2020 – ein neues Abenteuer

Back again. Feiertage und Jahreswechsel überstanden. In der Vergangenheit nicht immer die einfachste Zeit des Jahres, aber diesmal war ich mit dem Vorsatz angetreten, dieser speziellen Zeit die Chance zu geben, mich zu überraschen. Das tat sie dann auch. Keine ausufernden Familiendramen. Es blieb erstaunlich ruhig und gelassen. Insofern war es angenehme Zeit. Okay, wenn man über eine Woche von einem Grippevirus außer Gefecht gesetzt wird, ist das nicht angenehm, aber auch eine Lappalie im Vergleich zu einem Familiendrama.

Es hätte mir also zwei Wochen lang gut gehen können, tat es aber nicht. Ohne wirklichen Anlass im Außen, kurvte ich (auch jetzt noch) auf meiner emotionalen Achterbahn – im vollen Bewusstsein, dass es keinen Grund dafür gibt. Wie ferngesteuert, allerdings haben diese Emotionen heute nur noch selten die Kontrolle über meine Handlungen. In gewisser Weise stehe ich einen Schritt neben mir und beobachte mein Gefühlsleben, dass wieder einmal seinen eigenen Kurs abfährt, als wäre es in eine Phase meines Lebens vor vielen Jahren zurückgekehrt. Zeitreise rückwärts im Fühlen.

Da hilft nur eines: die Gegenwart vor Augen führen.

2020 hat gerade erst gestartet.

Meine theoretischen Neujahrsvorsätze:

  1. Was auch immer kommt, nimm’s mit einer großen Portion Humor
  2. In Bewegung bleiben … körperlich und auch geistig bzw. emotional, wenn’s mal wieder irgendwo blockiert (im negativen Bereich)
  3. Mir selbst treu bleiben … ich bin, wer ich bin
  4. Mindestens 2 Bücher rausbringen … eh klar, langweilig darf mir nicht werden

Meine praktische Umsetzung:

Naja, ich habe heute eine Kurzgeschichte „Rezept zum Lächeln“ geschrieben. Eine Anleitung für meine Anti-Depressions-Suppe. Zumindest für mich hat sie gewirkt 😊

In diesem Sinne: 2020 ich komme 😊 Ein neues Abenteuer beginnt …

… und wer mein Rezept nachkochen möchte: Guten Gelingen

Rezept zum Lächeln

Grundlos unglücklich.

Für jemand, der noch nie Depressionen hatte, vermutlich kaum nachvollziehbar, aber so real. Und – verdammt nochmal – mir ist selbst bewusst, dass es keinen Grund dafür gibt, dennoch … OK, ich muss irgendetwas tun.

Runter vom Sofa und rein in die Küche. Ich will etwas kochen, mich auf andere Gedanken bringen, ablenken. Was findet sich noch im Kühlschrank? Ein paar alte Kartoffeln aus dem letzten Jahr – am 05.01.2020 sind das zwar Relikte aus einem anderen Jahrzehnt, aber immer noch genießbar. Mein erster Gedanke abseits der „Geisterbahn“.

Mein Mann lässt sich zum Zwiebelschneiden überreden. Wunderbar. Heulgefahr ausgelagert. Zu den Kartoffeln gesellen sich noch ein paar gleichaltrige Pastinaken. Gemeinsam wird geschnipselt. Sein technisches Unverständnis, warum man die aus stangenförmigen geschnittenen Teile im Küchenjargon „Würfel“ nennen kann, lässt mich einige Minuten nach einer vernünftigen Antwort suchen, doch es bleibt bei: das sind nun mal Würfel … die im Butterschmalz mit den Zwiebel gemeinsam langsam glasig rösten. Ein wenig Gemüsebrühe und das Kartoffelgewürz dazu. Und natürlich die Kartoffelwürfel.

Während nun alles vor sich hin köchelt, bleibt reichlich Zeit für eine innige Umarmung und meine erste bewusste Feststellung, dass ich mich besser fühle. Also Mann aus der Küche verscheuchen, denn jetzt ist das Finale angesagt: Abschmecken und Dekorieren. Nicht gerade seine Domäne.

Der letzte Rest Schwarzbrot wird von mir gewürfelt (wieder Würfel) und darf in einer Pfanne vor sich hin rösten. Derweilen verwandelt ein Pürierstab die anderen Würfel in eine wohlschmeckende Kombination aus Stückchen in cremiger Suppe, die ich lächelnd in zwei große Schalen verteile. Kartoffel bilden die sämige Basis, unterstrichen von der frischen Note der Pastinaken. Darüber die krossen braunen Brotwürfel und zum Drüberstreuen würzig-scharfe Kresse. Ein Hauch grün. Farbenspiel in Suppenschalen. Genuss pur. Wohlgefühl zum Löffeln. Untermalt vom wunderbaren Sound meiner Lieblings-Playlist.

War da nicht noch etwas? Richtig. Grundlos unglücklich. Nun, wenn es keinen Grund gibt, warum dann an dem Gefühl festhalten? Warum es nicht einfach ziehen lassen? Oder mit einer Schale duftender Suppe vertreiben? Ich könnte ja einfach eine Geschichte darüber schreiben …

Frohe Weihnachten & Alles Gute für 2020

Mit diesem Video verabschiede ich mich in eine kurze Pause. Die nächsten Wochen widme ich mich der Fertigstellung meiner beiden aktuellen Buchprojekte „JAN/A – eine [nicht] ganz alltägliche Liebesgeschichte geht weiter (Band 2)“ und „EMBRACE“

Am 06.01.2020 kehre ich in alter Frische (oder neuer, würde eigentlich besser passen) … und schon wieder etwas zum Philosophieren gefunden) zurück.

Habt eine schöne Zeit, tut euch viel Gutes, genießt das Leben, die Liebe, Lebkuchen und was man sonst noch so alles genießen kann.

Wie Leben mit Borderline gelingen kann …

Es gibt nicht DEN EINEN Weg für alle, aber es gibt für alle EINEN (individuellen) Weg. Davon bin ich hundertprozentig überzeugt und darüber möchte ich heute berichten.

Um Missverständnisse zu vermeiden, zu Beginn dieses Beitrags ein paar eindeutige Worte: Im Folgenden schildere ich meine individuelle Meinung zum Thema Borderline sowie meine persönliche Erfahrung als Betroffene bzw. Angehörige eines Betroffenen.  Ich erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder berufe mich auf wissenschaftliche Studien. Ich erzähle einfach nur, was ich selbst erlebt habe: meine Geschichte #Borderline

In vielen Quellen wird Borderline nicht als organische Krankheit, sondern als Persönlichkeitsstörung bezeichnet. Also etwas, dass in meinem „Kopf“ existiert. Rückblickend betrachtet kann ich mich glücklich wähnen, dass mein Borderline-Syndrom erst erkannt wurde, als ich bereits über 40 Jahre alt war und einige sehr hilfreiche Erfahrungen gesammelt hatte. Zwar war mein Leben vor der Diagnose alles andere als einfach, glich einer emotionalen Achterbahnfahrt mit vielen Stationen der Zerstörung. Dennoch ging ich nie davon aus, ein „unheilbarer“ Fall zu sein (weil ich ja keine entsprechende Diagnose hatte), weshalb ich ständig auf der Suche nach Antworten und Lösungen für meine Probleme war. In mir lebte die Überzeugung, dass es für mich einen Weg zu einem harmonischen, erfolgreichen und glücklichen Leben gäbe.

Ich bin stur. Ich suchte konsequent, schlug etliche Umwege ein, steckte in manchen Sackgassen fast, aber ich gab nicht auf. Jeder meiner (Um-)Wege lehrte mich auch etwas und brachte mich ein Stück weiter. Die Reihenfolge war vielleicht etwas suboptimal, aber nachdem es letztendlich doch funktioniert hat, nehme ich es mit Humor, dass es vielleicht etwas schneller hätte funktionieren können, wenn …

Die Stationen auf meinem Weg waren vielfältig:

#Psychologie ließ mich hinter den Spiegel blicken.

#Philosophie half mir, die Dinge zu reflektieren und zu relativieren.

#Mentaltraining richtete meine Gedanken neu aus und war die Basis für jegliche Verhaltensveränderung.

#NLP lehrte mich Reframing, Modelling Prozesse, Change History, Sprachmuster erkennen und nutzen, den Einsatz von Trancen, Anker-Techniken und noch ein paar hilfreicher Tools

#Sport half beim Körpergefühl.

#Ernährung sorgte für Wohlbefinden.

#Energetik reaktivierte meine feine Sinneswahrnehmung.

All das in Kombination schuf die Basis für das, was im Oktober 2017 zu meiner „Transformation“ führte. Ich entfesselte mein (unterdrücktes) Potenzial (das sich in allen destruktiven Borderline-Symptomen zeigte) und schuf einen Bereich in meinen Leben, in dem es uneingeschränkt wirken konnten – konstruktiv und schöpferisch): JAN/A. Wie der Phönix aus der Asche entstieg ich als Autorin meinem selbstgeschaffenen (zur Erinnerung: Borderline sitzt im Kopf!) Fegefeuer aus Ablehnung, Angst, Zweifel, Wut, Zerstörung …

Lesley B. Strong betrat die Bühne dieser Welt. Oder besser gesagt: jenen Platz in dieser Welt, an dem meine schier grenzenlose Emotionalität und mein Hang zur Theatralik kein Hindernis, sondern ein Talent darstellen.

Heute bin ich 50 Jahre alt, lebe seit 23 Jahren in einer Patchwork-Familie. Die Beziehung zu meinem Partner ist harmonischer und liebevoller denn ja. Mein Sohn steht mit beiden Beinen (trotz Diagnose) im Leben. Beruflich schaukelte ich als Projektleiterin im Sozialbereich so manche Krisen, greife dafür auf meine Erfahrungen als NLP-Trainerin & Coach zurück. Meine große Leidenschaft gilt dem Erzählen von Geschichten. Als Autorin & Bloggerin lebe ich mein ganzes Potenzial uneingeschränkt aus. 2020 werde ich auch vermehrt wieder als Speaker auftreten.

Warum ich das alles erzähle?

Weil du vielleicht so bist wie ich. Wenn mir jemand erzählen will, wie es funktionieren könnte, dann hinterfrage ich zuerst, ob die Person überhaupt eine Ahnung davon hat oder nur theoretisiert. Bei Mathe mag Theorie ja wunderbar sein, bei Lebensstrategien finde ich praktische Erfahrung besser.

Wenn ich sage, dass ich überzeugt davon bin, dass es für jeden einen Weg gibt, dann entspringt das nicht einem „Think pink“-Denken; alles wird gut; jeder und jede kann Primaballerina werden, wenn nur der Wille da ist. Ganz und gar nicht. Ich betrachte positives Denken mit Vorsicht. Es kann nämlich auch ordentlich an der Realität vorbei schauen lassen.

Man kann sehr lange darüber debattieren, ob Borderline nun heilbar ist oder nicht. Oder ab wann es als geheilt eingestuft werden kann. Wann Verhaltensmuster der Norm entsprechen und damit als normal gelten, und wann als gestört. Noch viel länger kann man nach einem allgemeingültigen Weg forschen, der für alle Borderliner gangbar ist.

Für mich zählt der Nutzen in der Praxis. Was hilft mir, mit mir selbst und meinem Umfeld geht zurecht zu kommen, mich selbst als die anzunehmen und zu lieben, denn dann werde ich auch mit anderen Menschen gut zurecht kommen und daraus wird – mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit – ein erfülltes, zufriedenes Lebens resultieren. Und darum geht es meiner Meinung.

Mein Weg war und ist kunterbunt und chaotisch, mitunter mehr dem Zufall geschuldet als geplant, aber er hat funktioniert. Vielleicht auch deshalb, weil ich nie aufgegeben habe und immer daran geglaubt habe, dass es möglich ist.

Und genau deshalb schreibe ich diese Zeilen: um anderen zu zeigen, dass es möglich ist und sie zu ermutigen, an sich selbst zu glauben, den eigenen Weg zu gehen, denn es gibt ihn, davon bin ich 100% überzeugt.

Liebe ist …

Heute ist der 12. Dezember. An diesem Tag vor vielen Jahren wurde eine Frau gebogen, der ich persönlich sehr viel zu verdanken habe. Ihr Name war Lucy. Sie gehörte zu einer Handvoll Menschen in meinem Leben, die meine Augen und mein Denken für neue Themen öffneten. Ohne diese Menschen wäre ich heute nicht, wer ich bin. Davon bin ich überzeugt. Sie gaben ihr Wissen und ihre Erfahrungen an mich weiter; lehrten mich unter die Oberfläche und hinter den Spiegel des Offensichtlichen zu blicken. Sie waren/sind für mich Mentoren, Wegbegleiter, spirituelle Familie und Seelenverwandte. Ich ehre ihr Andenken, indem ich ihren Weg fortsetze und weitergebe, was sie mich erkennen ließen.

Wissen ohne Umsetzung ist wertlos. Taubes Gestein, auf dem nichts gedeihen kann.

Wissen erhält seinen Wert, in dem wir es teilen und daraus etwas entstehen kann. Erst dann wird es fruchtbar, wie jene Erde, die uns alle ernährt.

Wo auch immer Lucy (oder ihre Seele) heute weilt, meine Gedanken sind bei ihr und ihr zu Ehren (und darüber würde sie mit Sicherheit schmunzeln) ein paar Zeilen zum Thema Liebe.

Über Liebe wurden schon unzählige Seiten geschrieben. Was Liebe ist, was sie nicht ist. Es gibt jene, die meinen, Liebe ohne Schmerz sei keine Liebe. Es gibt die anderen, die sagen, wenn es weh tut, ist es keine Liebe. Liebe ist … und dahinter kann sehr viel Unterschiedliches und mitunter Widersprüchliches stehen.

Heute reihe ich mich in die Liste jener ein, die ein (persönliches) Statement über Liebe abgeben.

Liebe ist für mich … Freiheit.

Freiheit von jeglichen Begründungen, Erklärungen oder Rechtfertigungen.

Was auch immer ich in meinem Leben tue oder fühle, fast immer gibt es jemanden, der fragt: Warum? Warum tust du das? Warum fühlst du jetzt so? Warum …

Eine Warum-Frage zu beantworten bedeutet auch, sich zu erklären, zu begründen, zu rechtfertigen. Man müsste es nicht, aber ich tue es zumeist trotzdem, weil ich nicht unhöflich erscheinen oder verstanden werden will. Manchmal blocke ich auch einfach ab und verweigere die Antwort, trotzdem hinterlässt es ein ungutes Gefühl bei mir, weil ich mich dem antrainierten Erklärungsreflex nur schwer entziehen kann.

Nur in der Liebe ist das anders. Da gibt es keine Erklärungen, denn ich liebe nicht, weil jemand so oder so ist, oder dies oder das getan hat. Keine Bedingungen, die erfüllt worden sind, um meine Liebe zu gewinnen. Meistens kann ich mir selbst nicht erklären, warum ich jemand liebe. Ich bin also frei von Erklärungen, frei von Bedingungen, frei von Begründungen … ich bin frei zu lieben.

Keine Erfüllungsbedingungen. Kein richtig oder falsch. Kein zu viel oder zu wenig. Kein Veränderungswunsch.

Liebe bedeutet für mich nicht mehr über ein Warum nachzudenken, sondern einfach nur zu fühlen, ohne es anderen erklären oder begründen zu müssen.

Nirgendwo sonst im Leben fühle ich mich so frei, zu sein wer ich bin, wie in der Liebe – bedingungslos und grenzenlos.

Liebe bedeutet für mich die absolute Freiheit.

Für dich, Lucy. Danke, dass ich ein Teil deines Lebens sein und von dir lernen durfte. In Dankbarkeit & Liebe, Lesley

Meine Tricks im Alltag: Nr. 3 – mentales Anti-Depressivum

Heute starte ich gleich mal praktisch durch. Vor wenigen Tagen hatten mein Mann und ich eine mehrstündige Autofahrt vor uns. Ich saß auf dem Beifahrersitz – eh klar, man(n) fährt – und ließ schweigsam meinen Blick durch das Seitenfenster schweifen. Nach ungefähr einer halben Stunde fragte er mich, wie’s mir denn so geht, weil ich für ihn ungewohnt ruhig war. Daraufhin begann ich zu schildern, dass ich dabei war, die Details der Umgebung zu beobachten. Die vereisten Bäume am Straßenrand, eingehüllt in das vom Morgendunst gedämpfte Licht. Ein Szenario in grau-braun-weiß, kühle Farben, winterlich. Dahinter erhob sich in einiger Entfernung ein schneebedeckter Gipfel strahlendweiß im Sonnenlicht, fast schon mit einem goldenen Schimmer überzogen, warme Farben, auch winterlich, aber anders. Die Dynamik dieser beiden unterschiedlichen Eindrücke in einem Bild vereint – für mich ein wenig magisch und wunderschön.

Und damit waren wir beim wesentlichen Punkt angekommen. In den folgenden Minuten schilderte ich wortreich, wie ich solche Momente des „hab-nichts-anders-zu-tun-als-mich-um-mich-selbst-zu-kümmern“ nütze, um schöne Momente als Erinnerung einzufangen. Zum einen, weil ich sie irgendwann in einer Geschichte oder einem Gedicht verarbeite; zum anderen, weil ich mich damit bewusst auf etwas Schönes und für mich Positives fokussiere.

Die Kunst, das Besondere im Alltäglichen zu entdecken.

In meinem Beitrag „Meine Tricks im Alltag: Nr. 2 – Die Macht der Gedanken“ vom 28. November 2019 habe ich eingehend darüber erzählt, wie unsere Gedanken sich auf unser Leben und unser Wohlbefinden auswirken, und dass eine gezielte Beeinflussung entsprechende Reaktionen auslösen kann. Eine bewusste Fokussierung auf Schönes im Alltag ist für mich eine Möglichkeit, bewusst und ohne große Anstrengung an meinem inneren Bild der Welt zu arbeiten. Es gibt nämlich immer und überall etwas Schönes und/oder Positives zu entdecken, nur sehen wir – oder besser: ich – es nicht immer sofort und automatisch.

Dazu sollte ich jetzt mal erwähnen, dass ich die Fähigkeit besitze, auf einer Seite voller Buchstaben innerhalb kürzester Zeit den einzigen Tippfehler zu finden, der sich dort versteckt hält. Egal, ob auf einer Speisekarte im Restaurant, einem Infofolder, einer Website … Fehler ziehen meinen Blick magnetisch an. Beruflich mitunter eine coole Sache, aber privat? Ganz ehrlich, wenn sich der eigene Blick fast unaufhaltsam auf Fehler fokussiert, sieht man leider auch auf einem Spazierweg zuerst das einzige „Hundstrümmerl“ weit und breit, ehe noch der Blick auf Blumen oder sonst etwas umgelenkt werden kann. Irgendwann besteht das Weltbild vorrangig aus Hundstrümmerln … nein, das wäre jetzt etwas übertrieben, aber mein Automatismus in der Wahrnehmung fokussiert prioritär auf Fehler im System oder Kontext. Das erzeugte in der Vergangenheit in mir den Eindruck, die Welt sei nicht in Ordnung. ABER das war nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte davon, das, was in Ordnung wahr, sah ich erst bei gezielter Betrachtung.

Wenn man nun den Eindruck hat, die Welt sei grundsätzlich voller Fehler und nicht in Ordnung, führt das zu Jubelstimmung? Natürlich nicht, ganz im Gegenteil. Es bedrückt. Der Druck wurde bei mir im Laufe der Zeit immer mehr. Irgendwann war es eine depressive Verstimmung mit Tendenz zur Depression. Diese Abfolge könnte ich auch heute jederzeit erneut durchleben, doch ich steuere mein Denken und Fühlen bewusst auf einen anderen Kurs indem ich mich auf positives und schönes fokussiere, indem ich über viele kleine Impulse ein anderes Bild der Welt in mir erzeuge.

Ganz wichtig: ich negiere nicht das Negative! Es existiert, doch ich lasse mich davon nicht bestimmen, sondern stelle eine positive Facette dazu bzw. in den Vordergrund. Denn auch das existiert. Bad News mögen die Verkaufszahlen und Quoten der Medienwelt nach oben treiben, meine eigene Stimmung wird von Good News beflügelt. Diese Good News finden nur dann ihren Weg in meinen Geist und mein Unterbewusstsein, wenn ich meine Wahrnehmungsfilter entsprechend justiere. Das kann ein einzelnes bunt gefärbtes Ahornblatt sein, oder eine Blume, eine Farbkombination von Hausfronten, eine dramatische Wolkenformation am Himmel, ein Strichmännchen auf einem Blatt Papier, ein Song im Radio, der Duft von Rosenblüten, ein leckerer Gewürztee, Schokolade … es gibt unendlich vieles, dass sich für mich eignet, als besonderer Moment abgespeichert zu werden.

Kurz gesagt: den Blick auf das Schöne auszurichten, die Ohren und alle anderen Sinne für das angenehme im Leben zu öffnen wirkt für mich auf Dauer gesehen wie ein mentales Anti-Depressivum, ohne Nebenwirkungen dafür mit erwünschten Gewöhnungseffekt, rezeptfrei und gratis obendrein.

Ein Jahr danach … ein Rückblick

Am 06.12.2019 bekannte ich mich erstmals öffentlich zu meiner Borderline-Diagnose. Heute, exakt ein Jahr danach, ziehe ich Bilanz über eines der ungewöhnlichsten Jahre meines Lebens. Was hat sich getan? Was hat sich verändert? Würde ich es noch mal tun?

Definitiv! Es war und ist nach wie vor ungemein befreiend, endlich die Wahrheit sagen zu können. Keine komplizierten Lügen mehr, die nur verbergen sollten, was ich wirklich fühlte oder nicht fühlen konnte.

Wie auch in früheren Jahren, begegneten mir sehr viele Menschen.  Auch wenn ich mit Ablehnung gerechnet hatte, bis dato blieb sie mir erspart. Oder vielleicht machen auch jene, die mit meiner Offenheit nicht umgehen können, einen großen Bogen um mich. Wer weiß? Will ich diese Menschen überhaupt um mich haben?

Apropos Menschen: in den vergangenen zwölf Monaten entstanden einige besondere Freundschaften. Diese Menschen haben mich als die kennen gelernt, die ich bin, nahmen mich an, wie ich bin, und blieben Teil meines Lebens, weil  ich bin, wer ich bin. Es war ein Jahr voller Wertschätzung und Anerkennung, privat ebenso wie beruflich.

Apropos privat: auch in diesem Bereich hat sich vieles zum Positiven entwickelt. Kaum etwas ist gleich geblieben. Verschlechterung hätte ich bislang keine wahrgenommen.

Mein Job ist nach wie vor ein wichtiger Faktor in meinem Leben, auch wenn andere Aspekte an Bedeutung gewonnen haben. Ich achte mehr auf die Balance zwischen den Bereichen als früher. Und ich habe akzeptiert, dass ich hin und wieder Pausen und Auszeiten brauche.

Als Autorin habe ich meinen Stil gefunden und gefestigt. Dabei war ich enorm produktiv. Im Juni erschien DIS/CONNECTED, im September die Neuauflage von JAN/A. Im Sommer begann ich zu bloggen. Meine Facebook-Gruppen liefen nicht so, wie ich mir das anfangs gedacht hatte, was wohl an mir als Gruppen-Admin lag. Was soll’s, ich kann nicht alles können.

Zu Beginn dieses „Entwicklungsjahres“ ordnete ich die zentrale Thematik meines Schaffens noch unter #borderline ein, später kam #frompaintopassion dazu. Heute bin ich bei #feeltheembraceoflife angekommen. Und so fühle ich mich auch: angekommen in der Umarmung des Lebens.

Heute, am 06.12.2019, blicke ich auf ein abwechslungsreiches, intensives Jahr zurück. Ab und an meldeten sich „alte“ Gefühle und Verhaltensmuster, aber die waren eher wie Durchreisende, die nie lange verweilten. Was bei mir blieb, war und ist die Überzeugung, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. In diesem Sinne:

Ich bin dankbar, für alles, was mir in diesem Jahr widerfahren ist und für jeden einzelnen Menschen, der mir begegnet ist. Für jene, die gingen, und besonders für jene, die blieben.

Ich gehe achtsam durch dieses Leben, denn ich habe nur dieses eine, und davon habe ich schon so einiges an Zeit verbraucht. Die noch verbleibende möchte ich bestmöglich für mich und andere einsetzen.

Ich würde es wieder tun.

Es steht geschrieben … mein Schicksal?

Viele meiner Beiträge entstehen einfach so, völlig ungeplant, direkt aus dem Alltag heraus. Wie dieser hier im Zuge einer Konversation. Nach einer Schilderung von diversen Wahrnehmungen, folgte die Frage an mich in der Art von: „Ist das auch Borderline?“

Ich überlegte kurz, und schrieb eine Antwort, die wesentlich umfangreicher ausfiel als ich selbst erwartet hatte. Sie enthält auch einige Gedankengänge, die vielleicht auch für andere interessant sein können. Deshalb hier nun in voller Länge:

Eines vorweg: ich werde keine Einschätzung darüber abgeben, ob jemand Borderliner ist oder nicht. Für mich selbst habe ich nach rund 30 Jahren Feldforschung (an mir selbst) und durch viele Gesprächen mit Experten Klarheit bekommen. 

Zur Frage: auf der Liste der Symptome von Borderline findet sich auch mangelndes Identitätsgefühl, d.h. nicht zu wissen wer man ist bzw. sich an die Erwartungen des Umfeldes anzupassen bzw. davon stark bestimmt zu werden.

Ich habe schon so einige Gespräche mit Therapeuten und Psychologen (ich kenne viele aus meinem beruflichen Kontext) über das Thema Borderline geführt. Die meisten sehen in einer Diagnose nur eine Momentaufnahme, die sich jederzeit verändern kann und wird. Auch die Testverfahren wie ICD-10 und DSM-5 sind nur Hilfsmittel. Tendenziell waren meine Gesprächspartner eher zurückhaltend mit Diagnosen, weil diese automatisch auch eine Zuschreibung sind. Von zahlreichen Studien ist bekannt, dass Zuschreibungen das Verhalten von Menschen stark beeinflussen. Es gab z.B. einen Versuch mit Studenten, die Mathe-Aufgaben lösen sollten. Einer Gruppe wurde im Vorfeld erklärt, dass man nicht erwarte, dass Frauen gleich gut wie Männer abschneiden würden, weil Frauen ja schlechter in Mathe sind (Zuschreibung!) und das Ergebnis war dann auch entsprechend der Zuschreibung. Die andere Gruppe wurde neutral informiert und hatte gleichwertige Ergebnisse bei Männern und Frauen. Oder das Experiment mit der Schulklasse, deren Ergebnisse jeweils davon abhingen, ob dem Lehrer im Vorfeld gesagt wurde, dass die Klasse überdurchschnittlich gut oder unterdurchschnittlich schlecht sei. 

Zuschreibungen beeinflussen uns subtil und lösen aus dem Unterbewusstsein heraus Verhaltensänderungen aus. Die Diagnose Borderline ist nicht anders. Das Risiko ist groß, aufgrund der Diagnose bei sich selbst Symptome bewusster und stärker wahrzunehmen, als sie es vor der Diagnose waren, weil der Fokus ein anderer wird. Wer sich gerade ein neues Auto Marke X gekauft hat, sieht meistens genau dieses Modell vermehrt im Straßenverkehr, weil der Fokus sich geändert hat. 

Aus meiner Sicht sind die meisten Herausforderungen, mit denen „Borderliner“ zu tun haben, thematisch die gleichen wie bei Nicht-Borderlinern, allerdings unterscheiden sie sich deutlich in der Intensität der Emotionen. Mangelndes Selbstwertgefühl z.B. findet man weit verbreitet, aber nicht jeder entwickelt ein Borderline. Traumatisierungen und geringe Resilienz spielen da wesentlich mit. 
Als Kommunikationstrainerin und Coach habe ich jahrelang mit Menschen gearbeitet, die keine Borderliner waren. Ihre Themen waren dieselben wie meine. Ich schätze, genau deshalb konnte ich damit auch so gut umgehen (bei den anderen).

Wenn du mich also fragst, was Borderline ist, dann sage ich: eine Persönlichkeit, die nicht innerhalb der 08/15-Parameter angesiedelt werden kann und daher außerhalb gestellt (oder als krank/gestört) eingestuft wird. Mit dieser Zuschreibung wird dann auch gleich ein Weg vorgezeichnet. Oder man entscheidet sich, selbst herauszufinden, wer man ist und was „Borderline“ für einen persönlich bedeutet und wie man damit gut durchs Leben kommt. Natürlich kann letzteres jahrelange Arbeit bedeuten, aber den Weg der Selbstfindung gehen alle Menschen im Laufe ihres Lebens, manche geplant und diszipliniert, andere zufällig und konfus.

Noch ein Tipp, den ich gerne früher in Mentalworkshops gegeben habe: Ein Problem wird stets größer und mächtiger, je öfter ich es als Probleme benenne. Eine Herausforderung kann dagegen reizvoll sein. In einem Potenzial schlummern unendlich viele Möglichkeiten, die es zu entdecken gilt.

In diesem Sinne: schreib dein Schicksal – oder besser: deine Geschichte – doch selbst!

Ein Plädoyer des Herzens

Hast du schon einmal von John Forbes Nash jr. gehört? Das war ein amerikanischer Mathematiker, der von 1928 bis 2015 lebte. Für seinen Beitrag zur Spieltheorie bekam er 1994 den Nobelpreis verliehen. Ein außergewöhnlicher Mann. Vor allem wenn man bedenkt, dass er im Alter von 30 Jahren an paranoider Schizophrenie erkrankte. Da gab’s doch einen Film … richtig. „A beautiful mind“ basiert auf seiner Lebensgeschichte und wurde mehrfach Oscar-prämiert. Laut seiner Autobiografin sind zwar einige Details im Film frei erfunden, aber unverrückbare Eckpunkte wie seine Erkrankung oder mathemische Arbeit entsprechen der Realität.

Warum erzähle ich heute davon? Ganz einfach. Nach vor treffe ich auf viele Menschen, die eine ähnliche Erfahrung teilen: die Diagnose einer psychischen Erkrankung oder Persönlichkeitsstörung führt zu Vorurteilen, Ablehnung und Ausgrenzung. Bedauerlich, denn offenbar sind der Mangel an Verständnis, Respekt und Wertschätzung noch immer weit verbreitet. Fast zwangsläufig entwickeln die Betroffenen Strategien des Verbergens. Manchmal auch eine Form von Schamgefühl, nicht richtig zu „funktionieren“, zu versagen, lebensunfähig zu sein …

„Sei froh, dass man dir nicht ansieht, dass du Borderliner bist.“

Bei so einer Aussage krampft sich alles in mir zusammen. Was soll das heißen? Wie sieht ein durchschnittlicher Borderliner denn aus?

Wer mit einem Gipsbein durch die Gegend humpelt, kann die Geschichte dahinter erzählen ohne Ressentiments befürchten zu müssen. Wessen Seele leidet, sollte sich besser in Schweigen hüllen und seinen Schmerz hinter einer lächelnden Maske verbergen, um weiterhin als wertvolles Mitglied der Gesellschaft geschätzt zu werden? Echt jetzt?

Was mich an diesem – ich schalte mal meinen Zynismus weg – Mysterium am meisten ärgert, ist die Beobachtung, dass „Helden mit leichtem bis mittelschweren Knacks“ auf der Kinoleinwand und den Bildschirmen Hochkonjunktur feiern. Vom Schicksal gebeutelte Existenzen, tief gefallen, mit Problemen und Komplexen behaftet, von denen sie bei weitem nicht alle gelöst haben, aber das Herz am rechten Fleck, erobern sie die Gunst ihrer Fans in Scharen. Ich bin überzeugt, dass mir Diagnostiker zustimmen, dass man so ziemlich jedes psychische Krankheitsbild bei den diversen Film- und Serienhelden findet. Dennoch lieben wir sie. Können sie so annehmen, wie sie sind. Warum gelingt das nicht im realen Leben? Mit echten Menschen? Warum gibt es für fiktive Charaktere Verständnis, für tatsächliche hingegen Vorurteile?

Vor einigen Tagen sagte eine Frau nach einer Buchlesung zu mir: „Drei Burnouts – und du stehst vor uns als wäre das nie passiert.“ Ich korrigierte sie und meinte, es waren nur zwei, da mir kurz vor dem dritten die Kurskorrektur mit JAN/A gelungen war. Dennoch – es war nicht zu übersehen, wie irritiert sie davon war, dass ich nicht ihrem vorgefassten Bild einer Ausgebrannten bzw. Borderlinerin entsprach. Schließlich sagte ich zu ihr etwas in der Art von: „Genau deswegen stehe ich hier und mache das: weil ich nicht den Klischees entspreche. Weil ich damit Menschen aus ihrer starren Erwartungshaltung wachrütteln und zum Nachdenken bringen will.“

Ich bin nicht John Nash. Ich bin nur eine unbedeutende Stimme unter vielen, die sich auf einer langen Liste mit jenen Diagnosen und Symptomen einreiht, über die man allzu oft den Mantel des Schweigens ausbreitet: Borderline, PTBS, Depressionen, Schizophrenie, Bipolare Störung … 

Ich bin eine, die genug hat vom jahrelangen Schweigen und sagt: ich bin, was ich bin. Ich bin ein Mensch wie jeder andere auch, bestrebt ein gutes Leben zu führen. Sehne mich wie andere nach Liebe, Geborgenheit und Anerkennung. Ja, ich bin Borderlinerin. Vielleicht nicht immer ganz pflegeleicht, aber wer ist das schon? Ablehnung schmerzt mich, Ausgrenzung noch viel mehr. Ich erwarte kein Mitleid, aber Wertschätzung; brauche keinen „Schongang“, sondern ehrliche Anerkennung. 

„Behandle einen anderen stets so, wie du selbst behandelt werden willst.“

Darum geht es. Nicht mehr und nicht weniger als Respekt und Achtsamkeit. Zwischen Betroffenen und Nicht-Betroffenen, wechselseitig und auf Augenhöhe.

Das musste wieder einmal gesagt werden. Es müsste noch viel öfter gesagt werden, damit sich endlich etwas ändert. Die Zeit ist längst überfällig. Vieles muss neu gedacht werden. Unsere beschleunigte Arbeits- und Lebenswelt produziert Jahr für Jahr Menschen, die nicht mehr mithalten können; die an der Ignoranz und Intoleranz verzweifeln. Wenn ich mir die Weltwirtschaft anschaue, frage ich mich, wohin dieser Kurs führen wird und ob jeder Schritt vorwärts uns auch wirklich weiterbringt? Oder zurück, in eine Welt der rücksichtslosen Selbst- und Fremdausbeutung? Eine Gesellschaft, die viele ins stille Leiden drängt, anstatt eine helfende Hand zu reichen.

Wir könnten gemeinsam so vieles erreichen, wenn wir aufeinander zugehen, mit Offenheit und Verständnis, neugierig auf die Vielfalt, die das Leben erschaffen hat und täglich neu erschafft.

Ich bin nur eine unter vielen, doch heute erhebe ich meine Stimme zu einem Plädoyer für Achtsamkeit, Respekt und Wertschätzung, zu einem Plädoyer des Herzens.

Teilst du meine Einstellung, setze bitte ein Like in einen Kommentar unter diesen Beitrag.

Lebst du bereits danach, hinterlass bitte ein Herz als sichtbares Zeichen für jene, die noch zögern, den Mantel des Schweigens abzuwerfen.

Meine Tricks im Alltag: Nr. 2 – Die Macht der Gedanken

Seit etwas mehr als einer Woche kreuzt ein Thema laufend meinen Weg. Egal, wohin ich mich wende oder mit wem ich zu tun habe, obwohl das Thema für mich längst integrierter Bestandteil meines Lebens. Ein Zeichen? Wenn, ja – wofür? Vielleicht um darüber zu schreiben? Gute Idee 🙂

Es geht um einen Klassiker: Die Macht der eigenen Gedanken

Darüber wurden vermutlich bereits hunderte Bücher geschrieben, tausende Vorträge und Seminare gehalten … und jetzt schrieb ich auch noch etwas dazu. Beginnen wir dort, wo auch unsere Gedanken beginnen: in unserem Unterbewusstsein.

Aus unserem Unterbewusstsein kann so manches an Gedanken und Gefühlen die Oberfläche kommen, dass ordentlich Stress und Komplikationen in unserem Leben auslöst, ABER unser Unterbewusstsein kann auch etwas anderes. Oder kann es nicht – nämlich zwischen Realität und Fantasie unterscheiden. Das ist eine der Grundlagen für das Funktionieren von Autosuggestion, Autogenem Training, Mentaltraining und dergleichen (hierfür werden mit an Sicherheit grenzender Regelmäßigkeit neue Namen für allbekanntes kreiert).

Zurück zum Thema: Alles, was wir wahrnehmen – bewusst oder (sehr viel mehr) unbewusst – landet in unserem Unterbewusstsein. Ich werde hier jetzt nicht die Theorie dazu erläutern. Dafür gibt es wie schon erwähnt umfangreiche Literatur. Ein Zitat aus dem Talmud veranschaulicht diese Tatsache jedoch sehr treffend:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. 
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. 
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. 
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. 
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Unsere Gedanken entstehen aus dem Abgleich der Wahrnehmung mit den im Unterbewusstsein gespeicherten Erfahrungen und deren Bewertung (gut für mich / schlecht für mich). Tatsächlich denken wir rund 60.000 bis 80.000 Gedanken pro Tag, die meisten davon unbewusst. Unser Gehirn ist eine einzigartige Denkmaschine, die uns routinemäßig durch einen abwechslungsreichen Alltag steuert ohne dass wir großartig darüber nachdenken müssen. Wie grandios sie ist, stelle ich jedes Mal aufs Neue fest, wenn  ich in einer Doku einen Roboter unbeholfen durch die Gegend tapsen sehe. Ein Mensch läuft einfach durch die Gegend ohne über einen einzigen Schritt bewusst nachzudenken – sobald er es einmal als Kleinkind gelernt hat.

Die meisten unserer Gedanken entstehend unbewusst, oder besser formuliert: autonom aus dem, was wir zuvor in unserem Unterbewusstsein abgespeichert haben. Also aus allem, was wir sehen, hören, erleben, lesen usw.

Genial und fatal zugleich.

Genial, weil wesentlich mehr abgespeichert wird als die 40 Sinneseindrücke, die wir pro Sekunde bewusst erfassen können … von den 11.000.000 die wir pro Sekunde unbewusst wahrnehmen. Fatal, weil damit auch jeder „Schrott“ aus der Umwelt ungefiltert in unserem Unterbewusstsein landet. Jede negative Schlagzeile; jedes destruktive Gespräch in der U-Bahn, das wir subtil als Hintergrundgeräusch wahrnehmen; jedes Bild von Gewalt oder Zerstörung, dass von einer Plakatwand … all das landet in unserem Unterbewusstsein und kreiert dort unser inneres Bild von der Welt und uns selbst. Von unseren Möglichkeiten. Von realen (oder nicht realen) Gefahren.

Wir werden 24/7 extern programmiert, denn auch im Schlaf nehmen wir wahr. Subtil und anders, aber wir nehmen war, was um uns geschieht. Dieser Cocktail an Wahrnehmungen und Erfahrungen wird infolge zum der Ressource, aus der unsere Gedanken und Gefühle entstehen. Diese sind ein Spiegel unserer inneren Bilder. Es genügt, die Sprache eines Menschen aufmerksam zu beobachten um Rückschlüsse auf seine inneren Bilder zu ziehen.

Ein klassisches Beispiel: Das Glas ist halb leer / das Glas ist halb voll.

Kennt jeder. Hat jeder irgendwann mal gehört. Positives Denken. Alter Hut. Weit gefehlt. Nur weil es altbekannt ist, heißt es nicht, dass es überholt ist. Halb leer oder halb voll. Mangel- bzw. Problemdenken oder Überfluss- bzw. Lösungsdenken. Zwei diametrale Denkweisen, die sich im Alltag beobachten lassen. Und sie sind nur die Spitze eines Eisberges. Ich bin eine leidenschaftliche Beobachterin der Sprache. Sprache ist für mich das omnipotente Werkzeug schlechthin, weil damit so vielfältiges erreicht werden kann. Jemand nach ganz unten ziehen oder nach ganz oben hebeln. Sprache kann beides und ist per se neutral. Leider wird Sprache sehr oft achtlos verwendet und führt zu den unterschiedlichsten Problemen, von Kommunikationsproblemen in Beziehungen bis hin zur Beeinflussung der eigenen Fähigkeiten und der körperlichen Verfassung. Unsere Gedanken und Gefühlen können sowohl als Verursacher als auch als Problemlöser auftreten. Letzteres vor allem dann, wenn wir gelernt haben, sie bewusst für uns zu nutzen, um die erwünschten und unterstützenden inneren Bilder zu erschaffen. Der einfachste Weg dafür wiederum ist unsere Sprache. Unsere täglichen Worte.

Ganz pragmatisch gesprochen: mein einstmals sehr negatives Selbstbild von meiner Umwelt und mir selbst war das drastische Ergebnis einer entsprechenden, jahrzehntelangen Programmierung. Vor Jahren begann ich damit, diese Programmierung zu verändern. Heute achte ich darauf, die Zeitfenster der „Schrottprogrammierung“ möglichst kurz zu halten und auch meine Sprache bewusst zu verwenden, um das von mir gewünschte innere Bild weiter zu verstärken.

Dazu eine ganz praktische, einfache Übung, die mich schon seit langem begleitet und die für mich längst zur Routine geworden ist: Die „Guten Morgen & Guten Abend Fragen“. Davon gibt es unterschiedliche Varianten. Ich stelle dir hier meine bevorzugte vor:

Du brauchst nur einen Notizblock und einen Stift. Bevor du noch so richtig in den Tag startest, nimmst du dir ein paar Minuten Zeit, um für dich schriftlich folgende drei Fragen zu beantworten:

  1. Worauf freue ich mich heute?
  2. Was will ich heute lernen/erleben?
  3. Was werde ich mir heute Gutes tun?

Am Abend, bevor du dich schlafen legst, nimmst du wieder deinen Notizblock zur Hand und beantwortest für dich diese drei Fragen:

  1. Was hat mir heute gut gefallen oder ist mir gut gelungen?
  2. Was habe ich heute gelernt/erlebt?
  3. Wofür bin ich heute dankbar?

Die Antworten sind jeweils positiv zu formulieren, d.h. ohne „nicht“ (ich will nicht, dass …) oder „kein“ (ich will keinen Fehler machen …). Eventuell könnte das Weglassen der Negationen ungewohnt sein und zu Beginn eine Herausforderung darstellen. Das zeigt eigentlich (und auch tatsächlich) nur, wie weit die Automatismen im Problemdenken (was nicht sein soll) verankert sind. Mit Geduld und Ausdauer wird sich das ändern. Neue innere Bilder werden entstehen, die sich wiederum auf Gedanken und Gefühle, auf deine Ausstrahlung und dein Leben auswirken werden.

Dass es funktioniert, ist jetzt vielen Jahren bewiesen. Warum es nicht alle Menschen ständig praktizieren um ihre Lebensqualität zu verbessern? Das ist eines der großen Mysterien der Menschheit, die es noch zu enträtseln gilt 😉

1000 bunte Schmetterlinge

Eigentlich wollte ich mich heute mit einem WEECKIE ins Wochenende verdrückten, weil ich mich tagsüber irgendwie auf nichts konzentrieren konnte und mal eine geistige Auszeit nehmen wollte.

Tatsächlich habe ich heute eine ungeplante Unterhaltung geführt, und für einen kurzen Augenblick fühlte ich mich einer anderen Seele sehr nahe, obwohl zwischen uns eine Distanz von hunderten Kilometern liegt. Doch was ich in diesem Augenblick wahrnahm, inspirierte mich zur folgenden Geschichte. Vielleicht sind es genau die Worte, nach denen diese Seele sucht? Wenn es so ist, bin ich unendlich dankbar dafür, dass ich sie niederschreiben durfte.

Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, in einem nicht weit entfernten Land, als eine junge Frau sich auf den Weg machte, ein Geheimnis zu ergründen. In einem Gasthaus sitzend hatte sie einer Erzählung am Nachbartisch gelauscht, die davon berichtete, dass es irgendwo da draußen in der Welt Menschen gäbe, die eine leidende Seele zu heilen vermochten. Seit Jahren träumte die junge Frau davon, anderen Menschen zu helfen. Sie wollte lernen zu heilen. So machte sie sich auf, einen dieser in die Heilkunst Eingeweihten zu finden.

Ihr Weg war lang und beschwerlich. Fast schien es, als würde er nie enden. Allmählich begann die junge Frau die Hoffnung zu verlieren, je fündig zu werden, als sie auf einem Marktplatz eine alte Frau sah. Es war schon spät am Abend, die Dämmerung senkte sich über den leeren Platz, zeichnete dunkle Schatten über das grobe Steinpflaster. Beinahe wäre es ihr entgangen, doch aus dem Augenwinkel sah sie, wie die alte Frau ihre Hand auf die Schulter eines Mannes legte. Diese Berührung ließ eine magische Aura rund um den Körper des Mannes erstrahlen; eine Aura, die zuvor nur ein dunkler Schatten gewesen war, und die nun in bunten Farben zu schillern begann. Sofort wurde ihr bewusst: das ist es, was sie suchte! Eine Eingeweihte, die das Leid und den Schmerz einer Seele zu wandeln vermochte.

Sie ging zu der alten Frau, stellte sich und ihr Anliegen vor. Die Alte hörte ihr aufmerksam zu, schwieg einige Zeit, bis sie schließlich zustimmte, ihr Wissen weiterzugeben.

So kam es, dass die junge Frau einige Zeit den Erzählungen lauschte. Diese waren nicht immer leicht verständlich, und sie lieferten auch nicht die Antworten, die sie suchte. Deshalb fragte sie ohne Umschweife: „Ich will heilen. Dazu bin ich berufen. Zeig mir, wie ich heilen kann.“

Die Alte nahm sie mit in ein Haus, zu einem jungen Mann, dessen Seele in die Dunkelheit gefallen war. Er litt unsägliche Qualen und wollte sein Leben nicht länger fortsetzen. Zwischenzeitlich hatte die junge Frau gelernt, worauf sie achten musste, und so sah sie diesmal von Beginn an den dunklen Schatten, der sich um den Körper des jungen Mannes gelegt hatte. Als die Alte seine Hand ergriff und ihm voller Ruhe und Gelassenheit in die seine müden Augen blickte, begann sich der Schatten aufzulösen, verwandelte sich in Tausende im Morgenlicht funkelnden Tautropfen, die schließlich einer nach dem anderen von ihm abfielen und all den Schmerz mit sich nahmen. Seine Seele war frei.

Das will ich auch können, dachte sich die junge Frau, doch als sie auf ihre eigene Hand blickte, sah sie den dunklen Schatten, der sich vor langem auch um sie gelegt hatte. Die Alte hatte ihr gesagt, dass sie zuerst sich selbst heilen musste, bevor sie heilen konnte, aber so sehr sie sich auch mühte, es gelang ihr nicht, ihren eigenen Schatten in Licht zu verwandeln. Je länger sie es versuchte, desto bedrückter wurde sie – und desto verzweifelter.

Aus einiger Entfernung beobachte die Alte die angestrengten Versuche ihrer jungen Schülerin. Schließlich rief sie nach ihr. „Um heil zu werden, musst du alles loslassen, was in dir und um dich ist“, sprach sie zu ihr. „Aber ich habe doch nichts mehr“, erwiderte die junge Frau, „fast alles habe ich verloren, bis auf diese eine Liebe in meinem Herzen. Was bleibt mir noch, wenn ich sie verliere?“ Die Alte spürte die Angst ihrer Schülerin vor dem Verlust. Diese Angst hatte sich wie ein undurchdringlicher Mantel um ihr Herz gelegt, einer schützenden Mauer gleich, welche ihre Liebe bewahren sollte – und doch auch ein Gefängnis war. Lange dachte die Alte über ihre Worte nach, bis sie schließlich sagte: „Du kannst nichts verlieren, denn wir besitzen nichts. Weder unser Leben, dass wir von der Ewigkeit geliehen haben; noch die Liebe, die uns begleitet; noch nicht einmal den Atem, der uns am Leben hält, denn auch ihn lassen wir mit jedem Ausatmen aufs Neue ziehen. Lass alles los, damit zurückkehren kann, was bestimmt ist dich durch dieses Leben zu begleiten.“ Ungläubig schüttelte die junge Frau ihren Kopf über das, was ihr unmöglich erschien in diesem Augenblick. Doch sie gab ihr Ziel nicht auf, sondern kämpfte weiter und versuchte unermüdlich, den Schatten zu wandeln.

Die Zeit verging, doch nichts veränderte sich. Sie kam ihrem Ziel nicht einen Schritt näher.

Eines Tages zog ein Unwetter über das Land, gerade als die junge Frau allein im Wald unterwegs war. Der tobende Sturm beugte selbst die Stämme der mächtigsten Eichen und Buchen, brach mannsdicke Äste wie Streichholzer. Regen peitschte durch die kalte Luft. Blitze zuckten über den pechschwarzen Himmel, gefolgt vom grollenden Donner, der kein Ende zu nehmen schien. Inmitten dieses Unwetters entdeckte die junge Frau ein kleines Mädchen, das wie sie schutzlos durch die Düsternis irrte. Ohne darüber Nachzudenken, warum die Kleine wohl ganz allein hier im Wald war, nahm sie das Mädchen mit. Beide fanden in einer kleinen Höhle Unterschlupf. Völlig durchnässt, frierend und zitternd saßen sie eng beisammen zwischen den kahlen Felswänden. Die junge Frau sah die Angst in den dunklen Augen des Mädchens, die sie haltsuchend anstarrten. So vieles an der Kleinen erinnerte sie an sich selbst, als sie noch ein Kind war. Was sie damals vermisst hatte, und die Kleine jetzt brauchte. Obwohl sie selbst von Furcht erfüllt war, schob sie diese beiseite, hier – inmitten des Unwetters, öffnete ihr Herz, lächelte zaghaft und ergriff die Hand des Mädchens. Ihre Lippen schwiegen, doch ihr Herz sprach auf eine Weise, die nicht zu erklären war. Es erzählte von Vertrauen – das auch dies gut enden würde. Von Geborgenheit – weil sie einander hatten. Von Liebe – die immer um sie sein würde.

Plötzlich – inmitten des Unwetters, in dieser kalten, klammen Höhle – verwandelte sich der dunkle Schatten, der das kleine Mädchen umhüllte, in unzählige bunte Schmetterlinge, deren schillernde Flügel magisch funkelten im Licht der Blitze, die über den Himmel zuckten. Die Angst wich aus den Augen des Mädchens, das zu lächeln begann wie nur ein Kind zu lächeln vermochte, das sich um seiner selbst geliebt fühlte. Sie nahm die Kleine in ihre Arme. So verbrachte beide die Nacht in dieser Höhle.

Am nächsten Morgen erwachte die junge Frau allein in der Höhle. Das Mädchen war verschwunden. Einen Moment lang war sie darüber verwundert, doch dann fiel ihr Blick auf ihre Hand, um die sich eine magisch funkelnde Aura gelegt hatte, die im gedämpften Licht der Höhle in allen Farben des Regenbogens schillerte. Sie versuchte noch zu begreifen, wie das geschehen konnte, als sie aus Höhle trat und ein sanfter Windhauch sie erfasste, ihr eine Botschaft ins Ohr flüsterte: „Ich sagte dir doch, los alles los, damit zu dir zurückkehren kann, was bestimmt ist dich zu begleiten.“

Von diesem Tag an vermochte die junge Frau die Dunkelheit in Licht zu verwandeln. Und wenn sie nicht gestorben ist … nun, wenn es mir bestimmt ist, mit meinen Worten die Seele eines anderen zu berühren, dann wird diese Frau nun jenen Weg gehen, der ihr bestimmt ist.