STARKE MENSCHEN WEINEN IM STILLEN

Es gibt Phasen in meinem Leben, da blicke ich auf die zurückliegende Woche und denke mir: Wie hat all das Platz gefunden in 7×24 Stunden? Die vergangene Woche war eine von diesen. Unter all dem, was geschah, sticht ein Ereignis heraus, das mich mehr als alle anderen berührt.

Wieder einmal traf ich auf einen Menschen, der zurückblieb, als ein anderer ging. Ein geliebter Mensch, von vielen geschätzt, der in sich ein strahlendes Licht trug – und tiefste Finsternis. Letzteres wusste kaum jemand, weshalb es umso mehr schockierte, als dieser geliebte Mensch freiwillig ging und jene anderen zurückließ, verzweifelt fragend, nach Erklärungen suchend.

Einer dieser zurückgebliebenen Menschen traf also auf mich. Auf eine, die ein strahlendes Licht in sich trägt, ebenso wie tiefste Finsternis, und die offen darüber spricht, wie es ist, hin und her gerissen durch dieses Leben zu wandeln, das eine nicht ohne das andere sein zu können – und nach langem den Frieden in sich gefunden zu haben.

Es war nicht das erste Zusammentreffen dieser Art – und wird nicht das letzte gewesen sein.

Für mich war es ein „Wink des Schicksals“, mich wieder verstärkt jenen zuzuwenden, die danebenstehen und nicht begreifen können, was in ihren Liebsten geschieht. Vielleicht helfen meine folgenden Gedankengänge, einen neuen Blickwinkel zu eröffnen:

Menschen mit „psychischen Problemen“, sei es nun Borderline, Depressionen, Bipolarität und anderen Formen/Symptomen unter dem Hashtag Persönlichkeitsstörung sind weder schwach noch Versager. Ganz im Gegenteil. Viele unter ihnen sind sehr starke Menschen, denn es gelingt ihnen, über Jahre und Jahrzehnte ihr „Problem“ zu verbergen, im Alltag Rollen zu spielen, die kräftezehrend und belastend sind. Erst hinter verschlossenen Türen, wenn nur noch wenige Vertraute um sie sind oder manchmal auch niemand mehr, fallen die Masken, tritt der ungelöste innere Konflikt zu Tage und mit ihm die Zweifel an sich selbst bis hin zur Verzweiflung.

Starke Menschen weinen im Stillen.

Es mangelt ihnen nicht an Kraft, aber an Wissen um das, was sie fremdsteuert, ebenso wie es an der Fähigkeit mangelt, damit umzugehen, ihr psychisches und/oder seelisches Gleichgewicht selbständig in Balance zu halten.

Woher sollten sie es auch können?

Der Blick nach innen, die Reise zu sich selbst, die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und was immer sich dort findet … all das gehört für manche Menschen zum Alltag, aber für viele andere nicht.

Weil es sie nicht interessiert.

Weil sie nicht in einem Umfeld aufgewachsen sind, das sie dazu ermutigt hat.

Weil unsere Gesellschaft grundsätzlich mehr auf die Oberfläche als unter sie blickt.

Weil sie Angst vor dem haben, was sie vielleicht finden könnten.

Weil vielleicht etwas gänzlich anderes sie davon abhält.

Was auch immer es ist, es verhindert, dass diese Menschen lernen, in sich die Balance zwischen „Licht und Dunkelheit“ (wie ich es gerne romantisch nenne) herzustellen. Dieses Gleichgewicht wurde/wird bei den meisten Menschen irgendwann im Laufe des Lebens erschüttert (z.B. durch Verluste, traumatische Erlebnisse und dergleichen). Die Einen finden zurück ins Gleichgewicht, andere nicht. In ihnen wirkt Tag für Tag nach, was sie einst erschüttert hat, verstärkt durch das, was folgte, bis hin zum alltäglichen Rollenspiel.

Die Auswege aus diesem Dilemma sind so vielfältig wie die Menschen selbst, doch ihre Richtung ist stets dieselbe: der Blick nach innen, die Reise zu sich selbst.

Kleine bunte Pillen lösen keine dieser Probleme, sondern kehren sie unter einen farbenfrohen Teppich. Mehr nicht. Keine Pille der Welt ist in der Lage, eine Traumatisierung aufzulösen. Weder lässt sie das Geschehene vergessen noch eine neue Einstellung dazu gewinnen. Sie unterdrückt, was gelöst werden will, und damit verhindert sie auch die Rückkehr in den inneren Frieden.

Lösen kann man nur jenes, auf das man blickt, mit dem man sich befasst. Manchmal allein, ein anderes Mal mit Unterstützung. Auflösung ist ein aktiver, bewusster Prozess, der durch in ein offenes, wertschätzendes Umfeld unterstützt werden kann.

Wer sich auf die Reise zu sich selbst macht, wird dabei so manchem begegnen, das möglicherweise alten Schmerz wachruft, das lieber vergessen sein will, doch da gilt es hindurchzugehen. Weiß man Menschen an seiner Seite, die nicht (ver)urteilen, nicht die Richtung oder das Tempo vorgeben wollen, sondern einfach begleiten und Halt geben, wenn man diesen braucht, dann können die Herausforderungen dieser Reise leichter gemeistert werden.

Wer mit einem Gipsbein durch die Welt humpelt, wird als vorübergehend eingeschränkt wahrgenommen und es wird Rücksicht genommen. Gilt das auch für jene, die mitten in einer Depression stecken und den Kopf hängen lassen? Oder bekommen sie zu hören: „Reiß dich zusammen. Anderen geht’s auch dreckig und sie machen trotzdem weiter.“ Wer will schon als schwach gelten?

Starke Menschen weinen im Stillen, aber sie weinen.

Jeder von uns kann einen Teil dazu beitragen, das es für diese starke Menschen leichter wird, zu bleiben, indem wir anfangen, ein Umfeld zu erschaffen, das Halt gibt auf der Reise zu sich selbst.

Weg von (Vor)Urteilen, hin zu Respekt und Wertschätzung.

Vielleicht müssen starke Menschen dann nicht mehr im Stillen weinen.

Vielleicht kommt sogar der Tag, an dem sie aufhören zu weinen, weil sie angekommen sind und geschätzt werden als die, die sie sind.

Eine wunderschöne Vorstellung.

Bild: https://pixabay.com/de/photos/sonnenuntergang-frieden-einsamkeit-1207326/

GEBEN UND NEHMEN EINMAL ANDERS BETRACHTET

Aus den vielen positiven Rückmeldungen rund um den Jahreswechsel und meinen Überlegungen für das soeben angebrochene Jahr, haben sich auch Gedanken um das altbekannte Thema „Geben und Nehmen“ herauskristallisiert.

Seit längerem bereits beobachte ich das Phänomen, das manche Menschen nehmen und nehmen und nehmen, quasi alles einkassieren, dessen sie habhaft werden können. Ganz egal, ob es sich dabei um verbale Zuwendungen oder materielle Objekte oder sonstiges handelt, es wird genommen, was zu kriegen ist. Am besten gratis. Doch was nichts kostet, ist nichts wert. Oder anders betrachtet: Das, was gratis ist, kostet mitunter den Selbstwert, den man verlieren kann, wenn man etwas Wesentliches ignoriert …

Ich habe in meinem Leben viel von anderen bekommen und stets danach getrachtet, mich dafür erkenntlich zu zeigen, mich zu revanchieren bzw. einen Ausgleich in welcher Form auch immer herzustellen. Geben und Nehmen in Balance zu halten – wie es zwischen Erwachsenen sein sollte. Doch ich habe in den vergangenen Jahren nur sehr selten erlebt, dass jemand diese Form des Ausgleichs sucht. Zumeist wird genommen, sich höflich bedankt und das war’s.

Wer etwas bekommt, sollte im Gegenzug dafür auch etwas zurückgeben.

Das klingt im ersten Ansatz nach einer heftigen Forderung, denn nicht jeder kann es sich leisten, etwas zu geben. Spätestens hier sage ich: Stopp! Raus aus der Denkfalle. Jeder kann etwas geben! Hier geht es nicht um Geld oder centgenaue Gegenrechnung. Es geht um Ausgleich. Es geht darum, dass zwei erwachsene Menschen auf Augenhöhe miteinander bleiben. Das können sie nur, wenn beide Seiten geben und nehmen. Im Verhältnis zwischen Eltern und Kindern besteht ein natürliches und gesundes Ungleichgewicht zwischen Geben und Nehmen. Nicht so zwischen Erwachsenen. Erfolgt hier kein Ausgleich, verschiebt sich das Gleichgewicht, sie bleiben nicht auf Augenhöhe. Es gibt die „Überlegenen“, die geben, und die „Bedürftigen“, die nehmen.

Das Wort „bedürftig“ finde ich persönlich schrecklich, doch es bringt das Problem auf den Punkt.

Wenn ich jene Menschen beobachte, die einfach alles nehmen, dessen sie habhaft werden können, ob sie es nun brauchen oder nicht, und die nichts im Gegenzug dafür geben, dann drängt sich mir das Gefühl auf, dass diese Menschen so bedürftig danach sind, etwas zu bekommen, weil sie gar nicht wahrnehmen, was sie längst schon alles haben.

Wer nimmt, ohne zu geben, hat offenbar nicht genug, um etwas davon abzugeben.

Wer zurückgibt, anerkennt, dass er genug hat, um zu teilen.

Man könnte auch einfach „Armutsdenken“ und „Wohlstandsdenken“ dazu sagen. Oder Problemrahmen und Lösungsrahmen. Mangelbewusstsein und Reichtumbewusstsein. Es gibt unterschiedliche Modelle und Begrifflichkeiten dafür. Allein gemein ist, im Geben Stärke und Größe zu sehen, im Nehmen Bedürftigkeit.

Ich mag das Wort „bedürftig“ noch immer nicht, obwohl ich ganz viele Menschen als „bedürftig“ erlebe, die zwar weder hungern noch obdachlos sind oder in einer Krise stecken, dennoch sind sie bedürftig, raffen an sich was geht, obwohl sie etliches davon nicht wirklich brauchen. Sie kümmern sich nicht um das Gleichgewicht von Geben und Nehmen in zwischenmenschlichen Beziehungen und wundern sich, warum es ständig zu Problemen kommt.

Leider gehöre ich zu jenen, die gerne geben, ohne automatisch etwas dafür zu fordern. Deshalb habe ich auf meine Agenda nun den Punkt gesetzt, künftig stärker auf den Ausgleich zu achten, um nicht die Bedürftigkeit anderer zu nähren.

Es mag vielleicht auf den ersten Blick edelmütig erscheinen, selbstlos zu geben, doch bei genauerer Betrachtung unterstützt man damit nur den Verbleib in der Bedürftigkeit. Ich vergleiche das mit den frühen Formen der Entwicklungshilfe, die Menschen zwar gefüttert hat, aber sie nicht dabei unterstützte, ihren Lebensunterhalt selbst zu erwirtschaften, sie also in der Abhängigkeit hielt, schwach und im Grunde lebensunfähig. Ähnliches geschieht beim Geben ohne Ausgleich: die Nehmenden bleiben bedürftig. Damit ist – für mich – jetzt Schluss.

Geben und Nehmen im Ausgleich und Gleichgewicht.

Ich gehe davon aus, die meiste Zeit von eigenverantwortlichen erwachsenen Menschen umgeben zu sein, die im Gegenzug für das, was sie bekommen, auch etwas geben können. Wer also künftig etwas von mir möchte, darf sich gerne anschließend dafür revanchieren, damit wir uns respektvoll und auf Augenhöhe begegnen können, keiner dem anderen über- oder unterlegen ist, und ein Gleichgewicht aus Wertschätzung und Anerkennung zwischen uns herrschen kann.

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PANISCH … MANISCH … oder doch nur MENSCHLICH?

Dienstag, 23. November 2021. Lockdown Tag 2 in Wien. Eine ziemlich volle U-Bahn. Jede Menge Menschen mit FFP2-Masken verhalten sich, als wären sie unsichtbar – oder unerreichbar. Mit leerem Blick sitzen oder stehen sie rum, manche swishen am Handy. Nur mit niemand anderem in (Blick)Kontakt treten. Null Lebendigkeit. Zombie-Modus.

Und ich mittendrin.

Ich mit Ohrstöpsel und dem Sound von ABBA’s Waterloo mittendrin, der meine Füße unruhig werden lässt.

Verdammt, ich kann und will nicht stillstehen. Mir ist nach … tanzen!

Was soll’s … der Rhythmus hat mich und ich hab‘ den Rhythmus. Mitten in Wiens düsteren Eingeweiden, sprich in der U-Bahn. Ruckelnd kommt die Garnitur zum Stillstand. Ich steige aus und tänzle rüber zum Bahnsteig.

Erste panische Blicke rundum. Ist die denn noch normal? Tanzen am Bahnsteig? Geht gar nicht. Schon gar nicht in Zeiten wie diesen …

Was hat die sich denn reingezogen? Höre ich unausgesprochene Gedanken. Vielleicht ein bisschen irre? Um nicht zu sagen: psychisch fragwürdig.

Manisch?

Sorry, Fehlanzeige. Ich bin nicht manisch, durchgeknallt oder sonst irgendwie „daneben“.

Die Realität mit allem, was derzeit geht und was nicht, welche Risiken und Gefahren bestehen, ist mir nur allzu bewusst. Im Job bin täglich mit menschlichen Schicksalen konfrontiert. Viele davon alles andere als leicht – und ich nehme kein einziges davon auf die leichte Schulter, sondern mit dem gebührenden Respekt. Und einer großen Portion Pragmatismus.

Wird irgendetwas besser, wenn ich mit hängendem Kopf bewegungslos am Bahnsteig stehe und in die Leere starre? Hilft das auch nur einem einzigen Menschen?

Garantiert nicht. Ganz im Gegenteil.

Etwas Wesentliches – um nicht zu sagen: Existenzielles – geht dabei verloren: menschliche Wärme!

Ein Lächeln. Lächeln wirkt ansteckend. Das ist erwiesen. Selbst FFP2-Masken können echtes Lächeln nicht verbergen, denn es zeigt sich in leuchtenden Augen. Und vielleicht auch in tänzelnden Schritten.

Freude über Kleinigkeiten wie den Lieblingssong kann überspringen. Wie ein Virus. Ein „Lebensfreude-Virus“.

Wieder einmal eine wunderbare Gelegenheit, auf Viktor Frankl und sein Buch „Trotzdem JA zum Leben sagen“ zu verweisen. Eines DER prägenden Bücher meines Lebens. Sich von den Umständen nicht kaputt machen zu lassen, sondern Lebensmut, Zuversicht und Lebensfreude zu bewahren, egal, wie schlimm es auch gerade ist – das habe ich mir aus diesem äußerlich unscheinbaren Büchlein mitgenommen. Seine Botschaft benötigt weder Glitzer noch Eye Catcher:

Trotzdem JA zum Leben sagen

Für mich bedeutet das, auch in Zeiten einer Pandemie meine Lebensfreude zum Ausdruck zu bringen und mit anderen zu teilen. Lebensfreude ist ein essentieller Teil meines Menschseins. Ich will und werde sie nicht aufgeben, trotz Covid-19, Lockdown und all dem, was damit einhergeht. Trotzdem sage ich JA zum Leben.

Deshalb habe ich ein kleines soziales Experiment gestartet: Wann immer ich auf einem Bahnsteig warte, tanze ich.

Ich bin schon neugierig, was zuerst passieren wird: Das jemand sich von mir anstecken lässt und mittanzt, oder das ich „eingeliefert“ werde. Panische Blicke konnte ich bereits einige wahrnehmen.

Wie kann man nur? (unausgesprochene Frage)

(Schulterzucken meinerseits) Ich kann. Ich bin ein Mensch, von Natur aus lebendig, lebensfroh und kommunikativ.

Gegenfrage: Wie kann man nicht?

Wird irgendetwas besser, mitten unter Menschen zu sein und so zu tun, als wäre man gar nicht da oder die anderen unsichtbar? FFP2-Masken und Abstand halten sind eine Sache. Mitmenschen zu ignorieren eine gänzlich andere.

In kalten Zeiten wie diesen ist menschliche Wärme gefragt.

Ein Lächeln (der Augen). Geteilte Freude. Einfach Mensch(lich) sein.

(Bild: pixabay.com)

WENN DIR DAS LEBEN DEN STINKEFINGER ZEIGT …

… sind Gelassenheit, Pragmatismus und eine riesengroße Portion Humor gefragt.

Mein aktueller Status: Der linke Knöchel schmerzt nach dem Bänderriss vom letzten Jahr immer noch. Im rechten Knie eine Baker-Zyste, die linke Hand im Gips und rechts ein Tennis- bzw. Strickarm. Und damit das Ganze nicht nur körperlich zwickt, rumpeln meine Emotionen über eine Achterbahn, von himmelhochjauchzend bis zu düsterem Weltschmerz … und ich habe keine Ahnung, was diesen Stimmungshöllenritt ausgelöst hat. Es gibt keinen Grund für trübe Gedanken. Vielleicht hat mich was getriggert? Vielleicht sind es die Hormone? Das Wetter? Der Mondstand?

Ich weiß nur eines: es ist zaaaach.

Normalerweise tippe ich fast so schnell wie ich denke. Und jetzt? Meine Gedanken überholen die Buchstaben mehrfach, die ich mit 5+3 Finger ungelenkig in die Tasten klopfe.

Das Leben hat mich ausgebremst.

Eine Lektion in Geduld – und Dankbarkeit.

Dankbar zu sein dafür, mir meiner selbst, meiner Kraft und meines Lebenswillens derart bewusst zu sein, dass ich den düsteren Impulsen – woher auch immer sie kommen – nicht folge. Diese Phase wird vorüber gehen, wie alles im Leben.

Wenn ich heute darüber berichte, dann nicht um Mitleid zu ernten. Vielleicht können meine offenen Worte anderen helfen, die sich in ähnlich (ver)irren(den) Situationen wiederfinden und Gefahr laufen, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Das Leben zeigt uns nämlich nicht den Stinkefinger. Was danach aussieht, ist nichts anderes als ein Wellental nach einem Wellenberg.

Die Wellen des Lebens. Mal geht’s rauf, dann wieder runter. Absolut nichts Neues. Dennoch blenden wir es gerne aus. Wie verführerisch sind die Versprechen von immerwährender Glückseligkeit – und wie illusorisch. Wer auf einen Gipfel will, beginnt seine Reise im Tal. Doch niemand bleibt ewig auf dem Gipfel. Es geht auch wieder runter. Und wieder rauf … Wellenreiten ist auch ein wunderbarer Vergleich. Runterfallen gehört dazu.

Rettungsring Pragmatismus. Mit dem Schicksal zu hadern, ändert nichts. Mich über meine ungeschickte Aktion beim Basketball oder meine exzessiven Strickallüren zu ärgern, lässt den Gips nicht verschwinden. Es ist, was es ist.

Ich nutze meine aktuelle Situation auch für humorvolle Spekulationen: Nachdem zwei Finger meiner linken Hand im Gips stecken, fällt sie zum Eincremen des rechten Tennisarms aus. Meine linke Fußsohle bietet sich ersatzweise dafür an. Allerdings könnte ich mir bei dieser Aktion den Rücken verrenken, was wiederum die Sanitäter erheitern würde, die mich entknoten müssten.

Über mich selbst schmunzelnd erinnere ich mich an eine Geschichte in einem Buch von Osho. Darin ging es um einen weisen Zen-Meister, der – so sehr es ihn auch in seinem Herzen schmerzte – seinen Schüler aus dem Fenster schubste, wenn dies für dessen Weg zur Erleuchtung hilfreich war. Das Leben ist für mich eine weise, mitunter linkische Zen-Meister*in. Nicht jede Lektion ist leicht oder gar angenehm. Doch wie heißt es so schön: Fernab der Welt in der Einsamkeit einer Höhle im Einklang mit sich selbst zu leben ist eines, inmitten des hektischen Alltags etwas gänzlich anderes.

In diesem Sinne zeigt mir das Leben nicht den Stinkefinger, sondern lädt mich ein die Brandung zu fühlen…

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EIN GOLDENER KÄFIG

… so nenne ich manchmal die menschliche Komfortzone. Dieser Begriff beinhaltet als das, was ein Individuum kennt und kann … andere Menschen, Orte, Tätigkeiten … alles, was vertraut ist, wenngleich es nicht immer angenehm sein muss. Aber zumindest weiß man, was es ist, kann das Risiko einschätzen und sich einigermaßen „sicher“ fühlen. Deshalb golden.

Außerhalb dieser Komfortzone lauert das Unbekannte auf jeden von uns. Orte, die wir nicht kennen. Menschen, denen wir noch nie begegnet sind. Tätigkeiten und Handlungen, die wir noch nicht getan haben und daher nicht wissen, ob wir das können. Was wiederum impliziert, dass wir damit gewaltig auf die Nase oder anderes fallen können. Und dies zum Amüsement anderer. Oder zu unserem eigenen (finanziellen oder anderen) Ruin. Weshalb nahezu jeder Mensch über einen gewissen „inneren Wächter“ verfügt, der uns davon abhält, allzu voreilig und unbedacht aus unserer Komfortzone zu stürmen. In gewisser Weise wird sie durch diesen inneren Wächter zu einem Käfig, der uns schützen soll, aber eben auch einsperrt.

Unser goldener Käfig aka Komfortzone ist schon etwas Geniales, ebenso wie etwas Problematisches.

Letzteres speziell dann, wenn wir etwas in unserem Leben verändern wollen in Sinne von etwas Neuem, dem wir uns erstmals widmen. Dann nämlich mahnt unser innerer Wächter zu (häufig übertriebener) Vorsicht, erinnert an vergangene Episoden des Scheiterns und prophezeit eine Wiederholung, dämpft jene Energie, die uns voran treiben würde … Ich denke, auch ohne dies weiter auszuführen kann sich jeder vorstellen, was ich meine oder auf eigene Erinnerungen zurückgreifen.

Heute finde ich es amüsant und erschreckend zugleich, wie lange ich mich von meinem inneren Wächter kontrollieren ließ, ohne die von ihm prognostizierten Schreckensbilder auf ihre Relevanz hin zu hinterfragen. Ich könnte mir selbst also eine gewisse „konsequente Lernresistenz“ attestieren (die glücklicherweise zwischenzeitlich ausgestanden ist) oder es nobler formulieren: Ich nahm mir reichlich Zeit zur empirischen Überprüfung gewisser Theorien im Selbststudium. Wie auch immer …

Die Kernaussage bleibt dieselbe: ich stand mir selbst im Weg bzw. hockte in meinem goldenen Käfig und starrte hinaus in die weite Welt mit Wunschträumen im Kopf, die ich nicht umzusetzen wagte.

Bei diesen Wunschträumen handelte es sich nicht um Weltbewegendes. Ganz im Gegenteil. Im Grunde waren es „banale“ Dinge, wie einfach meine Gefühle und Bedürfnisse anderen Menschen gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Oder einfach mal zu tanzen, wenn mir danach war und die Musik meine Beine lockte. Ein Selfie zu machen und dies zu teilen.

Wenn ich so darüber nachdenke, waren und sind genau jene „Banalitäten“ mitunter „weltbewegend“ – sie bewegten nämlich meine eigene „Welt“, denn sie waren kein Teil meiner Komfortzone. Aus der musste ich raus, um eben jenes tun zu können. Raus aus dem goldenen Käfig hinein in eine unbekannte Dimension des Lebens.

Was würde mich dort erwarten? Heute kenne ich die Antwort, aber bevor ich sie verrate, noch ein paar weitere Gedanken.

Ohne Übertreibung treffe ich gefühlt täglich Menschen, die aus ihrem goldenen Käfig in die Welt hinausstarren. Längst habe ich aufgehört, aktiv nach den Gründen für ihr Verharren in ihrer Komfortzone zu fragen. Auch wenn diese Gründe auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinen mögen, im Kern geht es stets um dasselbe: sie stehen sich selbst im Weg bzw. überlassen ihrem inneren Wächter die Kontrolle über ihr Leben. Dieser Wächter sollte jedoch nur als Berater fungieren, nicht als Steuermann oder gar Kapitän. Für diese Funktion fehlt dem Wächter nämlich der komplexe Weitblick und die Vision der Veränderung.

Stichwort Veränderung. Einer der beliebtesten Gründe, in der Komfortzone zu verharren, und sich selbst den Schritt hinaus zu verwehren, ist diese.

„Veränderung ist schwer.“

Schade, dass du gerade nicht das leicht süffisante Lächeln in meinem Gesicht sehen kannst, wenn ich in meinem Kopf jenes formuliere:

„Veränderung ist stets so schwer oder leicht, wie du dir selbst erlaubst, dass sie sein darf!“

Mit dieser Aussage habe ich schon so einiges ausgelöst. Von Verärgerung und wortlosen Abgang, bis zu beschämtem Erröten oder verständnislosem Kopfschütteln. Dabei ist sie absolut logisch und nachvollziehbar. Das gesamte „Problem“ inklusive goldenem Käfig, innerem Wächter und Erinnerungen an Scheitern existiert ausschließlich in unserem Denken. Wer sonst als wir selbst kann uns in unserem Denken im Weg stehen? Natürlich wird manchmal versucht, die „Schuld“ für das eigenen Denken auf jene zu schieben, die verursacht haben, dass man so denkt wie man denkt …

Naja, Ausreden gibt’s viele auf dieser Welt. Mindestens so viele wie es Menschen gibt. D.h. die Ausreden werden täglich mehr. Aber im Fall eines erwachsenen, mündigen und sich selbst als handlungsfähig einstufenden Menschen sind dies Ausflüchte, denn sich aus der Fremdsteuerung durch Konditionierung zu befreien, ist Teil des Entwicklungsprozesses eines jeden Menschen. Somit auch Teil unserer individuellen Verantwortung der Menschheit gegenüber.

Wenn ich dich an dieser Stelle aus deiner eigenen gedanklichen Komfortzone schubse, kann ich nur sagen: „Willkommen im Club“. Mir erging es vor vielen Jahren genauso. Ich war einst eine Weltmeisterin der Ausreden, der Schuldzuweisungen an andere und des Verharrens in der Opferrolle. Dies war mein goldener Käfig, der mich davon abhielt, meine Zeit hier auf Erden nach meinen Bedürfnissen, Wünschen und Vorstellungen zu gestalten. Der mich davon abhielt, voller Lebensfreude das Wunderbare im Alltäglichen zu entdecken und dankbar für jede – wirklich jede – Erfahrung meines Lebens zu sein.

Meine persönliche Komfortzone ist längst kein goldener Käfig mehr, sondern ein dynamisches, vielfältiges, sich ständig erweiterndes Haus. Meine persönliche Villa Kunterbunt. Jedes Mal, wenn ich einen Fuß aus dem Haus hinaus in die Welt setze, weiß ich – fühle ich – dass mich eine Umarmung des Lebens erwartet. DAS ist einer jener Wunschträume, die für mich real wurden, als ich wagte, meinen goldenen Käfig namens Komfortzone zu verlassen.

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SCHULD UND SÜHNE

Wieder einmal konnte ich in der vergangenen Woche meinen Mund nicht halten. Oder besser: Meine Finger nicht von den Tasten fernhalten.

Was war geschehen?

„Zufällig“ geriet ich in eine Facebook-Diskussion zu einem heiklen Thema. Die ursprüngliche Fragestellung im Beitrag lautete in etwa so: „Sind Stalker einfach nur kranke Menschen? Oder steckt mehr dahinter? Wie denkt ihr darüber?“

Nun, wer die Facebook-Community kennt, kann sich nun lebhaft vorstellen, welche Art von Kommentaren folgten. Überwiegend war die Reaktion heftig, voller (Vor)Urteile und ebenso voller Überzeugung, damit richtig zu liegen. Schuld wurde zugewiesen und Sühne gefordert. Dazwischen fanden sich ein paar wenige, die vorsichtig darüber sinnierten, ob da nicht noch mehr sein könnte.

Ich konnte nicht anders. Es drängte mich, zu all diesen Stimmen und Meinungen meine eigene hinzuzufügen. Hier der Originaltext meines Kommentars:

„Wo verläuft die Grenze zwischen krank und normal? Das Verhalten eines Stalkers ist keineswegs in Ordnung.  Dennoch stellt sich die Frage: Warum wird jemand zum Stalker? Was ist im Vorfeld geschehen? Was braucht es, damit jemand sein eigenes Verhalten als übergriffig wahrnimmt und sich aktiv um eine Veränderung bemüht? Urteile sind schnell gefällt, aber was wird dadurch besser? Für mich ist das Thema vielschichtig. Krankheit? Persönlichkeitsstörung? Traumatisierter Mensch? Opfer? Niemand wird als Stalker geboren. Es gibt immer eine Geschichte unter der sichtbaren Oberfläche. Und es gibt immer Lösungen und Auswege, die damit beginnen, nicht zu urteilen, sondern zu verstehen.  Aber ich bin auch nicht „normal“. Ich bin Borderlinerin, also „krank“. Deshalb steht für mich die Frage im Vordergrund, was dieser Mensch braucht, um mit sich selbst und anderen respektvoll umgehen zu können. Wie gesagt, ich bin „krank“…“

Zugegeben, die Sätze gegen Ende sind provokativ ausgefallen – bewusst provokativ. Gerichtet an all jene „Gesunde“, die nur allzu rasch (ver)urteilen, ohne die ganze Geschichte zu kennen. Davon gibt es für meinen Geschmack immer noch zu viele. Anders formuliert: Die Anzahl der bewusst reflektierenden und nach Lösungen suchenden Menschen in unserer Gesellschaft bewegt sich nach wie vor in der Größenordnung von Minderheiten. Wieder so eine kleine Provokation. Mea culpa 😉

Dies hier soll kein Plädoyer „pro Stalking“ werden. Ganz und gar nicht.

Dies hier ist ein Plädoyer „zuerst verstehen, dann verändern“. Urteile bringen keine Lösungen. Urteile bringen Bestrafung, Ausgrenzung, Verstärkung des Problems etc. etc. etc. Wäre es anders, hätten Bestrafung schon längst zum Erfolg geführt. Immer wieder interessant, wie wenig lernbereit die Menschheit diesbezüglich ist (sowohl als Gesellschaft als auch als Individuen).

Dies ist ein Plädoyer, zusätzlich zu kurzfristigen Aktionen (im Sinne der Rechtslage) stets auch die langfristige, nachhaltige Perspektive einzubeziehen.

Dies ist ein Plädoyer dafür, Verantwortung für das eigene Handel zu übernehmen (auch wenn diese Handlungen nicht immer in Ordnung sind oder mitunter mit den Gesetzen in Konflikt stehen), die daraus entstehenden Konsequenzen zu akzeptieren, sich selbst die Frage zu stellen, ob man sich künftig an die geltenden Regeln der Gesellschaft, in der man lebt, halten möchte, und anschließend aktiv zu werden um das zu tun, was notwendig ist, um innerhalb der gesellschaftlich anerkannten Spielregeln gemäß den eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen zufrieden, respektvoll und achtsam leben zu können.

Ich empfehle, den obigen Satz mehrfach zu lesen. Was sich da lockig flockig in ein paar Zeilen unterbringen lässt, könnte ebenso gut einen ganzen Seminartag füllen, wenn es bis ins Detail durchdacht wird.

Ein Plädoyer, dessen Umsetzung eine Herausforderung ist. Auch an mich selbst. Ich nehme mich da keineswegs aus. In mir sind nach wie „Bewertungs- und Verurteilungsprogramme“ aus meiner Erziehung innerhalb einer Gesellschaft, die es nicht besser wusste – und offenbar bis heute nicht besser weiß.

Deshalb bin ich dankbar für Gelegenheiten wie die erwähnte Facebook-Diskussion, da sie mir die Möglichkeiten bieten, meine eigenen Denkprozesse zu reflektieren und neu zu kalibrieren. Kommentare wie den oberhalb stehenden schreibe ich als Denkanstoß für andere – und als Erinnerung an mich selbst. In alte Denkmuster zu verfallen, geschieht unglaublich schnell und vor allem lautlos. Da hilft nur Achtsamkeit.

Wie meine weise Lucy gerne zu sagen pflegte: „Stell dir einen dicken Baumstamm vor, der vor dir liegt und den du zersägen sollst. Einen tiefen Einschnitt gibt es bereits. Doch nun sollst du nur wenige Millimeter daneben das Sägeblatt neu ansetzen, weil der alte Schnitt nicht zum Ziel führt. Was wird geschehen? Zu Beginn wird das Sägeblatt immer wieder in die bereits vorhandene, tiefe Spur abrutschen. Es braucht Zeit, Geduld und Konzentration, um in der neuen Spur zu bleiben.“

(M)eine alte Spur heißt „Schuld und Sühne“.

(M)eine neue Spur trägt den Titel „Verständnis und Veränderung“.

Bin ich „krank“?

Nun, ich bin in meinem Denken und Fühlen [nicht] ganz alltäglich, folge meinem eigenen Weg und gehöre damit einer Minderheit in der Gesellschaft an. Es steht jedem frei, dies (oder mich) anders zu beurteilen.

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AUFBRUCH IN EINE NEUE WELT

Nach meiner dreiwöchigen Auszeit vom Alltag in Form eines Kuraufenthaltes und einer weiteren Woche des „wieder Ankommens“ in meinem alten (oder neuen) Leben, stelle ich fest, dass einiges dabei ist, sich zu verändern – oder dies bereits getan hat. Interessanterweise trifft dies ziemlich genau vier Jahre nach meinem Aufbruch der Reise zu mir selbst ein.

Am 13.10.2017 initiierte ich einen Richtungswechsel: Schluss mit dem Blick nach außen, dem Vergleich mit anderen und der Suche nach externen Lösungen. Das „Problem“ existierte in mir – also musste auch die „Lösung“ dort zu finden sein. Lerne zu lieben, was niemand sonst zu lieben vermag – außer der Einen (also mich), die dafür geboren wurde (sich selbst zu lieben). Nun, was daraus entstand, ist mittlerweile Geschichte … im wahrsten Sinne des Wortes, nämlich „eine [nicht] ganz alltägliche Liebesgeschichte“.

Wie ich in den vergangenen Tagen realisiert habe, endet es allerdings (noch) nicht. Neue Wege zeichnen sich ab. Oder besser gesagt: mein Lebensstil passt sich stärker meinem wahren Wesenskern an. Sport und Bewegung rücken wieder mehr in den Fokus. Dominieren beruflich Strukturen und „Unverrückbares“, zieht es mich in der Freizeit Richtung Freiheit. Spontaneität nimmt deutlich mehr Raum ein. Tradierte Überzeugungen (zu täglichen Aufgaben im Haushalt wie Kochen) verblassen (oder doch nur 2x pro Woche auf Vorrat?). Gebügelt habe ich zuletzt … ich weiß es nicht mehr. In Kürze steige ich für viele Fahrten wieder auf Öffis um. Ich hab ganz einfach keinen Bock mehr, meine Lebenszeit 2x täglich im Stau zu verschwenden. In der Bahn kann ich wenigstens dösen, oder lesen, stricken … alles, nur nicht konzentriert und angespannt darauf achten, welche schwachsinnigen Aktionen andere rund um mich setzen und damit sich selbst und MICH gefährden. Außerdem bietet es sich an, über das Klimaticket meine Heimat Österreich übers Wochenende stressfrei zu erkunden – was allein im Auto sitzend eine anstrengende Aktion wäre. Die Bahn rollt und ich entspannt mit ihr.

Die Qualität dessen, was ich in meiner Lebenszeit unternehmen, hat einen neuen Stellenwert bekommen. Ich wurde nämlich – wie mir mittlerweile klar ist – während meiner Kur „infiziert“. Mit einem Gedanken. Oder besser gesagt: mit einer Frage, die sich unterschiedlich betonen lässt:

WILL ich das?

Will ICH das?

Will ich DAS?

Über diese drei Worte in unterschiedlicher Betonung lohnt es nachzudenken.

WILL ich das? à Was auch immer es ist, WILL ich es wirklich? Oder habe ich das Gefühl, es zu müssen, keine Alternative zu haben (was meiner Erfahrung nach so gut wie nie zutrifft). Ist es mein eigener Wille? WILL ich täglich im Stau stehen? Definitiv NEIN!

Will ICH das? à Ist es mein Interesse bzw. meine Entscheidung? Oder will ICH etwas anderes? Mache ich es trotzdem (aus eigener Entscheidung), weil ich jemand damit helfen/unterstützen/eine Freude machen … will? Ist es also meine eigene Entscheidung? Ja, es ist meine eigene Entscheidung. Ich könnte mit dem Auto fahren, aber ICH will nicht, sondern ICH entscheide mich für etwas anderes.

Will ich DAS? à Auch hier die Frage, ob DAS jenes ist, das ich will. Der Fokus liegt auf dem DAS? Im Stau stehen, DAS will ich definitiv, daher wähle ich eine andere Option für mich.

Eine Frage bestehend aus 3 Worten, betrachtet aus 3 unterschiedlichen Blickwinkeln.

Eine Frage, die enormes Potenzial in sich trägt.

Eine Frage, die mir in den vergangenen Tagen und Wochen bewusst machte, dass ich mich in mehr Bereichen von alten Gewohnheiten bzw. übernommenen Einstellungen (z.B. aus meinem Elternhaus) leiten ließ, obwohl sie nicht zu mir passten, als mir bis dato klar war. Ängste, die meine Eltern aufgrund der Zeit, in der sie heranwuchsen, durchaus berechtigt hatten, sind heute häufig obsolet geworden. Ängste sind grundsätzlich ein spannendes Thema, wenngleich ambivalent. Manche Ängste habe ihre Berechtigung und schützen uns, doch hinter vielen Ängsten verbirgt sich keine reale Bedrohung, sondern etwas, das sich in unser Unterbewusstsein eingebrannt hat. Zumeist intensive negative Erfahrungen bis hin zu Traumatisierungen, aber auch Konditionierungen durch ständiges Vorbeten von „was nicht alles schiefgehen könnte und was nicht alles schlecht/bedrohlich ist“. Ängste zu hinterfragen ist wichtig, um eigene (und nicht vorprogrammierte) Entscheidungen für das eigene Leben treffen zu können.

„WILL ICH DAS?“ hilft zu hinterfragen.

Hinterfragen ist eine wichtige Basis für bewusstes Leben.

Bewusstes Leben schützt dafür, eines Tages wie eine Art „Zombie“ durchs Leben zu laufen, ferngesteuert von Konditionierungen, die uns irgendwann irgendwer in den Kopf gepflanzt hat und die seitdem wie ein veraltetes Betriebssystem das Vehikel Mensch durch den Alltag manövrieren.

Ein „Zombie“ lebt, aber ist nicht lebendig.

Lebendigkeit beginnt damit, bewusst zu leben.

Um bewusst zu leben, sollte man anfangen … richtig, zu hinterfragen 😉

„WILL ICH DAS?“

Diese kleine Frage bestehend aus 3 Worten traf zur richtigen Zeit auf meinen offenen Geist, um ihre wunderbare Wirkung entfalten zu können. So breche ich mit ihr auf zu neuen Horizonten, in (m)eine neue Welt, das Jahr 5 meiner Reise zu mir selbst.

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GESPRENGTE KETTEN

Zugegeben, ein etwas theatralischer Titel. Aber als ich heute mit meinem Fahrrad aus der Tiefgarage hinausstrampeln wollte, gab es einen lauten Knall und im nächsten Moment drehten sich die Pedale durch. Kette gerissen. Oder eben gesprengt durch meinen kraftvollen Tritt die Steigung hinauf. Ärgerlich.

Eigentlich wollte ich an diesem vielleicht letzten sonnigen Wochenende mit lauen Temperaturen ins Stadtzentrum radeln und dort in einem der Gastgärten etwas essen. Daraus wurde nun ein halbstündiger Fußmarsch. Auch in Ordnung. Mit etwas Verspätung erreichte ich also mein Ziel.

Nach dem Essen schlug ich einen anderen Weg ein als zuvor. Ohne Fahrrad bot sich die Gelegenheit, den Hügel im Kurpark hochzusteigen und am Hang entlang nachhause zu spazieren. Zwar bin ich diesen Weg seit einigen Jahren nicht mehr gegangen, aber immerhin lebe ich seit mehr als 20 Jahren in dieser Stadt, bin hier zur Schule gegangen … ich dachte tatsächlich, ich kenne mich aus. Welch ein Irrtum! Den Weg, den ich eigentlich gehen wollte, verpasste ich offensichtlich. Stattdessen landete ich auf einem mir völlig unbekannten Weg. Beim Schild „4,8 km bis zur Ruine Rauhenstein“ dachte ich mir noch: „So ein Blödsinn. Das sind doch nie 4,8 km.“ Noch so ein Irrtum. Die Streckenangabe war schon korrekt. Nur war ich auf einem mir fremden Pfad gelandet. Einem sehr schönen Pfad, der alles bot, was meine inneren Batterien aufzuladen vermag.

Ursprünglich wollte ich mit dem Fahrrad über den Radweg und später ein Stück Straße nach Hause fahren. Nun wanderte ich über einen sonnendurchfluteten Waldweg, hoch über den Dächern der Stadt und entdeckte dabei eine äußerst anregende Alternative, um von A nach B zu gelangen und dabei in meinen eigenen Rhythmus zurückzufinden. Überaus erfreulich.

Die gesprengte Fahrradkette sprengte auch meine „Kette an tradierten Abläufen“. Meine Alltagsroutine. Ohne diesen „Unfall“ wäre ich mit ziemlicher Sicherheit am heutigen Tag nicht von meinem gewohnten Weg abgewichen und mir wäre etwas verborgen geblieben, das mich zum Lächeln gebracht, mein Herz erfreut und meine Seele mit Licht geflutet hat … oder anders gesagt: mir wäre möglicherweise ein langer Spaziergang in der Umarmung des Lebens entgangen. Damit ich diese Gelegenheit nicht versäume, hat das Schicksal mir wohl einen kleinen Schubs – oder eine gesprengte Kette – verpasst. Und das gleich in mehreren Bereichen, denn einmal mehr wurde mir bewusst, wie viel sich noch im scheinbar Bekannten versteckt. Wie viel entgeht uns tagtäglich, wenn wir uns nur innerhalb der Routine und auf gewohnten Pfaden bewegen? Wie gut kennen wir den Platz, an dem wir leben? Wie gut die Menschen, die um uns sind? Wie gut uns selbst? Wie viel könnten wir noch entdecken, wenn wir ab und zu unsere Ketten der Gewohnheit sprengen und in Neuland aufbrechen?

Viele Fragen, einladende Gedanken, wertvolle Momente im Einklang mit mir selbst … und all das Dank einer gesprengten Kette. Ich verneige mich vor der Weisheit des Lebens, die mich neuerlich daran erinnert: „Bewerte Ereignisse nicht, bevor sie nicht ihr verborgenes Potenzial offenbart haben.“

Lesley B. Strong © 2021

DIE ULTIMATIVE THERAPIE …

… ist das Leben selbst – aus meiner Sicht. Wer sich mit offenen Sinnen achtsam durch die Welt bewegt, dabei die Begebenheiten möglichst wertfrei reflektiert, wird sich selbst auf eine Weise kennenlernen, die Einblicke in die verborgensten Winkel der Seele ermöglicht und für sich selbst Wege finden, die kein anderer erdenken könnte.

Das sah ich nicht immer so.

Zu Beginn meiner Reise zu mir selbst – vor rund 3 Jahrzehnten – dachte ich ganz anders. Ganz am Anfang erwartete ich des Rätsels Lösung von jemand anderem, oder zumindest die Anleitung dafür. Später ging ich davon aus, ich müsste alles aus meiner Vergangenheit zuerst bearbeiten und auflösen, bevor ich in der Gegenwart glücklich werden könnte. Also begann ich, mich in meine Vergangenheit vorzuarbeiten. Das ähnelte dem Spiel mit Matrioschka-Puppen. Sobald eine geöffnet war, tauchte unterhalb die nächste auf, dann die übernächste und so weiter. Nur – im Gegensatz zu den Matrioschka-Puppen – endete es nicht. Vielmehr dämmerte mir, es mit einer Art Endlosschleife zu tun zu haben.

Vor einigen Wochen stolperte ich über ein an dieser Stelle passendes Zitat:

„Die großen Lebensprobleme sind nie auf immer gelöst. Sind sie es einmal anscheinend, so ist es immer ein Verlust. Der Sinn und Zweck scheint nicht in ihrer Lösung zu liegen, sondern darin, dass wir unablässig an ihnen arbeiten. Das allein bewahrt vor Verdummung und Versteinerung.“ C.G. Jung

Sinngemäß sehe ich nun in Lebensproblemen Endlos-Matrioschka-Puppen. Was wiederum nicht weiter problematisch ist, denn seit 2017 pflege ich einen gänzlich anderen Therapieansatz: „Arbeite daran, im Hier und Jetzt gut zurecht zu kommen, ohne für alles die infinite Erklärung in der Vergangenheit gefunden zu haben.“ Aus heutiger Sicht hat mich das wesentlich weitergebracht als die Jahrzehnte davor. Wobei es sich ein wenig wie die Sache mit der Henne und dem Ei verhält. Schlüssig lässt sich nicht beantworten, ob ohne dem ersten Therapieansatz, der zweite auf selbige Weise funktioniert hätte.

Wie auch immer.

Auch beim gegenwartsorientierten Therapieansatz blieb und bleibe ich nicht davon verschont, dass hin und wieder etwas aus der Vergangenheit aufpoppt. Auch Themen, die ich längst abgehakt glaubte (siehe C.G. Jung). Ich jongliere also immer noch mit Endlos-Matrioschka-Puppen. Dennoch ist es anders.

Inwiefern?

Nun, ich hole etwas aus, um dies nachvollziehbarer zu machen.

Wenn ich mich in der Gegenwart voll und ganz als die annehme, die ich bin, mit allen wunderbaren Aspekten meiner komplexen Persönlichkeiten ebenso wie mit jenen, die auf den ersten Blick schwieriger, bisweilen sogar als düster eingestuft werden könnten, dann stimme ich meiner Gesamtheit zu. Ohne Wenn und Aber. 100% ich bin OK. Das gibt enorm viel Kraft, (Selbst)Liebe und (Selbst)Vertrauen. Auch für jene Momente, in denen „Altes“ aufpoppt und die Aufmerksamkeit auf etwas lenkt, was ich schon erledigt glaubte, nicht erneut ansehen möchte …

Aus dem Gefühl heraus, im Hier und Jetzt in Ordnung zu sein. Das, was auch immer es einst war, gut überstanden und in meine Kraft gefunden zu haben. Aus diesem Gefühl heraus fällt es mir (und ich denke, das kann man durchaus verallgemeinern) wesentlich leichter, mich mit einer Endlos-Matrioschka zu befassen, vielleicht bislang unbekannte Aspekte daran zu erkennen, sie zu integrieren und auf diese Weise weiter zu wachsen.

Womit ich bei meiner persönlichen ultimativen Therapie angekommen wäre.

Fokus auf die Gegenwart. Achtsamkeit anstatt von Bewertung. Dankbarkeit für all das, was mir das Leben schenkt auf meiner Reise zu und mit mir selbst. Die Vergangenheit ist vorbei, auch wenn ein Teil von mir (mein inneres Kind) noch manchmal in den Erinnerungen und Gefühlen von damals verharrt. Dieses Kind in den Arm zu nehmen und zu mir in die Gegenwart zu holen, das kann ich deshalb tun, weil ich diese Gegenwart als die für mich existente anerkenne. Wie absolut alles in diesem Universum hat auch diese Gegenwart viele Gesichter (oder Seiten). Ebenso wie ich die Freiheit habe, einen der unendlich vielen Standpunkte einzunehmen, um auf diese Gegenwart zu blicken.

In dieser Gegenwart sitze ich auf einem Bett, lausche den Klängen der Piano-Version von „Always on my mind“ (wie passend 😉) und tippe diese Zeilen. Vermutlich habe ich nicht alles aufgelöst, was in meinem Unterbewusstsein verborgen liegt, doch das ist nicht gar nicht nötig, damit es mir in dieser Gegenwart gut geht.

Vielleicht wird mir morgen der Himmel auf den Kopf fallen, aber heute tut er das offensichtlich nicht. Heute bin ich einfach glücklich.

Ich bin dankbar, weil ich in den vergangenen Tagen wunderschöne Momente erleben durfte. Aus dieser Dankbarkeit heraus entspringt ein Gefühl, für das ich noch keine passenden Worte gefunden habe. Es gibt den Begriff „umami“ (nicht süß, nicht salzig, nicht sauer und auch nicht bitter), der im Schmecken irgendwie nichts und doch gleichzeitig alles beschreibt. Ein ähnliches Wort im Fühlen suche ich noch. Im ehestens beschreibt es „eins-sein“, wobei dieses „eins-sein“ sich im Laufe meines Lebens verändert hat. Früher war es ein Hauch dessen, was es heute ist. Alles bewegt sich, alles verändert sich. Leben bedeutet Veränderung. Wie könnte sich eine Therapie dem entziehen? Das Leben ist (für mich) die ultimative Therapie. Wobei – im Wortsinn bedeutet Therapie die „Heilbehandlung einer Krankheit“. Das Leben heilt also, wenn wir uns darauf einlassen, mit offenen Sinnen achtsam durch die Welt gehen …

Bild: pixabay.com

IN DER MITTE

Wieder einmal reflektiere ich die vergangene Woche, während ich mich auf den sanften Klängen einer Piano Chillout Lounge treiben lasse. Diese Momente, in denen ich mich von der Welt zurückziehe und in mir jene Ruhe (oder romantisch formuliert: meinen geliebten Dämon, der in seinem inneren Ozean der Gelassenheit verweilt) finde, waren zu wenige in jener Woche. Ich sehne mich danach, einfach nur ICH sein kann – ausgeklinkt aus dem Alltagsstress und allem, was dazu gehört.

Nun, in den kommenden Wochen werde ich dafür reichlich Zeit finden und meine Gedanken mit euch teilen. So wie diesen, der vor wenigen Tagen meinen bewussten Horizont streifte – und ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob er nur für jene andere Person gedacht war, oder ob er nicht auch ein kleiner Schubs meines Unterbewusstseins war, meinen Kurs zu überprüfen.

Hier nun eine erweiterte Ausführung jenes Gedankens:

Du bist in der biologischen Mitte deines Lebens angekommen. So weit, so gut. In der ersten Hälfte ging es darum, dich selbst kennenlernen, zu wachsen, aufzubauen, dich zu beweisen, deinen Way of Life zu finden, ein Heim und eine Familie zu gründen. Energie schien unerschöpflich vorhanden.

In der zweiten Hälfte geht es darum, gelassener zu werden, auch vieles loszulassen, nicht mehr zu kämpfen, sondern zu „zaubern“, also aus Erfahrung heraus zu handeln und vor allem darum, anderen oder sich selbst nichts mehr beweisen zu müssen, weil man bei sich selbst angekommen ist. Die Leistungsfähigkeit verändert sich insofern es längere Regenerationszeiten braucht als früher. Der Körper verändert sich. Auch das Denken und Fühlen sollte diesen Prozess mitgehen. Wesentlich ist es, das Leben zu erleichtern von jenem Ballast, der sich zuvor angesammelt hat, um unbelastet den letzten aller Wege beschreiten zu können – frei von Bedauern über das, was man getan hat bzw. was man unterlassen hat zu tun. Aufräumen und entrümpeln, aussöhnen und annehmen.

Die Lebensmitte ist ein Scheidepunkt. Manche werden einfach alt in allen Belangen und dümpeln bis zu ihrem Tod dahin, verlieren laufend an Kraft und Können. Andere verfallen dem Jugendwahn und machen sich mit Eskapaden lächerlich. Beides sind Wege in die Illusion und Selbsttäuschung. Der dritte Weg führt in die Freiheit und Leichtigkeit, wenn man die Veränderung proaktiv annimmt und sich darauf einstellt. Dann offenbaren sich die Möglichkeiten. Erfahrung mit Kraft und Wissen kombiniert ergibt Weisheit. Nichts mehr beweisen zu müssen, führt zu Gelassenheit. Sich der Liebe und damit verbunden der Berührbarkeit zu öffnen, macht frei. Oft fallen Verpflichtungen (Kinder etc.) weg, und es entsteht ein Freiraum der Möglichkeiten.

Die alten Weisheitslehren sagen, diesen Scheidepunkt hat jeder von uns zu absolvieren. Welche Entscheidung wir auch immer treffen, sie wird über lange Zeit unser Leben bestimmen. Manchmal bis zu unserem Tod.

Es ist mir persönlich nicht leicht gefallen zu akzeptieren, dass ich nicht mehr so tun kann wie mit 20. Nicht mehr so funktioniere, wie ich es gewohnt war. Dennoch – heute weiß ich, wenn mich jemand mag, dann weil ich bin, wer ich bin, und nicht, weil ich den knackigen Körper einer 20jährigen habe. In der zweiten Lebenshälfte wird das Leben „echter“, wenn man sich darauf einlässt. Geliebt zu werden um seiner selbst willen. Liebe ist keine Ware, die man kaufen kann. Auch keine Belohnung, die man sich verdienen muss. Sondern ein Geschenk.

Anerkennung und Geborgenheit sich selbst geben zu können befreit aus der „Sucht“, sie von anderen zu bekommen und sich dafür in der Überlastung aufzureiben. 

Mit 20, 30 oder 40 konnte ich mir nicht vorstellen, wie es sein würde, eines Tages aufzuwachen und zu mit großer Wahrscheinlichkeit sagen zu können, dass weniger Lebenszeit vor als hinter mir liegt. Wenn ich davon ausgehe, nicht 104 zu werden, habe ich diesen Punkt mittlerweile erreicht. Ob ich mit Weisheit gesegnet wurde, mögen andere beurteilen. Ich denke, ich habe gelernt, Fragen zu stellen, die mich weiterbringen. Prioritäten zu setzen. Und mich hin und wieder – und hoffentlich immer öfter – einfach auf mich selbst einzulassen, die Welt rundum auszublenden und ganz bei mir selbst zu sein. Mit mir selbst zu sein, denn mehr brauche ich nicht, um glücklich zu sein. Am Leben zu sein und dieses Leben bewusst wahrnehmen zu können, ist für mich Grund genug. Ganz gleich, wie die äußeren Umstände sind. Solche Momente mit anderen teilen zu dürfen, erfüllt mich mit Dankbarkeit. Das Leben beweist mir nahezu täglich, dass es jeden meiner Pläne mit Leichtigkeit durchkreuzen kann. Warum also darüber ärgern oder gar dagegen ankämpfen? Mit Humor geht’s genauso gut, wenn nicht besser.

Ich denke, ich bin ganz gut auf dem dritten Weg unterwegs 😉

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