Darüber spricht man nicht …

Warum eigentlich? Es gibt jede Menge Tabu-Themen in unserer Gesellschaft. Manche durchaus nachvollziehbare. Wer will schon wissen, was andere hinter verschlossener Tür in ihrem Schlafzimmer so anstellen, dass ist wirklich Privatsache. Aber auch über Einkommen, Gesundheit oder altersbedingte Veränderungen wird gerne der Mantel des Schweigens ausgebreitet.

Ich nehme heute zwei dieser Themen und setze sie noch dazu in Verbindung zueinander. Also, Borderline-Syndrom und Klimakterium (oder umgangssprachlich auch „Wechsel“ genannt, also jene Phase des Lebens, in der Frauen starke hormonelle Veränderungen durchleben). Nachdem ich heuer definitiv in der zweiten Hälfte meines Lebens angekommen bin – mit 50 gibt’s daran rein rechnerisch keinen Zweifel – erlebe ich nunmehr beides sehr intensiv.

Der Drache im Bild soll meine liebevoll humoristischen Betrachtungen unterstreichen.

Also nochmal, Borderline und Klimakterium. Für mich fühlt sich das an wie „16 forever“, nur dass ich mich statt mit Pickeln im Gesicht mit ergrauender Haarpracht (wofür es – der Chemie sei Dank – funktionierende Lösungen gibt) herumschlage. Der Push up-Bra dient nicht mehr dazu den Eindruck von „mehr“ zu erwecken, sondern die Auswirkungen der Gravitation auf den Körper zu verschleiern. Ein kleiner Flirt fühlt sich immer noch toll an, nur sollten die Männer dafür wie früher 10 Jahre älter als ich, sondern eher 10 Jahre jünger sein, damit das Ego des Drachen gestreichelt wird. Aber darüber hinaus unterscheiden sie die beiden Lebensphasen deutlich weniger als ich erwartet hatte. Emotional ähnle ich häufig mehr einer Teenagerin als einer gereiften Person.

In meinen Ohren klingen noch die Worte einer Psychotherapeutin, die vor einigen Jahren zu mir gesagt hat: Borderline wächst sich im Laufe der Zeit aus. Ha! Vielleicht bei anderen. Definitiv nicht bei mir.

Überbordende Gefühle, mangelnde Impulskontrolle, extreme Empfindlichkeit … alles noch vorhanden. Eines stimmt schon: ich habe gelernt, damit besser umzugehen, schneller und effektiver gegenzusteuern um verheerende Auswirkungen wie in meiner Jugend zu vermeiden, aber weg ist da gar nichts. Genau genommen finde das sogar gut. Meine Lebenserfahrung hilft mir, mit all dem gut zu Recht zu kommen. Zu „all dem“ gehört auch, insbesondere die positiven Emotionen bewusst intensiv zu erleben, auf allen Ebenen … und damit deute ich etwas an, dass ich jetzt nicht in dieser Form ausspreche, sonst würde ich damit an einem Thema kratzen, das ich mir für später aufheben möchte.

Ehrlich, mit 16 konnte ich mir nicht annähernd vorstellen, was in der „Drachenzeit“ so alles möglich ist. Aber vielleicht liegt es auch am Borderline? Oder an beiden in Kombination?

Ich genieße es, mich auch mit 50 manchmal wie 16 zu fühlen. Oder 25. Vielleicht auch 30, aber keinen Tag älter als 35. Bitte richtig verstehen: ich habe keinen Jugendwahn. Ich will NICHT noch einmal 16 sein und den ganzen Stress des „sich im Leben seinen Platz finden“ durchlaufen. Es passt schon so, wie es ist. Dennoch – es ist verdammt cool, dieses Gefühl des „alles ist möglich“ und „die Welt wartet nur auf mich“ immer noch erleben zu können. Sich einfach mal so in eine Fantasie fallen lassen zu können. Zu träumen. Zu hoffen. Nochmal von vorne anzufangen (so wie ich gerade als Autorin). Die ganze (destruktive) Energie meines Borderline in einen (konstruktiven) Prozess zu stecken – einfach so. Weil ich es kann. Weil ich bin, wer ich bin.

Ich stehe am Beginn meines zweiten Lebens. Ich werde keine Kinder (zumindest keine biologischen) mehr in die Welt setzen. Vielleicht eine Menge geistiger Kinder (Bücher)? Vielleicht sogar zu Themen, über die man nicht spricht? Pfeif drauf. Geschwiegen habe ich lange genug. Ich glaube, es würde uns allen guttun, würden wir manches offen ansprechen und ins Licht der Wahrnehmung holen, was sich sonst in der Dunkelheit der Verdrängung aufstaut und irgendwann unkontrolliert ausbricht. Wie ein Vulkan. Oder ein Drache, dem man zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet hat. Drachen brauchen nämlich viele Streicheleinheiten, dann können sie ganz anschmiegsam sein.

Ich kann heute über alles reden und schreiben. Mein halbes Leben liegt hinter mir. Was auch immer noch vor mir liegt – ich freue mich darauf.

Zeit der Stille

… so wird der Herbst manchmal auch genannt, weil die Natur zur Ruhe kommt, das Leben sich auf die stille Zeit des Winters vorbereitet. Starten wir ein wenig philosophisch. Für mich persönlich ist der Herbst eher eine Zeit des Aufbruchs und der Veränderung.

Im September 2018, also vor einem Jahr, wurde mit „JAN/A – Eine [nicht]ganz alltägliche Liebesgeschichte“ mein erstes Buch veröffentlicht.

Im Oktober 2017 begann ich mit dem Schreiben und startete damit meinen derzeit noch laufenden Selbstfindungs- und Erneuerungsprozess.

Es bietet sich also an, ein wenig zu reflektieren. Dieser Gedanke kam mir, als ich das obige Bild auf pixabay.com entdeckt hatte. Bilder, Namen und Musik haben in meinen Geschichten immer einen besonderen Stellenwert, weil sich dahinter stets eine oder mehrere subtile Botschaften verbergen, die es zu entdecken gilt. Ich verrate also nie alles beim ersten Mal.

Wenn ich zurückblicke, wird mir bewusst, wie sehr sich meine emotionale Wahrnehmung der Welt verändert hat. Damit meine ich nicht, ob etwas für mich positiv oder negativ ist. Diesbezüglich bin ich schon seit langem sehr philosophisch unterwegs und kann viele unterschiedliche Standpunkte in mir vereinen. Ich meine ganz einfach die Intensität eines Gefühls. Es ist fast, als hätte ich Jahrzehnte meines Lebens unter einer Art Glassturz oder in einem Nebel verbracht. Oder in der Dunkelheit der Abgrenzung von meinen Gefühlen. Nähe, eine Umarmung – alles fühlt sich intensiver an als je zuvor. Und ich scheine den Gipfel noch nicht erreicht zu haben, denn diese Wahrnehmungen verstärken sich von Woche zu Woche.

Definitiv verändert hat sich in diesen beiden Jahren, was ich für mich als richtig und passend befinde. In der Vergangenheit bin ich oft blind einem „Meister“ gefolgt, habe Lösungen von der Stange für meine Probleme gesucht. Dazu griff ich ein Buch oder eine Methode auf und habe diese stur nach Schema umgesetzt, ganz gleich, was meine innere Stimme dazu sagte. Ich wollte die Lösungen meiner Herausforderungen erzwingen. Hat nicht funktioniert. Heute pfeife ich auf das, was andere sagen, wie es funktionieren könnte – ich folge meiner inneren Stimme. Die hatte nämlich immer Recht – auch in der Vergangenheit. Dummerweise hat mein rechthaberischer Verstand samt Ego sie überrollt.

Es braucht manchmal ein wenig Zeit und Stille, um in dem energiegeladenen Kern in mir jene Stimme zu finden, die mit Hirn und Herz agiert und auf mich selbst aufpasst, die überhöhte Ziele schon mal hinterfragt und Ruhepausen tatsächlich durchsetzt.

In der Stille höre ich meine innere Stimme. Jahrzehntelang wollte ich sie nicht hören, weil ich ihre Botschaft nicht glauben konnte. In den letzten beiden Jahren habe ich gelernt, darauf zu achten und zu vertrauen, dass der beste Lehrmeister, denn wir haben können, immer noch wir selbst sind. Denn niemand sonst auf dieser Welt kennt mich so gut wie ich selbst. Auch wenn das ein klein wenig ungemütlich ist, weil damit auch die Verantwortung bei mir selbst liegt und nicht einfach an jemand anderes abgeschoben werden kann. Aber was ist schon ein wenig Ungemütlichkeit im Vergleich zu Jahrzehnten in der Dunkelheit?

Also, voller Lebensfreude hinein in diesen goldenen Herbst, in das Jahr 3 nach meiner geistigen Wiedergeburt.

Vertrauen

Was ist das eigentlich – Vertrauen? Im Moment würde ich es als ein Gefühl beschreiben, das ein wenig den Hals zuschnürt, das Atmen erschwert und mich meinen Herzschlag im ganzen Körper spüren lässt. Genau genommen ist das noch die Vorstufe zum eigentlichen Vertrauen, nämlich die nach innen gerichtete Frage: Darf ich vertrauen? Kann ich vertrauen? Will ich vertrauen?

Mein Vertrauen wurde im Laufe meines Lebens auf vielfältige Weise missbraucht und ausgenutzt, weshalb ich eigentlich sehr sorgsam damit umgehen sollte, aber andererseits möchte ich anderen Menschen vertrauen. Misstrauen fühlt sich für mich nämlich schrecklich an. Bedrückend, beklemmend, einengend … Angst bis hin zur Panik. Ständig diese Fragen, die durch den Kopf kreisen: Kann ich sicher sein? Beweise? Was kann im schlimmsten Fall passieren? Werde ich wieder verletzt und ausgenutzt werden?

Zwei mächtige Gladiatoren treten zu einem Kampf in mir an: auf der einen Seite die Lebenserfahrung – oh yeah, da gibt es etliche Beispiele dafür, nichts und niemandem mehr zu vertrauen, reichen sich Zynismus und Sarkasmus die Hand um vereint die Saat des Zweifels auszusäen. Auf der anderen Seite der unerschütterliche Glaube an das Gute in den Menschen und ein nicht zu erklärendes Hoffen auf ein transzendentes Wirken hinter allem, was geschieht. Als Richtrichter fungieren die mir wohlbekannten Modelle vom „Gesetz der Anziehung“ bis zur „Sich selbsterfüllenden Prophezeiung“, vom „Schöpfer der eigenen Wirklichkeit“ bis zur „Führung durch eine höhere Ordnung“. Verstand vs. Bauchgefühl. Wer wird mich schützen? Oder beschränken? Ausgrenzen?

Vor langer Zeit besaß ich ein Deck Tarot-Karten. Es ging verloren, aber der Spruch auf einer Karte blieb mir im Gedächtnis: „Zweifel sind fruchtbar, ewige Zweifel zerstörerisch.“

Ich will nicht mehr zweifeln. Ich will vertrauen. Mich wieder leicht und ins Leben eingebunden fühlen.

Ganz werde ich meinen kritischen Verstand wohl nie ausblenden. Immerhin bewahrt er mich vor zu großem Leichtsinn, aber ein wenig werde ich seine Herrschaft über mich schwächen. Und wer weiß, vielleicht wird mich das Leben positiv überraschen? Oder die Menschen? Ich freue mich darauf.

Drück den Knopf …

… und los geht’s. Kennen wir alle von Maschinen und Spielekonsolen. Auch wir Menschen haben solche Startknöpfe, die Programme in uns aktivieren können. Ein sogenannter „Trigger“ kann längst vergessen geglaubte Emotionen in die Gegenwart holen, uns fühlen lassen, was wir schon einmal gefühlt haben, genauso intensiv wie beim ursprünglichen Ereignis. Ein Trigger kann Verhaltensmuster auslösen, die wir „eigentlich“ nicht setzen wollten in diesem Augenblick. Ohne mich zu sehr in der Theorie zu verlaufen (die kann man auf vielen Seiten, z.B. unter #NLP nachlesen), ein Trigger kann eine Reaktion auslösen und tut dies zumeist auch. Mitunter eine völlig irrationale und überbordende Reaktion.

Genau das ist mir vor einigen Tagen passiert. Obwohl ich die Theorie in und auswändig kenne, meine eigenen Trigger seit Jahren analysiere und dran arbeite sie zu überschreiben – hat es mich erwischt. Es waren mehrere Ereignisse dicht hintereinander, die auf einen ganz bestimmten Trigger bei mir einhämmerten bis … ja, bis meine Verteidungsprogramme reflexartig hochfuhren und mein Drache zu einem Rundumschlag ausholte. Ich stelle dies bewusst übertrieben theatralisch dar, denn so fühlte es sich für mich in diesem Augenblick an. Weit über jeder „emotionalen Norm“ (sofern es so etwas überhaupt gibt), jenseits von rationalem Denken. Handlungen, die im Schmerz geboren wurden und zu noch mehr Schmerz führten.

Warum erzähle ich hier davon, dass es mich „voll auf die Schnauze gehaut hat“? Die ganze Zeit über schreibe ich über Selbstliebe, Umarmung des Lebens, im Hier und Jetzt zu leben … und dann das?

Ja, das gehört dazu. Hinfallen gehört zum Leben.

Ebenso wie wieder aufstehen. In meiner aktiven Zeit als Trainerin für Kommunikation, Motivation und einiges anderes gehörte ich auch zu jenen, die gerne an den negativen Dingen vorbeischauten. Glaub an dich selbst, und alles wird gut. Ich betete dieses Mantra runter und rauf. Und ja, es ist wichtig an sich selbst zu glauben, sonst macht das nachfolgende keinen Sinn. Aber es braucht auch den zweiten Schritt: Tun! Ohne Umsetzung bringt der ganze Glaube nichts.

Gewiss, der Glaube kann Berge versetzen, wenn man eine Schaufel in die Hand nimmt.

Mich hat es voll auf Schnauze gehaut, und leider kamen dabei auch andere in meinen Explosionsradius. Das belastet mich mehr als die Tatsache, dass ich hingefallen bin. Ich kann ja einfach wieder aufstehen, wie bisher auch. Nase putzen, Krönchen zurechtrücken, analysieren, verändern, lernen … TUN!

Es bleiben Scherben zurück, die ich nicht wieder reparieren kann. Das stimmt mich traurig.

Dennoch – ich stehe zu mir selbst, auch wenn der Blick in den Spiegel gerade etwas schwer fällt. Ich bin wer ich bin. Ich liebe mich wie ich bin. Keine Erfüllungsbedingungen, kein Wenn und Aber. Das haben andere in der Vergangenheit praktiziert. Wohin hat es geführt?

So manches in meinem Leben stand nie auf meiner Wunschliste, trotzdem ist es geschehen. Manches wird vielleicht noch geschehen. Wie viel können wir wirklich beeinflussen? Vielleicht wird morgen wieder jemand unabsichtlich einen Knopf bei mir drücken?

Rational gedacht, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, erneut hinzufallen. Pragmatisch betrachtet, wird die beste Option sein, wieder aufzustehen. Emotional hilft dabei das Bewusstsein, dass mein Drache nicht wirklich böse ist, nur verwundet, sich nach Geborgenheit sehnt, nach einer Umarmung – und Liebe. All dies kann ich meinem Drachen geben – und mir selbst. Vielleicht nicht auf Knopfdruck, aber wer will schon immer auf Knopfdruck funktionieren?

Ein Märchen am Montag Morgen

Meine moderne Version des „hässlichen Entleins“: Es war einmal ein Mädchen, das jeden Blick in den Spiegel scheute, denn was sie darin sah, war nicht das, was sie erblicken wollte und was kaum jemals auf dem Titelblatt eines Hochglanzmagazins zu sehen sein würde. Nichts wünschte sie sich mehr, als dies verändern zu können, doch die Zeit zog ins Land, hinterließ ihre Spuren, und nie fand sich genug Geld, um das Bild, dass dieses Mädchen in seiner Vorstellung von sich hatte, Realität werden zu lassen. Sie fragte sich, was andere Menschen an ihr fanden, denn sie war weder reich noch schön, und – so glaubte sie zumindest – auch nicht liebenswert.

Eines Tages, als sie ihr Spiegelbild im stillen Wasser eines dunklen Sees beobachtete und sich wieder einmal fragte, was andere wohl bei ihrem Anblick denken mochten, flüsterte ihr der Wind eine Antwort ins Ohr: „Jene, die mit den Augen blicken, sehen, was Du siehst – und jene, die aus ihrem Herzen auf Dich blicken, sehen, wer Du wirklich bist; das in Dir in eine Schönheit ist, der keine Zeit der Welt etwas anhaben kann: Liebe; und ein Reichtum, der keinen Mangel fürchten muss: Bedingungslosigkeit.“

An diesem Abend blickte das Mädchen in den Spiegel, und diesmal blickte sie tiefer, vorbei an der Oberfläche, die so leicht zu täuschen vermag, die vergänglich ist und ab diesem Augenblick ohne Bedeutung war, denn hinter all dem entdeckte sie das, was die anderen schon längst gefunden hatten – und sie lächelte, während eine einzelne Träne sich glitzernd aus ihrem Augenwinkel löste. An diesem Abend verwandelte sich das hässliche Entlein in einen – nein, keinen schönen Schwan, wer glaubt denn an Märchen? –  in einen Adler, der sich leicht wie eine Feder in die Lüfte erhob, getragen von etwas, dass manche wohl „bedingungslose Liebe“ nennen würden. Und wenn das Mädchen nicht gestorben ist, dann schreibt sie heute vielleicht Geschichten, wer weiß?

Aufstieg des Phönix

Der Mythos des Phönix beschäftigt mich seit meinen Teenager-Tagen … also schon ziemlich lange. Keine Ahnung, wieviele Feuervögel ich im Laufe meines Lebens gezeichnet habe – oder wie oft ich selbst durch die Flammen (der Zerstörung) ging um mich anschließend (neugeboren) daraus zu erheben.

Anfang der 2000er Jahre war ich freiberuflich tätig, unter anderem auch als Kommunikationstrainerin & Coach. In meinem Logo breitete damals der Phönix seine Schwingen aus. Später übernahm ich das Symbol in meinem CV. Auch in JAN/A spielt seine metaphorische Bedeutung eine zentrale Rolle.

Der Phönix ist für mich eine Art Totem geworden, welches die Erneuerung durch Loslassen und damit ein für mich essentielles Programm zur Versöhnung mit meiner Vergangenheit darstellt. Seine Flammen verbrennen den ganzen überflüssigen Ballast, unter dem zum Vorschein kommt, was Alltag und Existenzkämpfe zugedeckt hatten: die Essenz dessen, was ich bin.

Eine, die mit Worten spielt.

Eine, die Botschaften zwischen den Zeilen versteckt.

Eine, die in einen Roman schon mal 120.000 Worte hineinpackt, um die essentielle Botschaft zigfach über die Seiten zu streuen, ganz so wie ein Prisma einen Lichtstrahl in alle Farben des Regenbogens aufsplittet und anschließend aufgefächert in die Welt hinaussendet in seinem farbenprächtigen Lichtspiel.

Die Essenz? Die ließe sich auch einfach in diese 61 Worte fassen …

FÜHLE JETZT

Fühle
mit allen Sinnen
Lebe
im Augenblick
Liebe
von ganzem Herzen
Lächle
wenn’s mal nicht gelingen will

Bedenke
du bist nur ein Mensch
Erkenne
du bist nicht perfekt
Verstehe
genau so war es gedacht
Lächle
über dich selbst

Folge
deinem Herzen
Vertrau
auf dein Gefühl
Glaub
an dich selbst

Lächle
weil das Leben dich umarmt
in diesem Augenblick
JETZT

© Lesley B. Strong

… aber wer könnte sie so einfach annehmen?

Romantischer Drache am Montag Morgen

Ich habe ein intensives Schreibwochenende hinter mir. Das löst einerseits tolle Gefühle wie Zufriedenheit und Freude aus. Ein wenig Stolz ist auch dabei. Gleichzeitig verändert es auch den Blick auf die Vergangenheit. Interessanterweise wird dieser weniger kritisch, mehr versöhnlich. Ganz so, als würde ich mir selbst auf die Schulter klopfen und sagen: „Hey, schau mal, das alles hat es gebraucht, damit du heute tun kannst, was du tust. Gewiss, vieles davon war nicht einfach und manches hättest du dir lieber erspart, aber letztendlich bist du heute hier und es geht dir gut. Nur das zählt.“

Wenn ich dann zwischen nachdenklicher Sentimentalität und einem Hauch von Melancholie taumle, greife ich öfters in die (digitale) Schublade meines Schaffens und grabe etwas Altes aus. Meistens aus dem Jahr 1996. Damals war ich Single und schrieb Gedichte. Sehr romantische Gedichte. Damals war ich verliebt, aber nicht in einen Mann, wie ich mir angestrengt versuchte einzureden, sondern in das Leben. Und in gewisser Weise auch in mich selbst, denn ich war allein, musste mein Fühlen und Denken an niemanden anpassen. Dabei blitzte für einige Zeit durch, was seit Beginn an in mir schlummerte: mein romantischer Drache, wie ich diesen Teil von mir gerne nenne. Der Drache verschwand wieder in der Dunkelheit meines Unterbewusstseins, als ich nicht mehr allein war. Er kehrte erst zurück als ich bereit war, auch an der Seite eines anderen Menschen ich selbst zu sein und nicht länger der Versuch der Verkörperung meiner Annahme dessen, was der andere wohl von mir erwarten würde und akzeptieren könnte …

Mein romantischer Drache kehrte zurück als ich bereit war, ich selbst zu sein.

Hier eine kleine Kostprobe, wie romantisch mein Drache sein kann. Ich finde, das ist ein guter Start in die Woche. Ein wenig Romantik als Gegenpol zu stressigen Montagmorgen-Gedanken. Daran könnte ich mich gewöhnen …

Das Lächeln des Mondes

Hab ich dir je erzählt,
dass der Mond lächelt,
wenn eine Sternschnuppe über den Himmel zieht?

Hab ich dir je erzählt,
dass hinter jedem Spiegel
eine unbekannte Welt auf uns wartet?

Hab ich dir je erzählt,
dass du nur deine Augen schließen musst,
und vor dir liegt das Reich deiner Fantasie,
die Welt am Ende des Regenbogens?

Hab ich dir je erzählt,
dass Gedanken reisen können
wie Vögel im Wind, wie Sonnenstrahlen,
und jeder findet sein Ziel?

Hab ich dir je erzählt,
dass wir frei sind, wenn wir es wirklich wollen,
wenn wir uns über unsere eigenen Grenzen hinweg erheben
um zu sein, was wir schon immer sein wollten?

Hab ich dir je erzählt,
dass wir alle nur kleine Räder sind in der großen Maschine des Lebens,
Sandkörner im Glas der Ewigkeiten, und doch – gäbe es einen von uns nicht,
wäre diese Welt nicht so wie sie ist.

Hab ich dir je erzählt,
dass es einen großen Fluss, einen Strom gibt, der uns alle mit sich führt,
und irgendwann irgendwo an Land spült, für einen kurzen Augenblick,
um uns sofort wieder auf die Reise mitzunehmen,
und oft bleibt uns nur ein Moment,
um aufzusehen,
und zu erkennen,
wo wir sind,
und wer bei uns ist.

Hab ich dir je erzählt,
dass wir Gefährten sind auf der endlosen Reise des Lebens,
vom Anfang aller Dinge bis zum Ende allen Denkens –
und darüber hinaus – verbunden durch das Leben.

Hab ich dir je erzählt,
dass es Zauberei und Magie wirklich gibt,
dass manche sie ganz einfach Liebe nennen,
und genauso wenig erklären können?

Hab ich dir je erzählt,
dass ich dich liebe –
und dass der Mond lächelt,
wenn ich an dich denke?

© Lesley B. Strong

Auf und Ab

Gestern Abend lag ich im Freien und sah der Sonne bei ihrem langsamen Hinübergleiten in die Nacht zu. Meine Gedanken streiften über die Ereignisse dieser Woche. Da war alles dabei. Routine, Langweile, manchmal ein wenig Frust und einmal hat sogar der Drache seinem feurigen Potenzial Luft gemacht. Das mag manche überrascht haben, aber es haben alle überlebt.

Dazwischen unglaublich tolle Momente. Kreativität. Neue Menschen, die meinen Weg kreuzten und einige bleiben vielleicht länger – wer weiß? Überwiegend war das Leben einfach leicht, spielerisch und voller Geborgenheit. So wie in diesem Augenblick.

Auf und Ab? Gewiss. Eine Welle kennt nun einmal Höhen und Tiefen. Das eine gilt es zu durchtauchen, das andere zu genießen.

In dieser Woche begegnete mir einige Male das Thema der „Maske“ und damit verbunden, der Blick hinter selbige. Oder gar diese abzulegen. Ich arbeite daran. Hier so offen über mein Leben zu erzählen mag den Eindruck erwecken, ich hätte das alles bereits vollständig abgeschlossen. Habe ich nicht.

Ich trage noch eine Maske, die mich bedrückt, doch sie abzulegen scheint unendlich schwer. Gerade am Ende dieser Woche, in der das Leben mir ein Geschenk gemacht hat, dessen Bedeutung für mich nicht in Worte zu fassen ist. Ja, mir fehlen auch einmal die passenden Worte. Jene Worte, die beschreiben könnten, wie es sich für mich anfühlt, nach langen, schweren Jahren zu sehen, dass mein Sohn kraftvoller denn je seinen Weg geht in eine Zukunft, die er selbst gestaltet. Ich wünschte, ich könnte ihm das sagen oder zeigen, doch meine Worte ersticken unter der Maske, die mein Herz einsperrt. Hier kann ich davon erzählen, doch in seiner Gegenwart verstumme ich. Am Grund der Welle durchwandere ich dieses Tal nun schon sehr lange, doch ich weiß, bald wird dieses Tal sich öffnen und ich auch ihm sagen können, was ich wirklich fühle.

Zeit für Reflexionen

In den letzten Wochen haben mich äußere Ereignisse – meistens Fragen in Form von Beiträgen in Facebook – immer wieder dazu gebracht, spontan Gedanken in Worte zu gießen, die ich so zuvor nicht gedacht hatte. Jedes Mal lernte ich dabei eine neue Facette meiner Persönlichkeit kennen. Das ist insofern sehr interessant für mich, als ich Anfang des Jahres noch dachte: „Hey, das ist es. Ich hab mich gefunden. Ich weiß wer ich bin.“ Und nun erlebe ich fast täglich, dass ich noch mehr bin, ganz so, als würden dem unfertigen Puzzle meines Wesens laufend Teile hinzugefügt werden.

Hier ein paar dieser Gedanken:

Was bin ich durch meine Feinfühligkeit? Verletzbar. Was wäre ich ohne sie? Unberührbar. Jahrzehntelang wählte ich die schützende Mauer, bis ich sie einriss. Heute tanze ich in der blühenden Wiese, welche die Trümmer mehr und mehr überdeckt. Bald werden sie ganz verschwunden sein. Glück in Verbindung mit Zeit? Glück bedeuten für mich jene Minuten und Stunden im Leben, in denen ich uneingeschränkt ich selbst sein kann. Gleich, ob mit meinem Partner, Familie, Freunden, beim Schreiben …

Glück bedeuten alle jene Zeiten, in denen ich nicht die Maske tragen muss, ohne die der Großteil der Gesellschaft mit mir nicht klar kommen würde, weil nicht akzeptiert wird, was nicht verstanden wird. Jede Sekunde ohne diese Maske ist pures Glück.

Gestern Morgen traf ich beim Laufen über einen Feldweg eine alte Bekannte: die Wegwarte. Wer kennt sie nicht? Sie wächst an jedem Straßenrand, oder wie man bei uns sagt: in jeder Gstettn. Unter minimalistischen Bedingungen und ohne große Sorgfalt oder Pflege bringt sie ihre leuchtend blauen Blüten hervor. Eine Meisterin des „mach das Beste daraus“, robust und durchsetzungsstark. Doch wer sie pflückt wird feststellen, dass sie innerhalb von Minuten verwelkt. So vieles kann sie ertragen und dennoch blühen, doch eine Verletzung von fremder Hand weiht sie dem Untergang. Seit meiner Kindheit fasziniert mich die Wegwarte. Vielleicht weil ich ihr ähnlich bin?

Es heißt, wir befinden uns alle auf einer (spirituellen) Reise. Vielleicht stimmt das, aber wer sagt, dass uns diese Reise ein Ziel im außen hat. Lag das Ziel nicht viel mehr in uns? Was wird geschehen, wenn ich am Ziel angekommen bin? Wenn das Puzzle vollständig ist? Oder ist der Weg das Ziel? So viele Fragen, so viele Gedanken. Ich mach einfach mal Pause und genieße das Leben. #feeltheembraceoflife

Leben!

Die Sonne hat sich längst über den Horizont erhoben, aber die Dunkelheit will nicht weichen – nicht aus meinem Fühlen. Nicht aus meiner Seele? Die Welt rund um mich ist in Ordnung. Ich lege im Bett, werde von dem Mann im Arm gehalten, denn ich liebe und der mich liebt. Ich weiß, dass ich in Sicherheit bin, geborgen und dennoch – die Dunkelheit haftet wie ein Schatten auf mir, ein Schatten, den kein Sonnenlicht zu bannen vermag. Ist das die Wahrheit? Für mich? Oder gibt es eine andere Wahrheit? Was ist Wahrheit überhaupt? Die Tränen, die in meinen Augen brennen? Der Schmerz, der mein Herz zu verschlingen droht? Die Angst, die jedes Wort unterdrückt, das davon erzählen möchte. Die Gewissheit, dass niemand verstehen kann, was die Dunkelheit für mich bedeutet?

Die Dunkelheit. Sie ist eine Heimat, in die ich gestoßen wurde. Hätte ich sie für mich erwählt? Niemals! Und doch kann ich sie nicht loslassen, nicht vollständig ziehen lassen. Halte ich sie? Oder sie mich? Oder sind wir einfach untrennbar verbunden?

Sag mir, Dunkelheit, wer bist du? Was bist du? Was hält dich in meinem Leben? Warum ziehst du nicht weiter? Längst hast du den Schrecken für mich verloren, einzig der Schmerz blieb. Warum lässt du mich nicht zur Ruhe kommen? Was ist in dir? Wie lange habe ich gegen dich gekämpft – erfolglos. Fast magisch bindet es mich an dich, das Unbekannte – oder Vertraute? Vergessene? Was werde ich finden, wenn ich mich in dich fallen lasse?

In die tiefste Dunkelheit will eintauchen, auf den Grund jenes bodenlosen Sees hinabsinken, der meiner Seele gleicht.

Schwerelos im Nichts verweilen.

Fühlen ohne Grenzen, denn wir sind eins, der See und ich.

Verharren in der Ewigkeit des Augenblicks, einem Atemzug, einen Herzschlag.

Meine Gedanken aufgelöst in vollkommener Stille.

Die Augen schließen.

Sehen – was jedem Blick verborgen bleibt

Berühren – was keine Hand je berühren kann

Hören – jene Stimme, die in mir klingt und doch keine Worte kennt

Annehmen – was nicht zu verstehen ist

Fühlen – was du bist, immer warst und immer sein wirst

Meine Zuflucht, in der ich Schutz fand. Jene Heimat, in der das feurige Herz des Dämons leben durfte und bis heute lebt.

Kann ich dich ziehen lassen? Dich verlassen? Will ich es? Was würde ich verlieren? Dich? Mich selbst? Den Schmerz? Ist der Schmerz Teil von dir? Oder von mir? Oder nur eine Illusion, an die mein Geist sich klammert – aus Furcht vor dem, was du bist? Oder ich? Oder dem, was sein könnte?

Ich will nicht mehr kämpfen. Nicht gegen dich. Nicht gegen mich. Ich will leben!

Eine Schwingung durchzieht den See und mich. Musik. Verspielte Töne aus einer anderen Welt, voller Leichtigkeit. Farben gesellen sich zu dem Reigen. Bunt. Vielfältig. Mehr als ein Regenbogen zeigen kann, schillernd wie die Flügel eines Schmetterlings im Sonnenlicht, das mich von innen heraus durchstrahlt. Ein Gefühl, das mich erfasst, geboren in einem feurigen Herzen, das sich entfaltet in der grenzenlosen Freiheit und bedingungslose Umarmung der Dunkelheit.

Der Schmerz wird zu Nebel, der von jenem See emporsteigt, dessen Oberfläche nun wie blaugrüne Seide schimmert. Aus Nebel werden Wolken. Aus Gedanken wird Wind, der die Wolken vertreibt, bis da nur noch das Licht der Sonne am strahlendblauen Himmel ist, das dem See seine Farbe und Tiefe verleiht.

Was wäre das Licht ohne die Dunkelheit? Was die Oberfläche unter die Unendlichkeit darunter?

Kämpfen? Oder umarmen?

Leiden? Oder lieben?

Leben!

Diese „Eigen-Intervention“ habe ich heute Morgen in Echtzeit geschrieben. Ich wusste zu Beginn nur, dass am Ende alles gut sein würde, welchen Weg auch immer meine Worte (und damit mein Ich) wählen würde.

Vielleicht sollte ich aufgrund dessen, was ich weiß und kann, heute so weit sein, dass ich derartige Interventionen nicht brauche. Vielleicht sollte ich längst stabil im Zustand der Symptomfreiheit leben. Tu‘ ich aber nicht. Ich funktioniere weder auf Knopfdruck noch innerhalb der Standardnormen unserer Gesellschaft.

Eine Entscheidung für das eine ist immer auch eine Entscheidung gegen vieles andere. Ich habe mich entscheiden. Für mich – und damit gegen alles, was andere meinen, was und wie ich sein sollte, wie ich zu funktionieren habe oder was richtig und falsch für mich ist.

Ich bin ich!