind“ (wie passend 😉) und tippe diese Zeilen. Vermutlich habe ich nicht alles aufgelöst, was in meinem Unterbewusstsein verborgen liegt, doch das ist nicht gar nicht nötig, damit es mir in dieser Gegenwart gut geht.

Vielleicht wird mir morgen der Himmel auf den Kopf fallen, aber heute tut er das offensichtlich nicht. Heute bin ich einfach glücklich.

Ich bin dankbar, weil ich in den vergangenen Tagen wunderschöne Momente erleben durfte. Aus dieser Dankbarkeit heraus entspringt ein Gefühl, für das ich noch keine passenden Worte gefunden habe. Es gibt den Begriff „umami“ (nicht süß, nicht salzig, nicht sauer und auch nicht bitter), der im Schmecken irgendwie nichts und doch gleichzeitig alles beschreibt. Ein ähnliches Wort im Fühlen suche ich noch. Im ehestens beschreibt es „eins-sein“, wobei dieses „eins-sein“ sich im Laufe meines Lebens verändert hat. Früher war es ein Hauch dessen, was es heute ist. Alles bewegt sich, alles verändert sich. Leben bedeutet Veränderung. Wie könnte sich eine Therapie dem entziehen? Das Leben ist (für mich) die ultimative Therapie. Wobei – im Wortsinn bedeutet Therapie die „Heilbehandlung einer Krankheit“. Das Leben heilt also, wenn wir uns darauf einlassen, mit offenen Sinnen achtsam durch die Welt gehen …

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IN DER MITTE

Wieder einmal reflektiere ich die vergangene Woche, während ich mich auf den sanften Klängen einer Piano Chillout Lounge treiben lasse. Diese Momente, in denen ich mich von der Welt zurückziehe und in mir jene Ruhe (oder romantisch formuliert: meinen geliebten Dämon, der in seinem inneren Ozean der Gelassenheit verweilt) finde, waren zu wenige in jener Woche. Ich sehne mich danach, einfach nur ICH sein kann – ausgeklinkt aus dem Alltagsstress und allem, was dazu gehört.

Nun, in den kommenden Wochen werde ich dafür reichlich Zeit finden und meine Gedanken mit euch teilen. So wie diesen, der vor wenigen Tagen meinen bewussten Horizont streifte – und ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob er nur für jene andere Person gedacht war, oder ob er nicht auch ein kleiner Schubs meines Unterbewusstseins war, meinen Kurs zu überprüfen.

Hier nun eine erweiterte Ausführung jenes Gedankens:

Du bist in der biologischen Mitte deines Lebens angekommen. So weit, so gut. In der ersten Hälfte ging es darum, dich selbst kennenlernen, zu wachsen, aufzubauen, dich zu beweisen, deinen Way of Life zu finden, ein Heim und eine Familie zu gründen. Energie schien unerschöpflich vorhanden.

In der zweiten Hälfte geht es darum, gelassener zu werden, auch vieles loszulassen, nicht mehr zu kämpfen, sondern zu „zaubern“, also aus Erfahrung heraus zu handeln und vor allem darum, anderen oder sich selbst nichts mehr beweisen zu müssen, weil man bei sich selbst angekommen ist. Die Leistungsfähigkeit verändert sich insofern es längere Regenerationszeiten braucht als früher. Der Körper verändert sich. Auch das Denken und Fühlen sollte diesen Prozess mitgehen. Wesentlich ist es, das Leben zu erleichtern von jenem Ballast, der sich zuvor angesammelt hat, um unbelastet den letzten aller Wege beschreiten zu können – frei von Bedauern über das, was man getan hat bzw. was man unterlassen hat zu tun. Aufräumen und entrümpeln, aussöhnen und annehmen.

Die Lebensmitte ist ein Scheidepunkt. Manche werden einfach alt in allen Belangen und dümpeln bis zu ihrem Tod dahin, verlieren laufend an Kraft und Können. Andere verfallen dem Jugendwahn und machen sich mit Eskapaden lächerlich. Beides sind Wege in die Illusion und Selbsttäuschung. Der dritte Weg führt in die Freiheit und Leichtigkeit, wenn man die Veränderung proaktiv annimmt und sich darauf einstellt. Dann offenbaren sich die Möglichkeiten. Erfahrung mit Kraft und Wissen kombiniert ergibt Weisheit. Nichts mehr beweisen zu müssen, führt zu Gelassenheit. Sich der Liebe und damit verbunden der Berührbarkeit zu öffnen, macht frei. Oft fallen Verpflichtungen (Kinder etc.) weg, und es entsteht ein Freiraum der Möglichkeiten.

Die alten Weisheitslehren sagen, diesen Scheidepunkt hat jeder von uns zu absolvieren. Welche Entscheidung wir auch immer treffen, sie wird über lange Zeit unser Leben bestimmen. Manchmal bis zu unserem Tod.

Es ist mir persönlich nicht leicht gefallen zu akzeptieren, dass ich nicht mehr so tun kann wie mit 20. Nicht mehr so funktioniere, wie ich es gewohnt war. Dennoch – heute weiß ich, wenn mich jemand mag, dann weil ich bin, wer ich bin, und nicht, weil ich den knackigen Körper einer 20jährigen habe. In der zweiten Lebenshälfte wird das Leben „echter“, wenn man sich darauf einlässt. Geliebt zu werden um seiner selbst willen. Liebe ist keine Ware, die man kaufen kann. Auch keine Belohnung, die man sich verdienen muss. Sondern ein Geschenk.

Anerkennung und Geborgenheit sich selbst geben zu können befreit aus der „Sucht“, sie von anderen zu bekommen und sich dafür in der Überlastung aufzureiben. 

Mit 20, 30 oder 40 konnte ich mir nicht vorstellen, wie es sein würde, eines Tages aufzuwachen und zu mit großer Wahrscheinlichkeit sagen zu können, dass weniger Lebenszeit vor als hinter mir liegt. Wenn ich davon ausgehe, nicht 104 zu werden, habe ich diesen Punkt mittlerweile erreicht. Ob ich mit Weisheit gesegnet wurde, mögen andere beurteilen. Ich denke, ich habe gelernt, Fragen zu stellen, die mich weiterbringen. Prioritäten zu setzen. Und mich hin und wieder – und hoffentlich immer öfter – einfach auf mich selbst einzulassen, die Welt rundum auszublenden und ganz bei mir selbst zu sein. Mit mir selbst zu sein, denn mehr brauche ich nicht, um glücklich zu sein. Am Leben zu sein und dieses Leben bewusst wahrnehmen zu können, ist für mich Grund genug. Ganz gleich, wie die äußeren Umstände sind. Solche Momente mit anderen teilen zu dürfen, erfüllt mich mit Dankbarkeit. Das Leben beweist mir nahezu täglich, dass es jeden meiner Pläne mit Leichtigkeit durchkreuzen kann. Warum also darüber ärgern oder gar dagegen ankämpfen? Mit Humor geht’s genauso gut, wenn nicht besser.

Ich denke, ich bin ganz gut auf dem dritten Weg unterwegs 😉

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