ICH LEBE

Vor wenigen Tagen traf ich im Stiegenhaus unserer Zentrale zufällig auf eine junge Kollegin, die erst kürzlich aus ihrem Urlaub an der Elfenbeinküste zurückgekommen ist und seither an einer Art Kulturschock laboriert. Eine dritte Kollegin, die vor vielen Jahren nach Wien kam und seither hier lebt, schloss sich uns an. Innerhalb von Minuten brachten wir es auf den Punkt:

Wir sind von Zombies umzingelt!

Ein Hotspot: die U-Bahn.

Niemand lächelt oder blickt gar einem anderen in die Augen. Alles wirkt irgendwie grau, und das ist nicht die Betonwänden rundum geschuldet. Es mangelt an Lebendigkeit, Lebensfreude, Leuchten in den Augen, denn ein Lächeln wäre nur auf diese Weise erkennbar dank der FFP2-Masken. Trotzdem.

Viele tragen Kopfhörer oder haben Stöpsel in den Ohren, aber kaum jemand lässt sich vom Rhythmus der Musik anstecken. Die Körper sind starr, die Blicke leer.

Was um alles in der Welt ist los mit den Menschen?

Ja, es gibt eine Menge Probleme auf diesem Planeten, die meisten davon ungelöst.

Ja, es gibt Konzerne, die sich unter Bezug auf die aktuelle Weltsituation schamlos an denen bereichern, die sich nicht wehren können.

Ja, es gibt Erfreulicheres als bei über 30 Grad Außentemperatur mit einer FFP2 durch die Gegend zu laufen.

ABER … verdammt nochmal, wir leben!

Bei allem, was da sonst noch ist, das wesentliche und für mich einzig wichtig ist: ICH LEBE!

Ich kann mein Leben in manchen Bereichen mehr, in anderen weniger gestalten, aber ICH LEBE!

Manche Tage laufen besser, andere schlechter, aber ICH LEBE!

Solange ich lebe, kann und will ich dieses Leben zelebrieren, mich lebendig fühlen, Lebensfreude ausstrahlen, dankbar sein für jeden Augenblick, den ich erleben darf, für jeden Atemzug, der mich durchströmt, für jeden Sonnenstrahl, der mich wärmt.

Niemand von uns weiß, wieviel Zeit einem bleibt. Die Zukunft ist ein Lotteriespiel, die Vergangenheit ein staubiges Archiv. Leben findet in der Gegenwart statt. Hier und Jetzt. Wann, wenn nicht jetzt?

Wir haben im Leben stets die Wahl, uns von den Umständen bestimmen zu lassen oder ihnen mit Gelassenheit, Zuversicht und ein wenig Humor zu begegnen. Ersteres funktioniert ganz von selbst. Letzteres stellt zumeist eine größere Herausforderung dar, aber wer behauptet, das Leben wäre ein Spaziergang?

Die Umstände können uns alles nehmen, nur eines nicht. Das verlieren wir erst, wenn wir es selbst aufgeben: unsere Lebendigkeit.

Ich bin weder bereit, meine Lebendigkeit aufzugeben noch mir meine Lebensfreude durch die Umstände nehmen zu lassen. ICH LEBE in jedem Atemzug, mit jedem Herzschlag, im Hier und Jetzt, leuchte von innen heraus. Vielleicht meiden sie mich deshalb, die Zombies, wenn ich auf dem Bahnsteig tanze und meine Lebensfreude ansteckend wirken könnte.  😉

Bild: Pixabay.com

ALLES NUR FAKE?

Faszinierend, was Kundige mit Bildbearbeitungsprogrammen alles anstellen können. Bei den vielen Bildern, die durch die sozialen Medien kursieren, frage ich mich regelmäßig, ob das, was ich sehe, auch in echt so aussieht – oder vielleicht ganz anders. Fake News? Alternative Wahrheiten?

Eine ähnliche Frage stelle ich mir auch häufig bei Menschen. Was ist echt? Und was Fake? Was verbirgt sich unter all den Masken, dem Make Up, Designer-Klamotten und sonstigem Aufputz, wenn weder Push noch Shape zum Einsatz kommen, frei von Statussymbolen.

Was bleibt, wenn man einem Menschen all das nimmt, was von den Ereignissen des Lebens jederzeit hinweggespült werden kann?

Nacktheit lässt nicht viel Spielraum für Fake.

Nacktheit offenbart weitaus mehr als nur blanke Haut. Sie zeigt auch, wie liebevoll und würdevoll jemand mit sich selbst umgeht.

Nacktheit wäre der natürlichste Zustand – sollte man meinen.

Als langjährige Saunabesucherin habe ich schon so einiges erlebt, was passieren kann, wenn Menschen alles ablegen, über das sie sich gemeinhin definieren. Wenn der „schöne Schein“ rundum verschwindet, zeigt sich der wahre Charakter. Im Business Dress vielleicht noch als „wirtschaftlich notwendig“ akzeptierte Aussagen klingen nackt nur noch menschenverachtend. Ihrer Statussymbole beraubt werden manche zu „Wadlbeissern“. Andere verlieren ihre Coolness und Selbstsicherheit mit jeder Lage Stoff, was am Ende bleibt, ist hohl und ohne Substanz.   

In einer Zeit, in der nahezu alles gefakt wird, verspüre ich einen stetig stärker werdenden Wunsch nach „Echtem“.

Mich interessiert immer weniger, was ein Mensch hat. Was für mich zählt, ist der Charakter.

Aber wer zeigt noch sein wahres Gesicht?

Warum braucht es all den Fake?

Warum genügt es nicht mehr, zu sein, wer man ist? Warum muss man die optimierte Version des Selbst werden? Vor einiger Zeit begegnete mir in diesem Zusammenhang der Begriff „Superversion“. Welch ein manipulativer Begriff! Er impliziert, dass meine Normalversion in jedem Fall zu wenig und unzureichend ist. Sprich: ICH kann gar nicht gut genug sein, solange ich nicht SUPER-ICH bin. Minderwertigkeit lässt grüßen. Und vor allem: was soll diese Superversion sein? In meinem Verständnis: ein Super-Fake.

Leidet unsere Gesellschaft unter einem kollektiven Minderwertigkeitskomplex? Wenn ich mir ansehe, wie viel gefakt wird und wie wenig Echtes mir begegnet, kann ich diese Frage nur mit einem klaren JA beantworten.

Ich stelle mir hin und wieder vor, wie es wäre, wenn ich alles loslasse, was derzeit zu meinem Leben gehört, wenn nur noch ich selbst übrigbleibe. Was ist das, was bleibt?

Meine Antwort darauf: das, was ich bin, immer war und immer sein werde – ein feuriger Funken Lebensfreude, mit vielen Talenten und noch zu entdeckenden Potenzialen, kreativ bis zum Abwinken, romantisch-sinnlich, manchmal frech, ein anderes Mal nachdenklich, mit gesundem Humor und Selbstironie gesegnet, unendlich dankbar für dieses Leben, neugierig auf das, was es noch bringen wird und darauf vertrauend, dass ich aus allem, das mir begegnet, etwas lernen kann, das mich weiterbringt.

Jeder von uns betritt diese Welt vollkommen nackt. Wenn wir sie verlassen, können wir nichts mitnehmen außer dem, was übrigbleibt, wenn wir alles loslassen. Wir gehen „nackt“ als die, die wir geworden sind. Wozu also all der Fake?  

Bild: https://pixabay.com/de/photos/baby-m%c3%a4dchen-neugeborenes-portr%c3%a4t-784608/

DER ATEM DES LEBENS – POST COVID

I am back 😊 Zwei Wochen nach meiner Covid-Erkrankung bin ich zwar körperlich noch angeschlagen, aber immerhin innerlich wieder halbwegs im Gleichgewicht. Einmal abgesehen davon, dass ich auf die physische C-Erfahrung gerne verzichtet hätte, die mentale war auch nicht ohne.

Die emotionale Achterbahn drehte einige Runden mit mir. Ob als Nebeneffekt der Infektion oder als Begleiterscheinung des „Eingesperrt-seins“ der Quarantäne, oder beiden … who knows? Auf jeden Fall wurde mir neuerlich bewusst, wie wichtig meine Zeiten draußen in der Natur für mich sind, weit ab von anderen Menschen.

Dass dieses temporäre „Eingesperrt-sein“ just mit dem 2. Jahrestag der „aus dem Nichts kommenden Trennung“ zusammenfiel, ist schon einer dieser eigenartigen Zufälle im Leben. Immerhin waren 24 Monate genau der Zeitraum, den ich mir für die Verarbeitung einer 24 Jahre dauernden Beziehungen vorgenommen hatte. Danach wollte ich frei und voller Energie in mein neues Leben starten – aber nicht hustend und schnaufend in Quarantäne sitzen.

Wenn einem die Luft wegbleibt, das Atmen schwerfällt, dann bleibt viel Zeit zum Nachdenken und Einfühlen in das, was gerade da ist. Also lag ich schnaufend und frierend unter zwei Decken bei über 30 Grad plus vor der Haustür, erlebte Wut, Frustration, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit in überraschender Intensität. Für all das gab es keine Auslöser in meiner Realität. Okay, eine Covid-Infektion, aber solche Emotionen? Durchheulte Nächte? Kann Covid sich auf die Psyche auswirken? Diese Frage hätte ich lieber mal nicht gegoogelt, denn die Suchergebnisse sind erschreckend zahlreich und wenig aufbauend. Tab wieder geschlossen. Manchmal ist ein langer, kurzatmiger Spaziergang durch den Wald die klügere Option als eine umfangreiche Recherche.

Der Atem des Lebens.

Damit befasste ich mich gedanklich, mit dem Atem, der derzeit weniger kraftvoll als vor Covid durch meinen Körper fließt, was aber nur eine Frage der Zeit ist. Geduld ist angesagt. Mein Körper wird sich vollständig erholen, davon bin ich überzeugt. Die Zeit dafür muss ich ihm allerdings geben.

Der Atem des Lebens.

Ist es tatsächlich nur die Luft, die durch unsere Lungen strömt? Oder geht’s dabei um mehr als um eine adäquate Sauerstoff-Stickstoff-Mischung? Luft konnte ich auch während der Quarantäne in meinem Zimmer atmen. Sogar Frischluft durch das geöffnete Fenster oder auf dem Balkon. Aber diese Luft verschaffte mir nicht das Gefühl des „Durchatems“, dass ein kurzer Spaziergang durch den Wald mit sich brachte. Neben dem Gefühl, wieder lebendig zu sein, kamen auch wieder andere Gedanken und Gefühle in meinen Fokus.

Der Atem des Lebens.

Für mich gehört viel mehr dazu, als nur 4N2O2 plus CO2 und ein paar Edelgase, um vom Atem des Lebens zu sprechen. Durchatmen kann ich an einem Ort, an dem ich mich mit dem Leben verbunden fühle. Die Lunge gilt als ein Organ (ebenso wie die Haut), über das wir direkt mit der Umwelt in Berührung kommen. Die Lunge ist ein Berührungspunkt mit dem Leben, Außen trifft auf Innen. Vielleicht ist mein Innen noch nicht bereit, sich ganz dem Außen zu öffnen und drosselt deshalb den Austausch? Bin ich bereit, mit meinem neuen Leben zu starten? Interessante Fragen, auf die ich noch keine Antwort gefunden habe, aber ich denke, allein mich damit zu befassen, eröffnet neue Horizonte. So wie diesen…

Heute Morgen begegnete mir dieser kleine Schmetterling. Seine Flügel sind viel zu zerbrechlich für diese Welt, wie das Herz mancher Menschen. Eigentlich müsste er seine Flügel hinter einer dicken Mauer verbergen, um sie zu schützen, doch stattdessen entfaltet er sie, denn er weiß, nur mit geöffneten Flügeln kann er fliegen und lebendig sein.

Manchmal fühlte ich mich wie eine Art emotionales Schmetterlingskind. Viel zu empfindsam für diese Welt. Doch ich weiß, ich kann nur dann fliegen und lebendig sein, wenn ich meine Flügel – und mein Herz – öffne…

… und mich selbst dem Atem des Lebens.

LEBE DEINE TRÄUME

„Lebe das, wovon du träumst. Dann gibst du mehr ans Leben und die Menschen zurück, als du dir je vorstellen kannst. Hab‘ Vertrauen in deine Träume. Sie sind ein Geschenk deiner Seele.“

Diese Zeilen schrieb ich heute einem Freund, der mir dieses wunderschöne Bild zur Verfügung gestellt hat.

Diese Zeilen spiegeln auch das wider, was ich in den vergangenen Tagen erlebt habe.

Lebe deine Träume.

Eine Phrase, die wohl jeder schon mal irgendwann irgendwo gehört oder gelesen hat. Aber wer denkt darüber nach, was sie bedeutet?

Lebe deine Träume.

Damit sind für mich nicht jene Träume gemeint, die sich nächstens in meinen Schlaf schleichen. Für mich geht es hierbei um die Träume, die latent in mir schlummern, mal mehr und mal weniger bewusst in den Vordergrund rutschen, und sich in der Antwort zur Frage: „Wenn alles möglich wäre, wie würde dein Leben aussehen?“ offenbaren.

Mein Traum war es – solange ich mich zurückerinnern kann – Schriftstellerin zu werden und Geschichten zu erzählen, über das Leben, über magische Wesen (dazu zähle ich auch Menschen), über Gefühle, Abenteuer (was ist die Reise zu sich selbst anderes als das ultimative Abenteuer?) und das es am Ende gut ausgehen wird.

Heute lebe ich diesen Traum, schreibe Geschichten, veröffentliche Bücher. Dieser Traum hat mich von der Borderline-Achterbahn geholt, ist die Basis meiner Stabilität. Mich wirft so leicht nichts mehr aus meiner neuen Bahn, denn wenn ich unrund werde, schreibe ich mich einfach zurück ins Gleichgewicht. Beginne in der Dunkelheit und schreibe so lange, bis ich im Licht angekommen bin. Schreibtherapie mit Mehrwert, denn was daraus entsteht, landet häufig in meinen Büchern, und damit auch bei meinen Leser*innen, denen ich damit etwas Authentisches gebe. Häufig etwas, das sie seit langem suchen.

Meine Seele sandte mir den Traum, Schriftstellerin zu werden, Geschichtenerzählerin, Autorin, Dichterin, Poetin, Lebensphilosophin … viele Begriffe für das, was ich heute bin. Nach sehr langem Zögern vertraute ich diesem Traum, löste meine Borderline-Herausforderung und fand zurück in die Umarmung des Lebens. Wenn mich heute das Feedback von Leser*innen erreicht, entweder in Form von e-Mails, oder – wie gestern – direkt im Rahmen einer Lesung, dann merke ich, wie viel mein Traum diesen Menschen gibt. Da werden mitunter lange blockierte emotionale Türen geöffnet, neue gedankliche Wege eingeschlagen, schwere Steine aus dem karmischen Rucksack entfernt. All das geschieht, weil ich den Mut fand, meinem Traum zu leben, darauf zu vertrauen, dass es gut wird.

Mein Herz ist voller Dankbarkeit für dieses „traumhafte Geschenk“ meiner Seele.

Ich glaube, dass es so etwas wie ein übergeordnetes Bewusstsein gibt, – manche mögen es vielleicht Gott nennen – das sich aber von unserem menschlichen Bewusstsein massiv unterscheidet und wir es deshalb nur ansatzweise erfassen können. Dieses Bewusstsein durchdringt das gesamte Universum und verbindet alles miteinander, auch uns Menschen. In meiner – zugegeben – romantischen (absolut nicht wissenschaftlichen) Vorstellung gestaltet dieses Bewusstsein die Träume der Menschen. Nicht die nächtlichen, sondern jene im Herzen, gesandt von der Seele. All diese Träume ergeben zusammen das Bild einer Welt, die von der Weisheit des Herzens dominiert wird.

Ein wunderschöner Traum – und wer weiß, vielleicht wird er eines Tages wahr? Immerhin wurde ich auch Schriftstellerin.

AUS DEM HERZEN LEBEN

Die Gedanken zu diesem Blog habe ich seit Tagen im Kopf, aber ich kam nicht früher dazu sie zu tippen. Das ich dies nun genau jetzt tue, verstärkt die Botschaft nochmal, denn … heute Morgen wich ich während meines Waldlaufs einem Hundehäufchen mitten auf dem Weg aus, übersah einen kleinen, aber aufragenden Stein, blieb mit dem linken Schuh daran hängen und … voila, kurze Zeit später saß ich blutüberströmt in der Ambulanz und hoffte, das Röntgen würde keinen Knochenbruch im linken Unterarm feststellen. Zum Glück waren die Knochen heil geblieben, ob dies auch auf die Bänder und Knorpel zutrifft, wird sich in ein paar Tagen zeigen.

Kommen wir zurück zum Thema: Aus dem Herzen leben

Ein wunderbarer Zustand, der mich seit einer Woche intensiver denn je begleitet. Was dazu geführt hat? Berggeflüster … oder genauer gesagt: Die Charity-Buchpräsentation im Gasteiner Tal. Die tiefe Emotionalität der Gedichte in die gegenwärtige Wirklichkeit zu holen, zu leben, was ich fühle, vor Publikum, einfach nur zu sein, wer ich bin – das hat einiges ausgelöst. Erkennbar ausgelöst, wie eine Freundin anmerkte: „Deine Augen leuchten im Tal.“

Das tun sie in der Tat.

Es mag Menschen geben, auf die die mächtigen Berge, die das Tal umschließen, einengend wirken. Auf mich wirken sie befreiend, ermutigen mich, ich zu sein, zu zeigen, was mich berührt, auch im Alltag. Keine Fassade aufrechterhalten, kein Verstecken hinter Masken, einfach nur Menschsein, aus dem Herzen leben. All das wirkt heilsam auf meine Seele.

Und damit wären wir beim nächsten Stichwort: Seele.

Unsere Seele, deren Existenz manche anzweifeln, ist kein ganz einfaches Thema … aber ich will hierkeinen philosophischen Diskurs vom Zaun brechen und behaupte jetzt einfach mal: Jeder von uns hat eine Seele, die verletzt werden kann und das auch wird.

Oberhalb habe ich von einer aufgeschürften Hand, einem blutenden Knie und angeknackstem Handgelenk erzählt. Allessamt nichts, wofür ein Mensch sich schämen müsste. Vielleicht ein paar halblustige Kommentare wegstecken, ob es nicht klüger gewesen wäre, in die Hundescheiße zu treten, anstatt ins Krankenhaus zu fahren. Tja, im Nachhinein sind wir alle klüger, nicht wahr?

Körperliche Verletzungen sind gesellschaftstauglich.

Sind seelische das auch?

Im Rahmen der Berggeflüster Charity-Buchpräsentationen plauderten wir auch über die Hintergründe – und meinen Hintergrund. Borderline. Darüber, was es mit Menschen tut, wenn sie die Rückmeldung (oder Diagnose) erhalten, nicht „innerhalb der definierten Parameter zu funktionieren“. Meistens kommt diese Feststellung nach einem mehr oder weniger langen Weg voller Ablehnung, Ausgrenzung, Übergriffe, … Betroffene erkennen irgendwann sich selbst als den Fehler, das Problem. Viele versuchen dies zu korrigieren, der Norm zu entsprechen, zu werden, wie die anderen sind. Das funktioniert meistens nicht. Der Frust geht weiter. Die Verletzungen werden tiefer, sinnbildlich blutende Wunden in der Seele – und keine Heilung in Sicht.

Doch Heilung ist möglich!

Mein persönliches Heilmittel heißt Lesley.

Lesley steht für: Leben, Licht, Liebe, Lebendigkeit, Leichtigkeit, Lebensfreude… und seit wenigen Tagen für „aus dem Herzen leben“. Ein fantastisches Gefühl.

Skeptiker mögen jetzt einwerfen: „Glückshormone nach einem gelungenen Event. Das vergeht wieder.“

Mag sein, ABER die Tage danach im Job mit einem bisherigen Höhepunkt an Irrsinn, ließen den Effekt nicht verschwinden. Auch mein heutiger Sturzflug nicht. Immerhin sitze ich einbandagiert, tippe einhändig diese Zeilen und es geht mir trotzdem gut, ich bin voller Lebensfreude und Leichtigkeit – ohne Schmerzmittel oder sonstige Substanzen eingenommen zu haben.

Ich bin einfach ich selbst, lebe aus meinem Herzen heraus, mache, was mir und anderen Freude bereitet – genau das wollte ich auch mit Berggeflüster erreichen. Ein bildhübsches Buch, das sieht man auf den ersten Blick. Nicht zu unterschätzende lebensphilosophische Gedichte, aber die offenbaren sich erst beim Lesen. Darüber hinaus sammelt dieses Buch auch noch Spenden für die Bergrettung im Gasteiner Tal. Geht noch mehr Wohlfühlen?

Ja!

Rund um den Event habe ich einige der Bildautor*innen kennengelernt, die ihre Fotos kostenlos für das Charity-Projekt zur Verfügung gestellt haben. Tolle Menschen, bereichernde Gespräche, die eine oder andere Freundschaft, die mich hoffentlich noch lange begleiten wird.

Aus dem Herzen leben … vor einigen Jahren hätte ich mir darunter nicht das vorstellen können, was es heute ist. Vielleicht muss man es emotional erleben, um es rational zu begreifen. Ansatzweise tat ich es auch hin und wieder. Die Tür stand bereits offen, nur ein Fliegengitter trennte mich noch von der Freiheit im Sein. Am 29.Mai entließ ich dies Fliegengitter in die Vergänglichkeit und stellte mich der Präsenz des Augenblicks.

Zugegeben, im Gasteiner Tal fällt dieses „aus dem Herzen leben“ um einiges leichter als in der Großstadt, wo es zumindest temporär wieder dem „Normalzustand“ weichen muss, um „innerhalb der erforderlichen Parameter“ zu funktionieren, doch ich denke, es braucht gar nicht die 100% unserer Zeit. Manchmal erfordert das Umfeld ein Abschotten – leider. Ein tägliches Zeitfenster „aus dem Herzen leben“ genügt, um Aufzutanken und zu sich selbst zu finden.

Unsere Gesellschaft braucht viel mehr Herz. Nicht inflationär angeklickte Kommentar-Herzchen, sondern Menschen, die aus dem Herzen heraus leben und handeln.

Wenn ich dir einen Rat für deine Reise durchs Leben mitgeben darf, dann diesen: Finde deinen Ort, an dem du sein kannst, wer du bist, ohne Masken, Rollen, Fassaden, … 100% DU 😊… und staune über das, was möglich wird, wenn du beginnst, aus dem Herzen zu leben.

Mein Ort ist das Gasteiner Tal. Wer weiß, vielleicht treffen wir uns dort einmal, und ich sehe in deinen Augen ein Leuchten, das nur jene haben, die aus dem Herzen leben.

Bild: © Joe Müller

HAPPY BIRTHDAY

In wenigen Tagen ist mein 53. Geburtstag. Damit bin ich nun unbestreitbar in der zweiten Lebenshälfte angekommen. Vielleicht liegt es daran, dass ich vieles anders betrachte als früher – oder an der beginnenden Altersweitsichtigkeit 😉

Wenn ich den Begriff „Altersweitsichtigkeit“ von seinem sachlichen Inhalt befreie, ergibt sich daraus ein interessantes Wortspiel: Weit-sichtigkeit … in die Weite bzw. Ferne blickend … vorausschauend?

In der Tat denke ich mir immer öfter über die langfristigen Auswirkungen meiner Handlungen nach, wesentlich häufiger als früher. Obwohl ich im Augenblick lebe und mit leichtem Gepäck durchs Leben reise, hinterfrage ich vieles. Vielleicht führt genau dieses Hinterfragen mit Fokus auf die ferne Zukunft dazu, dass mir manche kurzlebigen Trends und Oberflächlichkeit am A**** vorbeigeht.

Diese „Altersweitsichtigkeit“ hat sicherlich ihren Teil zu einem Gedicht beigetragen, dass vor einigen Monaten entstand. Damals bezog es sich auf den Jahreswechsel, aber ist ein Geburtstag nicht auch ein Wechsel in ein neues Lebensjahr? Ich finde, es passt hier perfekt:

Spuarn im Schnee

Gaunz weiß sans, d’Berg,
von‘d Spitzn bis obi ins Toil.
Dauat nimma long.
S’Joahr is boild umma.
Waunnst so zruckschaust,
wos host draus gmocht?
Bist nur fleißig im Hamstaradl grennt,
damit de große Maschin se weida draht?
Oda host a Zeit fia aundas vawendt?
Wia oft host aundan a Freid gmocht?
Oda dir sölba was Guads taun?
Host nur Gräbn aufgrissn –
oda a Bruckn gschlogn?
Wölche Spuarn bleibn von dir?
Net im Schnee, weu der geht im Aprül.
A net auf’n Papier, weu des is geduldig.
I moan de Spuarn, de bleibn,
waunnst du long schau nimma bist,
Spuarn in‘d Herzen da Menschn.
De Zeit ziagt so schnöll durchs Lebn.
Boild is wieda a Joahr dahin.
Wüvühl bleibn dir nau?
Koana woaß, oba olle hoffn,
hintalossn enara Spuarn im Schnee,
schiabn vühles auf Muargn,
was im Heit wichtig waard,
und Spuarn zeichna tät, de bleibn.
Waunnst so zruckschaust,
wölche Spuarn bleibn aum End von dem Joahr?
Und wölche von dein Leben?

Welche Spuren bleiben am Ende?

Wie gesagt, geistert diese Frage bereits seit längerem durch meinen Geist, bestimmt mehr und mehr mein Tun. Vor ziemlich genau einem halben Jahr entschied ich mich, ein Charity-Projekt ins Leben zu rufen. Einfach so. Typisch JAN/A. Ohne mir zu überlegen, was wie wann wo … ich wollte es, ich tat es. Punkt.

Seit 04. Mai 2022 ist „Berggeflüster – s’Lebn gspiarn“ veröffentlich. Am 29. Mai findet die Buchpräsentation im Rahmen eines Charity-Events statt. Vor einem Jahr war das alles noch nicht einmal ein verrückter Gedanke, nicht ansatzweise. Heute hoffe ich, mit diesem Charity-Projekt eine vierstellige Spendensumme für die Bergrettung im Gasteiner Tal sammeln zu können. So schnell kann’s gehen, dass aus Nichts Etwas wird. Mehr noch. Ein Buch des Herzens, das bereits einigen Menschen Freude bereitet hat und hoffentlich noch ganz vielen anderen Freude bereiten wird.

Reich werde ich damit sicher nicht. Berühmt? Schmarrn. Dafür ist österreichische Mundart die falsche Sprache, zu wenig Zielgruppe. 

Ich will Freude bereiten, Menschen zum Lächeln bringen, sie in die Umarmung des Lebens holen, vielleicht ein klein wenig zum Nachdenken anregen … und als Sahnehäubchen damit auch noch etwas Gutes tun.

Eine Weltretterin? Nein, ganz sicher nicht. Aber eine, die konsequent gegen den Strom des „alles geht den Bach runter“ schwimmt. Eine, die weniger jammert und mehr tut. Punkt.

Berggeflüster ist ein Schwimmzug gegen den Strom. Sicher nicht Mainstream und keinesfalls perfekt. Wer einen Fehler drin findet, darf gerne 1 Euro zusätzlich an die Bergrettung spenden. Ein paar Tippfehler sind sicherlich noch drin. Mundart ist alles andere als einfach zu lektorieren.

Berggeflüster will nicht perfekt sein. Mein „Kind der Berge“ will Freude bereiten.

Die einen freuen sich, weil sie ein bildhübsches Buch in Händen halten und gleichzeitig etwas gespendet haben. Andere freuen sich, weil ihre Bilder Teil des Buches sind und sie aktiv etwas beitragen konnten. Wiederum andere freuen sich, weil sie dadurch auf Umwegen Anerkennung für das erhalten, was sie aus freien Stücken für in Notgeratene leisten.

Ich freue mich, weil all diese Menschen sich freuen, weil eine meiner „verrückten“ Ideen etwas Freudebringendes in dieser Welt erschaffen hat, weil die Menschheit nur dann zu einem hoffnungslosen Fall wird, wenn wir aufhören, unsere Freude mit anderen zu teilen.

Mein „Kind der Berge“ ist ein Kind der Lebensfreude: Neben 40 wunderschöne Bilder stellte ich jene Worte, die mir von den grauen Riesen im Gasteiner Tal zugeflüstert wurden, wob ein feines Geflecht aus Fragen, Antworten, Stimmungen und einem Gefühl, das tief im Herzen seinen Ursprung hat, für das es kein Wort gibt, nur ein Lächeln, wenn es sich ausbreitet und seine Arme gleich einem schützenden Mantel um uns legt.

Wenn du mir zu meinem Geburtstag eine Freude machen möchtest, dann wirf einen Blick in dieses [nicht] ganz alltägliche Buch und wenn es dir gefällt, wer weiß, vielleicht nimmst du ein „Kind der Berge“ bei dir auf? Holst es ab und an aus dem Bücherregal, wenn du vielleicht gerade nicht weiterweißt, und findet etwas darin, dass dich zum Lächeln bringt und vielleicht sogar einen neuen Weg eröffnet? Alles ist möglich.

Berggeflüster ist ein Geschenk, dass mir die grauen Riesen gemacht haben in einer Zeit, in der ich Antworten suchte. Heute gebe ich dieses Geschenk weiter – nicht umsonst, aber mit viel Freude, (Alters)Weitsicht und hoffentlich einigen Spuren, die bleiben.

Hör niemals auf zu träumen, denn Träume werden wahr, wenn du ihnen den Raum dafür gibst.

Hör niemals auf an das Gute im Menschen zu glauben, denn Menschen sind es, die mit dir gemeinsam Träume wahr werden lassen.

Hör niemals auf du selbst zu sein.

Happy Birthday

Bild: pixabay.com

LEICHTIGKEIT IM LEBEN

Leichtigkeit im Leben ist ein Thema, das mir derzeit auf vielfältige Weise begegnet. Offenbar beschäftigt es viele Menschen. Wenn ein Thema gehäuft auftritt, beginne ich darüber zu reflektieren. Das kommt dabei raus:

Vor wenigen Tagen saß ich in einem Führungskräfte-Coaching. Was meinen Job betrifft, befinde ich mich seit Wochen in einer Phase, die sich in den Fragen „Was noch?“ und „Geht’s noch?“ gut darstellen lässt. Am Ende des Coachings wurde ich gefragt, wie ich es mache, dass ich bei all dem ziemlich locker wirke und vieles mit Humor nehmen kann.

Gute Frage.

Meine Antwort darauf lautete: Ich habe Lesley.

Diese Antwort musste ich näher erklären.

Im bürgerlichen Job lebe ich eine weitgehend angepasste Persönlichkeit. Sicherlich keine einfache Mitläuferin, aber dennoch schalte ich Teile von mir auf Mute. Wie viele andere auch, stoße ich im Job immer wieder an Grenzen, die Sinnloses schützen und Sinnvolles verhindern, so dass ich die Sinnhaftigkeit mehr als einmal hinterfrage. Ich schlage mit Ignoranz ebenso rum wie mit ausgeschaltetem Hausverstand. Kurz gesagt: Es gäbe genug, um dauerhaft frustriert zu sein. Bin ich aber nicht.

Warum?

Ich habe Lesley.

Als Lesley bin ich voll und ganz ich. 100%. Ich lebe mich aus mit allem, was in mir steckt und entdecke dabei laufend Weiteres in mir. Mit Lesley habe ich für mich eine Facette der Realität erschaffen, die niemand anders bestimmt außer ich selbst. Keine Fantasiewelt, sondern eine parallele Realität, die geprägt ist von meiner emotionalen Seite (die sich im Job zurückhalten darf/soll/muss …) und meiner Kreativität im künstlerischen Sinne (im Job bin ich auch kreativ, aber dabei geht es um Prozesse, Innovationen …)

Seit Oktober 2017 bin ich Lesley B. Strong.

Manche nehmen einen Künstlernamen an, um jemand anders zu sein. Durch Lesley wurde ich ICH. Niemand anders, sondern die, die ich bin, immer war, aber zuvor nicht sein durfte/konnte, weil … die Gründe dafür sind zahlreich und allesamt heute nicht mehr relevant.

Ich bin Lesley – ein feuriger Funken Lebensfreude. Leichtigkeit liegt mir im Blut.

Leichtigkeit im Leben hat für mich viel mit Anerkennung dessen zu tun, was ich alles bekommen habe in diesem Leben. An erster Stelle steht hiermit das Leben selbst. Danach folgen meine Gaben, Talente, Fähigkeiten, aus denen wunderbares entsteht. Ich bin dankbar für alles in meinem Leben, auch für stressige Jobphasen wie die derzeitige.

Alles im Leben hat stets zwei Seiten.

Ein „Was noch?“ kann auch „Was noch fällt mir dazu ein?“ meine Kreativität in astronomische Dimensionen schrauben.

Ein „Geht’s noch?“ lässt mich Achtsamkeit üben, häufiger als sonst mich selbst zu hinterfragen, in mich hinein zu spüren und darauf zu achten, nicht allzu lange an der Grenze oder gar über der Grenze zu bleiben, sondern auf mich selbst gut zu achten.

Leichtigkeit im Leben ist für mich mehr als mittels positiver Affirmationen einen Zustand zu beschwören. Leichtigkeit ist ein Lebensgefühl. Ein riesengroßes JA zum Leben und mir selbst. Leichtigkeit geht Hand in Hand mit Hoffnung. All die Krisen in der Welt, von Umweltzerstörung über Krieg, Pandemie … es gibt so vieles rund um uns, das bedrückt und Schwere hervorrufen kann. Tagtäglich sehe ich Menschen, die von der Last ihres Lebens gebeugt werden, die sich schwerfällig bewegen. Blicke ich in ihre Augen, nehme ich Leere wahr, keine Hoffnung oder gar Leichtigkeit. Keine Lebendigkeit. Sie sind hier, aber irgendwie auch nicht. Klammern sich an Probleme, Ängste, Sorgen, um etwas zu haben, dass ihnen einen Grund zum Leben liefert. Dann denke ich an Victor Frankl und seine Buch „Trotzdem JA zum Leben sagen“, seine Erfahrungen, dass Menschen, die nichts mehr in diesem Leben haben oder nicht mehr hoffen, einfach sterben.

Leichtigkeit im Leben fand ich, nachdem ich begann, alles Belastende loszulassen – sofern dies möglich war. Energievampire und Karmastaubsauger ebenso wie materielles Zuviel. Vor ein paar Jahren hatte ich mir nie vorstellen können, mit dem wenigen zu leben, das ich heute besitze, aber es geht mir gut damit. Ich brauche nicht mehr. Ich habe Lesley.

Was ich nicht loslassen konnte/kann, weil z.B. mit dem Job verbunden, betrachte ich aus einem anderen Blickwinkel. Die andere Seite der Medaille. Eine Mentorin gab mir einst einen wunderbaren Satz mit auf meinem Weg: What is in it for me? Was kann ich mir daraus mitnehmen? In jedem Sch***haufen findet sich auch immer etwas Gutes. Nicht umsonst wird mit Mist gedüngt 😉 Menschen werden insbesondere dann kreativ und innovativ, wenn die Notlage sie dazu zwingt. Wer alles im Überfluss hat, wird eher träge – und irgendwann schwer.

Ich glaube, ich könnte Stunden über Leichtigkeit im Leben reden, ohne mich zu wiederholen. Es ist wie ein Licht im Herzen, das ich spüre und das mich diese Welt mit anderen Augen sehen lässt. Keine rosa Brille, aber ein unerschütterliches Vertrauen in das Leben und die Überzeugung, dass in uns Menschen das Potenzial schlummert, uns selbst zu hinterfragen und verändern zu können. Vielleicht werden das nicht alle tun, doch jene, die es tun, werden mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Leben in Leichtigkeit führen.

Bild: pixabay.com

Ein Mann, der niemals weint …

… beweist nur eines: dass er sein Herz nicht mehr spüren kann.

Dieser – zugegeben polarisierende Gedanke – tauchte vor einigen Tagen wie aus dem Nichts in meinem Kopf auf. Mir ist bewusst, dass diese Aussage lange und leidenschaftlich diskutiert werden kann. Insbesondere, warum ich das Subjekt „Mann“ gewählt habe, könnte es doch genauso gut „Mensch“ lauten. Nun, das folgende wird wohl Aufschluss darüber geben.

Als ich mich näher mit diesem „Satz aus dem Nichts“ befasste, tauchte einiges an Fragen auf, die ich hier teilen möchte in der Hoffnung, sie regen zum Nachdenken an:  

„Ein Mann, der niemals weint, beweist nur eines: dass er sein Herz nicht mehr spüren kann.“

Darf ein Mann überhaupt weinen? Im Jahr 2022 sind wir Lichtjahre von einer stereotypen-befreiten Gesellschaft entfernt. Rollenbilder bestimmen noch immer weitgehend unseren Alltag. Ein Mann, der weint? Berührbar, empfindsam, sensibel … nicht unbedingt die klassischen männlichen Attribute, oder? Was ist männlich? Was weiblich? Und was menschlich?

Auf welche Weise darf ein Mann zeigen, dass er verletzt wurde, ohne dass ihm gleichzeitig seine Männlichkeit abgesprochen wird? Eine Frau, die zartbesaitet ist, verliert dadurch nicht ihre Weiblichkeit – manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall. Aber wie fühlend darf ein Mann sein?

Wie geht es männlichen Borderlinern mit ihrer extremen Emotionalität? Wie viele unterdrücken jene Gefühle, die gemeinhin als „Schwäche“ eingestuft werden (Feinfühligkeit, Sensibilität, Mitgefühl, Trauer, Scham …), bis nur noch die anderen, die „Starken“ übrigbleiben (Wut, Zorn, Aggressionen …)? Oder gar keine Gefühle mehr, nur noch Leere?

Was würde sich in ihrem Leben verändern, dürften sie ohne Furcht zeigen, was sie fühlen?

Was wäre anders in dieser Welt, würden Tränen nicht länger als ein Zeichen von Schmerz und Schwäche gesehen, sondern von der Stärke, sich den Herausforderungen des Lebens fühlend zu stellen (nicht nur mit dem Kopf), und dem Mut, offen zu zeigen, was das Herz berührt?

Bild: pixabay.com

WAS KANN ICH TUN UM DICH GLÜCKLICH ZU MACHEN?

… diese Frage wurde einer Freundin von einem Bekannten gestellt, so hat sie mir zumindest vor ein paar Tagen berichtet. Leider bekam sie in Folge nicht, was sie genannt hatte. Es ging um einen Geldbetrag knapp unter einer Million Euro.

Seit dem Besuch bei meiner Freundin denke ich über diese Frage nach. Oder besser: ich spüre in mich hinein.

Was könnte jemand tun, um mich glücklich zu machen?

Während ich also über diese Frage sinniere, beginne ich unweigerlich, meine aktuelle Lebenssituation zu reflektieren.

[no nau na net] … ergänzt meine innere Stimme in perfektem Österreichisch 😉 Ins Schriftdeutsche übersetzt bedeutet es so viel wie: Was sonst?

Wie sieht mein Leben derzeit aus? Stressig, aber ich habe mir sowohl den stressigen Job ausgesucht als auch Ja zum neuen Projekt gesagt, und somit zur außerordentlichen Arbeitsbelastung. Es war meine Entscheidung! Ich hätte auch Nein sagen können. Oder längst in einen anderen Job wechseln können.

Generell: Mein Leben ist seit letztem Jahr genau das, was ich für mich bestimmt habe – mit all seinen Sonnen- UND Schattenseiten. Nicht alles läuft perfekt, aber das wäre auch unrealistisch. Ich bin zufrieden mit dem, wie es ist.

Was könnte also jemand tun, um mich glücklich zu machen?

Ich griff die Antwort meiner Freundin auf und rundete gleich mal auf: Eine Million Euro.

Wäre ich mit einer Million Euro glücklich?

Gegenfrage: Was wäre anders?

Ich besitze alles, was ich zum Leben brauche. Teilweise sogar mehr, aber zum Glück (!) nicht so viel, dass ich mir darüber Gedanken machen muss. Besitz bedeutet stets auch eine Form der Belastung.

Was würde ich mit einer Million Euro kaufen?

Das neueste Smartphone? Wozu? Für meine Zwecke genügt das aktuelle völlig. Besitzprotzerei liegt mir nicht.

Ein Luxusauto? Wozu? Damit es in der Garage steht? Ich würde von den Öffis nicht wieder aufs Auto umsteigen. Dazu sind mir meine Nerven zu wertvoll, die ohnehin viel zu lange im täglichen Stauirrsinn strapaziert wurden. Außerdem entstehen beim Bahnfahren wunderbare Dinge, wie selbstgestrickte Socken.

Reisen? Wäre nett. Ich habe ja früher in der Tourismusbranche gearbeitet. Aber Reisen möchte ich mit anderen, um gemeinsam das Abenteuer des Entdeckens zu erleben.

Nicht mehr arbeiten? Ganz ehrlich, ich wurde nicht geboren, um auf der faulen Haut zu liegen. Vielleicht würde ich nicht mehr meinen Stressjob ausüben, aber mit Sicherheit würde ich mir andere Herausforderungen suchen.

Was würde ich mit einer Million Euro machen?

Vielleicht hätte ich plötzlich eine Menge neuer Freunde, auf die ich gerne verzichte, wenn sie nur des Geldes wegen meine Freundschaft suchen.

Meine Gedanken landen in einer Sackgasse – und ich auf einer sonnigen Lichtung, nachdem ich zuvor durch einen Graupelschauer bergauf gewandert bin. Und dann ist er plötzlich da, der kleine Marienkäfer, der sich ob der kühlen Temperaturen nur sehr langsam auf seinem Ast bewegt, doch er bringt mich zum Lächeln, und in mir breitet sich ein Gefühl aus, das ich „glücklich“ nenne.

Was soll ich mit einer Million Euro? Das Leben hat mir eine Gabe geschenkt, die mit keinem Geld der Welt zu kaufen ist: Das Besondere im Alltäglich zu sehen und mich daran freuen zu können.

Es sind meine eigenen Beine, die mich auf diese sonnige Lichtung getragen haben, wo ich nun die wärmenden Strahlen der Frühlingssonne spüre. Meine Augen, die den kleinen Marienkäfer erblicken, während meine Ohren dem Gezwitscher rundum lauschen, dem Flüstern des Windes. Mit all meinen Sinnen spüre ich das Leben, fühle im Herzen eine tiefe Dankbarkeit dafür, all dies erleben zu dürfen und zu können.  

Du fragst, was du tun kannst, um mich glücklich zu machen?

Nichts.

Oder vielleicht doch? Lass dich von meiner romantischen Lebensfreude anstecken. Ich glaube, es würde dieser Welt gut tun, gäbe es mehr Menschen, die nichts brauchen, um glücklich zu sein. 😉

Gedanken zum Tag, 23.03.2022

Mit welch tiefgründigen Gedanken ich doch morgens aufwache …

Piloten_innen, Buslenker_innen, Polizist_innen, ja selbst Kindergartenpädagog_innen … sie alle müssen psychologische Eignungstests absolvieren, bevor sie in die Ausbildung und den Job starten können, denn sie tragen viel Verantwortung für andere Menschen.

Sollten nicht auch Politiker_innen getestet werden, bevor sie die Macht bekommen, über das Schicksal anderer zu entscheiden?

Was denkst du?

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