AUF DER FLUCHT

Unzählige Male war ich in meinem Leben bereits auf der Flucht … weil Situationen unerträglich wurden … andere mich verletzt hatten … ich mich selbst nicht mehr ausstehen konnte … viele Gründe, ein jeder überzeugend und wichtig. Doch meine Flucht brachte mich nie ans Ziel, denn …

… wir können vor allem und jedem davonlaufen, nur nicht vor uns selbst.

Wohin wir uns auch wenden, wir treffen stets auf das, was wir in uns tragen und damit auf uns selbst. Die Welt rund um uns ist ein unbestechlicher Spiegel, der uns mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks Tag für Tag vor Augen hält, was wir zu ignorieren versuchen. Das Leben wird nicht müde, uns in einer Murmeltiertag-Schleife zu parken, wenn wir uns beharrlich weigern, unsere Hausaufgaben zu machen.

Was unsere Hausaufgaben sind? In uns Aufräumen. Das Chaos in Ordnung bringen, das (zumeist) andere angerichtet haben zu einer Zeit, als wir die Welt noch mit den Augen eines Kindes betrachtet haben. Zurückzufinden zu unserem Ursprungssetting, also der Blaupause, die uns hilft, wieder jene zu werden, die wir davor waren, bevor unser Innenleben in Unordnung geriet und unser Seelenfrieden erschüttert wurde. Die Verantwortung für uns selbst zu übernehmen, aus Anklagen und Schuldzuweisungen auszusteigen, um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: gut auf uns selbst zu achten. Uns als Schöpfer unserer eigenen Wirklichkeit zu erkennen und die damit verbundenen Möglichkeit zu nutzen, um ein gelingendes Leben zu erreichen.

Hehre Worte. Ein gelingendes Leben. Dazu wurden 1001 (mindestens) Ratgeber geschrieben. Ob sie uns ans Ziel bringen oder nicht, entscheidet sich an dieser Hürde:

Wir begegnen uns stets selbst.

Diese Vorstellung kann schrecklich sein – oder beruhigend.

Man kann diese Tatsache als Fluch betrachten – oder Segen. Je nachdem.

Früher sah ich einen Fluch darin, immer und immer wieder auf die gleiche Art und Weise enttäuscht, verletzt, betrogen und ausgenutzt zu werden. Heute erkenne ich die Chance, die sich in jedem Tiefschlag des Lebens verbirgt, strebe aus freien Stücken an, daraus zu lernen – auch mit dem zutiefst eigennützigen Hintergedanken, mir damit eine Wiederholungsprüfung zu ersparen.

Es wäre so einfach …

… in der Theorie ist es das auch, aber die Praxis hält noch ein paar Herausforderungen bereit. Freiwillig lernen und sich weiterentwickeln, klingt doch gut, gäbe es da nicht das große ABER.

Abgesehen davon, dass jeder Lernprozess etwas mit dem Betreten von Neuland zu tun, also das Potenzial des Scheiterns in sich trägt, mit mehr oder weniger Anstrengungen verbunden ist und es keine Garantie auf Erfolg gibt – steht uns noch etwas im Wege:

Kaum etwas fällt schwerer loszulassen als Schmerz und Leid. Absolut irre und paradox, denn wer will schon freiwillig leiden? Dennoch – destruktives Verhalten zu beenden ist alles andere als einfach. Noch schwieriger wird es, wenn uns noch nicht mal bewusst ist, was wir da tun. Aber wie sonst lässt sich erklären, dass Menschen wider besseres Wissen ihr Verhalten nicht verändern? Ich nehme mich da nicht aus. Viele Jahre gehörte ich zu den konsequent Lernresistenten. Man könnte auch sagen: ich übte mich im Nachsitzen. Etwas nobler formuliert: ich wollte alle Eventualitäten ergründen, was es noch sein könnte. HUMOR ist eine wunderbare Eigenschaft 😊

Keine Ahnung, wie viele Stunden oder gar Tage ich in Summe damit verbracht habe zu ergründen, warum ich mich weigerte, aus der Murmeltiertag-Schleife von Schmerz und Leid auszusteigen. Einige interessante Erklärungen lieferte die Drama-Dynamik. Angst vor Veränderung erschien ebenso plausibel wie „Macht der Gewohnheit“ bzw. Trägheit. Oder dass es für Schmerz und Leid mehr Zuwendung gab als für Erfolg. Diese Liste an Gründen lässt sich mit Sicherheit noch um einige Punkte ergänzen, doch wesentlich ist vor allem der gemeinsamen Nenner:

Wir stehen uns selbst im Weg, weil wir nicht vor uns selbst davonlaufen können.

Erst wenn wir die Konflikte und Widersprüche in uns aufgelöst haben, kommen wir wirklich in den Flow des Lebens. Dann braucht es auch keine Flucht mehr. Dann kann Leben gelingen. Wären da nur nicht die Hausaufgaben, die es zuvor zu lösen gilt. Ohne Fleiß, kein Preis.

Das Leben schenkt uns nichts – und alles.

Es liegt an jedem von uns, die eigenen Hausaufgaben zu lösen. Im Nachhinein betrachtet, amüsiere ich mich über meine Murmeltiertag-Schleifen, meine beharrliche Verweigerung mancher Lernschritte und trotzig eingeschlagene Umwege, denn ich bin überzeugt, ich wüsste das, was ich bis heute erreicht habe, nicht in dem Ausmaß zu schätzen, wie ich es tue, wäre es mir einfach mal so in den Schoß gefallen. Mein Lebensglück wurde mich nicht geschenkt, ich durfte es mir erarbeiten und verdienen. Es ist wertvoll.

Ich begegne mir stets selbst.

Kein Grund zur Flucht – nur ab und an eine willkommene Anregung zum Lernen 😉

Bild: pixabay.com

SCHREIB DICH FREI

Vor einigen Tagen erschien die Jänner-Ausgabe des Magazins MEIN LEBEN LIVE, zu dem ich einen Artikel über meine persönlichen Erfahrungen in Bezug auf „Schreibtherapie“ beisteuern durfte. Ein – so hoffe ich – interessanter Beitrag für all jene, die nach Möglichkeiten und Wegen für sich Ausschau halten.

Hier der Link zum Nachlesen als Gratis-Download:

Im Magazin finden sich auf 124 Seiten vielen spannende Beiträge zu Themen, die uns alle betreffen. Wie schon der Namen verspricht, ist MEIN LEBEN LIVE ein Magazin, das von Leser*innen für Leser*innen gestaltet wird.

Einfach mal reinklicken.

Es lohnt sich 😉

Bilder: pixabay.com & http://www.mein-leben-live.de

HARDCORE PHILOSOPHY

Wieder einmal liegt eine Woche hinter mir, die sich in einer Frage darstellen lässt: „Was noch?“ Was kann noch schiefgehen? Wenn auch noch der letzte, verbleibende Silberstreif am Horizont, der mich durch die Mühsal der Tage und den Irrsinn des Unverständlichen hindurch hoffen und auf etwas Wunderbares freuen ließ, einfach so zerbröselt, zermahlen von den Urgewalten des Menschseins, von unbegründeten, ja irrationalen Ängsten, die doch so lebensecht sind – eben menschlich. Zerschmettert von Ereignissen außerhalb meiner Einflusssphären. Zunichte gemacht vom Schicksal …

Okay, ich bremse meine dramatische Ader wieder ein wenig. Ich denke, ich habe hinreichend die gefühlte Dimension der Ereignisse dargestellt. Es ließe sich auch in einem einzigen Satz formulieren, oder zwei Worten: Murphy’s Law …

“Anything that can go wrong WILL go wrong.”

„Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Außer vielleicht die Randbemerkung, dass dies DIE Gelegenheit ist für Hardcore Philosophy.

Nach dem Motto zu leben „Alles, was dir auf deinem Weg begegnet, ist für dich da, um daraus zu lernen und zu wachsen. Nimm es dankbar an!“ ist bei Schönwetter, wenn also alles bestens läuft, sehr einfach. Es drängt sich ja gerade zu auf.

Schwierig wird es bei kleineren Problemchen.

Eine Herausforderung bei größeren Problemen.

Eine echte Challange bei Desaster-Wochen. Die können schon mal zu einer lebensphilosophischen Glaubenskrise führen.

Dankbar anzunehmen, dass sich eine Katastrophe an die andere reiht in einer schier endlosen Kette, OHNE dabei in realitätsfernen Zwangsoptimismus zu verfallen, verlangt schon einiges an Pragmatismus. Ein Blick auf die Geschehnisse aus der Meta-Ebene kann dabei helfen. Dieser macht die Lernaufgaben sichtbar, und auch wenn die daraus resultierenden Erkenntnisse mitunter nicht gerade leicht verdaulich sind, stellen sie doch einen Entwicklungsschritt dar. Vielleicht löst sich dabei der eine oder andere blinde Fleck auf? Verliert eine Selbsttäuschung an Macht über uns? Erkennen wir bislang verborgene Zusammenhänge oder verdrängte innere Konflikte?

Auch wenn es ungemein verlockend ist, in theatralisch zur Schau getragenes Selbstbedauern zu verfallen, sich als Opfer widriger Umstände zu präsentieren und dem – nur allzu verständlichem – Frust Luft zu machen, das bringt nicht weiter. Es mag kurzzeitig Erleichterung bringen, aber die Lernaufgabe dahinter bleibt bestehen und wird sich bei nächster Gelegenheit prominent in den Vordergrund unserer Wahrnehmung spielen.

Man kann vor allem davonlaufen, nur nicht vor sich selbst!

Wir bekommen täglich im Außen das präsentiert, was wir in uns tragen – gelöst oder ungelöst. Das Leben ist ein gigantischer und gleichzeitig objektiver Spiegel. Es ist weder fair noch unfair. Weder gut noch böse.

Es ist, was es ist…

… oder besser: was wir daraus machen.

Es liegt an uns, die Ereignisse zu bewerten, sie als Last oder Chance zu sehen. Auch eine scheinbar endlose Kette von Katastrophen. Dazwischen auch die anderen Ereignisse noch zu sehen, die es auch gab, das Gelungene, Erfreuliche, Positive …

Das Leben ist nie nur einseitig. Alles hat immer zwei Seiten (mindestens).

Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Damit meine ich nicht den Zwangsoptimismus im Sinne von „Ich muss nur darauf vertrauen, dann wird schon wieder alles gut.“ DAS ist die bequeme, aber wenig zielführende Kurzfassung von:

„Schau genau hin, möglichst wertfrei. Erkenne, was wirkt, die Hintergründe und Zusammenhänge. Erkenne und verstehe deinen eigenen Anteil daran. Verändere diesen, auch wenn es Überwindung verlangt und anstrengend ist. Mach weiter, auch wenn du zwischendurch in alte Muster zurückfällst. Bleibt konsequent, bis du dein Ziel erreicht hast. Hab Geduld und Vertrauen in dich selbst. Sei dir bewusst, dass die Zeit, die es braucht, auch davon abhängt, wie freiwillig du diesem Prozess zustimmst und wie (selbst)liebevoll du ihn umsetzt. Sei dankbar, dass du diese Chance erhältst. Sei dir bewusst, dass die Veränderung in dem Moment geschieht, indem du dich dazu entschließt, das Überholte loszulassen und auf das Neue zuzugehen. Sei dir bewusst, das nur dann etwas geschehen wird, wenn du es tust. Und sei dir bewusst, es ist genauso, wie es sein soll – und das ist gut. Vielleicht ein wenig anstrengend, aber dennoch gut.“

Diese Gedanken angesichts einer echt besch*** Woche denken und ihre Botschaft fühlen zu können, das nenne ich Hardcore Philosophy oder Lebensphilosophie für Fortgeschrittene, die auch bei Schlechtwetter den Kurs zu halten vermögen … denn genau darauf kommt es an im Leben: Durch die Stürme hindurch manövrieren zu können in dem Wissen, das sie auch wieder vorüber gehen und die Sonne wieder scheinen wird.

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AUF DEN PUNKT GEBRACHT

An sich nichts neues, doch in den letzten Tag fiel es mir wieder verstärkt auf: Die Vielfalt an Themen und Ausprägungen von Symptomen, die Borderliner tagein tagaus beschäftigen – und die sich wiederholen. Manchmal mit kleinen Abweichungen, ein anderes Mal unverhohlen als das, was es bereits war. Ich erspare mir hier eine Aufzählung der Symptome, denn diese Liste ist lang – sehr lang. Angesichts dieser Vielzahl ist es absolut verständlich, wenn man jede Hoffnung verliert, jemals mit der Aufarbeitung fertig zu werden. Oder einfach irgendwo beginnt.

Mir erging es nicht anders. Jahrelang arbeitete ich mich von einem „Nebenschauplatz“ zum anderen vor. Stets in der Hoffnung, endlich am Ziel angekommen zu sein, wenn dies oder das gelöst wäre. Doch dem war nicht so. Ganz im Gegenteil. Mitunter verbarg sich hinter einer gelösten Hürde eine weitaus höhere. Viel Zeit und Energie investiert – und (scheinbar) doch nicht weitergekommen. Mehr als einmal war ich kurz davor, zu resignieren. Aufzugeben. Ähnliches beobachte ich bei vielen Betroffenen in den Selbsthilfegruppen.

Wie etwas lösen, das scheinbar keinen Anfang und kein Ende hat? Das derart komplex verstrickt ist – wie ein verfilzter gordischer Knoten – das die Zusammenhänge nicht mehr erkannt werden können. Das vielleicht niemals gelöst werden will?

Nun, meine Lösung geschah, als ich es genau genommen nicht erwartet oder angestrebt hatte. Es passierte eher zufällig, als ich begann das zu tun, was ich tun wollte, solange ich mich zurück erinnern kann, aber es nicht gewagt habe: ich fing an, all die Geschichten, die mir Tag für Tag und Nacht für Nacht durch den Kopf geisterten, aufzuschreiben. Ich fing an, ich zu sein. Mit mir selbst in Interaktion zu treten.

Auf den Punkt gebracht: Ich fing an, in mich hineinzuhören.

Allmählich veränderte sich mein Bild von mir selbst, begann ich zu verstehen, wie alles zusammenhing. Der gordische Knoten begann sich zu lösen. All die Probleme im Außen, die Symptome, die mich über Jahre wie ferngesteuert durch mein unverständliches und phasenweise nicht gefühltes Leben wanken ließen … all das offenbarte, wonach ich tief in meinem Innersten sehnte: meine grundlegenden menschlichen Bedürfnisse, die erfüllt sein wollten, damit es mir gut geht.

Auf den Punkt gebracht: Ich lernte, meine eigenen Bedürfnisse zu verstehen …

… und es waren ganz andere, als mein Verstand mir jahrelang erzählt hatte. Und vor allem lernte, ich meine Bedürfnisse auch selbst zu erfüllen. Keine Abhängigkeiten mehr von anderen oder äußeren Bedingungen! Autark im Fühlen. Nichts und niemand bestimmt, wie ich mich fühle! Naja, zugegeben, hin und wieder ärgere ich mich über so manches, was andere tun, doch mir ist bewusst, dass es meine eigene Entscheidung ist, mich zu ärgern. Ich könnte auch darüber lachen. Oder es ignorieren. Manchmal verletzt mich auch jemand. Doch auch dabei ist mir bewusst, dass ich diesem Gefühl zustimme, weil es wichtig ist, die eigene Verletzlichkeit zu akzeptieren. Wunden heilen. Es wäre eine naive Illusion zu glauben, niemals verletzt zu werden.

Die menschliche Gefühlswelt ist vielfältig. Jedes unserer Gefühle hat seine Berechtigung. Indem wir einzelne davon negieren, treiben wir einen Keil durch uns selbst. Als kleines Kind erlebte ich schier überwältigenden Schmerz. Dafür wollte ich mich schützen, versuchte Schmerz zu vermeiden indem ich mein Fühlen drosselte – und erlebte regelmäßig, von all dem Unterdrückten aus der Bahn geworfen zu werden. Die emotionale Achterbahnfahrt einer Borderlinerin.

Der Ausstieg begann, als ich aufhörte, auf die Schienen zu starren, und stattdessen entdeckte, woher der Motor seine Energie bezog.

Auf den Punkt gebracht: Die Auflösung begann mit der Annahme von mir selbst.

Wie gerne würde ich anderen Betroffenen jahrelange Umwege ersparen. All die Energie, die sie dafür investieren, an jenen oberflächlichen Symptomen und Problemen zu arbeiten, die links und rechts der Schienen nach Aufmerksamkeit gieren.

Wie gerne würde ich einfach sagen:

Stopp! Schieb all das Beiseite, von dem du glaubst, dass es wichtig ist und schau auf das, was dahinter liegt, auf den Kern der Sache. Auf das, was du (dein inneres Kind und welche Anteile sonst noch beteiligt sind) brauchst, um in deine Kraft zu kommen und stabil auf beiden Beinen im Leben zu stehen. Was auch immer in deinem Leben geschehen ist und wie schrecklich es auch gewesen sein mag, es ist vorbei! Im Hier und Jetzt liegt es allein an dir, wie du diesen Augenblick erlebst.

Es liegt an dir, dein Bedürfnis nach Liebe, Geborgenheit und Anerkennung zu erfüllen.

Es liegt an dir, all das loszulassen, was dich belastet.

Es liegt an dir, dich selbst so zu lieben, wie du bist – und andere damit einzuladen, es dir gleichzutun.

Es liegt an dir, den anderen mit Offenheit und Toleranz zu begegnen – und ihnen zu zeigen, wer du bist, damit sie dich auch verstehen können.

Es liegt an dir, jeden neuen Tag mit einem Lächeln zu beginnen und einem „Danke“ zu beenden.

Es liegt an dir, mit der Veränderung (und deiner Selbstheilung) zu beginnen.

Es liegt an dir, darauf zu vertrauen, dass du es kannst und in dir bereits alles vorhanden ist, was du dafür brauchst – vielleicht mit ein wenig Anleitung, doch deinen eigenen Weg der Auflösung kannst du nur selbst gehen.

Es liegt an dir … auf den Punkt gebracht.

Die beste Nachricht aller Zeiten – so empfinde ich es mittlerweile.

Wie gerne würde ich anderen Betroffenen all das sagen, doch wer würde mir glauben? Vor ein paar Jahren hätte ich mir selbst nicht geglaubt, ebenso wenig wie ich jenen glaubte, die mir ähnliche Worte immer und immer wieder vor die Nase hielten.

Ich wollte nicht glauben.

Ich wollte Recht behalten. Mir war Unrecht geschehen und ich hatte ein Recht darauf, darunter zu leiden.

Ich wollte leiden.

Auf den Punkt gebracht: Ich stand mir selbst im Weg, …

… bis ich mir die Frage stellte: Lieben oder Leiden?

Auf den Punkt gebracht: Ich entschied mich zu lieben!

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ZUR RICHTIGEN ZEIT AM RICHTIGEN ORT?

In den vergangenen beiden Wochen habe ich mir eine Mini-Auszeit gegönnt. Kein Job. Einfach nur im eigenen Takt leben, nachdenken und hineinspüren. Soziale Kontakte auf ein Minimum zu beschränken fällt in Lockdown-Zeiten wahrlich einfach. Gegen Ende dieser Auszeit wurde ich wieder etwas aktiver in Selbsthilfegruppen. Ein Chat brachte folgende Gedanken ins Rollen. Ich schrieb sinngemäß folgendes:

„Mein großes Glück war es, zur richtigen Zeit die richtigen Menschen zu treffen, die mir einen Tritt in meinen A**** verpassten und mir klarmachten, dass meine Probleme (insbesondere meine Borderline-Herausforderung) in mir waren, ich sie selbst in mir lösen konnte und alles, was ich dafür brauchte, bereits in mir vorhanden war. Es bedurfte nur noch der Anleitung, wie ich es tun konnte.“

100% Ausstieg aus dem Drama bzw. der Opferrolle – so könnte man es auch nennen. Oder den Beginn meiner Heilung durch eine glückliche Fügung.

ABER … war es wirklich Glück? Gibt es so etwas wie den richtigen Zeitpunkt und die richtigen Menschen? Genaugenommen waren es meistens keine neuen Menschen, sondern jene, die ich schon länger kannte. Manchmal jahrelang. Sie erzählten auch nichts Neues. Dennoch – plötzlich fiel ihre Botschaft auf fruchtbaren Boden. Lag es also an meiner Bereitschaft, diese anzunehmen?

Wenn dem so ist, drängt sich eine provokative Frage auf: „Wie viel leichter und kürzer könnten wir unsere individuellen Lern- und Entwicklungswege machen, indem wir uns dem Prozess bereitwillig öffnen?

Oder anders gefragt: Was hält uns davon ab?

Auf diese Frage könnte ich unzählige mögliche Antworten hier auflisten, doch ich unterlasse es bewusst, um dir den Raum zu lassen, deine eigenen zu finden.

Ich halte nicht viel von Generalisierungen, aber eine trifft 100%ig zu:

Wenn uns wer auf unserer Reise zu uns selbst, zurück zu Selbstliebe und Lebensfreude im Weg steht, dann wir selbst.  

Was hält dich davon ab, jeden Moment deines Lebens dankbar anzunehmen und daraus zu lernen?

Wo stehst du dir selbst im Weg?

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein ist – aus meiner Sicht – eine Konsequenz der Entscheidung, sich dem Potenzial des Augenblicks zu öffnen. Die Antworten auf all die ungelösten Fragen und Probleme, die uns beschäftigen, sind immanent rund um uns vorhanden. Es genügt, die Augen zu öffnen und zu erkennen. Doch dafür ist es erforderlich, den Fokus vom Problem weg und hin auf Lösungen zu lenken.

Allzu häufig geschieht diese jedoch erst, wenn der Leidensdruck derart angewachsen ist, das es schlichtweg nicht mehr anders geht – was sehr schade ist, denn damit verbauen wir uns die Möglichkeit der freudvollen Entwicklung zulasten des Lernens unter Druck.

Vor wenigen Tagen wachte ich kurz nach Mitternacht mit diesem Gedanken auf:

Viel wichtiger als die Frage, wann die Menschheit damit anfing, das Leben unnötig kompliziert zu machen, ist jene: Wann hören wir damit auf?

Der richtige Zeitpunkt und richtige Ort für eine Revolution im Denken?

2020 hat mein Leben viel einfacher gemacht und gleichzeitig enorm bereichert. Ich gab vieles auf, vor allem Belastungen und Sorgen. Auch Materielles, das immer eine Last darstellt. Mit leichtem Gepäck durchs Leben zu reisen und dennoch mehr als genug zu haben, aus der Fülle des Seins heraus zu leben und jeden Tag zu genießen, sich angenommen, angekommen und zu Hause zu fühlen – was mehr an „Echtem“ kann einem das Leben schenken?

Das Essentielle im Leben (Liebe, Freundschaft, Gesundheit, Dankbarkeit, Zufriedenheit, Seelenfrieden, Gelassenheit, Ausgeglichenheit …) ist nicht käuflich. All dies bekommen wir quasi gratis, sobald wir unsere Türen dafür öffnen, aber spätestens zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort … wenn wir dafür bereit sind.

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Guten Morgen 2021

Guten Morgen am ersten Tag des Neuen Jahres

Öffne Dein Herz und begrüße 2021 mit einem Lächeln.

Umarme, was auch immer vor Dir liegt und sei Dir gewiss, das Leben wird diese Umarmung erwidern.

Entdecke das Wunderbare, das Dich jeden Tag umgibt, das Besondere im Alltäglichen, das Einzigartige in der Vielfalt.

Sei Dir bewusst, Teil eines großen Ganzen zu sein, das ohne Dich nicht das wäre, was es mit Dir ist.

Sei Dir bewusst, einzigartig zu sein, und gleichzeitig mit allem verbunden, geborgen in dem großen Ganzen, das uns umgibt.

Du bist wichtig! Für die Menschen, die Dich lieben. Für das Leben, das Dich an den Platz gestellt hat, an dem Du gerade bist.

Ich verrate Dir jetzt ein Geheimnis: Das Leben kann Dich nur umarmen, wenn du es auch umarmst. Eine Umarmung ist immer eine Zustimmung. Lehnst Du etwas im Leben ab, gibt es keine Umarmung

Was auch immer 2021 für Dich bereithält – umarme es in Dankbarkeit, und es wird Dein Leben bereichern … an Erfahrung, Wissen, Weisheit, Gelassenheit, Seelenfrieden, ja sogar an Liebe.

Möge 2021 Dir viele Umarmungen schenken.

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Am Anfang war die Frage

Rechtzeitig zum Start in dieses neue Jahr voller Möglichkeiten erfülle ich mir einen Traum, der seit mehr als 10 Jahren in mir reift:

Meinen persönlichen philosophischen Blog PHILOSOFREE

Hier teile ich meine Gedanken zum Leben, gewachsenen aus dem, was weise Menschen mich lehrten, genährt durch die Lektüre ungezählter Bücher, geformt durch das, was ich im täglichen Leben beobachte.

Manche dieser Gedanken tragen in sich das Potenzial, ein Leben zu verändern, wenn sie zur richtigen Zeit auf den richtigen Menschen treffen. Alle diese Gedanken haben mein Leben verändert.

Alltagstaugliche Lebensphilosophie war die Basis, aus der entstand, was und wer ich heute bin.

Philosophie lehrte mich, Fragen zu stellen, die mein festgefahrenes Weltbild aufbrachen – und eröffnete mir den Weg, mich selbst zu finden.

Philosophie führte mich aus Dunkelheit, Schmerz und Leid zurück ins Licht, Liebe und Lebensfreude.

Meine Philosophie entstammt nur selten verstaubten Büchern. Sie entsteht in dem Augenblick, in dem ich die Welt rund um mich wahrnehme, mit allen Sinnen fühlend begreife.

Ich lade Dich ein: Folge meinen Gedanken und entdecke diese Welt, wie Du sie vielleicht noch nie gesehen hast.

Mein Neujahrsvorsatz: Leben nach 7L

In den letzten Tagen des vergangenen Jahres etablierte sich eine Strategie in meinem Kopf. Die Idee dazu entsprang einigen Chats, Gesprächen, Situationen des Alltags … wie üblich also praxisnah und empirisch.

Diese Strategie im täglichen Leben praktiziert, stellt für mich die Basis für die bewusste Wahrnehmung der Umarmung des Lebens dar.

Vereinfacht gesagt: mein persönlicher Weg für ein glückliches Leben (mit oder ohne Borderline – diese Strategie eignet sich für alle Menschen).

Und es ist wirklich ganz einfach:

  1. Liebe … ist etwas Wunderbares. Ich mache mir jeden Morgen bewusst, wie viel Liebe in mir ist, für andere und mich selbst, für dieses Leben und alles, was es mir täglich gibt – und wie viele Liebe ich von anderen erhalte. Diese Bewusstmachung lässt mich auch tiefe Dankbarkeit empfinden, was wiederum die Basis dafür ist, glücklich und zufrieden zu sein.
  1. Lachen … heilt. Normalerweise bin ich mit Aussagen zum Thema Heilung zurückhaltend, doch Lachen heilt die Seele. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Wer über sich selbst, über das Leben und die Verrücktheiten der Menschen herzhaft lachen kann, ist auf dem besten Weg, seelischen Schmerz und Leid hinter sich zu lassen.
    Mittlerweile gibt es auch interessante Forschungen dazu, wie intensiv Menschen Schmerzen empfinden und das dieses durch positive Gedanken oder auch Humor gemildert werden können. Wer lachen kann, nimmt vieles leichter. Nur mal so nebenbei erwähnt.
  1. Leichtigkeit … ist das, was sich durch Liebe und Lachen bei mir einstellt. Die Welt ist, wie sie ist. Alltägliche Probleme sind da, aber die verschwinden nicht, wenn ich mies drauf bin. Ganz im Gegenteil. Der Spruch „Take it easy, you will live longer“ kommt nicht von ungefähr. Mit Leichtigkeit meine ich nicht Leichtsinn oder Unterschätzung der Herausforderungen, sondern die innere Einstellung, das das Leben in Ordnung ist, so wie es ist. Es gibt Sonnentage und Regentage. Beides währt nur eine Zeit lang und geht auch wieder vorüber.
  1. Lebendigkeit… folgt auf dem Fuß. Wer im Augenblick liebt und lacht, das Leben mit einer gewissen Leichtigkeit nimmt, kann nicht gleichzeitig über die Vergangenheit klagen oder sich vor der Zukunft fürchten. Das Verweilen im Hier und Jetzt lässt uns lebendig sein. Lebendigkeit vollzieht sich ausschließlich in der Gegenwart – und genau dort sollte sich unsere Kraft fokussieren: auf das Leben im Hier und Jetzt.
    Aus der Vergangenheit in Dankbarkeit lernen, ein wenig planend und neugierig in die Zukunft blinzeln (in dem Bewusstsein, das Pläne niemals in Stein gemeißelt sind … wie ein Virus uns 2020 lehrte), aber gelebt wird im Augenblick, in dem einen Atemzug, dem einen Herzschlag, den ich bewusst erfassen kann.
  1. Lernen… absolut alles, was in meinem Leben geschieht, trägt eine Botschaft in sich. Diese hin und wieder ernst zu nehmen und daraus zu lernen, erspart so einige unerwünschte Wiederholungen auf dem Lebensweg. Mindestens einmal pro Tag stelle ich mir deshalb auf liebevolle Weise und zumeist auch lächelnd die Fragen: „Was soll mir das Ganze sagen? Was kann ich daraus lernen? Was kann ich künftig anders machen?“ … und die Antworten enthalten das, was ICH tun kann, nicht was jemand anders tun sollte 😉
  1. Lebenslust… ein magisches Wort für mich. Am einfachsten lässt es sich mit einem Bild beschreiben: Lebenslust ist es, die mich an einem eisigen 2. Jänner die Laufschuhe anziehen und einen Berg hochlaufen lässt, teilweise über vereiste Pfützen und später im Tal über schlammige Wege. Die Lust, das Leben zu spüren, das durch meinen Körper pulsiert, wenn die Steigung meine aktuelle Kondition austestet, wenn die klare Winterluft mich jene Natur spüren lässt, die uns alle hervorgebracht hat. Lebenslust ist für mich das Verlangen, sich selbst spüren zu wollen, auf all die vielfältigen Weisen, die dies ermöglichen.
  1. Lebensfreude … ist für mich eine Schwester von Lebenslust. Weniger feurig-sinnlich-leidenschaftlich, dafür mehr wie die warme Wand eines Kachelofens, an die man sich stundenlang anlehnen kann und in ein Wohlgefühl eingehüllt wird. Lebensfreude wurde für mich zur bestimmenden Grundhaltung. Sie ist einfach da, auch an bewölkten Tagen, wenn ich die Sonne zwar nicht erblicken kann, aber dennoch weiß, dass sie da draußen ist und auf diese Welt scheint. Ähnlich verhält es sich für mich mit Lebensfreude. Ab und an gerät sie hinter den stürmischen Wolken des Alltags aus meinem Sichtfeld, doch wenn ich kurz innehalte, spüre ich sie jenseits der Wolken – tief in mir.

Leben nach 7L … eigentlich ganz einfach, oder? 😉

Passend zu den Neujahrsvorsätzen ein Blick auf „den Baum meines neuen Lebens“, der auf meiner Fensterbank prächtig gedeiht und drei neue Triebspitzen für Blätter angesetzt hat. Faszinierend zu beobachten, wie dieses zarte Pflänzchen sich entwickelt – analog zu meinem neuen Leben.

Ich mag eine unheilbare Romantikerin sein und mein Weltbild optimistisch gefärbt, aber hinter „glücklichen Zufällen“ eine Art von „universellen Zusammenhängen“ zu sehen, damit bin ich nicht allein. Ob es so ist, oder ganz anders, spielt genau genommen keine Rolle. Viel wichtiger ist es, sich dadurch vom Leben umarmt zu fühlen 😊

APROPOS … RADIKALE AKZEPTANZ

Dieser Begriff begegnete mir in den letzten Monaten einige Male. Neugierig wie ich nun einmal bin, habe ich selbstverständlich dazu recherchiert. Die Kurzfassung: Neuer Name für etwas, das bereits in den alten Weisheitslehren zu finden ist, aber …

… ein neuer Name macht daraus keine Innovation. In diesem Falle finde es den Namen sogar ausgesprochen unglücklich gewählt. Warum?

Von vorne. Grundsätzlich halte ich das unter dem Begriff „Radikale Akzeptanz“ zusammengefasste Gedankengut für sehr wertvoll und wichtig. Allerdings ist der Begriff selbst kontraproduktiv, weil bei den meisten von uns im Unterbewusstsein das Wort „radikal“ alles andere als positiv belegt ist. Es wird mit Gewalt, Kampf, Druck usw. assoziiert. Akzeptanz wiederum bedeuten, zu etwas Ja zu sagen, es anzunehmen und ihm zuzustimmen.

Der Begriff „Radikale Akzeptanz“ verbindet also die Gewalt mit Zustimmung. Nicht auf der reflektierenden Verstandesebene, aber in der subtilen Welt unseres Unterbewusstseins, in dem Worte mit den dahinterliegenden Gefühlen und Bildern verarbeitet werden. Das will mir als eine in die Techniken des Mentaltrainings und der Autosuggestion Eingeweihten gar nicht gefallen.  Für mich klingt es nach einem Kampfauftrag, endlich anzunehmen, was da ist. Widerstand ist vorprogrammiert. Widerstand, durch den man sich dann hindurch kämpfen darf.

Auch das Wort „Akzeptanz“ bedeutet eher, dass es einem zwar nicht unbedingt gefällt, man es aber trotzdem annimmt. Auch so eine halbe Sache.

Die bereits vor Jahrtausenden entwickelte Grundidee des Annehmens, was ist, lautet ganz einfach: annehmen, was ist. Nicht mehr und nicht weniger. Je nach spiritueller oder religiöser Strömung wurden später Adjektive hinzugefügt, um es moderner erscheinen zu lassen:

Liebevolles Annehmen

Wertschätzendes Annehmen

Bedingungsloses Annehmen

Konsequentes Annehmen

Allumfassendes Annehmen

Kein einziges davon ändert die Kernbotschaft. Ich persönliche vermeide die Adjektive, da jedes von ihnen eine Wertung bringt, wo es keine braucht. Die von mir verwendete Formel lautet daher:

Es ist, was es ist … und ich stimme dem zu. Punkt.

Um diese Haltung einnehmen und leben zu können, hat es einige Zeit (bzw. Jahrzehnte) gedauert. Das gebe ich offen zu. Daher hier auch ein paar Tipps für hilfreiche Lektüre, um eventuell die Hürde schneller und leichter zu nehmen:

„Anerkennen, was ist“ von Bert Hellinger

„Trotzdem JA zum Leben sagen“ von Viktor Frankl

„Drehbuch für Meisterschaft im Leben“ von Ron Smothermon M.D. … dieses Buch hat mich besonders gefordert, weil es mir wie kein anderes meinen trägen, Ego lastigen und rechthaberischen Intellekt vor Augen führte, und damit verbunden, wie sehr ich mir selbst im Weg stand.

Annehmen, was ist … ist die Voraussetzung, um aus dem inneren und äußeren Kampf gegen das, was ist (das Leben!) in eine Haltung der Kooperation und Kommunikation zu kommen, mit sich selbst und anderen.

Aus meiner eigenen Erfahrung: Die Voraussetzung, um aus der Borderline-Dynamik aussteigen zu können.

Die Geschichte der Menschheit zeigt über Jahrtausende hinweg, dass der Konflikt erst endet, wenn alle Beteiligten aufhören zu kämpfen. Erst dann gibt es Gewinner auf allen Seiten. Solange gekämpft wird, verlieren alle.

Was entsteht aus radikaler Akzeptanz? Radikale Liebe?

Man möge mir Spitzfindigkeit und Wortklauberei vorwerfen, doch Worte sind so mächtig. Mächtiger als den meisten bewusst ist. Sie verändern, was in uns ist und aus dem wiederum alles entsteht, was wir nach außen tragen.

Es ist so leicht, verzweifelte Menschen, die nach Lösungen suchen, mit schlagkräftigen Worten auf einen Kurs zu schicken, doch wohin führt dieser Kurs? Je länger ich auf diesem Planeten wandle, desto mehr erlebe ich eine virale Kurzsichtigkeit der Menschen, eine Ausrichtung auf kurzzeitige Effekte und Erfolge, ein Ignorieren langfristiger Auswirkungen. Oberflächliche Symptomkosmetik anstelle von Ursachenbereinigung.

Gewalt zeugt Gewalt.

Liebe zeugt Liebe.

Jeder von uns ist frei, sich seine eigene Meinung zu bilden und eigene Entscheidungen zu treffen. Ich erinnere heute nur daran, das Liebe keine Radikalität braucht, um ans Ziel zu führen.

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WIE ICH LERNTE ALLEIN ZU SEIN, OHNE MICH EINSAM ZU FÜHLEN …

… das sind nämlich zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe: Allein oder einsam. Letzteres strebt wohl kaum jemand an. Gleichzeitig ist Ersteres eine wichtige Voraussetzung für vieles andere. Aber der Reihe nach …

Früher – und das ist noch nicht so lang her, wie es jetzt vielleicht klingen mag – gehörte ich zu den Menschen, die nicht gerne allein mit sich selbst Zeit verbringen. Obwohl es oft genug vorkam, dass mir Menschen einfach nur noch den Nerv zogen und ich mich am liebsten weit weg von allen in einer Hütte im Nirgendwo verkrochen hätte, wollte ich das nie ganz allein tun. Jemand sollte schon noch da sein, weil so ganz allein wollte ich dann doch nicht sein. Rückblickend und nüchtern betrachtet, wich ich damit sehr lange einem entscheidenden Punkt aus, nämlich mich mit mir selbst zu befassen.

So ganz alleine im Nirgendwo – das konfrontiert einem schon mit sich selbst auf die ganz harte Tour. Wem hätte ich die Schuld dafür umhängen können, mies gelaunt zu sein? Nur mir selbst. Außerdem machte es mir schmerzlich bewusst, wie leer und hohl ich mich fühlte, wie wenig ich mich selbst wahrnehmen konnte, wie anders ich war und bin. Anders bedeutete nicht dazugehörend. Einsam unter vielen. Wer will das schon sein? Wer kann sich das eingestehen, ohne daran zu zerbrechen? Dem wich ich lange konsequent aus. Andere Menschen rundum bedeuten immer auch Ablenkung, bieten reichlich Gelegenheit, sich mit deren Problemen zu befassen, anstatt auf die eigenen zu blicken. Es gab viele Gründe für mich, das Alleinsein zu meiden.

Darunter auch meine Aversion gegen Stille. Ruhe rundum machte den Lärm (Tinnitus) in mir erst so richtig hörbar und störend, weshalb ich stets auf eine gewisse Geräuschkulisse in meinem Umfeld achtete – nur um nicht den Lärm in mir zu hören. Oder meine eigene Stimme, meinen Dämon (à Begriffsklärung: „Dämon“ in der antiken Bedeutung = hilfreiches Geistwesen). Wie ich nämlich im Laufe der Zeit feststellen durfte, hängt mein Tinnitus unmittelbar vom Stresspegel in mir ab. Sinkt dieser, wird es auch leiser. Aber um das erst einmal zu bemerken, musste ich ruhig werden. Und dazu wiederum musste ich allein sein, denn solange Menschen rundum mich sind, nehme ich diese auch auf eine Weise wahr, die schwer zu erklären ist. Ich versuche es hier mit einem Bild:

Stell dir ein Glas Wasser vor, das auf einem Tisch steht. Stößt jemand gegen den Tisch, beginnt sich das Wasser zu kräuseln. Je heftiger der Stoß, desto heftiger die Schwingungen des Wassers. Ähnlich dem Wasser in dem Glas versetzt mich die Emotionalität (gelebt oder unterdrückt) anderer Menschen in Schwingung. Solange es „Good Vibrations“ sind, habe ich dagegen auch keinerlei Einwände, aber es gibt nicht nur „Good Vibrations“ da draußen, weshalb das Wasser (oder ich) nie völlig ruhig werden kann in der Umgebung von Menschen. Wobei – Ausnahmen bestätigen die Regel: es gibt ganz wenige Menschen, da gelingt es trotzdem. Vielleicht weil wir auf einer Wellenlänge schwingen. Das werde ich künftig noch ergründen.

Jedenfalls führt der Weg in die Ruhe und Entspannung für mich durch das Alleinsein. Also durch etwas, was ich früher nicht ausgehalten habe. Ich sehnte mich nach Ruhe, nach Geborgenheit, wollte den ganzen Lärm und Stress rundum hinter mir lassen, und gleichzeitig entstand genau durch diese Ruhe eine andere Form von Lärm und Stress in mir. Tricky, nicht wahr?

Aus diesem fiesen Kreislauf fand ich – mehr oder weniger – nur durch Zufall (oder Schicksal? Bestimmung?) heraus. Als ich meine inneren Konflikte beendete und begann, mich so anzunehmen, wie ich bin (inklusive meines mittlerweile geliebten Dämons – ohne ihn könnte ich vermutlich niemals solche Geschichten schreiben, wie ich es heute tue), wurde es ruhig in mir. Eine kraftvolle Stille, in die ich mich gerne fallen lasse und es genieße, allein zu sein, mit mir selbst, nur meine eigene Schwingung zu fühlen, meine eigene Melodie in mir zu hören, einfach nur ich zu sein.

Ich mag Menschen nach wie vor und verbringe auch gerne Zeit mit und unter Menschen, ebenso wie ich gerne Zeit mit mir selbst verbringe.

So wie ich das sehe, ist die Fähigkeit, mit sich selbst allein sein zu können, die Basis, um mit anderen Menschen zusammen sein zu können, ohne diese mit Erwartungshaltungen einzudecken – sowie Vorwürfen, Anklagen und Schuldzuweisungen, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.

Erwartungshaltungen können echte Beziehungskiller sein.

Ich bin eine Vollblut-Romantikerin mit einem Faible für ein romantisches Happy End zu zweit vor einem flammenden Sonnenuntergang, ABER ich erwarte nicht (mehr), dass ein einzelner Mensch alle meine Defizite und unbearbeiteten Themen ausgleicht, mir damit quasi meine Lebensaufgabe abnimmt (… denn damit würde ich „mein eigenes Leben aufgeben“ … man beachte die Mehrdeutigkeit!) und die Verantwortung für mein Wohlbefinden und Glück übernimmt.

Wenn ich etwas in den letzten Jahren gelernt habe, dann das:

Ich lehne mich gerne mal an den Menschen an meiner Seite an, und frage auch ab und an nach Hilfe, aber für meine Herausforderungen (oder umgangssprachlich: Probleme) übernehme ich die volle Verantwortung und kümmere mich selbst darum, weil nur ich ALLEIN in mir etwas verändern kann. Und alle unsere Probleme beginnen in uns mit der Entscheidung, ob wir etwas als Problem betrachten … aber das ist eine andere Geschichte, die ich demnächst wieder einmal in ihrer Vielfalt beleuchten werde 😉

Im Gegensatz zur Einsamkeit, kann Alleinsein eine Quelle der Kraft und Inspiration sein.

Als mir bewusst wurde, das ich in mir bereits alles habe, um mein Leben zu meistern, allem voran die Stärke, mit mir selbst allein zu sein, schrieb ich mir diese Stärke auf meine Fahnen und wurde Lesley B. Strong, die Geschichtenerzählerin, die in der Stille des Alleinseins eine schier unergründliche Tiefe des Fühlens erlebt und diese über aneinander gereihte Worte mit anderen teilt. Was genau genommen dazu führt, dass ich eigentlich nie allein bin. Räumlich vielleicht, aber über meine Geschichten bin ich stets auch mit jeder Leserin und jedem Leser verbunden, weit über alle räumlichen und zeitlichen Grenzen hinweg.

Systemisch betrachtet ist niemand von uns je allein, denn wir sind alle eingebunden in etwas Größeres. Wir können unsere Körper für begrenzte Zeit an einen Ort fernab anderer begeben, doch das ändert nichts daran, dass wir über Beziehungen, Gefühle und Gemeinsamkeiten verbunden sind. Was im Außen relativ einfach zu erkennen ist, gilt es in uns als Wahrheit zu fühlen: auch im Alleinsein mit „allem eins zu sein“.

Insofern ist Einsamkeit nur die Illusion eines Geistes, der sich noch nicht selbst gefunden hat.

Bild: pixabay.com

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