GRATWANDERUNG

Ein „banales“ Ereignis der vergangenen Woche: Ich fahre mit dem Auto morgens Richtung Wien und Job, als es im Radio „Großvater“ von STS spielt. Ein uralter Song, mit dem ich quasi großgewordenen bin, den ich unzählige Male gehört habe, aber seit meiner „Wiedergeburt“ (oder ultimativen Entscheidung, mich selbst voll und ganz anzunehmen) im Jahr 2017, löst dieser Song (und ein paar andere) etwas in mir aus, was er nie zuvor hat: Tränen!

Einen Großvater wie im Song beschrieben, hatte ich nie. Insofern triggert der Sohn per se keine Erinnerungen, doch die intensive Emotionalität erfasst mich wie eine Welle und reißt mich mit. Ein absolut unpassender Zeitpunkt dafür, weshalb ich mich mit starrem Blick darum bemühe, mit jedem Atemzug die Emotionen in mir weiter runterzuschrauben. Berührbarkeit in dieser Form kann ich in meinem Job nicht gebrauchen. Sie würde mich schlichtweg entscheidungs- und handlungsunfähig machen. Ein Teil in mir wehrt sich gegen dieses „Abschalten“ meiner Emotionalität, weil es sich wie das Zwängen in ein viel zu enges Korsett anfühlt, dennoch ist es notwendig.

Grenzenlos emotional – Fluch und Segen zugleich

Jahrzehnte hatte ich meine Emotionalität abgelehnt, tief in mir verborgen, mir nur im dunklen Kinosaal ab und an erlaubt, sie auszuleben, wenn niemand meine Tränen sehen konnte. Es kostete mich unglaublich viel Kraft, diese Unterdrückung in mir aufrecht zu erhalten – und allzu öfter entlud sich der aufgestaute Druck in zerstörerischer Weise.

Typisch Borderline?

Mag sein.

Früher geschah diese Unterdrückung aus Unwissenheit und Angst. Heute vollziehe ich das „Abschalten“ bewusst aus der Notwendigkeit heraus, meinen Job ausüben zu können, der dies erforderlich macht. Schließlich muss auch ich Rechnungen bezahlen. Gewiss, ich könnte mir einen anderen Job suchen, der ohne Abschalten möglich ist, aber ich bin nun einmal ziemlich gut in dem, was ich tue. Manchmal denke ich, dass genau dieses Runterfahren der Emotionalität für meinen Erfolg verantwortlich ist – weil ich auch im ärgsten Stress einen klaren Kopf bewahren und rationale Entscheidungen treffen kann. Aber um welchen Preis?

Selbstbeschränkung auf Zeit.

Solange ich ausreichend Freiraum habe, ich selbst zu sein, funktioniert das recht gut. Schwierig wird es, wenn die Beschränkungszeiten zu lange andauern. Irgendwann stecke ich dann im Modus gedämpfter Emotionalität fest und komme dort nur mit ein wenig „Starthilfe“ wieder aus. Also mit etwas, das meine Gefühlsleben wieder pusht. Auch das ist mir mittlerweile bewusst und lebbar.

Dennoch bleibt bei all dem ein bitterer Beigeschmack: Je nach Bedarf knipste ich meine emotionale Seite aus oder an. Manchmal denke ich dabei an eine Filmszene aus „Star Trek: First Contact“, als der Androide Data mit einer Kopfbewegung seinen Emotionschip deaktiviert, um angesichts der Bedrohung durch das Borg-Kollektiv ungestört funktionieren zu können. Irgendwie habe ich das Gefühl, genau dasselbe zu machen. Was für mich lebensphilosophischen Frage aufwirft: Gehört es zum Menschsein dazu, sich hin und wieder emotional auszuschalten? Oder entwickelt sich diese Form des Menschseins in Richtung Maschine? Ist eine Gesellschaft noch gesund, die Arbeitsbereiche entwickelt hat, in denen Gefühle (und damit verbunden Berührbarkeit) stören?

Vor meinem zweiten Burnout beschäftigte mich die Frage, was einen Frontsoldaten auf Heimaturlaub dazu bringt, wieder an die Front zurückzukehren? Eine sehr plakative Metapher. Zurück in die innere Unterdrückung der eigenen Emotionen, um weiter „arbeitsfähig“ zu bleiben. Damals entzog ich mich auf drastische Weise der Beantwortung der Frage bzw. der Auflösung meines inneren Konfliktes. Heute bewege ich mich (leider) regelmäßig an der Grenze der Überlastung, jongliere ein hochexplosives Potenzial durch einen mit Herausforderungen gespickten Arbeitsalltag. Auf der einen Seite würde ich gerne dauerhaft vollständig ICH sein, ohne meine Emotionen aus- und anzuschalten. Auf der anderen Seite übt mein Job auch eine nicht zu leugnende Faszination auf mich aus. Den Reiz, das hinzubekommen, woran andere sich die Zähne ausbeißen. Das scheinbar unmögliche möglich zu machen. Mein Kick … und auf das Adrenalin-High folgt unausweichlich Frustration, über den Preis (Selbstbeschränkung), den ich dafür zu entrichten habe.

Süchtig nach dem Kick?

Dieser Vergleich drängt sich auf. Warum sonst nehme ich in Kauf, etwas zu tun, das mir dauerhaft nicht guttut, aber sich für kurze Zeit ungemein lebendig anfühlt, bevor es dann zur Belastung wird.

Schwarz-weiß. Das Pendeln zwischen den Extremen. Einst ein Fluch, heute ein überwiegend bewusstes „Spiel“ für mich… und mit Sicherheit eine Gratwanderung, ein Absturz jederzeit möglich, das Wissen um die Zusammenhänge und Achtsamkeit meine Sicherungsleinen.

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AUF EIN NEUES …

Wieder ein Jahr älter. Auch ein Jahr weiser? Besser nicht darüber nachdenken 😉 Auf jeden Fall ein Jahr an Erfahrungen (und was für welche) reicher 😊

Aber so ganz glaube ich meiner Geburtsurkunde noch immer nicht. 52? Echt jetzt? Wo sind die Jahre geblieben? Gefühlte 35 … immer noch … wenn überhaupt. Und im Denken erst … manchmal 16 forever.

Vor einige Tagen postete ich diesen Gedanken:

„Wer im Herzen jung bleibt, wird auch im Kopf nie alt.“

Dieser Gedanke entstand – wieder einmal – wie aus dem Nichts in mir. Über die Bedeutung sinnierte ich Tage später.

Wie bleibt man im Herzen jung?

Meine Antwort darauf: lebendig bleiben. Fühlen, was das Zeug hält. Leben im hier und jetzt. Dabei den Kopf ausschalten und ignorieren, was andere sich denken.

Praktisches Beispiel: ich spaziere durch den Wald und höre dabei Musik – solange ich mich auf Wegen bewege, auf denen auch andere unterwegs sind. Manche Gespräche will ich partout nicht mithören, also schalte ich mich weg. Bei manchen Songs singe ich schon mal mit, und es ist mir piepschnurzegal, was andere sich dabei denken. Ich empfinde Lebensfreude und bringe sie zum Ausdruck. Basta!

Hin und wieder bleibe ich stehe und drehe einen Käfer um, der auf dem Rücken liegend mit seinen Beinchen strampelt. Ich bestaune, was du Natur Unglaubliches hervorbringt – wie ein kleines Kind, das all dies zum ersten Mal erblickt. Neugierde – oder besser: Wissbegierde – ist mein zweiter Vorname. 😉

Vor meinem Wohnzimmerfenster offenbaren sich (nicht täglich, aber häufig) farbenprächtige Sonnenuntergänge, die mich stets aufs Neue begeistern. Gewohnheit? Weit gefällt. An das Wunderbare gewöhne ich mich nie. Ich genieße es, wann immer es mir begegnet.

All das ist für mich Lebendigkeit.

All das lasse ich zu, auch wenn meine Geburtsurkunde indizieren würde, für manches doch bereits zu „reif“ zu sein. Ich bin doch kein Apfel, der irgendwann überreif ist und zu faulen beginnt. Wobei, irgendwann … nein, meinen schwarzen Humor packe ich gleich wieder in die Schublade.

Wenn ich es recht bedenke, passt der Gedanke an den Tod vielleicht doch, denn lebendig können wir nur sein, solange wir noch nicht tot sind. Das Leben umarmen, damit es uns umarmt und seine Wunder offenbart, die da draußen sind, in jedem Augenblick; die eine Quelle von Lebensfreude sein können. Letztere wiederum ist nach meiner eigenen Erfahrung das ultimative Anti-Aging-Mittel. Vielleicht verhindert Lebensfreude keine Falten oder graue Haare, aber sie schenkt ein Gefühl, das sich nicht mit Worten beschreiben lässt, das man gefühlt haben muss, um es sich vorstellen zu können.

Lebensfreude geht für mich Hand in Hand mit Liebe.

Es gibt so viel Liebenswertes rund um mich und in mir. Es gibt auch anderes, aber so ist das nun einmal in der Dualität unserer Realität. Die Nebeltage lehren uns, den Sonnenschein zu schätzen. Wenn die Sonne scheint, erfreue ich mich an der Blütenpracht des Wonnemonats Mai. Heute regnet es, und dieser Regen bringt das junge Grün zum Leuchten. Auch wunderschön.

Es ist, was es ist.

Vielleicht bleibe ich im Herzen jung, weil in mir drin noch ein kleines Kind ist, voller Träume und Fantasie. Wo die Große in mir rational die Welt erklärt, bestaunt die Kleine das magische Wirken höherer Mächte. Wer von beiden Recht hat? Ich denke: Beide!

2018 schrieb ich in JAN/A Band 1 folgendes „Mantra der Lebendigkeit“ für mich selbst:

Leben um des Lebens Willen. Lieben um der Liebe Willen. Mit jedem Atemzug tiefer ins Gefühl, mit jedem Herzschlag näher und näher, mit allen Sinnen ins Feuer der Ekstase – fallen, schweben, tanzen, leben, lieben, hier und jetzt. Ein Sturz in die Dunkelheit und durch sie hindurch ins Licht, in die Liebe, in die Leidenschaft, ins Leben.

In diesem Sinne: auf in ein neues magisches Lebensjahr!

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WAS WIR IM HERZEN SIND …

Es ist eine anstrengende Zeit, aber auch die gut vorüber. Was wir im Herzen sind, bleibt.

Diese wenigen Worte entsprangen einer Eingebung während eines Chats mit einer lieben Freundin auf der anderen Seite der großen Badewanne. Über Ozeane und Zeitzonen hinweg verbindet uns eine besondere Freundschaft als Schicksalsgefährtinnen, die eine Herausforderung (Borderline) und eine Begeisterung (Schreiben) teilen.

Für mich sind diese Worte ein willkommener Anlass, über die zurückliegende Woche zu reflektieren.

Anstrengend war sie … oh ja. An manchen Tagen staunte ich nur noch darüber, wie viel Arbeit in einen Tag hineinpasst, was alles noch schiefgehen kann (Murphy’s Law) und warum ich immer noch auf zwei Beinen unterwegs war.

Erkenntnisreich war sie darüber hinaus … und wie. Nachdem mir vor einiger Zeit bewusst wurde, das da noch ein altes Muster in mir aktiv ist, welches unerwünschte Ereignisse im Alltag hervorruft, beschäftigte ich mich auch damit. Vor allem, wenn mein kognitiver Verstand bereits dermaßen müde war, das rationale Überlegungen nicht mehr zustande kamen, konnte ich mich sehr leicht ins „Gspiar“ fallen lassen, ins Fühlen, meine innere Stimme wahrnehmen. Ähnlich wie bei der Meditationsform, bei der zuerst beschleunigt wird um anschließend abrupt zu entschleunigen. Oder bei der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobsen … zuerst anspannen, um danach tiefgehend zu entspannen. Wenn Denken nicht mehr funktioniert, falle ich ins Fühlen. Auch ein Weg zum Ziel 😉

Jedenfalls erspürte ich dieses alte Muster, fühlte die Zusammenhänge, was das „Gute“ für mich daran ist und auch, dass ich dieses „Gute“ längst auf andere Weise erreichen kann. Dieses Muster hatte sich also zwischenzeitlich überholt. Dummerweise schaltete es sich nicht selbständig ab … welches Muster oder Programm tut das schon, wenn die entsprechende Programmzeile fehlt? Wer schreibt schon in seine Verhaltensmuster Programmzeilen in der Art von „Wenn das neue eintritt und mein Bedürfnis erfüllt, schalte dich ab“ … ehrlich, wer macht das? Niemand! Ich auch nicht. Wir schreiben unsere Verhaltensmuster (oder Programme) ja nicht nach Plan. Sie passieren uns vielmehr im Alltag, geboren aus den Ereignissen. Tja, dadurch bilden diese Muster aber auch gerne Endlosschleifen, die wir immer und immer wieder von Anfang bis Ende durchlaufen, ohne wirklich aussteigen zu können. Manchmal hilft ein (von außen verursachter) Crash, der einem Shut down gleichkommt. Aber nur solange, bis der Computer (oder eben unsere Muster) wieder hochfahren und alles von vorne beginnt.

Ich ziehe hier bewusst Vergleiche zwischen menschlichen Verhaltensmustern und Computerprogrammen. So unterschiedlich sind beide nicht, außer dass die menschlichen Muster unglaublich komplex sind und in ihrer Vielfalt noch lange nicht künstlich nachgeahmt werden können. Vereinfacht gesagt: Wo Computer stets logisch nach ihrer Programmierung arbeiten, wirken beim Menschen derart viele Variablen, das wir unlogisch wirken können. Doch in meinem Verständnis ist auch der Mensch logisch, nur eben so komplex logisch und kontinuierlich adaptiv, dass es großen Abstand braucht, um dies erkennen zu können.

Genau Theorie. Zurück zu dem, was bleibt. Was wir (oder ich) im Herzen sind (bin).

Festzustellen, dass ich in mir (immer noch) eine Affinität für Schmerz trage, hat mich ein paar Mal tief durchatmen lassen. Wer sehnt sich nach Schmerz? Ich? Die Antwort darauf ist ein wenig kompliziert. Schmerz per se ist definitiv was Entbehrliches in meinem Leben, aber mit Schmerz kann auch das bittersüße Gefühl der Sehnsucht verbunden sein, ebenso wie die Ausschüttung von Hormonen im Gehirn, wenn man durch diesen Schmerz hindurch geht, und die als körpereigenes „Schmerzmittel“ gegensteuern. Quasi „high“ danach. Mit den passenden inneren Bildern hinterlegt ergibt sich daraus eine Endlosschleife des Leidens … die ich hinter mir gelassen zu haben glaubte. Was auch in weiten Bereich stimmt, nur dieses eine Muster hatte sich meiner Erkenntnis bislang entzogen.

Ich staunte nicht schlecht, welche Argumente ich in mir fand, dieses Muster NICHT abzuschalten. Welch abstruse Begründungen in mir auftauchten, von einer Deaktivierung Abstand zu nehmen.

Ehrlich… das Gute am Schmerz … was auch immer das ist, es kann auch auf andere Weise erreicht werden, davon bin 100% überzeugt!

… und davon überzeugte ich auch mich in den vergangenen Tagen einige Male.

… und mein überholtes Verhaltensmuster, das nun eine Zeile „end sub“ enthält.

Vielleicht hätte ich mich dem Thema nicht auf diese Weise angenähert, hätte ich nicht zeitgleich eine Datenbank programmiert und meinen Verstand damit ausgelastet, fehlerhafte Zeilen in Makrocodes zu suchen und Arbeitsprozesse zu definieren. Musterdenken lässt grüßen.

Alles geht vorüber.

In der Welt stimmt das 100%.

In unserem Kopf (und in Folge damit in unserem Verhalten) stimmt das zwar auch, aber eine „end sub“ Zeile kann dafür sorgen, dass die Schleife vor unserem letzten Atemzug endet und uns somit noch Zeit bleibt, unser Leben zu genießen… ohne das eine oder andere überholte Endlosschleifenprogramm 😉 … und wir damit bleiben, was wir im Herzen sind.

Für all jene, die jetzt gerade von der Erkenntnis überrollt werden, über lange Zeit sich selbst im Weg gestanden zu sein, sage ich nur: Smile … mir ging’s nicht anders, aber es ist nie zu spät „end sub“ in die Routine zu schreiben und neu zu starten … aus dem Herzen heraus.

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ZWISCHENBILANZ

Seit ein paar Wochen bewege ich mich kaum noch in den sozialen Medien. Das liegt zum einen daran, dass ich beruflich derart viel zu tun habe und sehr viel davon am Bildschirm, so dass ich in der verbleibenden Zeit keine eckigen Bilder mehr anschauen mag.

Zum anderen bemerke ich eine zweite Welle der Verarbeitung meiner Trennung im vergangenen Jahr. Nachdem ich mich in meinem neuen Leben eingerichtet habe, schickt mein Unterbewusstsein nun verschiedene Erinnerungen zur Neubewertung ins Bewusstsein. Hin und wieder hinterfrage ich, ob es denn wirklich die beste Entscheidung war, die ich getroffen habe – nur um gleich darauf zu erkennen, dass sie es war! Mein mittlerweile distanzierter Blick auf meinen Ex-Partner lässt mich einiges erkennen, was ich zuvor (in unmittelbarer Nähe) übersehen habe. Gleichwohl verschwinden einige übernommene Vorstellungen, wie Leben an sich und Beziehungen im Besonderen gestrickt sein sollten. An ihre Stelle treten neue, aus mir heraus entstehende Ansichten. Ich nähere mich also dem Ziel: 100% ICH zu sein.

Und noch ein Aspekt spielt damit verbunden eine wichtige Rolle: Ich sehne mich nach ECHTEM!!! Eine gewisse Tiefgründigkeit war stets Teil meines Lebens, doch als Teil meiner Anpassung an die Allgemeinheit lebte ich auch Oberflächlichkeit in Ausdruck und Kommunikation. Genau genommen dominierte diese über weite Strecken zeitlich und inhaltlich. Mittlerweile spüre ich, wie wenig mir Oberflächlichkeit guttut. Ganz im Gegenteil. Sie belastet mich. Deshalb halte ich sie mittlerweile tunlichst aus allen Bereichen meines Lebens fern, in denen ich sie nicht als unumgänglich (z.B. im Job) akzeptieren muss.

Um nicht missverstanden zu werden, sollte ich das etwas präzisieren: ein belangloser Plausch ab und an ist nach wie vor etwas Unterhaltsames, aber 24/7 rund um die Uhr dem belanglosen Treiben in den sozialen Medien zu folgen ist es nicht (mehr). Schlimmer noch: es bindet Aufmerksamkeit und damit Energie, die von mir für anderes gebraucht wird.

Manchmal denke ich mir: ich sollte mehr Beiträge lesen, selbst mehr posten, Marketing machen um als Autorin wahrgenommen zu werden … aber alles in mir wehrt sich dagegen. Mehr und auffälliger posten als andere, um (von irgendwelchen Algorithmen) gefunden zu werden? Lauter schreien als andere am Markt? Mir geht’s nicht um Verkaufszahlen. Schreiben ist für mich Hobby, Therapie, Selbstverwirklichung. Wenn über Buchverkäufe die Kosten dafür reinkommen, wunderbar. Wenn nicht, auch gut. Stelle ich die tatsächlichen Kosten mit den eingesetzten Stunden (die ich als hoch effiziente und heilsame Therapie bewerte) in Relation, ist das Ganze für mich die Okkasion meines Lebens.

Mein Ziel oder Wunsch ist es, mit meinen Gedanken und Erfahrungen anderen Ideen zu liefern für die Herausforderungen ihres eigenen Lebens.  Ich will meine „Weisheit“ nicht aufdrängen im Sinne von: „Hey, ich kenne die Antworten für die Lösung deiner Probleme.“ Das ist absolut unzulässiger Schwachsinn. Ich kenne gerade mal ein paar Antworten für meine eigenen Probleme. Aber ich kenne ein paar gute Tricks und Wege, seine eigenen Antworten in sich zu finden.

Vor einer Woche schrieb ich hier über „bedingungsloses Urvertrauen“.

 Mein Gefühl sagt mir, das ich mich in der Prüfungsphase befinde. Gegenstand: Vertrauen in das Gesetz der Anziehung.

Wer zum Gesetz der Anziehung (Law of Attraction) nachlesen möchte, es gibt eine Menge Bücher dazu. Daher verweise ich hier auf Wikipedia und nicht auf ein spezielles Buch: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_der_Anziehung

Ich vertraue einfach darauf, dass jene Menschen, die von meinen echten Gedanken und authentischen Erfahrungen profitieren können, „magisch“ von meinen Publikationen angezogen werden und mich finden… zu ihrem eigenen Nutzen. Denn eines ist klar: es braucht eine gewisse Bereitschaft, sich dem echten im Leben zu öffnen. Danach fällt es schwer, sich länger als machtloses Opfer äußerer Umstände zu sehen. Oberflächlichkeit ist deutlich weniger „gefährlich“.

Vielleicht klingt das jetzt etwas arrogant, aber ich möchte gar nicht meine Zeit mit Menschen verbringen, die nur an Oberflächlichkeit interessiert sind. Dafür ist mein Leben (mittlerweile) zu kurz. Zu dieser Erkenntnis führt mich meine Zwischenbilanz.

Echtes Leben, echte Menschen, echte Gedanken und Erfahrungen. Darin liegt unglaublich viel Kraft und Potenzial. Das will ich geben, teilen, finden.

Alles andere ist – für mich – mittlerweile bedeutungslos.

Ganz ehrlich: mit meinen letzten Atemzügen (die hoffentlich in weiter Ferne liegen, aber sie werden kommen!) möchte ich an ein ECHTES Leben zurückdenken, voller Dankbarkeit dafür, meine Zeit auf diesem Planeten bestmöglich genutzt zu haben, um mein Leben und das anderer mit Freude, Liebe und ein wenig bodenständiger Lebensweisheit bereichert zu haben.

Ein Leben so echt wie ein Sonnenaufgang am Morgen.

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JA, ABER …

Einen Euro für jedes „Ja, aber…“ in meinem Leben. Ohne Übertreibung wäre da ein netter Kleinwagen drin. Vielleicht sogar Mittelklasse. Oder mehr.

Ja, aber …

Es gibt so viele Facetten dieser Formulierung im Alltag, vor allem bei der Verwirklichung von Träumen oder der Lösung von Problemen.

„Ich will das unbedingt, aber …“

„Das stimmt schon, aber …

„Du hast Recht, aber …“

„Das war immer schon mein großer Traum, aber …“

„Ich würde ja sofort, aber …“

Ich bin jetzt mal überhaupt nicht nett und wer sich vom bisherigen angesprochen fühlt, wird nun möglicherweise schlucken, ABER … was auch immer sich hinter dem ABER an plausibel klingenden Argumenten fand und findet, war/ist stets nichts anderes als kreative Ausreden für das, was mich in Wahrheit davon abhielt/abhält, aktiv zu werden. Manche nennen es den inneren Schweinehund, doch meiner Ansicht nach befindet sich der knapp unter der Oberfläche des wachen Tagesbewusstseins, weshalb er auch so leicht zu entdecken ist. Worum es wirklich ging und immer noch geht, das saß und sitzt wesentlich tiefer.  

Bereit für eine Ernüchterung?

Falls nicht, ist dies die letzte Chance zum Aussteigen.

Meiner Erfahrung nach gibt es drei Gründe, die Menschen davon abhalten, ihre Träume zu verwirklichen oder ihre Probleme zu lösen (beides interagiert intensiver, als manche meinen möchten):

  1. Simple Faulheit, ABER … ganz ehrlich, dann ist es auch kein Wunsch, für den man innerlich brennt, sondern eher lauwarm interessiert ist. Eher hypothetische Möglichkeit als Herzenswunsch, daher sehe ich in der Faulheit mehr den Indikator, um Nebensächliches vom Wesentlichen zu trennen.
  2. Der Leidensdruck ist noch nicht groß genug. Oh ja, für viele – und da nehme ich mich in der Vergangenheit nicht aus – war und ist Leidensdruck der hauptsächliche Antrieb für Veränderung. Genau darum geht es, wenn wir Träume verwirklichen oder Probleme lösen wollen: etwas anders zu machen als bisher. Denn wenn wir weiterhin das machen, was wir bisher gemacht haben, bekommen wir mehr von dem, was wir schon haben. Wollen wir etwas anders, bedeutet das konsequenterweise, auch etwas anderes zu tun. Neuland zu betreten. Über den eigenen Schatten zu springen. Sich aus der bequemen Komfortzone des Gewohnten hinauszubewegen mit allen Risiken des Scheiterns, denn Erfolg ist nicht garantiert. Ganz im Gegenteil. Etwas Neues zu tun und beim ersten Mal erfolgreich zu sein gehört eher zu den Ausnahmen. Niemand wird als Meister geboren. Meisterschaft entsteht durch konsequentes Tun und stetes Optimieren. Anstrengend. Mühsam. Wie bequem ist es dagegen, im Gewohnten zu verweilen, auch wenn es nicht glücklich macht, und stattdessen lieber zu sagen: „Ich würde ja gerne, ABER …“ … ich bin heute wirklich nicht nett 😉 Fairerweise merke ich an, dass es gute Gründe für diese „Bequemlichkeit“ oder „Risikoscheue“ gibt, womit ich zu Punkt 3 komme:
  3. Angst. Ob wir es nun zugeben oder nicht, Angst hält viele von uns ab, die eigenen Träume zu verwirklichen oder die anstehenden Probleme zu lösen. Das ist auch völlig natürlich. Unsere Ängste warnen vor Gefahren, schützen uns vor unnötigem Risiko und sichern so unser Überleben, ABER … sie können uns genauso gut im Weg stehen. Es gilt zu unterscheiden, ob die Angst in der Situation berechtigt ist oder nicht. Hinterfragen also. Oder bewusst denken und leben, sich nicht von den Erfahrungen der Vergangenheit fernsteuern lassen. Wenn ich als Kind einmal von einem Hund gebissen wurde, werde ich vielleicht Hunde nicht sonderlich mögen, ABER wenn ich davon ausgehe, dass jeder Hund mich beißen will, dann werde ich allen aus dem Weg gehen und versage mir damit möglicherweise wunderbare Stunden mit dem besten Freund des Menschen. Dieses Beispiel lässt sich auch mit Katzenkrallen, Vogelschnäbeln und noch vielem mehr erzählen, was emotionale Narben in uns hinterlassen hat. Verspottet und ausgelacht zu werden, Mobbing, Gewalt und Übergriffe in jeder Form … es gibt so vieles, das aus der Vergangenheit in die Gegenwart wirken kann und das auch tut, wenn wir nicht beginnen, uns dieser Prozesse bewusst zu werden und sie zu verändern.

ABER … hier kommt nun die „Graue Eminenz“ ins Spiel. So einleuchtend die bisherigen Schilderungen auch sein mögen, so entschlossen nun vielleicht die eine oder andere Entscheidung fällt, sich nicht länger vom ABER kommandieren zu lassen und den Herzenswunsch zu realisieren oder ein lästiges Problem endlich zu bereinigen, es gilt die „Graue Eminenz“ zu beachten, die subtil ihr eigenes Spiel mit uns treibt: die Drama-Dynamik.

Ich könnte ein ganzes Buch über das Thema Drama-Dynamik schreiben (und das werde ich auch bei Gelegenheit), doch für heute belasse ich es bei einer minimalistischen Kurzform:

Wer sich in der Situation als Opfer der Umstände wahrnimmt und für sich keine Gestaltungsmöglichkeiten sieht, steckt mittendrin. Wer sich als Gestalter des eigenen Lebens versteht und unterscheiden kann zwischen den eigenen Möglichkeiten und unveränderlichen Umständen (die es nun mal gibt), hat sich aus den Fesseln der Drama-Dynamik befreit.

Die Drama-Dynamik in all ihren Facetten und Feinheiten war und ist für mich DER Schlüssel für Veränderung. Ob Leidensdruck oder Angst, unterm Strich findet sie sich als Opferhaltung wieder. Dem gegenüber stehen Freude und Begeisterung der freiwilligen Veränderung, wenn wir aus der Drama-Dynamik ausgestiegen sind.

Leben bedeutet nun einmal Veränderung.

Ob wir das wollen oder nicht.

Ob wir uns diesem Prozess freiwillig fügen oder nicht.

Veränderung geschieht – und das ist gut sonst, denn sonst hätten wir keine Chance, die Vergangenheit hinter uns zu lassen und im Hier und Heute glücklich zu sein. ABER wir können diese Veränderung auch blockieren, eine Zeit lang, unter massiven Anstrengungen, uns dem Leidensdruck hingeben und von unseren Ängsten fesseln lassen. Letztendlich schnüren wir uns damit selbst vom Fluss des Lebens ab.

Selbstverletzung?

Meiner Ansicht nach ist das die wohl schrecklichste Form der Selbstverletzung: sich dem Leben (und damit der Veränderung) zu widersetzen. Die eigene Kraft dafür zu verschwenden, das Leid der Vergangenheit in der Gegenwart festzuhalten. Sich der Heilwerdung zu versagen. Sich zu verweigern, den Augenblick im Hier und Jetzt zu genießen. Das eigene Glück zu sabotieren.

Ja, ABER …?

Nun, es liegt in der Verantwortung eines jeden von uns, sich zu damit zu befassen. Ich kann nur eines aus voller Überzeugung sagen: Es lohnt sich, jedes „Ja, ABER …“ genau unter die Lupe zu nehmen, mitunter mitten im Satz zu stoppen und neu zu beginnen – ohne ABER 😉

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AUF DER FLUCHT

Unzählige Male war ich in meinem Leben bereits auf der Flucht … weil Situationen unerträglich wurden … andere mich verletzt hatten … ich mich selbst nicht mehr ausstehen konnte … viele Gründe, ein jeder überzeugend und wichtig. Doch meine Flucht brachte mich nie ans Ziel, denn …

… wir können vor allem und jedem davonlaufen, nur nicht vor uns selbst.

Wohin wir uns auch wenden, wir treffen stets auf das, was wir in uns tragen und damit auf uns selbst. Die Welt rund um uns ist ein unbestechlicher Spiegel, der uns mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks Tag für Tag vor Augen hält, was wir zu ignorieren versuchen. Das Leben wird nicht müde, uns in einer Murmeltiertag-Schleife zu parken, wenn wir uns beharrlich weigern, unsere Hausaufgaben zu machen.

Was unsere Hausaufgaben sind? In uns Aufräumen. Das Chaos in Ordnung bringen, das (zumeist) andere angerichtet haben zu einer Zeit, als wir die Welt noch mit den Augen eines Kindes betrachtet haben. Zurückzufinden zu unserem Ursprungssetting, also der Blaupause, die uns hilft, wieder jene zu werden, die wir davor waren, bevor unser Innenleben in Unordnung geriet und unser Seelenfrieden erschüttert wurde. Die Verantwortung für uns selbst zu übernehmen, aus Anklagen und Schuldzuweisungen auszusteigen, um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: gut auf uns selbst zu achten. Uns als Schöpfer unserer eigenen Wirklichkeit zu erkennen und die damit verbundenen Möglichkeit zu nutzen, um ein gelingendes Leben zu erreichen.

Hehre Worte. Ein gelingendes Leben. Dazu wurden 1001 (mindestens) Ratgeber geschrieben. Ob sie uns ans Ziel bringen oder nicht, entscheidet sich an dieser Hürde:

Wir begegnen uns stets selbst.

Diese Vorstellung kann schrecklich sein – oder beruhigend.

Man kann diese Tatsache als Fluch betrachten – oder Segen. Je nachdem.

Früher sah ich einen Fluch darin, immer und immer wieder auf die gleiche Art und Weise enttäuscht, verletzt, betrogen und ausgenutzt zu werden. Heute erkenne ich die Chance, die sich in jedem Tiefschlag des Lebens verbirgt, strebe aus freien Stücken an, daraus zu lernen – auch mit dem zutiefst eigennützigen Hintergedanken, mir damit eine Wiederholungsprüfung zu ersparen.

Es wäre so einfach …

… in der Theorie ist es das auch, aber die Praxis hält noch ein paar Herausforderungen bereit. Freiwillig lernen und sich weiterentwickeln, klingt doch gut, gäbe es da nicht das große ABER.

Abgesehen davon, dass jeder Lernprozess etwas mit dem Betreten von Neuland zu tun, also das Potenzial des Scheiterns in sich trägt, mit mehr oder weniger Anstrengungen verbunden ist und es keine Garantie auf Erfolg gibt – steht uns noch etwas im Wege:

Kaum etwas fällt schwerer loszulassen als Schmerz und Leid. Absolut irre und paradox, denn wer will schon freiwillig leiden? Dennoch – destruktives Verhalten zu beenden ist alles andere als einfach. Noch schwieriger wird es, wenn uns noch nicht mal bewusst ist, was wir da tun. Aber wie sonst lässt sich erklären, dass Menschen wider besseres Wissen ihr Verhalten nicht verändern? Ich nehme mich da nicht aus. Viele Jahre gehörte ich zu den konsequent Lernresistenten. Man könnte auch sagen: ich übte mich im Nachsitzen. Etwas nobler formuliert: ich wollte alle Eventualitäten ergründen, was es noch sein könnte. HUMOR ist eine wunderbare Eigenschaft 😊

Keine Ahnung, wie viele Stunden oder gar Tage ich in Summe damit verbracht habe zu ergründen, warum ich mich weigerte, aus der Murmeltiertag-Schleife von Schmerz und Leid auszusteigen. Einige interessante Erklärungen lieferte die Drama-Dynamik. Angst vor Veränderung erschien ebenso plausibel wie „Macht der Gewohnheit“ bzw. Trägheit. Oder dass es für Schmerz und Leid mehr Zuwendung gab als für Erfolg. Diese Liste an Gründen lässt sich mit Sicherheit noch um einige Punkte ergänzen, doch wesentlich ist vor allem der gemeinsamen Nenner:

Wir stehen uns selbst im Weg, weil wir nicht vor uns selbst davonlaufen können.

Erst wenn wir die Konflikte und Widersprüche in uns aufgelöst haben, kommen wir wirklich in den Flow des Lebens. Dann braucht es auch keine Flucht mehr. Dann kann Leben gelingen. Wären da nur nicht die Hausaufgaben, die es zuvor zu lösen gilt. Ohne Fleiß, kein Preis.

Das Leben schenkt uns nichts – und alles.

Es liegt an jedem von uns, die eigenen Hausaufgaben zu lösen. Im Nachhinein betrachtet, amüsiere ich mich über meine Murmeltiertag-Schleifen, meine beharrliche Verweigerung mancher Lernschritte und trotzig eingeschlagene Umwege, denn ich bin überzeugt, ich wüsste das, was ich bis heute erreicht habe, nicht in dem Ausmaß zu schätzen, wie ich es tue, wäre es mir einfach mal so in den Schoß gefallen. Mein Lebensglück wurde mich nicht geschenkt, ich durfte es mir erarbeiten und verdienen. Es ist wertvoll.

Ich begegne mir stets selbst.

Kein Grund zur Flucht – nur ab und an eine willkommene Anregung zum Lernen 😉

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ZUR RICHTIGEN ZEIT AM RICHTIGEN ORT?

In den vergangenen beiden Wochen habe ich mir eine Mini-Auszeit gegönnt. Kein Job. Einfach nur im eigenen Takt leben, nachdenken und hineinspüren. Soziale Kontakte auf ein Minimum zu beschränken fällt in Lockdown-Zeiten wahrlich einfach. Gegen Ende dieser Auszeit wurde ich wieder etwas aktiver in Selbsthilfegruppen. Ein Chat brachte folgende Gedanken ins Rollen. Ich schrieb sinngemäß folgendes:

„Mein großes Glück war es, zur richtigen Zeit die richtigen Menschen zu treffen, die mir einen Tritt in meinen A**** verpassten und mir klarmachten, dass meine Probleme (insbesondere meine Borderline-Herausforderung) in mir waren, ich sie selbst in mir lösen konnte und alles, was ich dafür brauchte, bereits in mir vorhanden war. Es bedurfte nur noch der Anleitung, wie ich es tun konnte.“

100% Ausstieg aus dem Drama bzw. der Opferrolle – so könnte man es auch nennen. Oder den Beginn meiner Heilung durch eine glückliche Fügung.

ABER … war es wirklich Glück? Gibt es so etwas wie den richtigen Zeitpunkt und die richtigen Menschen? Genaugenommen waren es meistens keine neuen Menschen, sondern jene, die ich schon länger kannte. Manchmal jahrelang. Sie erzählten auch nichts Neues. Dennoch – plötzlich fiel ihre Botschaft auf fruchtbaren Boden. Lag es also an meiner Bereitschaft, diese anzunehmen?

Wenn dem so ist, drängt sich eine provokative Frage auf: „Wie viel leichter und kürzer könnten wir unsere individuellen Lern- und Entwicklungswege machen, indem wir uns dem Prozess bereitwillig öffnen?

Oder anders gefragt: Was hält uns davon ab?

Auf diese Frage könnte ich unzählige mögliche Antworten hier auflisten, doch ich unterlasse es bewusst, um dir den Raum zu lassen, deine eigenen zu finden.

Ich halte nicht viel von Generalisierungen, aber eine trifft 100%ig zu:

Wenn uns wer auf unserer Reise zu uns selbst, zurück zu Selbstliebe und Lebensfreude im Weg steht, dann wir selbst.  

Was hält dich davon ab, jeden Moment deines Lebens dankbar anzunehmen und daraus zu lernen?

Wo stehst du dir selbst im Weg?

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein ist – aus meiner Sicht – eine Konsequenz der Entscheidung, sich dem Potenzial des Augenblicks zu öffnen. Die Antworten auf all die ungelösten Fragen und Probleme, die uns beschäftigen, sind immanent rund um uns vorhanden. Es genügt, die Augen zu öffnen und zu erkennen. Doch dafür ist es erforderlich, den Fokus vom Problem weg und hin auf Lösungen zu lenken.

Allzu häufig geschieht diese jedoch erst, wenn der Leidensdruck derart angewachsen ist, das es schlichtweg nicht mehr anders geht – was sehr schade ist, denn damit verbauen wir uns die Möglichkeit der freudvollen Entwicklung zulasten des Lernens unter Druck.

Vor wenigen Tagen wachte ich kurz nach Mitternacht mit diesem Gedanken auf:

Viel wichtiger als die Frage, wann die Menschheit damit anfing, das Leben unnötig kompliziert zu machen, ist jene: Wann hören wir damit auf?

Der richtige Zeitpunkt und richtige Ort für eine Revolution im Denken?

2020 hat mein Leben viel einfacher gemacht und gleichzeitig enorm bereichert. Ich gab vieles auf, vor allem Belastungen und Sorgen. Auch Materielles, das immer eine Last darstellt. Mit leichtem Gepäck durchs Leben zu reisen und dennoch mehr als genug zu haben, aus der Fülle des Seins heraus zu leben und jeden Tag zu genießen, sich angenommen, angekommen und zu Hause zu fühlen – was mehr an „Echtem“ kann einem das Leben schenken?

Das Essentielle im Leben (Liebe, Freundschaft, Gesundheit, Dankbarkeit, Zufriedenheit, Seelenfrieden, Gelassenheit, Ausgeglichenheit …) ist nicht käuflich. All dies bekommen wir quasi gratis, sobald wir unsere Türen dafür öffnen, aber spätestens zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort … wenn wir dafür bereit sind.

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WIE ICH LERNTE ALLEIN ZU SEIN, OHNE MICH EINSAM ZU FÜHLEN …

… das sind nämlich zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe: Allein oder einsam. Letzteres strebt wohl kaum jemand an. Gleichzeitig ist Ersteres eine wichtige Voraussetzung für vieles andere. Aber der Reihe nach …

Früher – und das ist noch nicht so lang her, wie es jetzt vielleicht klingen mag – gehörte ich zu den Menschen, die nicht gerne allein mit sich selbst Zeit verbringen. Obwohl es oft genug vorkam, dass mir Menschen einfach nur noch den Nerv zogen und ich mich am liebsten weit weg von allen in einer Hütte im Nirgendwo verkrochen hätte, wollte ich das nie ganz allein tun. Jemand sollte schon noch da sein, weil so ganz allein wollte ich dann doch nicht sein. Rückblickend und nüchtern betrachtet, wich ich damit sehr lange einem entscheidenden Punkt aus, nämlich mich mit mir selbst zu befassen.

So ganz alleine im Nirgendwo – das konfrontiert einem schon mit sich selbst auf die ganz harte Tour. Wem hätte ich die Schuld dafür umhängen können, mies gelaunt zu sein? Nur mir selbst. Außerdem machte es mir schmerzlich bewusst, wie leer und hohl ich mich fühlte, wie wenig ich mich selbst wahrnehmen konnte, wie anders ich war und bin. Anders bedeutete nicht dazugehörend. Einsam unter vielen. Wer will das schon sein? Wer kann sich das eingestehen, ohne daran zu zerbrechen? Dem wich ich lange konsequent aus. Andere Menschen rundum bedeuten immer auch Ablenkung, bieten reichlich Gelegenheit, sich mit deren Problemen zu befassen, anstatt auf die eigenen zu blicken. Es gab viele Gründe für mich, das Alleinsein zu meiden.

Darunter auch meine Aversion gegen Stille. Ruhe rundum machte den Lärm (Tinnitus) in mir erst so richtig hörbar und störend, weshalb ich stets auf eine gewisse Geräuschkulisse in meinem Umfeld achtete – nur um nicht den Lärm in mir zu hören. Oder meine eigene Stimme, meinen Dämon (à Begriffsklärung: „Dämon“ in der antiken Bedeutung = hilfreiches Geistwesen). Wie ich nämlich im Laufe der Zeit feststellen durfte, hängt mein Tinnitus unmittelbar vom Stresspegel in mir ab. Sinkt dieser, wird es auch leiser. Aber um das erst einmal zu bemerken, musste ich ruhig werden. Und dazu wiederum musste ich allein sein, denn solange Menschen rundum mich sind, nehme ich diese auch auf eine Weise wahr, die schwer zu erklären ist. Ich versuche es hier mit einem Bild:

Stell dir ein Glas Wasser vor, das auf einem Tisch steht. Stößt jemand gegen den Tisch, beginnt sich das Wasser zu kräuseln. Je heftiger der Stoß, desto heftiger die Schwingungen des Wassers. Ähnlich dem Wasser in dem Glas versetzt mich die Emotionalität (gelebt oder unterdrückt) anderer Menschen in Schwingung. Solange es „Good Vibrations“ sind, habe ich dagegen auch keinerlei Einwände, aber es gibt nicht nur „Good Vibrations“ da draußen, weshalb das Wasser (oder ich) nie völlig ruhig werden kann in der Umgebung von Menschen. Wobei – Ausnahmen bestätigen die Regel: es gibt ganz wenige Menschen, da gelingt es trotzdem. Vielleicht weil wir auf einer Wellenlänge schwingen. Das werde ich künftig noch ergründen.

Jedenfalls führt der Weg in die Ruhe und Entspannung für mich durch das Alleinsein. Also durch etwas, was ich früher nicht ausgehalten habe. Ich sehnte mich nach Ruhe, nach Geborgenheit, wollte den ganzen Lärm und Stress rundum hinter mir lassen, und gleichzeitig entstand genau durch diese Ruhe eine andere Form von Lärm und Stress in mir. Tricky, nicht wahr?

Aus diesem fiesen Kreislauf fand ich – mehr oder weniger – nur durch Zufall (oder Schicksal? Bestimmung?) heraus. Als ich meine inneren Konflikte beendete und begann, mich so anzunehmen, wie ich bin (inklusive meines mittlerweile geliebten Dämons – ohne ihn könnte ich vermutlich niemals solche Geschichten schreiben, wie ich es heute tue), wurde es ruhig in mir. Eine kraftvolle Stille, in die ich mich gerne fallen lasse und es genieße, allein zu sein, mit mir selbst, nur meine eigene Schwingung zu fühlen, meine eigene Melodie in mir zu hören, einfach nur ich zu sein.

Ich mag Menschen nach wie vor und verbringe auch gerne Zeit mit und unter Menschen, ebenso wie ich gerne Zeit mit mir selbst verbringe.

So wie ich das sehe, ist die Fähigkeit, mit sich selbst allein sein zu können, die Basis, um mit anderen Menschen zusammen sein zu können, ohne diese mit Erwartungshaltungen einzudecken – sowie Vorwürfen, Anklagen und Schuldzuweisungen, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.

Erwartungshaltungen können echte Beziehungskiller sein.

Ich bin eine Vollblut-Romantikerin mit einem Faible für ein romantisches Happy End zu zweit vor einem flammenden Sonnenuntergang, ABER ich erwarte nicht (mehr), dass ein einzelner Mensch alle meine Defizite und unbearbeiteten Themen ausgleicht, mir damit quasi meine Lebensaufgabe abnimmt (… denn damit würde ich „mein eigenes Leben aufgeben“ … man beachte die Mehrdeutigkeit!) und die Verantwortung für mein Wohlbefinden und Glück übernimmt.

Wenn ich etwas in den letzten Jahren gelernt habe, dann das:

Ich lehne mich gerne mal an den Menschen an meiner Seite an, und frage auch ab und an nach Hilfe, aber für meine Herausforderungen (oder umgangssprachlich: Probleme) übernehme ich die volle Verantwortung und kümmere mich selbst darum, weil nur ich ALLEIN in mir etwas verändern kann. Und alle unsere Probleme beginnen in uns mit der Entscheidung, ob wir etwas als Problem betrachten … aber das ist eine andere Geschichte, die ich demnächst wieder einmal in ihrer Vielfalt beleuchten werde 😉

Im Gegensatz zur Einsamkeit, kann Alleinsein eine Quelle der Kraft und Inspiration sein.

Als mir bewusst wurde, das ich in mir bereits alles habe, um mein Leben zu meistern, allem voran die Stärke, mit mir selbst allein zu sein, schrieb ich mir diese Stärke auf meine Fahnen und wurde Lesley B. Strong, die Geschichtenerzählerin, die in der Stille des Alleinseins eine schier unergründliche Tiefe des Fühlens erlebt und diese über aneinander gereihte Worte mit anderen teilt. Was genau genommen dazu führt, dass ich eigentlich nie allein bin. Räumlich vielleicht, aber über meine Geschichten bin ich stets auch mit jeder Leserin und jedem Leser verbunden, weit über alle räumlichen und zeitlichen Grenzen hinweg.

Systemisch betrachtet ist niemand von uns je allein, denn wir sind alle eingebunden in etwas Größeres. Wir können unsere Körper für begrenzte Zeit an einen Ort fernab anderer begeben, doch das ändert nichts daran, dass wir über Beziehungen, Gefühle und Gemeinsamkeiten verbunden sind. Was im Außen relativ einfach zu erkennen ist, gilt es in uns als Wahrheit zu fühlen: auch im Alleinsein mit „allem eins zu sein“.

Insofern ist Einsamkeit nur die Illusion eines Geistes, der sich noch nicht selbst gefunden hat.

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WIE ICH LERNTE, HILFE ANZUNEHMEN …

Bevor ich mich diesem unglaublich wichtigen Thema widme, ein paar Sätze zur Entstehung: Ich würde ja gerne behaupten, dass meine Themenwahl durchdacht und geplant ist, doch das wäre gelogen. Im Gegensatz zur weitaus vorausschauenden Planung im Job, überlasse ich es als Autorin, Bloggerin und Lebensphilosophin dem Leben selbst, mir die Inspiration für meine Beiträge zu liefern. Manchmal sind allerdings auch unerfreuliche Ereignisse und der dazu von mir verfasste Beitrag ein Weg, meine eigene Rolle im Leben besser zu verstehen.

Aktuell geht es um das Thema Hilfe und Hilfestellung. Es gibt mehrere Menschen in meinem Leben, die eine schwierige Zeit durchleben, persönliche Krisen, gesundheitliche Probleme, manche wie aus dem Nichts auftretend, andere die sich über längere Zeit abgezeichnet haben, was sie jedoch nicht weniger herausfordernd macht. All dies mitzuerleben, quasi daneben zu stehen und nichts tun zu können, außer Hilfe anzubieten in der Hoffnung, dass sie angenommen wird, doch wenn nicht, einfach nur zum Zuschauen verdammt zu sein, ist eine der härtesten Prüfungen, die das Leben mir auferlegen kann. Deshalb schreibe ich mir hier heute einiges von der Seele.

Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche.

Ganz im Gegenteil. In meinem Verständnis ist das Annehmen von Hilfe ein Anerkennen der Tatsache, das wir alle nur Menschen sind, die irgendwann an ihre Grenzen stoßen, die nicht alles beherrschen und – zum Glück – weit weg von „perfekt“ funktionieren.

Diese Einsicht gewann ich vor gar nicht allzu langer Zeit. Davor residierte ich auch im Lager jener, die es unbedingt allein hinbekommen wollten, obwohl ich oft genug lautstark konstatierte, dass „mir alles zu viel wäre“, doch Hilfe nahm ich nicht wirklich an. Mir ging es mehr darum, Anerkennung für meinen Einsatz, meine Leistungsbereitschaft, mein Ertragen des scheinbar Unerträglichen zu bekommen. Hilfe annehmen? Mir Last abnehmen lassen? Schwach und unfähig erscheinen? Das verinnerlichte Selbstbild der Wertlosigkeit erfüllen? Nie und nimmer … so ungefähr lässt sich meine frühere Einstellung zusammenfassen.

Gleichzeitig war ich stets sehr hilfsbereit und bemüht, wenn es darum ging, anderen etwas abzunehmen. Manchmal auch ungefragt. Hilfe anbieten … das fühlte sich gut an. Es machte mich groß und stark, vermittelte mir also genau jenes Gefühl, das ich NICHT in mir trug. Selbstverständlich erlag ich dabei der mehrfachen Selbsttäuschung.

Wenn ich heute all die Facetten dieser Illusion betrachte … mich selbst klein machen, um mir etwas aufbürden zu können, das mir ein Gefühl von Größe und Stärke verleiht … dabei ignorieren, das ich längst groß und stark war, weil ich sonst nie all das hätte schaffen können, was ich geschafft habe … und all dies, um von anderen etwas zu bekommen (Anerkennung), was ich längst schon bekam, ohne es jedoch erkennen zu können, weil ich die Sprache (der Anerkennung) noch nicht zu sprechen gelernt hatte (im inneren Dialog mit mir selbst) … gruselt mir manchmal vor unserer zutiefst menschlichen Fähigkeit, unsere Hölle auf Erden selbst zu erschaffen – in unseren Köpfen und unseren Leben.

Wie lernte ich also, Hilfe anzunehmen?

Es brauchte dafür zwei Faktoren, die zeitgleich eintraten (im Juli 2020):

Einerseits zog mir das Leben sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg, warf mich mitten in der dramatischsten Veränderung meines Lebens über eine Treppe und verpasste mir einen Liegegips mitten in der Übersiedelung, die aus einer Notsituation heraus geschah und keinen Aufschob duldete. Nur ein Schritt – und plötzlich war ich auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen, konnte mich nicht einmal allein von A nach B bewegen. Ich musste in einem emotionalen Ausnahmezustand um Hilfe bieten und erwartete damals vieles, aber keinesfalls die rasche und vielfältige Unterstützung, die ich von rundum erhielt.

Andererseits landete ich in einem neuen Umfeld, in dem ich zum ersten Mal in meinem Leben so angenommen wurde, wie ich bin, ohne Vorwürfe, Ablehnung, Beschränkung oder sonstiges in der Art zu erfahren.

Es fällt wesentlich leichter, um Hilfe zu bitten und diese auch anzunehmen, wenn dies keinen „Imageverlust“ nach sich zieht, sondern man weiterhin wertgeschätzt und respektiert wird; wenn das Annehmen von Hilfe als kluge Entscheidung und nicht als Eingeständnis von Unfähigkeit verstanden wird. Und wenn die Helfenden sich nicht als „die Besseren und Stärkeren“ darstellen, sondern als Helfende auf Augenhöhe, denen bewusst ist, das sie es vielleicht sind, die morgen schon Hilfe von anderen brauchen könnten.

Unzählige Male habe ich es schon (insbesondere in meinem beruflichen Umfeld) erlebt, das Menschen zu verbergen versuchen, wenn sie nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll oder alles zu viel wird – häufig genau aus dieser Angst vor einer Gefällebildung (die es zwischen Eltern und Kindern tatsächlich gibt, aber zwischen Erwachsenen eine „ungesunde“ Verschiebung bilden) oder dem Abgleiten in ein Abhängigkeitsverhältnis. Viel zu oft musste ich auch den folgenden Zusammenbruch miterleben. Ich frage mich oft, ob es verhindert hätte werden können. Besonderes wenn es Menschen trifft, zu denen ich eine persönliche Beziehung habe. Für mich bedeutet Beziehung immer auch eine Art von Verantwortung im Sinne von „hab ein Auge auf den anderen und sag, wenn dir auffällt, dass etwas in die falsche Richtung läuft“. Daneben zu stehen und zusehen zu müssen, wie der eingeschlagene Kurs in den Crash führt, ist schrecklich für mich. Heute verstehe ich, wie schlimm es damals für mein Umfeld gewesen sein muss, mir dabei zuzusehen. Hilfe wurde mir seinerzeit vielfach angeboten, doch ich konnte sie nicht annehmen.

Hilfe anzunehmen ist ein Teil der Selbstsorge …

… für mich geworden, denn ich kann nicht alles selbst können. Ich kann vieles, aber nicht alles. Und auch nicht endlos. So, wie ich gelernt habe, Hilfe anzunehmen, habe ich auch gelernt, vor allem im Job manches zurückzuweisen, was meine Ressourcen überschreitet.

Im Juli, als ich den stürmischen Wellen des Schicksals zu versinken drohte, sagte mein Sohn zu mir: „Das schaffst du allein nicht. Bitte um Hilfe. Die Menschen sind hilfsbereiter, als du denkst. Du musst nur danach fragen.“

Er hatte Recht.

Mehr noch. Weder verlor ich an Achtung oder Respekt, noch schätze mich danach jemand als schwach oder bedürftig ein. Ganz im Gegenteil. Einige Freundschaften vertieften sich sogar, weil meine Maske fiel. Die Maske der „unerreichbaren Perfektionistin“, die alles ohne Hilfe anderer hinbekommt und die stets auch einen unangenehmen Beigeschmack vermittelte: besser zu sein. Ohne es zu wollen, wurde ich schon mal als arrogant wahrgenommen, weil ich mir nicht zugestand, Schwächen zu zeigen oder eben um Hilfe zu bitten.

Um Hilfe zu bitten macht uns menschlich, denn genau das tun Menschen, wenn sie nicht weiterwissen: Sie bitten andere um Hilfe.

Es ist durchaus ein Zeichen von Reife, die Annäherung an die eigenen Grenzen zu erkennen und daher fast schon „weise“, zeitgerecht um Hilfe zu bitten.

Oder wie es ich es gerne auch ein wenig philosophisch formuliere: „Du kannst nicht größer sein als du dir eingestehst, klein zu sein.“

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WIE ICH DEN KREISLAUF DER SELBSTVERLETZUNG DURCHBRACH …

Die Gedanken zu diesem Blog entspringen den Ereignissen der letzten beiden Wochen und einem langen nebligen November-Spaziergang.

Selbstverletzung kann auf vielfältige Weise geschehen. Allgemein bekannt sind selbst zugefügte Schnitte mit diversen Klingen, doch es ist so viel mehr. Für mich gehören jegliche Handlungen dazu, die aus enormen inneren Stress und Druck heraus entstehen, und die dazu führen, dass wir uns direkt oder indirekt körperlichen, emotionalen oder seelischen Schaden zufügen. Manchmal gehen wir dabei auch den Umweg der Einbindung anderer, indem wir Aktionen setzen, die zwangsläufig eine Reaktion nach sich ziehen, die uns wiederum Schmerz zufügt.

Die Verletzung bringt sowohl Erleichterung als auch Reue und Scham, es wieder getan zu haben. Hinter all dem verbirgt sich ein Bedürfnis nach … Ich stoppe hier bewusst den rationalen Erklärungsversuch. Warum, das erläutere ich später. Jetzt geht es mir darum, jenes innere Erleben nachvollziehbar zu machen, das mich frei werden ließ. Dazu greife ich tief in meine linguistische Trickkiste und erzähle eine Geschichte, die alles sagt, ohne etwas zu erklären:

Es war einmal ein kleines Mädchen, das sich verstoßen fühlte, allein gelassen und von anderen gemieden, unverstanden und ungeliebt. Dieses Mädchen unternahm alles nur Erdenkliche, um die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen der anderen zu erringen. Sie mühte sich so sehr ab den anderen zu gefallen, dass sie begann jene Wünsche zu unterdrücken, die nicht auf das Wohlwollen der anderen trafen. Es kam der Tag, an dem sie selbst nicht mehr wusste, was sie brauchte, um sich wohl zu fühlen, doch sie ignorierte es und arbeitete tagein tagaus daran, die ersehnte Anerkennung zu bekommen. Sie arbeitete viel und hart, unaufhörlich. Die Arbeit wurde immer mehr, mehr als sie noch schaffen konnte, doch sie machte weiter. Als sie es kaum noch ertragen konnte, erhob sich aus ihrem Schatten ein Drache, der sich schützend vor sie stellte und all das, was dem Mädchen längst zu viel war, auf seine starken Drachenschultern lud, damit sie weitermachen konnte, immer noch darauf hoffend, jenes zu finden, nachdem sich ihr Herz sehnte: Anerkennung und damit verbunden das Gefühl, geliebt zu werden.

Die Aufgaben wurden größer, ihre Anzahl wuchs. Immer mehr und mehr stürzte auf das kleine Mädchen ein, wie ein prasselnder Regen aus spitzen, harten Steinen. Unterhalb der mächtigen Flügel des Drachen fand sie Schutz, doch er litt, denn selbst die dicken Schuppen seines Panzers konnten dem, was auf die beiden einstürzte, nicht endlos standhalten. Der Drache begann zu wanken, er wand sich, spuckte Feuer und aus seiner Kehle drang ein Laut, der von unendlichem Schmerz kündete, trotzdem blieb er standhaft und nahm die Last auf sich, damit sich das kleine Mädchen weiterhin um die ersehnte Gunst der anderen bemühen konnte, noch mehr, noch schneller arbeiten, alles nur um den anderen zu gefallen.

Plötzlich ließ das kleine Mädchen all die Aufgaben, die sich eben noch in ihren Händen gehalten hatte, los. Sie ließ all das los, von dem sie hoffte, es würde ihr jenes Gefühl zurückbringen, das sie vor langer Zeit verloren hatte. Stattdessen wandte sie sich dem Drachen zu, der kaum noch zu tragen vermochte, was sie ihm aufgebürdet und er für sie übernommen hatte – aus Liebe, denn niemals würde der Drache ihr ein Leid zufügen. Sie legte ihre Arme um den schuppigen Körper, schloss ihre Augen, entfaltete ihre feurigen Schwingen und erhob sich gemeinsam mit dem Drachen aus all dem Schmerz. Sie ließ alles los, um jenen zu halten, der immer für sie da gewesen war. An diesem Tag war dem kleinen Mädchen bewusst geworden, dass das, was sie solange verzweifelt von anderen zu bekommen gesucht hatte, längst da gewesen war.

Der reale Hintergrund dieser Geschichten ist meine Form der Selbstverletzung: Überlastung bis hin zur Selbstausbeutung mit gravierenden Folgen auf körperlicher, emotionaler und seelischer Ebene um jene Droge „Anerkennung“ zu bekommen, welche das tief verwurzelte Defizit an Selbstwahrnehmung und damit verbunden an Selbstwert ausgleichen sollte.

Anders formuliert: Bis in den Ruin schuften, um Lob zu erhalten.

Der Tag, an dem ich meine Blickrichtung änderte und nicht länger rundum mich etwas zu finden suchte, das mir ein Gefühl von „ich bin liebenswert … wertvoll … erwünscht … gehöre dazu … (setze die Aufzählung beliebig fort)“ vermitteln sollte, sondern begann, in mich hinein zu blicken und mir damit selbst dieses Gefühl zu vermitteln, das war jener Tag, an dem ich den Kreislauf durchbrach. Anerkennung von anderen wurde nicht bedeutungslos für mich, aber sie war nicht länger wichtiger als alles andere – schon gar nicht wichtiger als meine Selbstsorge. Bekomme ich Anerkennung von anderen: schön. Bekomme ich sie nicht: nervt zwar, ist aber nicht zu ändern.

Ich mute meinem leistungsstarken Drachen nach wie vor einiges zu, gehe ab und an beinahe über meine (Belastungs-)Grenzen weil ich eben ein sehr leistungsorientier Mensch bin und niemand im Stich lassen will und mir meiner beruflichen Verantwortung bewusst bin, doch wie mein Spaziergang von heute mir zeigt, drehe ich um, bevor die Belastung zur Überlastung und damit zur Selbstverletzung wird. Denn ich habe – wie wir alle – vorrangig die Verantwortung mir selbst gegenüber und gut auf mich zu achten.

Zurück zu dem Bedürfnis nach … Anerkennung, Wertschätzung, Liebe. Finden wir das nicht alles in uns selbst, wenn wir gut auf uns achten? Dies ist eine rhetorische Frage 😉

An dieser Stelle wage ich eine Hypothese: Kann es sein, dass sich hinter vielen Fällen von Selbstverletzung der Wunsch nach Anerkennung, Nähe, Geborgenheit, in den Arm genommen werden, Liebe … verbirgt?

„Sieh doch, wie ich leide, nimm mir endlich etwas ab. Wieviel muss ich noch ertragen, damit ich deine Aufmerksamkeit und deine Liebe bekomme? Bin ich noch immer nicht gut genug? Was muss ich noch alles tun, um deine Liebe zu verdienen?“ Dies sind jene stummen Sätze, die ich vor Jahren dachte, aber nie aussprach, während ich am Boden lag und im seelischen Schmerz versank. Unverständlich für die Menschen rund um mich, denn sie gaben mir Liebe und Anerkennung, doch ich konnte beides nicht wahrnehmen. Ich fühlte mich unverstanden und ungeliebt, arbeitete weiter daran, ihre Wertschätzung zu bekommen, mehr und härter als zuvor … gefangen im Kreislauf.

Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich in mir die Frage: „Das ist alles völlig plausibel. Warum schaffen nicht mehr den Ausstieg aus dem Kreislauf?“

Gute Frage.

Meine Antwort darauf habe ich genau genommen bereits mit der Geschichte oberhalb gegeben. Oder besser gesagt: mit der Art und Weise, wie ich sie erzählt habe: mit jener bildhaften Sprache meines Unterbewusstseins, die auf Metaphern und Gefühle setzt anstatt auf rationale Erklärungen. Damit kann mein Verstand arbeiten, aber nicht mein verletztes inneres Kind, das vor langer Zeit jenen Drachen erschuf, der mich bis heute beschützt, in dem er scheinbar unerträgliches auf sich nimmt, damit ich weiterleben und lieben kann.

Ich denke, dass sich hinter vielen Fällen von Borderline ein verletztes inneres Kind verbirgt, das in den Arm genommen werden will, Geborgenheit und Liebe suchend. Beides können wir diesem Kind nur selbst geben, denn es lebt in einer Welt tief ins uns und damit getrennt von allen Menschen rund um uns. Deshalb ist es wichtig, dass wir lernen, mit diesem Kind zu kommunizieren und seine Bedürfnisse erfüllen.

Also, mein inneres Kind spricht nicht die kopflastige Sprache, mit der ich mich im Alltag bewege. Ganz im Gegenteil. Es spricht die Sprache des Herzens, voller Bilder und Gefühle, magischer Wesen wie Drachen und Phönix. Vielleicht bin ich damit die einzige, aber das glaube ich nicht. Betrachte ich die Rückmeldungen zu meinen Büchern und Geschichten, verstehen auch andere diese Sprache und sie bewirkt so einiges.

Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass diese Sprache auch anderen jene Botschaft vermittelt, welche sie den Kreislauf der Selbstverletzung durchbrechen lässt:

Liebe dich selbst und achte gut auf dich. Freu dich, wenn andere es auch tun, aber lass ihnen die Freiheit, sich selbst zu entscheiden, denn wichtig ist, dass du dich selbst liebst, so wie du bist … und wenn ein Drache dazugehört, dann ist das auch OK 😉

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