AUSGEBREMST? ODER NEU GESTARTET

Here we go. ROM-Schiene (Range of Motion) mit 30 Grad am Knie festgezurrt. Maximal entschleunigt. Wer nicht hören will, wird gebremst. Nach Monaten am oberen Limit arbeitend, nun zum Stillstand verdonnert. Ist es wirklich so?

Ein Wink des Schicksals mit dem Zaunpfahl – aber was will mir das Schicksal sagen?

Vor einigen Wochen war ich am Berg unterwegs, hab einen mir unbekannten Weg ausprobiert. Nix krasses. Ein „Trampelpfad“, der sich durch einen bewaldeten Hang zieht, aber eben noch unbekannt für mich. Mittendrin verlor ich den Weg bzw. war dieser nicht mehr erkennbar.

Was ging mir damals durch den Kopf? In gewisser Weise das, was mich seit Monaten beschäftigt: Wie soll’s weitergehen? Mein Fokus lag seit einiger Zeit zu 100% im Job. Alles andere ordnete sich unter. Hatte ich nicht zu schreiben und bloggen begonnen, um einen Ausgleich zu schaffen? Um jene Anteile meiner Persönlichkeit leben zu können, die im Job keinen Platz fanden? Um in Balance zu bleiben? War das überhaupt noch nötig? War ich nicht längst zu 100% angekommen – als ICH – egal, ob als Autorin oder im Job? War es nicht an der Zeit, neu zu starten? Veränderung? Aber welche, wohin?

Meinen Weg suchend, stand ich also in einem bewaldeten Stück, als plötzlich der Untergrund unter meinem linken Fuß ins Rutschen geriet und ich realisierte, auf einer ziemlich dicken Schicht aus trockenen Fichtennadeln zu stehen, die nun ins Rutschen gerieten durch den Druck meines Körpergewichts – der Schwerkraft folgend nach unten. Meine rasche Gewichtsverlagerung kam zu spät. Links rutschte ab, während rechts oben hängen blieb. Dabei wurde mein rechtes Knie abrupt auf eine Weise verdreht, für die es definitiv nicht gebaut war.

Tibiakopffraktur.

Bis vor kurzem noch ein unbekannter medizinischer Begriff, hat sich mein Wissensstand über Tibiaköpfe, Impressionsfrakturen und „knorpelige Deckung eines dislozierten Frakturfragments“ zwischenzeitlich deutlich erweitert.

Es ist, was es ist. Nachträglich nicht zu ändern. Wie gehe ich jetzt damit um?

Auf meine typische Art und Weise: mit Humor und Neugier.

Was kann ich daraus lernen? Mehr auf den Untergrund zu achten, auf dem ich stehe – obviously. Doch da ist noch einiges mehr. Zum Beispiel darf ich viele meiner Routinen neu denken und dabei sicherlich auch neue Synapsen im Gehirn bilden. Was stabil auf zwei Beinen stehend funktioniert, klappt nicht zwangsläufig einbeinig auf Krücken. Gewohntes neu denken. Adaptieren. Veränderung.

Hat damit nicht alles begonnen? Mit Überlegungen rund um Veränderung? Kam ich auf einem neuen Weg zu Sturz, was Leben mir sagen wollte, bleib auf vertrauten Pfaden – oder weil es mich zu mehr Achtsamkeit ermahnen will?

Oder einen Schritt Richtung Authentizität, den ich bislang gemieden habe?

Bin ich tatsächlich zu 100% angekommen? Wenn ja, warum halte ich dann meinen „Drachen“ unter Verschluss? Weil es nicht zum Image eines feuriger Funken Lebensfreude passt? For crying out loud! Lesley ist weder eine Heilige noch ein Engel. Wer JAN/A gelesen hat, hat einen Einblick in die Dunkelheit bekommen, die ein Teil meines ICH ist und immer sein wird.

Es hat mein rechtes Knie erwischt, nicht das linke. Spirituell betrachtet geht es also um Logik, Verstand, Struktur … Kontrolle, die mir genommen wurde. Vielleicht will das Leben mich daran erinnern, öfters mal die Kontrolle freiwillig abzugeben und der Dunkelheit zu vertrauen. Vielleicht soll mein nächster Schritt sein, das Spannungsfeld zwischen Dunkelheit und Licht stärker in den Vordergrund zu rücken, den Brückenschlag zwischen den Widersprüchen, den Extremen.

Wie war das nochmal mit dem Untergrund – oder dem Fundament? Was ist mein Fundament? Authentizität? Dann gehört der Drache und noch so einiges dazu. Schluss mit brav. Mein Weg bedeutet Authentizität und Konsequenz.

Da oben am Berg waren auch Gedanken in meinem Kopf, wie ich meinen Auftritt in den sozialen Medien veränderten sollte/könnte, um meine Reichweite zu erhöhen … ehrlich gesagt: es interessiert mich nicht, mich an der Posting-Sintflut zu beteiligen.

Wer mich findet, findet mich. Wer es liest, liest es. Punkt.

Mir wird übel bei dem Gedanken, mir ständig neue Inhalte zu überlegen (oder diese durch KI-Assistenten erstellen zu lassen), nur um meine Chance zu erhöhen, öfters in einer Timeline aufzutauchen. Ich vertraue dem Leben. Wer mir begegnen soll, wird mir begegnen.

Wurde ich also ausgebremst? Oder neu gestartet?

Im Leben ist selten etwas so, wie es auf den ersten Blick scheint. Die Kunst liegt darin, offen zu bleiben für das, was es noch sein kann …

Bild KI-generiert

Hinterlasse einen Kommentar