LEICHTIGKEIT IM LEBEN

Leichtigkeit im Leben ist ein Thema, das mir derzeit auf vielfältige Weise begegnet. Offenbar beschäftigt es viele Menschen. Wenn ein Thema gehäuft auftritt, beginne ich darüber zu reflektieren. Das kommt dabei raus:

Vor wenigen Tagen saß ich in einem Führungskräfte-Coaching. Was meinen Job betrifft, befinde ich mich seit Wochen in einer Phase, die sich in den Fragen „Was noch?“ und „Geht’s noch?“ gut darstellen lässt. Am Ende des Coachings wurde ich gefragt, wie ich es mache, dass ich bei all dem ziemlich locker wirke und vieles mit Humor nehmen kann.

Gute Frage.

Meine Antwort darauf lautete: Ich habe Lesley.

Diese Antwort musste ich näher erklären.

Im bürgerlichen Job lebe ich eine weitgehend angepasste Persönlichkeit. Sicherlich keine einfache Mitläuferin, aber dennoch schalte ich Teile von mir auf Mute. Wie viele andere auch, stoße ich im Job immer wieder an Grenzen, die Sinnloses schützen und Sinnvolles verhindern, so dass ich die Sinnhaftigkeit mehr als einmal hinterfrage. Ich schlage mit Ignoranz ebenso rum wie mit ausgeschaltetem Hausverstand. Kurz gesagt: Es gäbe genug, um dauerhaft frustriert zu sein. Bin ich aber nicht.

Warum?

Ich habe Lesley.

Als Lesley bin ich voll und ganz ich. 100%. Ich lebe mich aus mit allem, was in mir steckt und entdecke dabei laufend Weiteres in mir. Mit Lesley habe ich für mich eine Facette der Realität erschaffen, die niemand anders bestimmt außer ich selbst. Keine Fantasiewelt, sondern eine parallele Realität, die geprägt ist von meiner emotionalen Seite (die sich im Job zurückhalten darf/soll/muss …) und meiner Kreativität im künstlerischen Sinne (im Job bin ich auch kreativ, aber dabei geht es um Prozesse, Innovationen …)

Seit Oktober 2017 bin ich Lesley B. Strong.

Manche nehmen einen Künstlernamen an, um jemand anders zu sein. Durch Lesley wurde ich ICH. Niemand anders, sondern die, die ich bin, immer war, aber zuvor nicht sein durfte/konnte, weil … die Gründe dafür sind zahlreich und allesamt heute nicht mehr relevant.

Ich bin Lesley – ein feuriger Funken Lebensfreude. Leichtigkeit liegt mir im Blut.

Leichtigkeit im Leben hat für mich viel mit Anerkennung dessen zu tun, was ich alles bekommen habe in diesem Leben. An erster Stelle steht hiermit das Leben selbst. Danach folgen meine Gaben, Talente, Fähigkeiten, aus denen wunderbares entsteht. Ich bin dankbar für alles in meinem Leben, auch für stressige Jobphasen wie die derzeitige.

Alles im Leben hat stets zwei Seiten.

Ein „Was noch?“ kann auch „Was noch fällt mir dazu ein?“ meine Kreativität in astronomische Dimensionen schrauben.

Ein „Geht’s noch?“ lässt mich Achtsamkeit üben, häufiger als sonst mich selbst zu hinterfragen, in mich hinein zu spüren und darauf zu achten, nicht allzu lange an der Grenze oder gar über der Grenze zu bleiben, sondern auf mich selbst gut zu achten.

Leichtigkeit im Leben ist für mich mehr als mittels positiver Affirmationen einen Zustand zu beschwören. Leichtigkeit ist ein Lebensgefühl. Ein riesengroßes JA zum Leben und mir selbst. Leichtigkeit geht Hand in Hand mit Hoffnung. All die Krisen in der Welt, von Umweltzerstörung über Krieg, Pandemie … es gibt so vieles rund um uns, das bedrückt und Schwere hervorrufen kann. Tagtäglich sehe ich Menschen, die von der Last ihres Lebens gebeugt werden, die sich schwerfällig bewegen. Blicke ich in ihre Augen, nehme ich Leere wahr, keine Hoffnung oder gar Leichtigkeit. Keine Lebendigkeit. Sie sind hier, aber irgendwie auch nicht. Klammern sich an Probleme, Ängste, Sorgen, um etwas zu haben, dass ihnen einen Grund zum Leben liefert. Dann denke ich an Victor Frankl und seine Buch „Trotzdem JA zum Leben sagen“, seine Erfahrungen, dass Menschen, die nichts mehr in diesem Leben haben oder nicht mehr hoffen, einfach sterben.

Leichtigkeit im Leben fand ich, nachdem ich begann, alles Belastende loszulassen – sofern dies möglich war. Energievampire und Karmastaubsauger ebenso wie materielles Zuviel. Vor ein paar Jahren hatte ich mir nie vorstellen können, mit dem wenigen zu leben, das ich heute besitze, aber es geht mir gut damit. Ich brauche nicht mehr. Ich habe Lesley.

Was ich nicht loslassen konnte/kann, weil z.B. mit dem Job verbunden, betrachte ich aus einem anderen Blickwinkel. Die andere Seite der Medaille. Eine Mentorin gab mir einst einen wunderbaren Satz mit auf meinem Weg: What is in it for me? Was kann ich mir daraus mitnehmen? In jedem Sch***haufen findet sich auch immer etwas Gutes. Nicht umsonst wird mit Mist gedüngt 😉 Menschen werden insbesondere dann kreativ und innovativ, wenn die Notlage sie dazu zwingt. Wer alles im Überfluss hat, wird eher träge – und irgendwann schwer.

Ich glaube, ich könnte Stunden über Leichtigkeit im Leben reden, ohne mich zu wiederholen. Es ist wie ein Licht im Herzen, das ich spüre und das mich diese Welt mit anderen Augen sehen lässt. Keine rosa Brille, aber ein unerschütterliches Vertrauen in das Leben und die Überzeugung, dass in uns Menschen das Potenzial schlummert, uns selbst zu hinterfragen und verändern zu können. Vielleicht werden das nicht alle tun, doch jene, die es tun, werden mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Leben in Leichtigkeit führen.

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WAS KANN ICH TUN UM DICH GLÜCKLICH ZU MACHEN?

… diese Frage wurde einer Freundin von einem Bekannten gestellt, so hat sie mir zumindest vor ein paar Tagen berichtet. Leider bekam sie in Folge nicht, was sie genannt hatte. Es ging um einen Geldbetrag knapp unter einer Million Euro.

Seit dem Besuch bei meiner Freundin denke ich über diese Frage nach. Oder besser: ich spüre in mich hinein.

Was könnte jemand tun, um mich glücklich zu machen?

Während ich also über diese Frage sinniere, beginne ich unweigerlich, meine aktuelle Lebenssituation zu reflektieren.

[no nau na net] … ergänzt meine innere Stimme in perfektem Österreichisch 😉 Ins Schriftdeutsche übersetzt bedeutet es so viel wie: Was sonst?

Wie sieht mein Leben derzeit aus? Stressig, aber ich habe mir sowohl den stressigen Job ausgesucht als auch Ja zum neuen Projekt gesagt, und somit zur außerordentlichen Arbeitsbelastung. Es war meine Entscheidung! Ich hätte auch Nein sagen können. Oder längst in einen anderen Job wechseln können.

Generell: Mein Leben ist seit letztem Jahr genau das, was ich für mich bestimmt habe – mit all seinen Sonnen- UND Schattenseiten. Nicht alles läuft perfekt, aber das wäre auch unrealistisch. Ich bin zufrieden mit dem, wie es ist.

Was könnte also jemand tun, um mich glücklich zu machen?

Ich griff die Antwort meiner Freundin auf und rundete gleich mal auf: Eine Million Euro.

Wäre ich mit einer Million Euro glücklich?

Gegenfrage: Was wäre anders?

Ich besitze alles, was ich zum Leben brauche. Teilweise sogar mehr, aber zum Glück (!) nicht so viel, dass ich mir darüber Gedanken machen muss. Besitz bedeutet stets auch eine Form der Belastung.

Was würde ich mit einer Million Euro kaufen?

Das neueste Smartphone? Wozu? Für meine Zwecke genügt das aktuelle völlig. Besitzprotzerei liegt mir nicht.

Ein Luxusauto? Wozu? Damit es in der Garage steht? Ich würde von den Öffis nicht wieder aufs Auto umsteigen. Dazu sind mir meine Nerven zu wertvoll, die ohnehin viel zu lange im täglichen Stauirrsinn strapaziert wurden. Außerdem entstehen beim Bahnfahren wunderbare Dinge, wie selbstgestrickte Socken.

Reisen? Wäre nett. Ich habe ja früher in der Tourismusbranche gearbeitet. Aber Reisen möchte ich mit anderen, um gemeinsam das Abenteuer des Entdeckens zu erleben.

Nicht mehr arbeiten? Ganz ehrlich, ich wurde nicht geboren, um auf der faulen Haut zu liegen. Vielleicht würde ich nicht mehr meinen Stressjob ausüben, aber mit Sicherheit würde ich mir andere Herausforderungen suchen.

Was würde ich mit einer Million Euro machen?

Vielleicht hätte ich plötzlich eine Menge neuer Freunde, auf die ich gerne verzichte, wenn sie nur des Geldes wegen meine Freundschaft suchen.

Meine Gedanken landen in einer Sackgasse – und ich auf einer sonnigen Lichtung, nachdem ich zuvor durch einen Graupelschauer bergauf gewandert bin. Und dann ist er plötzlich da, der kleine Marienkäfer, der sich ob der kühlen Temperaturen nur sehr langsam auf seinem Ast bewegt, doch er bringt mich zum Lächeln, und in mir breitet sich ein Gefühl aus, das ich „glücklich“ nenne.

Was soll ich mit einer Million Euro? Das Leben hat mir eine Gabe geschenkt, die mit keinem Geld der Welt zu kaufen ist: Das Besondere im Alltäglich zu sehen und mich daran freuen zu können.

Es sind meine eigenen Beine, die mich auf diese sonnige Lichtung getragen haben, wo ich nun die wärmenden Strahlen der Frühlingssonne spüre. Meine Augen, die den kleinen Marienkäfer erblicken, während meine Ohren dem Gezwitscher rundum lauschen, dem Flüstern des Windes. Mit all meinen Sinnen spüre ich das Leben, fühle im Herzen eine tiefe Dankbarkeit dafür, all dies erleben zu dürfen und zu können.  

Du fragst, was du tun kannst, um mich glücklich zu machen?

Nichts.

Oder vielleicht doch? Lass dich von meiner romantischen Lebensfreude anstecken. Ich glaube, es würde dieser Welt gut tun, gäbe es mehr Menschen, die nichts brauchen, um glücklich zu sein. 😉

WENN – DANN … ODER DOCH: ES IST!

Das Leben liefert doch immer wieder Stoff für Beiträge. Ich habe einige Zeit überlegt, wie ich das heutige am besten niederschreibe, dann es könnte leicht missverstanden werden. Am besten, ich fange einfach mal an …

Mein WordPress-Blog ist so eingerichtet, dass sämtliche Kommentare durch mich als Admin freigeschalten werden müssen, bevor sie öffentlich sichtbar sind. Ein ganz normales Prozedere, das in vielen Workshops zu kritischer Medienkompetenz und Sicherheit im Netz empfohlen wird.

Vor wenigen Tagen fand ich ein paar interessante Kommentare von einem User, der bereits mehrfach kommentiert hat, anfangs ganz lieb und nett, in Folge veränderte sich der Ton. Ich habe die letzten Kommentare nicht mehr freigeschalten, da ich das, was sie in mir auslösten, in diesem Beitrag ein wenig durchleuchten möchten:

„Funktioniert dein Leben? Bist du glücklich? Wenn Gott gewollt hätte, dass wir Menschen glücklich wären, dann hätte er uns nicht aus dem Paradiese vertrieben .. 🙂“

Auf diesen Kommentar hätte ich mit „Ich weiß nicht, ob es einen Gott gibt und welchen Plan er/sie mit den Menschen hat, aber mein Leben funktioniert und ich bin glücklich – auch ohne dieses Wissen“… ich hätte auf diese Weise geantwortet, wäre da nicht noch ein Kommentar gewesen:

„PS: „Dein Kommentar muss noch freigeschaltet werden.“ Zeugt nicht gerade von Vertrauen in deine Mitmenschen, wenn du die Kommentare erst nach Überprüfung freigibst 😉 Handelt so ein glücklicher Mensch?“

Vielleicht war es ja witzig gemeint, aber in meinem Linguistinnen-Ohr schrillte eine Alarmglocke und in großen Lettern prangte vor meinem geistigen Auge die Frage: „Was bitte hat das eine mit dem anderen zu tun?“ Was haben technische Blog-Einstellungen damit zu tun, ob ich ein glücklicher Mensch bin? Oder anders gefragt: Kann ich nur dann ein glücklicher Mensch sein, wenn ich meinen Blog (für dessen Inhalte ich verantwortlich gemacht werden kann) für jegliche Tastenspiele freigebe?

Wenn – dann … komplexe Äquivalenz? Echt jetzt? Manipulation oder Unwissenheit darüber, was da sprachlich gerade angestellt wird? Zu diesem Zeitpunkt schwankte ich noch, auf welche Weise ich antworten sollte. Aber die Entscheidung wurde mir mit dem nächsten (freizugebenden) Kommentar deutlich erleichtert:

„Liebe kann auch tiefe Schmerzen verursachen. Denk an Hölderlin, der sich aufgrund einer unglücklichen Liebe in den Wahnsinn flüchtete. Die Liebe kann sehr tragisch enden. Man kann natürlich sagen: „Dann war es keine Liebe, sondern Vereinnahmung .. usw. blabla .. In der Theorie ist alles möglich. Aber die Realität zeigt den Stachel der Liebe. Alles andere ist Esoterik und Wunschdenken. Freut mich, dass du glücklich bist .. Aber wie schon gesagt: Ich hab das Gefühl, dass du dich selbst belügst .. Das gibt ein böses Erwachen irgendwann, ein harter Aufprall .. Ich wünschte, ich irrte mich ..“

Der vorletzte Satz ist (linguistisch betrachtet) hellseherisch auf mein Leben bezogen und wird durch den letzten nochmal in seiner ultimativen, negativen Aussage bestätigt. Eine Generalisierung mit einer Tilgung.

Danke, aber ich weise jegliche externe Prognosen über mein Leben entschieden zurück.

Ich diskutiere sehr gerne mit Menschen über ALLE Themen des Lebens, aber nicht auf diese Weise. Gegenüber „Zuschreibungen“ (Das gibt ein böses Erwachen …) reagiere ich ziemlich sensibel. Jegliche Zuschreibung, auch eine vordergründig positive (Du bist super) ist letztendlich etwas, das einer dem anderen „zuschreibt“, sich also über den anderen stellt und ihn bewertet – und damit das Gegenteil der gewaltfreien Kommunikation, wie sie Marshal Rosenberg formulierte.

Wenn ich meine Brille als Kommunikationstrainerin aufsetze, entdecke ich in den Kommentaren auch ein Muster: Unabhängig vom Beginn enden sie mit einer negativen Botschaft. Das macht mich traurig und nachdenklich, was wohl den Verfasser zu diesen Gedanken veranlasst.

Ich halte mich für eine philosophische Pragmatikerin, die auf das blickt, was es ist, in diesem Augenblick; die stets für möglich hält, dass etwas Wunderbares geschieht – und ich bin Realistin. Krisenmanagement ist ein wichtiger Teil meines Jobs und ohne nüchterne Betrachtung der Realität nicht möglich. Dennoch … wenn ich spazieren gehe und auf meinem Weg finden sich auf der einen Seite ein Hundehäufchen und auf der anderen ein Blümchen, sehe ich beides und entscheide mich bewusst, die Stimmung des Blümchens an mich heranzulassen.

Natürlich könnte man auch diese beiden Schlussfolgerungen ziehen:

Wenn du auf das Hundehäufchen blickst, dann wird dein Leben irgendwann in der Scheiße enden.

Wenn du auf das Blümchen blickst, dann wirst du glücklich sein.

Das wären Klassiker im Sinne von positiv/negativ, aber beides wären hellseherische Zuschreibungen. Wer weiß schon, wie ein anderer Mensch innen drin gestrickt ist und was welche Wirkung auslöst? Das wissen die meisten Menschen von sich selbst nicht.

Ich weiß nur eines: Ohne Zuschreibungen würden sich die Menschen so manche Missverständnisse und Konflikte ersparen. In der Kommunikation bei „es ist, was es (für mich) ist“ zu bleiben, erfordert Achtsamkeit.

P.S.: Kommentare werden auch weiterhin erst nach meiner Freischaltung sichtbar sind und solange sie niemand verletzen, diskriminieren oder in einer anderen Art und Weise anstößig sind.

P.P.S.: Keine Ahnung, ob es auf Gottes Agenda so steht, aber ich bin glücklich 😊

P.P.P.S.: Auf meinem Balkon blühen bereits die ersten Krokusse 😊

MYTHOS BEZIEHUNGSUNFÄHIGKEIT

In den vergangenen Wochen habe ich mich gedanklich mit dem Mythos der Beziehungsunfähigkeit befasst, der Borderlinern gerne nachgesagt wird. Meine Conclusio: Wie meistens im Leben, ist es nicht so einfach.

Beinahe 25 Jahre in einer Lebenspartnerschaft spricht gegen eine Beziehungsunfähigkeit. Regelmäßige Krisen in dieser Zeit dafür.

Freundschaften (die ja auch eine Form von Beziehung sind) zu pflegen ist für mich nach wie vor eine Herausforderung.

Ich finde es faszinierend, dass Menschen über Jahrzehnte befreundet sein und sich quasi parallel entwickeln können. Von der Schule über den Job, Familiengründung, gemeinsame Unternehmungen … für mich klingt das wunderbar und gleichzeitig unerreichbar. In meinem Leben kommen und gehen Menschen. Manchmal frage ich mich, ob es an mir liegt, ob ich nicht den „sozialen Kitt“ aufbringen kann, um Menschen in meinem Leben zu halten. Bin ich zu sprunghaft? Zu vielseitig? Zu unnahbar? Zu tiefgründig? Ich bin anders, in vielem. Aber beziehungsunfähig?

Wie funktionieren Freundschaften? Wie Beziehungen? Jenseits der Theorien, also in der Praxis?

Berufliche Beziehungen sind einfach. Freundschaften nicht. Um ehrlich zu sein, gibt es nur wenige Menschen, die ich als Freunde bezeichne, im Unterschied zu den unzähligen Bekannten. Zu Freundschaft gehört für mich auch eine Form von emotionaler Verbundenheit, die ich nicht leicht eingehe. Ich wahre gerne eine gewisse Distanz. Vielleicht eine Art von Schutzreflex, denn Nähe kann zur Belastung werden, wenn ich all die Emotionen und Stimmungen der anderen Menschen wie ein Schwamm aufnehme.

Ich halte mich selbst für äußerst umgänglich und alles andere als beziehungsunfähig, dennoch gelingt es mir nicht, meinen Freundeskreis zu erweitern.

Laufend bekomme ich die Rückmeldung, wie toll Menschen all das finden, was ich kann, was ich mache und was ich erreicht habe, dennoch freunden sie sich nicht mit mir an.

Im Job sage ich häufig scherzhaft: „Ich bin ein Alien.“ Vielleicht liegt in dieser Aussage mehr Wahrheit, als mir lieb ist.

Ich bin anders.

Die Art und Weise, wie ich Beziehungen führe und Freundschaften pflege, ist anders.

Anders als die Norm, also die Masse, der Durchschnitt.

Es geht nicht um richtig oder falsch, gut oder schlecht. Eher darum, nicht verstanden zu werden.

Würde ich die Norm, also die Masse, den Durchschnitt, als Referenz heranziehen, würde dies unweigerlich dazu führen, mich als die Ursache des Nichtfunktionierens zu identifizieren. Ich denke, genau deshalb halten sich viele Borderliner für beziehungsunfähig. Oder weil sie es in der Fachliteratur gelesen haben. Oder jemand ihnen diesen Stempel aufgedrückt hat. Aber ist alles, was außerhalb der Norm liegt, automatisch „defekt“?

Es ist nicht so, dass jene zwei Menschen, die sich entscheiden, eine Freundschaft oder Beziehung einzugehen, die für sie stimmigen Parameter festlegen – ganz gleich, welche es sind?

Vielleicht scheitern viele Beziehungen nicht aufgrund der Beziehungsunfähigkeit einzelner Personen, sondern aufgrund der Unterschiede in den Beziehungsparametern.

Menschen sind von Natur aus soziale Wesen. Ich denke, echte Beziehungsunfähigkeit kommt weitaus seltener vor, als sie unterstellt wird. Oder als Urteil über sich selbst gefällt wird. Topf und Deckel müssen zusammenpassen. Manche Töpfe kommen häufiger vor, andere sind Raritäten, ebenso wie manche Deckel.

Lebenserfahrung macht es nicht immer leichter, neue Beziehungen aufzubauen. Wer – so wie ich – schon so einiges erlebt hat, wird vorsichtig. Kaum verwunderlich, dennoch hinderlich. Unvoreingenommen jedem neuen Menschen in seinem Leben zu begegnen, das kann eine Herausforderung sein.

Heißt es nicht: gibt jedem Tag die Chance, der Schönste deines Lebens zu werden.

Ich adaptiere diese Aussage einfach mal auf: gibt jedem Menschen die Chance, dein Freund zu werden.

Meistens dauert es Jahre, bis ich zulasse, dass mich jemand umarmt. Ein anderes Mal gehe ich beim ersten Treffen auf einen Menschen zu und umarme ihn. Für mich hängt der Grad an Nähe von vielen Faktoren ab. Ebenso wie Freundschaften. Oder Beziehungen. Wie gerne würde ich für mich eine klare Regel erstellen, doch … so einfach ist es nicht für eine komplexe, in sich teilweise widersprüchliche und dennoch alles vereinende Persönlichkeit wie mich.

Bin ich deshalb beziehungsunfähig?

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GRAS WÄCHST AUCH NICHT SCHNELLER …

… wenn man dran zieht. Diese volkstümliche Weisheit begegnete mir das erste Mal Anfang der 2000er-Jahre. Sie hat sich – wieder einmal – als äußerst zutreffend für mich erwiesen.

Seit knapp einem Jahr habe ich etwas vor mir hergeschoben, dass ich grundsätzlich gerne tun wollte, weil es für meine Borderline-Auflösung einen wichtigen Schritt darstellt, doch gleichzeitig habe ich mit auf jede nur erdenkliche Weise davor gedrückt und alle Ablenkungen und Zwischenfälle priorisiert.

Worum es geht?

Um das Finale meiner JAN/A-Trilogie, meiner in Echtzeit geschriebenen Borderline-Auflösung in Romanform. Vor wenigen Tagen habe ich die Arbeit daran aufgenommen, motiviert durch mein wachsendes schlechtes Gewissen bei dem Blick auf meinen Zeitplan. Immerhin wollte ich Ende 2021 damit fertig sein. Doch Stand heute fehlen noch 3 von 7 Kapiteln.

Welch Hybris von mir, zu denken, ich setze mich hin und schreibe die Story einfach zu Ende. Den Verlauf der Handlung kenne ich seit 2018, daran hat sich nichts geändert. JAN/A sollte noch ein paar Überraschungen für mich parat halten, denn kaum hatte ich begonnen, eine – zugegeben emotional herausfordernde – Szene zu schreiben, fügte meine Intuition (ich schreibe in einer Art Wachtrance) neue Elemente hinzu, die so nicht angedacht waren. Aber sie fühlten sich stimmig an, weshalb ich sie übernahm. Gleichzeitig wurden mir auch Zusammenhänge bewusst, die zuvor noch im Dunkeln lagen. Mein Verständnis dessen, warum manches wie in meinem Leben geschehen ist, gewann eine neue Dimension dazu.

Mittlerweile denke ich den unbewussten Grund für mein Ausweichen im vergangenen Jahr zu kennen: Ich brauchte noch Zeit, mich dem zu stellen und das zuzulassen, was nun geschieht. Und es tut sich sehr viel. Als hätte ich einen Sturm im Wasserglas entfesselt und alles, was sich dort abgesetzt hatte, aufgewirbelt, damit es sich neu ordnen kann. Einschlafprobleme, unruhige Nächte, körperliche Schmerzen, Sinnfragen, demonstrative Abgrenzung – alles wieder da. Dennoch anders als früher. Ich weiß, das mein Schreib- bzw. Auflösungsprozess dafür verantwortlich ist. Ich rüttle bewusst an allen mir bekannten Türen und Schubladen, spüre in mich hinein auf der Suche nach verbliebenen Verstrickungen, Verspannungen und Konflikten. Mein Unterbewusstsein antwortet mit Symbolen, Metaphern, Wendungen in der Geschichte… JAN/A ist eine niedergeschriebene intrapersonelle Teilearbeit. Mein innerer Dialog in den Bildern meiner Seele. Ziemlich fantasievoll und emotional. Eine alternative Realität, in der das geschehen kann, was in der realen Welt in der Vergangenheit verabsäumt wurde und auch in der Gegenwart kaum umzusetzen ist.

Mein Ort des Heilens: meine JAN/A-Bubble

Der Schreibprozess ist meine Zeit des Heilens.

Doch … Ego, Wille und Co hin oder her … es geht nicht schneller, nur weil ich dran ziehe, oder darauf drücke im Sinne von Einhalten des Zeitplans.

Wie könnte es auch?

Was vor Jahren oder Jahrzehnten zerbrochen, entweder gar nicht oder nur behelfsmäßig geflickt wurde, braucht nun auch seine Zeit, um wieder zu heilen.

Diese Worte legte ich vor wenigen Tagen Jana in den Mund: „Geduld war keineswegs meine größte Tugend, jedoch erforderte mein ausgefeilter Plan reichlich davon.“ … und hielt mir damit selbst einen Spiegel vor meine Nase.

Mein „Plan“, mich mit den 3 Bänden von JAN/A (oder 3 Entwicklungsphasen im Sinne von auf mich selbst zugehen, mich selbst annehmen, mit mir selbst leben) zurück in die Selbstbestimmung meines Lebens zu schreiben, entstand zwar eher unbeabsichtigt, aber nachdem mir die damit verbundenen Möglichkeiten bewusst geworden waren, folgte die weitere Umsetzung aus voller Überzeugung. Nur den Faktor „Zeit“ hatte ich nach Band etwas leichtfertig behandelt, indem ich dachte, ich bestimme, wann ich fertig bin. Das tue ich nicht.

Traumatisierungen oder (romantisch gesprochen) eine verletzte Seele heilen nicht nach einem getakteten Fahrplan. Die Route zurück zu mir kenne ich (seit langem), folge ihr auch konsequent, doch das Tempo bestimmt nicht mein Verstand, sondern mein Fühlen, das sich langsam vortastet in eine Welt außerhalb der heilenden Bubble.

Jana hat ein passendes Mantra, das ich wohl selbst öfters rezitieren sollte: „Ruhe und Gelassenheit, Jana, Ruhe und Gelassenheit.“

Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht.

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AUFBRUCH INS JAHR 2022

Rund um den Jahreswechsel habe ich mich wieder einmal zurückgezogen, um meine Gedanken und mich selbst zu reflektieren, einiges davon auch neu auszurichten. Zeitlicher und räumlicher Abstand zum Hamsterrad und Alltagstrott sind enorm wichtig, um aus Schubladendenken und überholter Routine auszusteigen.

Wohin soll es 2022 für mich gehen?

Tatsächlich habe ich mehrere Anläufe benötigt, diesen Beitrag zu schreiben. Das ist für mich absolut ungewöhnlich. Normalerweise schreibe ich meine Gedanken rasch und schlüssig nieder. Doch diesmal war es irgendwie sperrig.

Zum einen waren da die zahlreichen Rückmeldungen, die kurz vor Jahresende noch kamen. Viele haben sich bei mir bedankt, weil ich ihnen in schwierigen Zeiten weiterhelfen konnte, Hoffnung vermitteln und ihr Vertrauen stärken konnte. Bewunderung für mich als Person und was ich in meinem Leben erreicht habe. Und allzu oft der Satz: Du hast so Recht. Wenn der kommt, nehme ich für einige Zeit meine Finger von der Tastatur, um zu verhindern, eine Antwort in der Art von „Mir geht’s nicht darum, Recht zu haben. Davon löst sich weder dein Problem noch ändert sich die Welt. Schwing lieber deinen Hintern in die Höhe und mach das, was zu tun ist.“ Diese Rückmeldung wäre schwer verdaulich, aber auch ehrlich.

Ich bin dankbar, hin und wieder begleiten, oder vielleicht sogar ein klein wenig bewirken zu dürfen. Tendenziell werde ich künftig stärker die Angehörigen von Borderlinern ansprechen und ihnen dabei helfen, eine Gedanken- und Gefühlswelt zu respektieren, sich von ihrer eigenen enorm unterscheidet. Verstehen wird wohl nicht immer möglich sein, aber Respekt und Achtsamkeit sind bereits wichtige Schritte. Meine bisherigen Erfahrungen in diesem Bereich zeigen mir, dass jene, die daneben stehen, ebenso an ihren Belastungsgrenzen sind wie jene, die mitten im Strudel der Emotionen stecken. Mit jemand zu sprechen, der all dies durchlebt, überlebt und zurück in ein glückliches Leben gefunden hat, kann Hoffnung und Zuversicht wecken.

Deshalb erzähle ich meine eigene Geschichte immer und immer wieder. Nicht aus Geltungsdrang oder weil ich damit berühmt werden will. Ich will damit inspirieren und motivieren. Und transformieren.

Früher hätte meine Geschichte wohl so gelautet:

In meinem Leben ist eine Menge Scheiße passiert.

Heute lautet sie:

Ich meinem Leben ist eine Menge Scheiße passiert, die zu jenem Dünger wurde, auf dem nun heilsame (Wort)Pflanzen (Geschichten und Gedichte) wachsen, die anderen helfen, ihre Wunden zu schließen, die in ihnen Mut, Hoffnung und Zuversicht keimen lassen, sie zum Nachdenken und Verstehen anleiten, sie zum Lächeln bringen, Lebensfreude wecken und für einige Zeit in die Umarmung des Lebens hüllen.

Aus Schicksal (Fluch) wurde Sinn (Segen). Eine wunderbare, berührende Geschichte.

Zum anderen schlage ich mich (wieder einmal) mit einem Thema herum, das ich leider nicht ganz ausblenden darf bzw. kann. Wie und wofür verwende ich meine Zeit? Dieses begrenzte Gut, das niemand von uns horten kann und vor dem auch niemand weiß, wie viel noch bleibt. Ich möchte meine Zeit bestmöglich nutzen. Ein wesentlicher Teil ist für den „Broterwerb“ reserviert. Mit dem Rest gilt es sinnvoll umzugehen.

Mein Widerwillen gegen Zeitfresser wie Facebook & Co ist nichts Neues. Meine Energie dafür einzusetzen, in der Flut von Postings mitzuschwimmen, die überwiegend anderes beinhalten als meine tiefgründigen Beiträge, sehe ich als reine Verschwendung an. Was ich mache, erfordert eindenken und einfühlen, also das Gegenteil von schnellem liken. So sehr ich die Grundidee der sozialen Medien schätze, hinterfrage ich, was die Masse an Menschen daraus macht. Die Herausforderung liegt meiner Ansicht nach im Lebensstil unserer Zeit. Oberflächlich und schnelllebig. Beiträge werden innerhalb von Sekunden mit einer Wertung versehen, ohne sie überhaupt gelesen oder gar reflektiert zu haben. Ein Blick auf ein Bild, vielleicht noch ein paar Worte … das war’s. Gesehen, aber nicht verstanden oder in die Tiefe erspürt. Genau dort vermute ich die Ursache für die Leere, die so viele Menschen in sich tragen. Sie streben nach Aufmerksamkeit und fühlen sich im Grunde bedeutungslos, denn Bedeutung ist etwas, das erkannt werden will, was Zeit in Anspruch nimmt, sich wandelt und erweitert je länger man es betrachtet.

Wie gesagt, die Grundidee dahinter finde ich gut. Dank der sozialen Medien habe ich einige wunderbare Menschen kennengelernt und spannende Projekte begonnen, ABER in der Masse dessen, was mir begegnet ist, machen diese nur einen kleinen Teil aus. Deshalb werde ich mich 2022 weiter aus den sozialen Medien zurückziehen und stärker auf das reale Leben konzentrieren.

Vor einige Wochen schrieb ich folgendes:

„Das wertvollste Geschenk, das du einem Menschen machen kannst, ist ein Augenblick, in dem kein Gedanke dich davon abhält, voll und ganz den anderen zu fühlen.“

Damit ich anderen Menschen noch viele wertvolle Geschenke machen kann, ist es wichtig, auf meine Zeit zu achten und manche Zeitfresser nicht länger zu füttern.

Das Bild zu diesem Beitrag entstand heute auf einer kurzen Wanderung an einem milden, sonnigen 2. Jänner 2022 – eine Stunde kraftspendende Zeit mit mir selbst und meinen Gedanken.

ALLE JAHRE WIEDER…

… durchkreuzt Weihnachten meine Pläne. Spätestens am Abend des 24.Dezember nehme ich mir felsenfest vor, im kommenden Jahr Weihnachten zu entfliehen und einfach nicht da zu sein. Doch dieser Vorsatz verwässert im Laufe des Jahres …

… und so kommt es zu „alle Jahre wieder“, sprich einem Treffen jener Familienmitglieder, mit denen ich noch Kontakt habe. Den überwiegenden Teil meiner ziemlich weitläufigen Verwandtschaft habe ich seit Jahren nicht gesehen – und das ist gut so, denn ich bin das „schwarze Schaf“. Also die, mit denen die anderen nichts anzufangen wissen, weil ich anders bin als sie. Mein Faible für tiefgründiges Hinterfragen und den Blick unter die Oberfläche traf stets auf Unverständnis. Gleichzeitig interessierte mich nicht die Gesprächsthemen der anderen.

Dennoch holen mich diese Themen immer wieder ein. Spätestens zu Weihnachten. Da treffe ich einige wenige nahe Mitglieder meiner Familie. Obwohl ich mir seit vielen Jahren vornehme, es anders zu machen, quasi das Ruder herumzureißen und einen neuen Kurs zu fahren, wird es doch stets das Tradierte – und Weihnachten 2021: über Stunden kreisten die Gespräche um Krankheiten, Todesfälle, Katastrophen. Nichts Positives. Keine Erkundigung was man gerade macht. Kein Feiern von Erfolgen. Kein wirkliches Interesse daran, wie’s dem anderen geht.

Das Schlimmste ist: ich kann mich nicht erinnern, dass es je anders war.

In einem auf Probleme fokussierten Umfeld aufzuwachsen, hat seine Spuren bei mir hinterlassen. Meine hochgradige Lösungsorientierung ist eine nützliche davon. Ein düsteres Weltbild, hartnäckige Selbstzweifel und kaum vorhandener Selbstwert waren weniger hilfreich, aber letztendlich fand ich auch dafür Lösungen und wurde, wer ich heute bin: ein feuriger Funken Lebensfreude – und damit der Gegenentwurf zu dem, was ich in meiner Familie wahrnehmen. Also doch das „schwarze Schaf“.

Heute, wenige Tage nach meinem „alle Jahre wieder Weihnachten“ frage ich mich, warum ich überhaupt noch den weihnachtlichen Versuch unternehme, meine Familie auf meinen lebensbejahenden Kurs zu holen. Ich sollte es längst wissen: Menschen kann man weder retten noch verändern, maximal auf diesem Weg begleiten, wenn sie es wollen und zulassen.

Trotzdem – das Kind in mir hätte so gerne eine heile Welt, eine glückliche Familie, wenigstens zu Weihnachten. Ein Wunschtraum seit Ewigkeiten, der 2021 unerfüllt blieb und es – realistisch betrachtet – auch in den kommenden Jahren bleiben wird. Mich damit abzufinden, ist wohl die aktuelle Lernaufgabe. Es Flut an negativen Input aushalten. Oder die Flucht zu ergreifen und einfach nicht mehr mitzuspielen. Das würde allerdings einige Menschen sehr verletzen, denen ich zwar schon x-mal erklärt habe, wie schlimm sich all das für mich anfühlt, die es aber nicht verstehen … nicht verstehen können, weil ihr Weltbild offenbar nichts anders zulassen kann als Krankheit, Tod und Katastrophen.

Mein Entscheidungsspielraum liegt also zwischen „halte es aus, obwohl du am liebsten schreiend davonlaufen oder schlimmeres tun möchtest, weil diese Negativität und das nicht gesehen werden  einfach nur weh tun“ und „sei die Ursache für den Schmerz anderer, weil du nicht da bist, obwohl sie dich auch nicht sehen, wenn du da bist“.

Dies ist offenbar mein persönliches „Kobayashi-Maru-Test“ https://de.wikipedia.org/wiki/Kobayashi-Maru-Test

Egal, was ich tue, es wird nicht ohne Schmerz funktionieren. Insofern ist meine Entscheidung klar: ich werde auch 2022 wieder einem Treffen beiwohnen, das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wie in der Vergangenheit ablaufen wird. Ich tue dies den anderen zu Liebe und weil ich die Kraft habe, es auszuhalten, mich in Folge wieder auszubalancieren und auf meinem Kurs zu bleiben.

Das Leben ist nicht immer leicht, Entscheidungen nicht immer einfach. Aber sie bewusst zu treffen, macht die Freiheit spürbar, selbstbestimmt zu sein, und nicht mehr fremdgesteuert von dem „was im Unbewussten wirkt“ auf die emotionale Achterbahn geschleudert zu werden.

Manchmal darf man sich entscheiden, einen schwierigen Weg zu gehen.

Bild: pixabay.com

OAFOCH NUA GUAD GEH LOSSA oder

EINE GEWAGTE THEORIE

Ein Wochenende in den Gasteiner Bergen, über mir strahlend blauer Himmel, unter mir griffiger Schnee, und mir dazwischen geht’s einfach nur gut (übersetzt: oafoch nua guad). Ein Setting, das als Abschluss einer abwechslungsreichen Woche zu folgenden Gedanken geführt hat …

Ich brauche keinen Luxus, damit’s mir geht gut. Alles, was ich dafür brauche, ist der Freiraum sein zu können und sein zu dürfen, wer ich bin. Aber vielleicht ist das genau der größte Luxus im Leben? Sein zu dürfen und zu können, wer man ist. Im eigenen Rhythmus zu leben – was in meinem Fall (also bekennende Workoholic) nicht bedeutet, nichts zu tun. Eher schon das zu tun, was gut tut und Spaß macht. Aus meiner Sicht ist das DER Schlüssel für den Ausstieg aus der Fremdsteuerung durch Borderline (und generell für alle Menschen der Weg zu einem gelingenden Leben): gute Gefühle.

Deshalb präsentiere ich an dieser Stelle eine gewagte Theorie, die nicht auf wissenschaftliche Studien zurückgreift, sondern aus meinen empirischen Beobachtungen gewachsen ist. Eine gewagte Theorie über das (nicht) unstillbare Bedürfnis nach der Umarmung des Lebens.

Niemand kann verändern, was in der Vergangenheit geschehen ist. Immerhin gibt es keine Zeitreisemaschinen und wenn es sie gäbe, wer weiß, was die Menschen damit alles anstellen würden. Daher gilt aus heutiger Sicht: Was geschehen ist, ist geschehen. Es mag Wunden und Narben hinterlassen haben, schmerzhafte Erinnerungen, Ängste und Misstrauen … eine Menge negativer Emotionen, über die man schier endlos reden und sie analysieren kann. Aber ändert das etwas? Meine eigene Erfahrung: nein. Okay, man versteht, warum man in der Gegenwart ist, wer man ist, was die Ereignisse der Vergangenheit dazu beigetragen haben. Dennoch bleibt dieses Verstehen auf rationaler Ebene, und die Gefühle drehen sich weiter in ihrer emotionalen Endlosschleife.

Kleiner Denkanstoß nebenbei: viele Borderline wissen genau aus diesem Grund des ständigen Analysierens eine Menge über Psychologie und sind in der Lage, Psychotherapeuten zu täuschen, mehr unbewusst als bewusst, um jenes negative innere Bild am Leben zu erhalten, das in der Vergangenheit gezeichnet wurde.

Der Ausstieg bzw. der Schritt Richtung Heilwerdung beginnt damit, einem anderen, positiven, liebevollen Bild von sich selbst zuzustimmen – und das kann heftig sein, denn es können sich himmelhohe Hindernisse auftürmen und bodenlose Abgründe aufbrechen. Alles, nur um nicht in die Selbstliebe zurückzufinden, in das Gefühl, liebenswert zu sein, die Gewissheit, vom Leben umarmt zu sein und alles Glück dieser Welt um seiner Selbstwillen verdient zu haben.

Wie gesagt, nicht der Kopf sollte das denken, sondern das Herz es fühlen. Dazwischen liegen Welten!

Es sich einfach nur gut gehen lassen – das konnte ich Jahrzehnte nicht. Einfach nur das Leben genießen, im Hier und Jetzt, den Brain Traffic zum Stillstand bringen und den Augenblick erleben.

Gute Gefühle sind mein Weg und Schlüssel zu diesen beinahe magischen Momenten.

Ganz viele gute Gefühle.

Sie bewusst wahrnehmen, sie zum Ausdruck bringen, anderen davon erzählen, oder – in meinem Fall – darüber schreiben in Geschichten und Gedichten. Mir selbst vor Augen halten, dass es mir gut geht und dadurch jenes längst überholte Bild der Vergangenheit mit jedem Wort bunter, lebendiger, liebevoller, lebenswerter gestalten. Das ist mein Weg des Ausstiegs aus Borderline.

So einfach kann es sein?

Um ehrlich zu sein: ja.

Wenn ein Kind heranwächst ohne das Gefühl vermittelt zu bekommen, in Ordnung zu sein, so wie es ist (was in den meisten Fällen leider genau so geschieht), dann wird das Bedürfnis nach Liebe, Anerkennung und Geborgenheit nicht gestillt. Das Kind wird nie „satt“, fühlt sich nie um seiner selbst geliebt. In ihm entsteht eine Art „emotionales schwarzes Loch“, das alles aufsaugt, dessen es um jeden Preis habhaft werden kann, jede Form der Anerkennung (und seien es Schläge – und sie sind eine Form der Anerkennung, des „wahrgenommen werden“, wenngleich in einer schrecklichen Form.)

Das Kind wird heranwachsen, doch das unerfüllte Bedürfnis bleibt. Es wächst sogar mit. Deshalb laufen so viele Erwachsene in der Welt herum, die innerlich „hungrig“ sind nach Liebe, Anerkennung und Geborgenheit, und diese Bedürfnisse auf ihre jeweilige Art und Weise zu stillen versuchen. Doch das gelingt nicht dauerhaft, denn das emotionale schwarze Loch in ihnen ist nach wie vor ein Fass ohne Boden. Vor allem realisieren diese Menschen gar nicht, was sie bekommen, den ihr rationales Denken fokussiert auf den Ereignishorizont, also den noch sichtbaren Bereich des schwarzen Loches, in dem die Emotionen verschwinden werden, ohne anerkennend wahrgenommen zu werden.

Zu abstrakt?

Machen wir es einfach: Um das innere (negative) Bild durch gute Gefühle nachhaltig verändern zu können, ist es wichtig, diese guten Gefühle bewusst wahrzunehmen, sie anzuerkennen (ja, das, was man selbst nicht bekommen hat, soll man nun tun), sie wertzuschätzen (liebevoll auf sie zu blicken) und erst danach führen sie zurück in die Umarmung des Lebens (Geborgenheit pur).

Das es funktioniert, habe ich selbst erlebt.

Ob es für jeden funktioniert, hängt wohl davon ab, wie jeder es umsetzt. Ich denke: ja, aber man kann sich dabei auch auf vielfältige Weise selbst im Weg stehen (auch das durfte ich selbst erleben). Einmal mehr gilt es: Bedingungslos zu sich selbst JA zu sagen. Man muss nicht alles an sich selbst toll finden, aber es als Teil von sich selbst akzeptieren. Schließlich hat man die Freiheit, sich selbst nach Belieben weiterzuentwickeln, neues dazuzulernen, zu wachsen, ohne etwas von sich selbst abzulehnen. Ganz im Gegenteil: es als das zu achten, was es ist – ein Teil. Das große Ganze besteht aus vielen unterschiedlichen Teilen und sie alle haben ihre Berechtigung. Mit Ablehnung auf einzelne davon zu blicken, reißt Gräben in uns auf. Ihnen zuzustimmen und sie in Liebe zu umarmen, baut Brücken.

Die Conclusio meiner (nicht) grauen Theorie:

Lass es dir gut gehen, nimm dies bewusst wahr und heile dadurch die Wunden deiner Seele.

Oder anders (in meiner Bergsprache) gesagt: Loss da oafoch guad geh.

Bild: Lesley B. Strong (Blick ins Gasteiner Tal vom Stubnerkogel)

WER BIN ICH?

Die Frage aller Fragen … und wer den Film „Die Wutprobe“ mit Jack Nicholson und Adam Sandler kennt, weiß auch, dass es DIE Frage ist, die einen Menschen an und über seine Grenzen katapultieren kann, weil die Antwort darauf alles andere als einfach ist …

Es ist auch DIE Frage, die ich ganz gerne meinem Gegenüber stelle. So auch vor wenigen Tagen bei einem Spaziergang.

„Wer bist du?“

Die Antwort kam nicht wie aus der Pistole geschossen. Vielmehr begann eine längere Diskussion, in deren Verlauf ich auch meine eigene Antwort lieferte. Bevor ich diese hier verrate, hier noch eine kleine Geschichte, die ich während dieses Spaziergangs zum Besten gab – und die ich gefühlt bereits 1.000-mal erzählt habe:

In dem Moment, in dem unser Leben entspringt, gleichen wir einem Kristall, funkelnd in allen Farben des Regenbogens, unendlich klar, unendlich viel Potenzial, wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. Bereits im nächsten Augenblick beginnen die anderen Menschen um uns damit, uns zu formen, in dem sie uns zeigen und sagen, wer wir sind, welche Rolle wir einnehmen und was wir zu tun haben. Alle diese Botschaften schreiben sie auf Post-It und kleben sie auf den Kristall. Man nennt das auch Konditionierung, Erziehung …

Im Laufe der Jahre werden es immer mehr von diesen klebrigen Zettelchen. So viele, bis wir eines Tages auf uns selbst blicken und nur mehr die Post-It und ihre Botschaften erkennen können. Der Kristall verschwindet völlig aus unserer Wahrnehmung. Vielleicht bleibt eine dumpfe Ahnung, dass da etwas ist, was wir nicht wirklich fassen können. Vielleicht fühlen wir eine undefinierbare Leere in uns, suchen im Außen nach etwas, ohne es genau benennen zu können?

Werden wir eines Tages gefragt: „Wer bist du?“ wird die Antwort etwas von dem sein, was auf den unzähligen klebrigen Zettelchen von anderen hinterlassen wurde. Wie könnte es auch anders sein? All die Bilder, die andere von uns gezeichnet haben, sie prägen das Bild, das wir von uns selbst haben. Viele spüren intuitiv, dass sie die Frage nicht wirklich beantworten können. Manche werden aggressiv (wie im o.g. Film), andere frustriert. Oder sie resignieren.

Einige brechen auf zu einer Reise nach innen, um all die Post-It-Botschaften zu hinterfragen, passende zu behalten, andere zu verwerfen. Sie arbeiten sich vor bis zu jenem Kern, der sich unter den Klebezetteln verbirgt, bis zu ihrem wahren ICH.

An jenem Punkt fand ich inneren Frieden, schier unerschöpfliche Kraft und bedingungslose Lebensfreude … und meine Antwort auf die Frage: „Wer bist du?“

Ich bin ein feuriger Funken Lebensfreude – und darüber hinaus alles, was ich sein will und aus mir mache.

Diese Antwort – oder besser: das Gefühl, das damit verbunden ist – holt mich in kürzester Zeit zurück in den Zustand von Ruhe und Gelassenheit. Ganz gleich, wer oder was mich gerade getriggert hat. Dieses Gefühl ist mein Fels in der Brandung. Mein Anker, der mich mit mir selbst verbunden hält. Mein Ausstieg aus Borderline.

Damit endete meine Geschichte während des Spaziergangs. Es bleibt abzuwarten, was die andere Person daraus machen wird. Eine Antwort auf die Frage „Wer bist du?“ erhielt ich an diesem Tag nicht mehr. Auch nicht am nächsten. Oder übernächsten. Vielleicht hat die Reise nach innen für diesen Mensch auch gerade erst begonnen. Meine dauert bereits länger an.

Hinter dem Spiegel (der klebrigen Zettelchen), unter der Oberfläche des (konditionierten) Offensichtlichen fand ich mich (zwischen den Zeilen) selbst … daraus wurde mein Motto:

Find me … between the lines … behind the mirror … beyond the surface

Ein wenig theatralisch, philosophisch und kunstvoll vage.

Wer bin ich? Nicht nur für Borderliner kann es eine Herausforderung sein, diese Frage zu beantworten. Die Antwort darauf kann so viel mehr sein als „nur“ eine Aussage. Für mich hat sie mein Leben um 180 Grad gewandelt. Seit ich den feurigen Funken Lebensfreude in mir fühlen kann, hat die Dunkelheit keine Macht mehr über mich. Sie zeigt sich ab und zu, doch sie bleibt nicht. Kann sie gar nicht, denn … wie viel Licht braucht es, um die Dunkelheit zu durchbrechen? Die Flamme einer kleinen Kerze genügt, und die Finsternis weicht. Ein Funke …

Wer ich bin?

A fiery spark of joie de vivre … ein feuriger Funken Lebensfreude

Wer bist du?

Bild: pixabay.com

ENGEL OHNE FLÜGEL

„Da Engel nicht überall sein können, gibt es Menschen wie dich.“ … über diesen Satz bin ich vor wenigen Tagen gestolpert. Er brachte mich zum Nachdenken.

Spontan rief dieser Satz die Erinnerung an Menschen wach, die ich meine „Engel“ nenne, weil sie ganz einfach für mich da waren, als ich sie brauchte. Im Privatleben, im Job, bei einer Panne …

Engel haben nicht immer Flügel. Manchmal laufen sie sogar eine Zeitlang auf Krücken – wie einer meiner aktuellen Engel. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden sie eher Hilfe brauchen als anderen helfen können, doch dieser erste Blick täuscht. Ich gehe davon, dass besagter Engel diese Zeilen lesen wird. Möglicherweise schleicht sich ein kleines Tränchen im Augenwinkel an, wenn ich meinen heutigen Blog ihr sowie all jenen anderen Engeln widme, die mir auf meinem Lebensweg begegnet sind.

An dieser Stelle ein riesengroßes, von Herzen kommendes DANKE an alle meine Engel.

DANKE, dass es euch gibt.

Meine Engel waren nie ganz nah an mir dran, weder mit mir verwandt noch Lebenspartner. Zumeist waren sie mehr Bekannte als enge Freunde, doch das hielt sie nicht davon ab, für mich da zu sein.

Es gab eine Menge Engel auf meinem Lebensweg.

In der Adventzeit, kurz vor Weihnachten, neige ich zum Reflektieren über Vergangenes. Manch einer mag sich vielleicht denken, dass ich ein wenig sentimental bin. Unterstützung von anderen Menschen zu erfahren, ist an sich nichts Außergewöhnliches in einer funktionierenden Gesellschaft. Das mag auch stimmen, dennoch – für mich hat diese Reflexion etwas ganz Besonderes, denn sie erinnert mich daran, dass ich nie wirklich allein war.

Egal, wie be**** die Situation auch war, wie frustrierend, aussichtslos, hoffnungslos, erdrückend, belastend, schmerzhaft und endlos es sich anfühlte, es gab stets Menschen um mich, die mir ihre Hand reichten.

Mir diese Tatsache bewusst zu machen, verändert nachträglich den Blickwinkel auf vieles in meinem Leben. Zu spüren, dass andere da waren und sind, wenn ich mal eine Schulter zum Anlehnen, jemand um Reden oder einfach nur zum Lachen brauche, schafft ein Gefühl der Ruhe und Gelassenheit in mir.

Es geht nicht darum, dass mich diese Engel immer verstehen. Vermutlich haben das die wenigsten, aber sie waren und sind da. Das zählt. Dem Irrtum des „Alleinseins“ in mir eine Erfahrung das „Dazugehörens“ gegenüberzustellen.

Ich chatte häufig mit anderen Borderlinern. Viele von ihnen berichten davon, sich allein zu fühlen, unverstanden, abgelehnt – Gefühle, die mir vertraut sind, die meine Wirklichkeit über viele Jahrzehnte geprägt haben. Doch der Rückblick offenbart die (Selbst)Täuschung. Es gab stets auch das, was ich damals nicht wahrnehmen konnte, weil mein inneres Bild permanent auf das, was fehlte fokussierte und dabei übersah, was längst da wahr. Mangeldenken in Reinkultur.

Die Engel waren und sie stets da. Häufig sind es nicht jene Menschen, die wir gerne in diese Rolle stecken würden, sondern ganz andere. Vielleicht übersieht man sie deshalb manchmal? Sie sind auch keine überirdischen Wesen, geistig verklärt oder mystisch angehaucht. Meine Engel sind Menschen durch und durch, mit allem, was dazugehört. Stärken ebenso wie die eine oder andere Schwäche. Absolut nicht perfekt, doch wann immer sie helfen können, packen sie zu. Ein Herz aus Gold schlägt in ihrer Brust, das vielleicht die eine oder andere Narbe abbekommen hat, doch nichts von seiner Güte eingebüßt hat. Sie brauchen keine Flügel, um Engel zu sein.

Wenn ich mir in dieser Adventzeit etwas wünsche, dann ist es dies: Mögen viele Menschen die Engel in ihren Leben erkennen und beginnen, selbst auf den Pfaden der Engel zu wandeln und für andere da zu sein. Ein kühner Gedanke, eine wundervolle Vision. Was könnte daraus alles entstehen?

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